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igiments- llenbeten
jungen —
Und nun lachte Friesen, wo haben sechts gesteckt?"
SBie' Leutnants
lachten . die Damen lachten . . .
■ Ein rosiges Mädchengesicht, zwei lächelten ihn mitleidsvoll aufmunternd der beiden Majorstöchter. — Herrgott,
Nur eine nicht dunkelblaue Augen an . . . die jüngere wie gut das tat!
Die Vorstellung war erfolgt, man hatte Platz genommen um den runden Tisch int Salon, und die Hausfrau forderte dett Poeten auf, sein Festspier vorzulesen.
. Und mit dem Klang der eigenen Verse überkam Hans Freesen wieder die fröhliche Wurstigkeit, die er sich vorgenommen . . K
r i »iw jitginwni, UIS oie legte Gruppe der Reserveoffiziere eingerückt war. Und alles rastete nun ein wemg ms zum Beginn der Herbstübungen, in denen die 5(rbett be§ ganzen Jahres, ber Ausbilbungsgang mit seiner weise berechneten, allmählichen Steigerung der Ansprüche und Leistungen alljährlich gipfelte.
beugte sich auf die duftende Hand nieder, die sich ihm ent gegenstreckte...
„Schau, schau . . . so lieht also ein Dichter aus . . . den hatte ich mir eigentlich anders vorgesteltt! Aber freilich, Herr Friesen, zu der Königlich preußischen Dienstpoesie, die Sie sich da geleistet haben, paßt Ihr Köstlich ganz ausgezeichnet!"
Hans Friesens braunes Gesicht konnte Wohl nicht tiefer sich färben . . . aber in die weiße Stirn stieg das heiße Erröten. . J
Ein bürgerlicher Gerichtsrefendar, der noch nicht einmal die Qualifikation zum Reserveoffizier besaß — in dem sah auch Mama von Sassenbachs Argwohn nur den harm- lofen, völlig ungefährlichen jungen Menschen, der sich mit Wonne nützlich machte beim Arrangement des Regiments- sestes und überaus korrekte Verse von einer vollendeten Loyalität der Gesinnung zu drechseln verstand -
Wenn Hans Friesen das geahnt hätte —!?
Er faßte die liebenswürdige, fast mütterliche Behandlung, welche die Frau Majorin ihm angedeihen ließ, in einem viel schmeichelhafteren Sinne auf —
Und hatte er dazu nicht eine gewisse Berechtigung—,?
Denn daß die Nächstbeteiligte - daß Molly von Sassen- bach. rhm mit gnädigen Augen ansah ... das durfte er M ® Augenblicken schwellenden Hoffnungsglücks denn doch y t-11 V’Lj'v j .
Hauptmann von Braudeis: „Na, Herr Sie denn eigentlich während des Ge-
Teufel ja! Wenu's auch verschlissene Gedanken und konventionelle Vorstellungen waren, die er da zusammen- gebraut. die Verse... wahrhaftig, die konnten sich scheu lassen . . .! Das klang und klirrte wie der Schritt marlchtereuder Bataillone . . . das grollte und brauste wie rollende Salven und dröhnendes Hurra beim Sturm Und war's auch keine himmelstürmende Poesie. . . Poesie war's eben doch. . . Soldatenpoesie. . .
Und er fühlte, wie sie wirkte.
Ms er geendigt, konnte er wohl bemerken, daß die Osftztere tn ganz verändertem Ton mit ihm sprachen . Und die Damen lachten auch nicht mehr über ihn . obwohl er doch heute morgen den richtigen Gefechtsmoment verpaßt hatte... .
war ja selbstverständlich eigentlich gar nichts zwischen ihnen beiden ... sah man sich doch nur im Kreise der Schmiere" wie die kleine Schar der Komödianten des Festspiels sich bereits benannte, und unter den wachsamen Saugen der gestrengen Frau Mama. . . zudem unter den noch gestrengeren Blicken der Offiziere, für die man zwar außer Dienst „Herr Friesen", int Dienst aber sofort wieder nur der Unteroffizier Friesen war . . .
Und dennoch . . . wenn Haus Friesen nach der Probe zur Kaserne züruckeilte, wo seine Anwesenheit dringend notwendig war int Interesse seiner Korporalschaft . . . dann war er doch immer in einer wahren Weltumarmungs- ftimmung . . .
Zwei-, dreimal wär es ihm doch gelungen, einen Blick aus den veilcheublaueu Augen tzu erhäschen . . . einen Klick!
7. Kapitel.
Ueber deut Leben des Füsilierregiments Prinz Heinrich der Niederlande lagerte die Stille vor dem Sturm .
die satte, friedliche Sommerstille.
Brandeis oder bei der Protektorin des Abends, Frau Maior von Sgssenbach.
