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Druckerei weiterführen lassen und bittet d:e Universität, „rhn bei den alten bisherigen gnädigst erteilten Privilegien und Freiheiten zu belassen". Thomae scheint die Druckerei seines Schwiegervaters sampel gar nicht übernommen zu haben; denn, die Hampel'sche Druckern wird von dem „praeceptore Classico , M. Faber zu Frankfurt erworben. Um 1660 bewirbt sich bei dem Landesfürsten der Bürger und Drucker Wüst aus Frankfurt a M. um ein Privileg, „in der Stand und Vestung Gießen bey der Universität eine Druckerei zu errichten." Es wird ihm gestattet, eine „mit allerhandt guten Schriften versehene truckerey Anzurichten . . . Wormitt Er denen beyden vor Ihme all- dorgewcsenen und noch anwesenden Buchtruckern Hampelio und Vulpio gleichwol keinen ein griff zu thun, viel weniger die Disputationes, carmina, leichtpredigten, geringe Schulbücher vnd dergleichen an sich zu ziehen trachten soll . . ." „Er darf disputationes als auch Exercitationes aecademicas nicht eher annehmen, es möchten denn die Requirenten beh Hampelio oder Kulpio nicht können befördert tverden." Wüst scheuet auf das Gießener Privileg verzichtet zu haben; denn er wird später nicht mehr in den Akten erwähnt. — Friedrich Karger aus Breslau, 1658—1687. Er errichtet neben den Universitätsbuchdruckern Hampel und Bulpius mit seinem Schwager An ton Utz aus Frankfurt eine kleine Druckerei. Karger erwirbt von Faber in Frankfurt die ehemalige Hampelsche Druckerei und 1670 auch noch die Druckerei der Chemliu'scheu Erben, so daß er nun der einzige Drucker in Gießen war. 1672 erhielt er aber erst das Privileg als Universitätsbuchdrucker. Gleichzeitig mit Karger hat sich um das Universitätsprivileg beworben der Buchdrucker ChristoPh Übel aus Worms, dem kein günstiges Zeugnis ausgestellt wird, „dahero ihn die Universität pro ordinario nicht annehmen könnte". 1674 bewerben sich beim Landcsfürsten um ein Privileg, in Gießen eine Druckerei zu errichten, die Druckergefelleu Ludwig Vietor und C h r i - stian Müller. Ludwig Vietor war in Gießen geboren, hatte die Druckerkunst in Marburg bei Chcmlin erlernt und war später in drei verschiedenen Gießener Druckereien tätig gewesen. Er hatte seine Kunst in Frankreich, Savoyen, Burgund und an anderen vielen Orten gübt. Joh. Christian Müller stammte aus Lauterburg „im Stift Speyer" und hatte die Kunst in Ulm erlernt. Karger, der keine Konkurrenten neben sich dulden wollte, macht eine Eingabe an den Landesfürsten, indem er nachweist, daß es ihm allein schon an Arbeit mangele, „es käme ihm von den studiosis wenig Arbeit zu, auch die opera von außen blieben aus." Sein Schwager Utz habe, um nicht zu darben, wegziehen müssen. Der Konkurrenzneid verdächtigte Vietor und Müller bei der llniversität, daß sie die Buchdruckerkunst gar nicht verstünden. Sie bringen ein Zeugnis bei von einem Herbornev Meister, der ihnen bezeugt, „daß sie ihre Kunst bester Maaßen; nicht allein erlernt undt solche durch ihre löbliche undt treue Und fleißige arbeit erwießen: sondern auch in allen stücken wie treu und fleißigen undt Rechtschaffenen Gesellen zukommt, aller gebühr nach redlich undt ehrlich verhalten."
Der Landesfürst entscheidet, es sei gut und diene dem Publikum zum besten, daß mehr als ein Buchdrucker zu Gießen sich befinde und die Buchdruckerei halte. Vietor und Müller einigen sich mit Karger dahin, daß sie ihm für 600 Taler die ehemalige Hampel'sche Druckerei abkaufen. — Ioh. Heinrich Karger 1687—1699. Er übernahm die Universitätsbuchdruckerei von
seinem Vater, d. h. das Inventar, bestehend aus Typen, Setzkasten, Pressen, Gestellen nebst den vorhandenen Drucksachen für 842 fl. 29 alb. 4 Pfg. Dias Inventar war belastet mit 539 fl. 9 alb. 4 Pfg., die ans der Universitäts- und Stipendiatenkasse seinem Vorgänger voraeschossen waren. — Reinhard Vul- pius 1699—1714, Bürger und Buchdrucker in Frankfurt, erkaufte 1699 die von Karger der Universität wegen der geleisteten Vorschüsse verpfändete Druckerei, bestehend aus 30 Zentnern Schriften nebst Pressen, Kasten und allem Zubehör für 700 fl. und und leistet darauf 150 fl. Anzahlung; den Rest verspricht er, jährlich mit 50 fl. abzutragen. — Eberhard Heinrich Lammers 1714—1750. Er war ehemaliger Faktor tn, der Vulpius'schen Druckerei und heiratete eine Tochter der Witwe Vulpius, die nach dem Tode ihres Mannes eine Zeitlang das Geschäft weitergeführt hatte. Die seitherige Inhaberin Littet, -„ihren Eydam zum Universitäts-Buchdrucker zu bestellen und ihm das Privilegium, die Gradual-Disputationes und anderes vor die löbl. Universität allein zu drucken, zu conferiren." (richtiger deferiren.). LammerS schuldet der Universität 550 fl. und verpfändet sein Inventar, verkauft aber heimlich eine Anzahl Typen und eine Presse nach Fulda. 1748 tritt in die! Druckerei ein der Geselle Jakob Braun aus Reutlingen. Da er bei „1200 fl, zu inferiren hat", erkauft er 1749 die Hälfte der Druckerei. So waren zwei Universitäts-Buchdrucker vorhanden, die abwechselnd den „Cathalogum lectionum gratis" und sonstige Drucksachen für liefern. Der Schwiegersohn Braun kann mit dem streitsüchtigen Schwiegervater Lammers nicht auskommen und trennt sich 1750 von ihm, während sie seither in einem Saal, leder allerdings für seine eigene Rechnung, druckten. Lammers wird das Privileg entzogen und Braun ist nun alleiniger
