Ausgabe 
11.11.1912
 
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Ausgabe der Erinnerungen Margarethens, durch die dieser unschätz­bare Beitrag zur Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts unserer Literatur neu geschenkt wird. In wie hohem Grade Margarethe die der Zeit der Renaissance eigene Gabe der anschaulichen Dar­stellung besaß, beweisen gerade ihre Erinnerungen aus der Bartho­lomäusnacht.

Man hatte ihr von dem furchtbaren Anschlag keine Mit­teilung gemacht.Ich sah alle Welt in Bewegung: die Hugenotten verzweifelt ob der Verwundung (des Admirals), die Herren von Guise und Furcht, daß man sie dafür strafen wolle, miteinander flüsternd. Die Hugenotten beargwöhnten mich, weil ich katholisch war, und die Katholiken, weil ich den König von Navarra, einen Hugenotten, geheiratet. So sagte mir kein Mensch ettvas. Am Abend, beim* Schlafengehen der Königin, meiner Mutter, saß ich auf einer Truhe neben meiner Schwester von Lothringen, die ich sehr traurig sah. Die Königin, meine Mutter, die mit einigen -Personen sprach, bemerkte mich und sagte zu mir, ich sollte zu Bett gehen. Wie ich ihr die Verbeugung mache, nimmt meine Schwester mich am Arm, hält mich unter heftigen Tränen zurück und sagt zu mir:Mein Gott, geht nicht schlafen, meine Schwester!" Das erschreckte mich aufs äußerste. Die Königin, meine Mutter, bemerkte es, rief meine Schwester, ergrimmte heftig gegen sie und verbot ihr, mir etwas zu sagen. Meine Schwester entgegnete ihr, daß man mich nicht auf diese Weise opfern dürfe, und daß sie ohne Zweifel, wenn sie irgend etwas entdeckten, sich an mir rächen würden. Die Königin, meine Mutter, ant­wortete, daß, wenn es Gott gefiele, mir nichts Böses zustoßen würde. Doch gleichviel, ich müßte gehen, sonst würben sie irgend welchen Argwohn schöpfen, der die Wirkung verdürbe. Ich sah wohl, daß sie stritten und hörte nicht ihre Worte. Sie befahl mir nochmals rauh, zu Bett zu gehen. Meine Schwester bot mir unter Tränen guten Abend, wagte mir aber anders nichts zu sagen, und ich war ganz erschreckt und verzweifelt, ohne mir erklären zu können,' was ich zu fürchten hatte. Sowie ich meinem Ka­binett war, bat ich Gott, mich in seine Hut zu nehmen und zu schützen, ohne zu wissen, vor wem noch vor was. Indessen schickt der König, mein Gemahl, der sich zu Bett gelegt hatte, nach mir, ich sollte mich schlafen legen) Das tat ich und fand sein Bett von dreißig oder vierzig Hugenotten umgeben, die ich noch nicht kannte, denn ich war. erst seit wenigen Tagen verheiratet. Die ganze Nacht sprachen sie nur von dem, was dem Herrn Admiral zugestoßen war, und entschlossen sich, sobald es Tag würde, die Gerechtigkeit des Königs gegen den Herrn von Guise anzu- rufcn, und, wenn man sie verweigerte, sie selbst zu üben. Ich hatte stets die Tränen meiner Schwester im Herzen und konnte vor Augst, ich wußte nicht warum, nicht schlafen. So verging der Nacht, ohne daß ich die Äugen schloß. Mit dem Morgengrauen sagte mir der König, mein Gemahl, er wolle zum Ballspiel gehen und warten bis der König Karl erwacht wäre, denn er war entschlossen, von ihm Gerechtigkeit zu fordern. Er verläßt mein Zimmer und alle seine Edelleute ebenfalls. Wie ich sah, daß cs Tag war, glaubte ich, Gefahr, von der meine Schwester gesprochen, wäre vorüber, Und sagte, vom Schlaf 'besiegt, meiner Amme, sie solle die Tür schließen, damit ich nach Belieben schlafen könnte. Eine Stunde danach, als ich im tiefsten Schlafe lag, siehe da hämmerte ein Mensch mit Füßen und Händen an die Tür und schrie:Navarra, Navarra!" Meine Amme glaubte, es wäre der König, mein Ge­mahl, lauft schnell tzur Tür und öffnet ihm. Es war ein Edelmann namens Herr von Lsran, der einen Degenstich in den Hals und einen Hellebardenstoß in den Arm erhalten hatte und noch von vier Bogenschützen verfolgt wurde, die alle nach ihm in mein Zimmer traten. Er wollte sich retten und warf sich auf mein Bett. Wie ich fühlte, daß diese Leute Hand an mich legten, springe ich mit einem Satz in den Raum zwischen Bett 'und Wand, und er mir nach, wobei er mich stets um den Leib gefaßt hielt. Ich kannte diesen Mann nicht und wußte nicht, ob er kam, um mich zu be­leidigen, oder ob die Bogenschützen es auf ihn oder auf mich ab­gesehen. Wir schrien alle beide und waren beide gleich sehr erschreckt. Endlich fügte es Gott, daß Herr von Nangay, Kapitän der Garden, dazu kam und mich in diesem Zustande fand. Obwohl er Mitleid mit mir hatte, konnte er sich doch des Lachens nicht enthalten. Er geriet gegen die Bogenschützen in heftigen Zorn ob dieser Zu­dringlichkeit, wies sie hinaus und schenkte mir das Leben dieses armen Menschen, der mich umfaßt hielt. Ich ließ ihm in meinem Kabinett ein Lager bereiten und seine Wunden pflegen, bis er ganz geheilt war.