Für Hans Friesen bebeuteten biese Proben eine schattige, blumenburchbuftete Oase in ber bürren Wüste seines Kommißdaseins... Er lebte nur noch für biese Stnn- den ...
Die großen Besichtigungen waren überstanben. Auch die fatalen vier Wochen auf dem Truppenübungsplatz lagen bereits hinter bem Regiment, als bie letzte Gruppe b STf 01 OVV-O f 11 ♦ A-v* a A1 A. A. AAAA L,. 1Y C . VV .
. Aias galt's ihm, baß sein Jnstruktionsoffizier ihn vor versammeltem Kreise seiner Kameraden für den unfähigsten Tappelhans erklärt hatte, der jemals das Regiment ver- schimpfiert habe?
Was war ihm daran gelegen, daß sein Feldwebel Düfke ihm dm Sonderstellung, die sein Talent ihm den Offizieren gegenüber verschafft hatte, täglich durch um so kornrnissigere Behandlung vergalt, ihm mit dienstlichen Plackereien, wo es nur irgend möglich war, ins Gedächtnis rief, daß eK mä)t mehr und nicht weniger fei als eben ein Unter-, offtzier ...
Mochte er ihn den ganzen Tag und die halbe Nacht schikanieren und kommandieren, soviel er wollte die Nachmittagsstunden der Proben mußte er ihm freilassen! — laut Bataillonsbefehl!
Uebrigens hatte Hans auch sonst dienstlich schlechte Tage. So gut er von den Offizieren im allgemeinen zurzeit behandelt wurde, die Herren seiner eigenen Kompagnie mach-- | ten eine Ausnahme. J
. ^awar Hauptmann Goll, ein alter Junggefell und notorischer Weiberfeind, übrigens ein Verächter alles dessen
mSt königlicher Menst war . . . und der Künste und .Wissenschaften noch ganz besonders.
. ®a war der Oberleutnant Menshausen . . da war endlich auch der Leutnant Quincke, der, im dunkeln Gefühl der überaus mangelhaften Entwicklung seiner eigenen Geistesgaben, jeden mit seiner grundsätzlichen Abneigung beehrte, der irgend etwas leistete. a
®a war schließlich auch (ber gestrenge Bataillonskom- maitbeur. Wenn der auf der Bildfläche erschien, Hann konnte der etnjahrigfreiwillige Unteroffizier Friesen sicher sein irgendwie „aufzufallen".
„Auffallen" war nämlich gleichbedeutend mit „untf}> genehm auffallen" . . . dienstlich irgend etwas versehen haben 9ute dienstliche Leistung verstand sich von selbst und fiel also nicht auf.
Es war, als ob Iber Major ben unglücklichen Einjährigen im Dienst bafur bestrafe, haß er sich außer Dienst der Gunst ber tfrau von Sasseubach erfreute.
Ach, wenn Hans gewußt hätte, daß er bie unverhohlene Auszeichnung, mit ber Frau von Sasseubach ihü behandelte, vor allem bem Umstande verdankte, daß er nach ihrer Auffassung auch nicht im entferntesten als Bewerber um eine ihrer Töchter in Frage kam t— —
. Die stille Zett vor bem Manöver würbe hauptsächlich durch fleißiges Schießen unb burch kleinere unb größere Kerbbienstubungen ausgefüllt. So hatten bie Reserveoffi- ^ere über allzu starke dienstliche Inanspruchnahme nicht zu tlagen. Bon ben aktiven Herren wären viele beurlaubt- ^übrigen atmeten nach ber Schinderei bes Frühjahrs Und Hoch ommers ein wenig auf.
sunx.r^^'t^'euere^er ^kürzten sich die Beteiligten auf die ?ettYlt0en ^llm Regimentsfest. Alle zwei bis drei £nftpL mrn fr»-«08 unt?r ßeituu9 des Festspielpoeten Proben für die Aufführung statt, entweder bei Frau von
, Gern ließen sich alle gefallen, daß er als Regisseur nun frei und ungezwungen mit ihnen schaltete.
Ja, der Bataillonsadjutant fand es vollkommen in oer Ordnung, daß der Unteroffizier ihn sehr von oben herab zurechtwies, wenn eine verständnislose Betonung unterlief, oder wenn es galt, die an näselndes Schnarren! gewohnte Kommandostimme für das Pathos des Kriegsgottes umzufärben ... .
Und nun erst die Damen ... wie glühten sie vor Eifer es dem Dichter recht zu machen ...
Am holdseligsten aber erglühte eine von ihnen . . . unb $re veilchenblauen Augen funkelten nicht nur dem Poeten, funfelten dem straffen, feurigen Jüngling . . .
Molly hieß sie. . .
Hans Friesen ahnte, daß er an diese Molly viele, viele Verse dichten würde. . . bessere Verse als die im .Festspiel. . . echtere...
Hatte nicht schon einmal ein Poet eine Molly besungen — — ?! ;


