K
111!
Ml
Ml
KSvWrTS»1»
' ,— I I
MMi!
rMWs-ÄHU'N «■
Der König von Thule.
Roman von Paul Gr ab ein.
(Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.)
„Eva!" Er ergriff unwillkürlich ihre Hände. „Nein, nein, es kann ja nicht sein. Es ist ja nicht möglich! Fassung, Fassung ! Die Operation ist ja schon gestern gewesen. Wäre das Schlimmste eingetreten, so wäre ja sicherlich die Nachricht schon da."
Sie sah aus ihrem krampfhaften Schluchzen auf zu ihm. Ein Hoffnungsstrahl leuchtete bei seinen Worten in ihren Augen auf. Wenn er recht hätte! Ja, ja — so grausam konnte Gott ja nicht sein, ihr auch das noch anzutun! Aber mit einem Male fiel ihr ein anderes auf die Seele! und verzweifelt klagte sie sich an:
, „Und ich habe wochenlang hingelebt, unbekümmert um mein Kind, nur an mich gedacht! — Gott, straf' mich dafür nicht so furchtbar! Hab' Erbarmen, sieh doch meine Qual!"
Erschüttert blickte Amthor auf sie nieder; aber dann kam es über ihn: Hier hieß es handeln, nicht klagen!
„Haben Sie schon depeschiert?"
Sie schüttelte aufhorchend das Haupt. „Ich habe ja eben erst die Telegramme erhalten."
„Gut. — Ich depeschiere sofort — Eildepesche — daß Sie umgehend kommen, und erbitte unverzügliche Nachricht. Sodann erkundige ich mich nach , der nächsten Reisegelegen- heil. In einer halben, dreiviertel Stunde längstens bin ich wieder hier. — Inzwischen, Eva," er trat dicht zu ihr und legte innig seinen Arm um ihre Schulter, „Mut und Vertrauen! Es wird sich alles zum Guten wendem Ein Ahnen sagt es mir."
„Wenn du recht hättest!"
. Einen Moment schmiegte sie sich an seine Schulter. Seine Nähe, seine Zuversicht gab ihr ja solchen Trost.
„Auf Wiedersehen!"
Noch einen bestärkenden Händedruck und dann eilte er von ihr. —
Ein Boot hatte.Amthor sofort an Land gebracht, und einige Minuten später ging bereits das Eiltelegramm ab. Nun hieß es das übrige zu erledigen. Mit geheimer Sorge dachte er daran. Bis zur nächsten Eisenbahnstation war es ja noch einige Tagereisen mit dem Wagen, um die Fjorde und Gebirge herum. Die „Hamburg" mußte ja ihren vor- aefchriebenen Kurs innehalten, sie wäre also guch erst in fünf Tagen an die Bahn nach,Bergen gekommen. Die einzige Hoffnung war demnach, daß einer der kleinen Handelsdampfer, die den Verkehr dieses nördlichsten Winkels Norwegens mit den Küstenstädten weiter drunten unterhielten, vielleicht heute gerade fuhr.
So ging er denn zum Häfen; aber hier erhielt er die traurige Auskunft, daß das Postschiff gerade gestern ab
gegangen war und erst in acht Tagen wieder fahren würde. Irgend ein Handelsschiff mit entsprechendem Kurs fuhr auch nicht in den nächsten Tagen.
Einige Augenblicke war Amthor tief niedergeschlagen. Dann aber durchzuckte ihn ein Gedanke: Er hatte da im Hafen einen kleinen Schlepper gesehen, der erst in nächster Woche mit einigen Fischerkuttexn wieder in See gehen sollte. Wenn der Kapitän gegen eine angemessene Entschädigung sich bereit finden ließe, inzwischen die Fahrt zur Bahnstation zu machen?
Sofort suchte Amthor den Kapitän auf. Nach längerem Suchen fand er ihn auch und —. welch ein Glück! — er wurde mit ihm einig. Der Mann forderte zwar zweihundert Kronen, aber was spielte hier Geld eine Rolle? Er schloß sofort mit ihm ab. Gleich nach Tisch bereits versprach der Kapitän in See gehen zu wollen.
Mit erleichtertem Herzen eilte Amthor nun wieder dem Kai zu, um an Bord zurückzukehren'. Es war nun doch später geworden, als er Eva versprochen hatte; fast zwei Stunden waren über dem Hin- und Herlaufen vergangen. Aber da fiel es ihm unterwegs ein, noch einmal schnell auf der Post vorzusprechen und nach einem Telegramm für Frau Söllnitz zu fragen. Es war ja doch eine Nachricht über den Verlauf der schon gestern vorgenommenen Operation eigentlich längst zu erwarten.
So fragte er denn nun auf dem Pofibureau. Die Schalterbeamtin ging nachfehen, dann teilt* sie mit dem Bescheide wieder: Es läge nichts für die Dame hier; aber vor einer halben Stunde wäre eine Depesche für sie angekommen und ihr bereits an Bord des Schiffes gebracht worden.
Mit kaum zu zügelnder Ungeduld saß Amthor im Boote, das ihn zur „Hamburg" Hinüberfuhr. Was mochte die Botschaft gebracht haben?
Endlich war er am Schiff und sprang die Treppe empor. Noch im Steigen sah er schon oben an der Reling Eva stehen, eine stille Seligkeit im Antlitz — ihm mit der Depesche zuwinkend. Und als er nun zu ihr trat —। ganz atemlos vom Heraufstürmen — da rief sie ihm mit unterdrücktem Jubel die kurzen Worte zu, die das inhaltsschwere Blatt da in ihrer Hand enthielt:
„Operation geglückt. Jede Gefahr vorüber. ^Kurt schwach, aber ganz svohl."
Befreit aufatmend ergriff er ihre Rechte, die ihm das Telegramm hingereicht 'hatte. Kein Wort des Glückwunsches kam von seinen Lippen — sie waren ja hier nicht ohne Zeugen — aber sein pressender Händedruck verriet ihr, was er empfand.
Dann erzählte er ihr in Kürze, was nötig war. Selbstverständlich litt es sie ja auch nun, trotz Abwendung der ernsten Gefahr, keine Minute länger hier. Hin wollte sie zu ihrem Kinde, das sie brauchte, das nach ihr verlangt hatte — täglich, stündlich in dieser schweren Zeit! — Die starre Hülle der Gleichgültigkeit, die sich um ihr


