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• • - all ihr Götter! nach solch -einem Blick wür's dem guten Jungen jedesmal zumute, als müsse er den engen Tressenkragen aufreißen . . . aufspringen, ans Fenster stürmen, mit tiefen Atemzügen die lane Sommerluft in die glühende .Brust eintrinken . . .
, Statt dessen mußte man ruhig und gemessen sitzen bleiben, von scharfen, wachsamen Augen unermüdlich be- vbachtet und kontrolliert. . .
So waren diese Stunden seines außerdienstlichen Daseins auch wieder leine Qual! r—,! ach — eine süße Qual —!
Sonst nichts als Dienst — Dienst — Dienst! Morgens um vier in die Kaserne. . . abends um neun aus der Kaserne . . . dazwischen nur eine Mittagspause von einer Stunde, verbracht in Gesellschaft der übrigen Einjährigen in einem benachbarten Speisehause. . .
Die Kellnerinnen, die hier bedienten, waren seit einem Jahre der einzige weibliche Umgang gewesen, den Hans Friesen gehabt hatte... Nun hatten Rosel und Suse plötzlich für ihn jedes Interesse verloren. . .
Sie schmollten nnd rächten sich, indem sie's beim Servieren immer so einrichteten, daß Hans Friesen zuletzt an die Reihe kam und nehmen mußte, was die Kameraden übrig gelassen hatten . . .
Hans Friesen merkte -es nicht.
(Fortsetzung folgt.)
Der Ebzdörser Grund.
(Fortsetzung.)
Wald.
Tie schauerlichen Wälder, von denen Taeitus in seiner Germania redet, sind wohlgepflegten, lieblichen Wäldern gewichen. Nur die Abhänge und Gipfel int Gebiet der Zwester Ohüt tragen noch herrlichen Wald, itamentlich Buchenforst. Unsere Altvordern belegten die Waldfrevler mit den härtesten Strafen. Wie erwähnt, wnrde die Gegend von Hachborn, wo der Herzog Gerhao ein Lehen besaß, um 800 n. Chü. angerodet. Bereits im 16. Jahr- hundert hatten die Wälder sehr abgenommen: und bald stellte man toegeit Mangel an Holz den Wald unter den Schutz des Staates. Hohe, jagd-lustige Gäste sah der Ebsdörfer Grund oft im 17. Jahrhundert, besonders die Wälder um Hachborn: den hessischen Landgrafen Karl (1677—1730) und sein Gefolge. Wenn er sich auf seinem Schlosse zu Ziegenhain aufhielt, unternahin er öfters Treibjagden und hielt sich dann wohl in dem Klostergebäude zu Hachborn auf.
Tie ausgedehnten Wälder bei Roßberg ließen eS' angebracht erscheinen, diesen Ort zum Sitz eines Oberförsters nnd zweier .Förster zu machen: ebenfalls wohnt ein Förster in Hachborn. Mehrere Orte des Ebsdörfer Grundes besitzen Gemeindeförster.
Eine Naturseltenheit war die Kaisereiche bei Hassen- h a u s e n. Sie stand nordöstlich von diesem Orte am Südabhang des Lahnberges und wurde ihrer Seltenheit und ihres beträchtlichen Umfanges wegen von vielen Fremden mit Staunen betrachtet. Am Boden hatte sie 12, ein halbes Meter über der Erde 6y2 Meter Umfang und teilte sich in einer Höhe von 7 Metern in zwei Stämme, die noch, über einen Meter T-urchNtesser hatten. Von ruchloser Hand wurde 1903 in die Höhlung des Baumes Feuer gelegt, so daß eines der herrlichsten Naturdenkmäler der ganzen Gegend seiner Zerstörung anheim fiel. In der Oberförsterei Frielendorf steht eine über 1000 Jahre alte Eiche, genannt die „Mutter": im Reinhärdswalde finden wir die „dicke Grete": in dein Geäst einer Linde bei Niedenstein ist ein TanZ- boden angebracht.