Während ich das Hemd wechselte, weil er es mir ganz mit Blut befleckt, erzählte mir Herr von Nangay, !vas vorgegangen war, nnd versicherte mir, der König, mein Gemahl, wäre im Zimmer des Königs und von keinen: Unheil bedroht. Ich ließ mir einen Mantel umwerfen, und er führte mich in das Zimmer meiner Schwester von Lothringen, wo ich mehr tot als lebendig ankam. Wie ich in das Vorzimmer kam, dessen Türen weit offen standen, wurde ein Edelmann, Bourse, der sich vor den ihn verfolgenden Bogen­schützen retten wollte, von einer Hellebarde drei Schritt vormir durchbohrt. Ich fiel fast ohnmächtig in die Arme des Herrn von Nanyah und glaubte, dieser Stoß hätte uns beide durchbohrt. Wie ich etwas zu mir gekommen war, trat ich in das kleine Zimmer,

wo Meine Schwester schlief. Als ich dort War, kam Herr von Mis- sans, erster Edelmann des Königs, meines Gemahls, und Armag­nac, sein erster Kammerdiener, um mich zu bitten, ihr Leben zu retten. Ich warf mich vor den: König und der Königin, meiner! Mutter, auf die Knie, um es von ihnen zu erbitten, und sie ge­währten es mir auch endlich."

humoristisches.

* William war eben von der Universität heimgekehrt.- Er trug einen tarierten Anzug, eine farbige Weste, sei­dene Strümpfe und eine Krawatte, die für sich selbst sprach. Er betrat die Bibliothek des Hauses, wo er seinen Vater lesend antraf. Der alte Herr sah auf und ließ den Blick über seinen Sohu gleiten. Je länger er ihn anschaute, desto ärgerlicher wurde er.Mein Sohu," platzte er endlich los,dtt siehst aus wie ein Hanswurst!" Später am Tage kam der alte Major, der nebenan wohnte, herum und begrüßte den Jüngling aufs herzlichste. .William," sagte er mit unverhehlter Bewun­derung,du siehst genau so aus wie dein Vater vor fünfund­zwanzig Jahren, als er von der Universität heimkam."Ja," versetzte William und lächelte,das hat Papa mir eben auch schon gesagt."

*Gestern abend hatten meine Frau und ich den albernsten Streit, solange wir verheiratet sind."Worum handelte es sich dabei?"Wie wir unser Geld anlegen wollten, wenn wir etwas hätten."

*Der Schauspieler Foote lebte zu einer Zeit, als die Taschen­diebe ein gutes Geschäft in Herren-Spitzentaschentüchern machten. Als er eines Tages von einem Freunde, der einen Brief zu schreiben wünschte, in dessen Klub mitgenommen wurde, befand er sich dort mitten unter fremden Menschen. Lord Carmarthe, der es ihm behaglicher machen wollte, trat zu ihm, um sich mit ihm zu unterhalten, aber da er selbst etwas schüchtern war, sagte er bloß:Herr Foote, Ihr Taschentuch hängt Ihnen aus der Tasche." Worauf Foote sich argwöhnisch umblickte, schnell sein Taschentuch in die Tasche zurückschob und entgegnete:Danke sehr, Mylord, Sie kennen die Gesellschaft besser als ich-

Büchertisch.

Hesses Volksbücherei. Nr. 721736. Preis jeder Nummer 20 Pfg. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Die neueste Reihe der Bändchen von Hesses Volksbücherei bringt in der Haupt­sache auch neueste Dichtung. Nr. 721724 enthält W. .Ien - sens historischen RomanAus dem Vesteustein", aus dem Nach­lasse zum ersten Male in Buchform herausgegeben, ein Pracht stück der Jensenschen Erzählungskunst. In 2. umgearbeiteter Auflage erscheint von Viktor Blüthgen befürwortet Julius Dörrs Göderschlächtcr", .eine Dorfgeschichte im märkischen Dialekte, die in den Spuren von Reiters Strvmtid wandelt und amtlich emp­fohlen ist /Nr. 725/726). Willibald von R c u ß schildert in einem Zeitromane von fesselndem Inhalte und ansprechender Form das mit Ende gut Alles gut schließende Schicksal eines Uebcr- menschen (Nr. 727730). Behaglicher Humor zeichnet Th. Oelckers Geschichten (Nr. 731) aus: Ein seltener Advokat; Dr. Schmidt und Magister Müller. Tie Beiträge des Thüringer Waldpoeten A u g u st Trinius (Nr. 732) sind ebenfalls auf einen lebensfrohen Ton gestimmt vom Wilddieb bis zur Kinder­gärtnerin. R. Kohlrauschs NovelleWotans Verlobung" spielt im heutigen Künstlerleben, Italien ist der Hauptschauplatz des Spieles (Nr. 733/734). Höher stehen die 3 Novellen Paul Q u e n s e l s in den Schlußnummern (Nr. 735/736):Der Mücken­jäger" undDer Letzte" sind künstlerisch geschaut und ergreifend in der Darstellung, auch die SatireMeister Zinserling" steht über dem Durchschnitte der gewöhnlichen Humoresken.

USmgspromenads.

Man darf die einzelnen Wörter nnd Silben mir in der Weise miteinander verbinden, daß man wie der König ans dem Schach­brett stets von einem Feld ans auf ein benachbartes übergeht.

Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummerr L e b e r k n ö d e l.

Redaktion: K. N e u r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen^