Ausgabe 
11.5.1912
 
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Mutterherz gelegt hatte, sie war in dieser Prüfungsstunde zersprungen; in unsagbarer Liebe zog es sie wieder zu ihrem Kinde. Gott hatte ja sein Herz gelenkt. In der Zeit der Not, des Leidens, war sein Zehnen nach der Mutter-, liebe wieder erwacht. Nun sollte sie ihm werden, die lang verhaltene, überreich!

' Mit still aufleuchtendem Blick hörte Amthor diese Be­kenntnisse an, ein wenig abseits von den anderen.

Habe ich es Ihnen nicht damals schon gesagt, Eva?" sein Auge sucht das ihre.Das konnte ja nicht in'Ihnen! erstorben sein!"

Ja!" Mit innigem Erstrahlen dankte ihm ihr Blick. Sie kannten mich besser als ich."

Und ich werde auch jetzt wieder Recht behalten!" be­deutungsvoll sagte er es, plötzlich wieder sehr ernst werdend. Dann richtete er sich aus.

Sie haben keine Zeit zu verlieren. In nicht mehr zwei Stunden müssen Sie abfahren."

Sie schrak zusammen, jäh erblaßt. In ihrem Mutter­glück hatte, sie das vergessen können!

Einen Moment umklammerten sich ihre Blicke in einem trostlosen, stummen Jneinanderschmiegen, das nicht von­einander lassen wollte. Dann machte er ein Ende.

Es muß sein. Ich will Sie nun nicht aufhalten bei Ihren Vorbereitungen. Ich hole Sie nachher ab, wenn es Zeit ist."

Und schnell wandte er sich von ihr.

XVII.

Zur vereinbarten Zeit legte das Boot, das Amthor und Eva Söllnitz von derHamburg" herüberbrachte, bei dem kleinen Dampfer an, der schon unter Feupr lag. Während die Schiffsleute das Gepäck an Deck schafften, geleitete Am­thor Eva in den engen Kajütenraum, sonst die Kabine des Kapitäns, die jetzt in aller Eile notdürftig zu ihrer Unter­kunft hergerichtet war.

Nur wenige flüchtige Minuten waren den beiden noch vergönnt; denn er konnte ihr ja natürlich nur bis hierher das Geleit geben und mußte wieder an Bord derHamburg" zurück. Nun war der Mann, der Evas Handgepäck in die Kajüte getragen hatte, mich hinausgegangen, und sie waren allein. Es hieß Abschied nehmen.

Unbeweglich stand Amthor nahe der Tür, den Blick vor sich hin geheftet. Wie sonderbar das! doch war: Er hatte gemeint, es müsse ihn ei» unerhörter Schmerz zer­reißen, ihn zu verzweifeltem Ausbruch treiben und nun nichts davon! Eine starre Ruhe war vielmehr über ihn' gekommen, als ginge ihn das hier gar nichts an. War er es denn wirklich, der hier Eva Söllnitz gegenüberstand, der geliebten Frau, um die er übermenschliches Leid ge­tragen hatte und die er nun zum letzten Male vor sich sah? Wie konnte er so gelassen, so gefühllos ruhig, vor ihr stehen?

- Langsam hob er den Blick zu ihr, die weiter drinne'n in dem dämmrigen Raum stand, halb von ihm abgewandt, nahe dem kleinen Sofa, das in die Rückenwand eingebaut war. Im Hut und Schleier, den Reisemantel angetan, sah er sie da vor sich, das Antlitz über ein Täschchen ge­beugt, au dem sie wortlos, mit zitternden Fingern schloß; noch immer, obschon der Matrose ja nun hinaus war, um dessentwillen sie die äußerliche Beschäftigung vorgeschützt hatte, um den Blick von ihrem Seelenzustand abzulenken.

Mer nun warf sie die Tasche plötzlich vor sich auf den Tisch und mit einem fassungslosen Aufschluchzen brach sie aus dem Sofa zusammen, ihr Gesicht in den Händen verbergend.

Da tobte der Schmerz in Amthor auf, daß er hätte auffchreien mögen. Im nächsten Augenblick kniete er vor ihr und vergrub, ihren Leib umfangend, sein Gesicht in ihrem Schoß. v

Atemlos hatte es sie ja in diesen letzten Stunden um- getrieben: Die sich überstürzenden Ereignisse und furcht­baren Seelenspannungen, dann die Hetze der Reisevorberei­tungen da waren sie beide nicht zur Besinnung gekommen. Aber nun wurde es ihnen plötzlich voll bewußt, was diese; Minute bedeutete den Abschied für immer!

Wortlos hielten sie sich lange umschlungen. Nur ihre zuckenden Herzen, ihre fiebernden Hände sprachen, erschüt­ternder als Worte.

Dann sprang Amthor empor. Noch einmal drückte er ihr feine Lippen auf die Stirn iit einem leidenschaftslosen, segnenden Kusse.

'Leb wohl!"

Eva Söllnitz hob die tränenseuchket! Blicke, aus denen haltlose Verzweiflung klagte, zu ihm aus. Sie sah in ein blasses, feierlich ernstes Mitlitz, von dem es wie eilte Ver­klärung leuchtete, die Hoheit des Leidens, das sich selbst überwunden hat. Da geschah ihr wie ein Wunder: Auch ihr würde es plötzlich still im Herzen, und nur die große, für sich nichts mehr begehrende Liebe blieb.

Hjalmar nur -einmal noch sag' mir däs Wort, das du mir nie hättest sagen sollen," bat sie.

Er zögerte einen Moment, dann tat er nach ihrem Wunsch.

Ich liebe dich, Eva. in alle Ewigkeit."

Kaum vernehmbar flüsterte er es, aber der bebende Hauch drang durch den lautlosen Raum in schlichter Feierlichkeit.

Mit geschlossenen Augen, einen seligen Ausdruck in den Zügen, lauschte sie dem Bekenntnis. Paun griff sie nach seiner Rechten und! plötzW), ehe er es ihr wehr ejus konnte, riß fte sie an ihren Mund. Heiß! fühlte er stick zuckenden Lippen, noch heißer die Tränen auf seiner Hand brennen.

Hab' Dank, unsagbaren Dank, für alles, was du mir gäbst! und nun geh. Ich kann nicht mehr."

Es schoß ihm glühend in die Augen, er meinte, sein - Herz müsse brechen in diesem Augenblick. Was hatte er ihr nicht wenigstens noch alles sagen wollen aber sie drängte ihn mit letzter Kraft zur Tür.

Geh," flehte sie noch^ einmal, sie war ja am Ende, Da ging er schnellen Schrittes hinaus, ohne noch ein­mal zurückzusehen. Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, wußte er: Nun sank sie da drinnen hilflos zu­sammen in ihrem Herzeleid.

Eine Minute später saß Amthor unten im Boot, den Blick starr in die Ferne geheftet, und die eiligen Ruder­schläge sührten ihn von Mal zu Mal weiter ab von dem Schiff, das mit seinen zertrümmerten Hoffnungen nun hinaus fuhr in dte unermeßliche Ferne.

(Schluß folgt.)

Nützliche Minke für den Gattenbau.

Während wir bei der Topfpslanzenkuliur mit einer ganzen Anzahl verschiedener Erdarten rechnen müssen, kommen wir bei der Kultur der Freilandpflauzen mit wesentlich weniger Erdarten aus. Wir müssen uns im allgemeinen mit der im Garten vor­handenen Erde begnügen und können dieselbe allenfalls noch im einzelnen verbessern. Die sogenannte Gartenerde ist eine lockere, humusreiche, dabei doch etwas sandige Erde. Durch reiche Zufuhr von organischen Substanzen können wir schließlich jeden Boden in eine solche Erde umwandeln. Deshalb müssen wir darauf bedacht sein, an einer Stelle im Garten eine Sammelstelle anzulegen, an welcher alle organischen Abfälle des Hanfes und Gartens auf­bewahrt werden. Diese Stelle ist der Komposthanfen. Man lege jedes Jahr einen neuen Haufen an und verwende die Erde, welche man von einem solchen (Hänfen erhält, erst dann, wenn der Haufen wenigstens zwei Jahre alt nst, damit alle schädlichen Pilzsporen, welche auf den Haufen 'gekommen sind, abstcrben. Sehr wesent­lich trägt es zur (Verrottung der organischen Substanzen bei, wenn der Haufen im Lause bes Sommers wiederholt umgearb'eitet wird. Bei dieser Gelegenheit wird (das unterste nach oben gebracht. Ferner ist es sehr gut, wenn man den Haufen von Zeit Zeit mit un­gelöschtem Kalk bestreut, welcher ebenfalls zur schnellen Zersetzung der organischen Substanz beiträgt, i Das im Herbste von den Bäumen und Sträuchern fallende Laub wird am besten auf einen besonderen Haufen gebracht, weil 'es eine besonders lockere Erde liefert. Endlich ist es ratsam, einen besonderen Haufen für Stall­mist anzulegen, welcher eine sehr nahrhafte Erde liefert. Kuhdung ist int Garten dem 'Pferdedung vorzuziehen. Bringt man in die Erde des Gemüsegartens frischen Stalldnng, so achte man darauf, daß derselbe gut in 'der Erde verteilt wird und vor allem nicht zu tief in die (Erde kommt, weil er bei Luftabschluß nicht.'öerrotteft sondern verlorst. Statt >des Stalldunges kann man in vielen Fällen, aber nicht immer, mineralischen Püngcr verwenden. Der­selbe enthält Verbindungen des Stickstoffes, des Kaliums und des Phosphors, und zwar entweder 'alle gemischt, oder nur einzelne derselben. Bei der Anwendung chcs mineralischen Düngers muß man aber vorsichtig sein Mnd darf nicht An viel von demselben geben, weil er die 'Nährstoffe, welche die Pflanze braucht, in sehr starker Konzentration enthält. Wo 'man durch Dünger zugleich die physikalischen Verhältnisse des (Bodens verbessern will, da muß män unbedingt zum (Stalldung und zum Kompost greifen, kann diese aber auch 'durch Beimischung von mineralischem Dün­ger noch wirksamer machen. Den mineralischen Dünger wendet man am besten in 'flüssiger Form an, und zwar kann man im freien Lande Lösungen geben, welche 23 Gramm des Düngers im Liter Wasser enthalten. Am 'besten ist es, während der Pege-