Tie vielen Sümpfe und Wälder verhinderten auch in Unserer Gegend die Entwickelung eines Klimas, das dem heutigen ähnlich gewesen wäre. Unausgesetzt erfordern - die Bäume bei Verdunstung einer großen Wassermenge viel Wärme; diese wird naturgemäß der umgebenden Luft entzogen. Das ist nrt Sommer in höherem Maße der Fall als im Winter. Warmer Wasseri- dampf, int Sommer schnell aufgestiegen und in kälteren Luftschichten schnell zu Wässertropfen verdichtet, erzeugt Gewitter. Tie klimatischen Verhältnisse deS Ebsdörfer Grundes sind als günstig zu bezeichnen. । <
Befestigung -en.
T-ie gepflasterte Heerstraße, eine alte Römerstraße, von der man Reste aufgefunden hat, führte von Lich- über -Arnsburg, Groß-Buseck, Climbach, Roßberg nach dem Hof bei Treihausen und weiter nach Amöneburg. Auf ihr sind wohl Trusus und Germanikus gegen die Chatten vorgedrungen. Von dem Hof bei Treihausen, in 365 Meter Höhe auf dem Oberwäld gelegen, sind noch am nördlichen Eingang meterdicke Mauern und int Süden Mauerreste vorhanden. Es ist ein oberer und ein unterer Hof zu unterscheiden. Steine, Mörtel, Kohlen, nnd Scherbett von starken Tongefäßen fand man als die einzigen Ueberreste. Die Lage des Hofes an dem Paß aus der Wetterau nach Obersi
hesseu, seine rechteckige Gestalt, die Teilung der Anlage u. a führte Tr. Creuzär 1828 zu der Ueberzeuguug, der Hof sei ein römisches Lager. Auf Vilmars Betreiben wurden 1843 die Fundamente der einstigen Gebäude freigelegt, wodurch- bewiesen tourbe, daß der Hof eine deutsche Befestigung aus dem 12. oder 13. Jahrhundert ist. Es wurden Fundamente verschiedener runder Türme entdeckt. Tie Lage des Tores entspricht nicht der Einrichtung bei römischen Lagern; die Römer warfen auch stets Erdwälle auf., Somit war der Hof entiueber die Hofburg eines salischen Königs oder er diente in Kriegszeiten zum Schutze von Menschen und Vieh; eine Stadtanlage aber war er nicht. — Nach den Erwägungen des Generalmajors z. D. Eisentraut ist der Hof wahrscheinlich eine frühfränkische Curtis oder ein Königshof. Wären nicht die urkundlich bezeugten nahen Königshöfe von Ebsdorf und Großseelheim gänzlich verschwunden, so könnte ein Vergleich beider mit dem Hof vielleicht .genaue Resultate zeitigen. ,
An der Heerstraße -lag die R ö d e r b u r g ; unweit von Roßberg sind noch ihre Reste sichtbar. Sie war wohl ein Ringwall der Germanen; doch lassen Funde und die Bauart als Zeit ihrer Errichtung das 13.—15. Jahrhundert vermuten. In einem aufgeworfenen, von dicken .Bäumen bestandenen Hügel von 50 Meter Durchmesser findet man Scherben, gebrannte Ziegel und Kalkmörtel., Um den Hügel führt ein 5 Meter breiter Graben, der von einem ringförmigen Walle umschlossen wird. Vilmar veranlaßte 1844 die Bloßlegung des Innern des Burghügels. Tie Fundamente zweier größerer Gebäude wurden gefunden. Ta das u. a. vorgefundene Holz verkohlt war Und ungeordnet durch- einander lag, ist fe-stgestellt, daß die Bürg durch Brand zerstört wnrde. Wann dies geschah, ist nicht zu ermitteln.