Universitätsbuchdrucker. Ueber Lammers wird berichtet, „er ein commoder Mann und vollkommen sans soncis, dem gleich viel gelegen, ob eine Sache, nach der heutigen Arth zu drucken- sauber und nett oder nur oben hin gehudelt, ohngeachtet ob es heut oder morgen fertig wird." Braun wird das Zeugnis ausgestellt, „daß er ein sehr accurater und auf Nettigkeit sowohl als Accuratesse haltender Mann fei". 1788 bittet Braun dre llniversität, das Privilegium auf seinen Sohn Joh. Wilhelm Braun zu übertragen. Joh. Wilhelm Braun 1788 bi? 1804. Peter Stahl erhält am 18. März 1804 neben Braun das Privileg als zweiter Universitätsbuchdrucker, übt es aber nicht aus. Rudolf Schröder wurde 1804 nach Ableben des I. W. Braun zum Universitätsbuchdrucker „mit den zustehenden Freiheiten und Praerogationen" ernannt unter der Bedingung, daß er sich von seinem Bruder, der Kanzleibuchdrucker war, trenne. Wendelin Stahl 1813— . Er hatte sich 1811 in Paris
etabliert und war durch die Verheiratung mit einer Pariserin in den Besitz eines bedeutenden Buchhandels und einer Druckerei gekommen. Als Napoleon I. die Druckereien in Paris reduzierte^ wünschte Stahl, in sein Vaterland zurückzukehren. Er bittet, das feinem Vater Peter Stahl zugestandene Privileg auf ihn zu übertragen. Gleichzeitig ersucht er, nach seiner Niederlassung, in Gießen ihm 'als privilegierten Universitätsbuchdrucker einige Klafter Holz zu gewähren. Stahl weist nach, daß ein weiterer Buch-- drucker in Gießen notwendig sei; denn die Schröder'sche Buchdruckerei sei nicht imstande, den Bedürfnissen der beiden Buchhandlungen zu entsprechen. Die Heyersche Buchhandlung müsse den größten Teil ihrer Verlagsartikel mit erhöhten Kosten im Ausland drucken lassen. Wendelin Stahl wird auf sein Gesuch hin zum zweiten Universitätsbuchdrucker bestellt. Stahl und Rudolf Schröder waren die letzten Gießener, mit besonderen Rechten ausgestatteten Universitätsbuchdrucker. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wird das Privileg in der alten Form nicht mehr erteilt. Der Bundestag wird wohl auch dieses Vorrecht des, Buchdruckgewerbes aufgehoben haben. Dagegen wurde das Prädikat „Universitäts-Buchdruckerei" auf besonderes Ersuchen vom Landesherrn nach wie vor erteilt, wie dies anch heute noch die v. Münchow'sche Druckerei, heutige Hof- und Univ^- Druckercr von O. Kindt und die ehemalige Brühl'sche, jetzt Brühl'sche Univ.-Buch- und Steindruckerei,, R. Lange, führen.
—e—
vermischtes.
bk. Der Bischof und die k u r z e n A e r m e l. Der Bischof der alten Tiberstadt Citta di Castello, Monsignore Liviero, war in der Kathedrale der Stadt mit der Feier der Konfirmation beschäftigt, als er ein Mädchen wahrnahm, dessen Bluse nad) seiner Ansicht viel zu kurze Aermel hatte. Er unterbrach die Feier und forderte das Mädchen auf, die Kirche zu verlassen. Als es dieser Aufforderung nicht nachkam, sondern in der Kirche verblieb, ging der Bischoi selbst auf das junge Mädchen zu, um es zu entfernen. Dabet stieß er jedoch auf offenen Widerstand. Verschiedene junge Leute, unter ihnen auch der Sohn eines Parlamentsmitgliedes, nahmen die Partei der kurzärmeligen jungen Dame, und der Bischof zog sich unter diesen Umständen in die Sakristei zurück. Der Vorfall hatte am Abend sogar noch eine Kundgebung zur Folge, indem eine Menge sich vor dem Bischofspalaste ansammelte. Monsignore Liviero erschien am Fenster, um zu der Menge zu sprechen, aber Tomaten und andere Wurfgeschosse ähnlicher Art wurden gegen ihn gerichtet und er mußte sich unverrichteter Sache zurückziehen.
* Kindermund. Hermännchen hat drei Tanten: Elsa, Georgine und Sophie. Auf die Frage der letzteren, welche von seinen Tanten ihm die liebste sei, erwidert er: „Das sag ich nicht !" Weiter gefragt: „Warum denn nicht?" sagt er.; „Sonst hist du mit und Tastte Georgine bös!"
viamantrcitsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a, b b, d d d d d, e e e e e, 1, m, n n n n, r r, s derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben,
2. Teil des menschlichen Körpers.
—I 3. Eine Tageszeit.
4. Deutsche Residenzstadt.
5. Ein Land.
6. Biblischen Frauennamen.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche-
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Numrsteri Kalte Hand, warmes Herz.
Redaktion: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und SteindruFerei, R. Lange, Gieße«.