Oestlich vom Hof zieht über die Höhe des Kehrenberges — an dem eine steinerne Handmühle gefunden wurde — und über den Anger ein Wald bis hinter Roßberg hin. Er endigt in der Nähe des Eisenberges, dem der „Kirchenstumps" gegenüber liegt; vielleicht sind dies die Trümmer einer Kapelle. Eine merkwürdige Felsbildung, der „Taufstein", ist am Kehrenberg zu bemerken. Südlich davon liegen auf den sogen. T-achslöchern die „Heidenp grüber". Alle diese Namen deuten darauf hin, daß die ganze Gegend früher eine große Bedeutung hatte. Bei Hassenhaü- s e n wurden Hügelgruppen gefunden.
Ein alter runder Wartturm, mit Wall und Graben umgeben, die „Schanze", steht auf dem „Kirchberg" bei Wittelsberg. Bon hier aus hatte -eine hessische Wache die Mäinzer in Amöneburg zu beobachten.
Int Ebsdörfer Grunde finden wir auch wehrhafte Kirchtürme, bereit Bau und Einrichtung erkennen lassen, daß sie in Kriegszeiten zur Verteidignug dienten. Boten die Mauern des um die Kirche gelegenen Friedhofes keinen genügenden Schutz mehr, so zog man sich in den festen Kirchturm zurück.
Kriegerische Ereignisse.
Schon an der Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Ehr.) nahmen die Chatten rühmlichen Anteil. Wie schon Trusus, so drang auch Germanikus — wohl auf der Heerstraße von Lich nach Treihausen — zur Unterwerfung der Chatten vor, besiegte sie 15 n. Ehr. vollständig und zerstörte Mattium, ihren Hauptort. In fast allen Ländern Europas und selbst in Amerika waren die Hessen gefürchtet und geachtet; darum ist die Bezeichf- nung „blinde Hessen" ein Ehremtame, da unsere Vorfahren blindlings der Gefahr und dem Kampfe entgegengingen.
Im Jahre 1608 wurde von dem Landgrafen Moritz bem! Gelehrten (1592—1627) eine Reform der Hessen-Kasselschen Landwehr vorgenommen. Das Land wurde in sechs Regimenter eingeteilt. Tas Regiment von Lahn bis Edder bestand aus sechs Fähnlein; zu dem zweiten gehörte auch- der Ebsdörfer Grund mit Frauenberg und Ebsdorf.
Nach dem verheerenden dreißigjährigen Kriege währte es überall Jahrzehnte, bis der- frühere Zustand wieder zurückgekehrt war. Verhältnismäßig schnell hielt der langentbehrte Wohlstand in die Dörfer des Ebsdörfer Grundes seinen Einzug. Der Pfarrer Johann Fabrizius in Ebsdorf, geboren in Schlitz (Oberhessen), hatte in diesem Kriege viel zu leiden. Im Jahre 1636 wurde Wittelsberg arg heimgesucht; das Pfarrhaus und die Kirche wurden verwüstet und -ein großer Hof in Asche gelegt. Kaspar Preis aus Leidenhofen schrieb- seine Erlebnisse von 1656—1637 anschaulich nieder.
Auch der siebenjährige Krieg ging nicht ohne nachteilige Spüren an dem Ebsdörfer Grunde vorüber. In den uimtbigen Kriegszeiten verbarg man Geld und Wertsachen an sicheren Orten. In einem mit einem Brettchen vernagelten Balkenloch fand ein Einwohner von Bellnhausen eine Anzahl Goldmünzen aus den Jahren 1596 und 1627, die wohl französischen Ursprung 'Iltb'3m Herbste 1805 finden wir hier französische Truppen auf ihrem Durchmarsch. Kurfürst Wilhelm I. hatte sich an dem Kriege des Jahres 1806 nicht beteiligt; trotzdein wurde ihm sein Land genommen, dasselbe besetzt und die hessische Armee entwaffnet. Ter Kanton Ebsdorf gehörte jetzt zum Werra-Departement, Tistrikt und Kreis Marburg. Bei dem -am Abend des 26. Dezember 1806 erfolgten Aufstand gegen die aus italienischen Soldaten bestehende Besatzung von Marburg hatte der Gardist Mausehund


