Ausgabe 
10.10.1912
 
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Donnerstag, den 10. Oktober

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Die Dame im Pelz.

.Roman von G. W. Appleton. .

(Nachdruck verboten.!

(Fortsetzung.)

Der Nachsatz kam mir überraschend, Mass sich wohl Auch auf meinem Gesicht ausprägen mußte, denn der In­spektor fuhr in einem Tone fort, der mich offenbar be­ruhigen sollte:

Jawohl, und zwar ganz einfach. Könnte ich die junge Dame vielleicht einen Augenblick sehen? Ich will sie gar nicht länger stören Sie brauchen nichts zu befürchten ich habe keinerlei arge Hintergedanken, das kann ich Ihnen versichern. Sie werden übrigens selbst zugeben, daß sie den Mann, den ich suche, womöglich kennt oder doch schon gesehen hat. Auf alle Fälle möchte ich's versuchen, wenn Sie sie einen Moment hereinführen wollen.

Die zuversichtliche Art des Inspektors und meine feste Ueberzeuguug von Marcellas Schuldlosigkeit hatten meine ursprünglichen Befürchtungen rasch verscheucht, so daß ich mich zur Erfüllung seines Wunsches bereit erklärte.

Schön, sagte ich, das will ich tun; und nach ein paar Minuten brachte ich Marcella ins Zimmer.

Sie heftete ihre großen Augen verwundert auf den Beamten, und er seinerseits betrachtete verwundert und erstaunt die schöne Erscheinung des Mädchens. Ich stellte ihn gleich vor, und bald hatte er seine gewohnte Fassung wiedergewonnen.

Hm! sagte er, indem er sein Notizbuch hervorzog und eine Photographie herausnahm. Wollen Sie die Güte haben, Fräulein, -einen Blick auf dieses Bild zu werfen? Damit hielt er es ihr hin.

Sie betrachtete es einen Moment, dann stieß sie einen Schrei des Entsetzens ans und fuhr zurück.

Bertholdi! seufzte sie leise.

Der Inspektor lächelte.

Ganz recht, sagte er, und reichte mir das Bild.

Ich stieß gleichfalls -einen Laut des Staunens aus Und rief:

-Der Manch dessen Gesicht ich am Fenster gesehen habe!

Stimmt! Besten Dank. Ich brauche die Dame nicht länger aufzuhälten, sagte der Inspektor, noch immer lächelnd, und steckte die Photographie wieder in seine Brieftasche.

Als ich Marcella später nach der Sache fragte, er­widerte sie mir, daß ihr beim Anblick der Photographie ein Name eingefallen sei, an den sich irgend eine schrecke liche Begebenheit in ihrem Leben knüpfe, daß sie sich jedoch leider nicht genauer daran erinnern könne. Dagegen wollte sie von mir gern wissen, was es mit dem Mann, dessen Gesicht ich am Fenster gesehen hätte, für eine Bewandtnis

habe. Ich gab ihr darauf zwar nur eine ausweichende Aut« Wort, sie schien sich- ab-er dabei zu beruhigen, und ich war froh, diese Sache fallen lassen zu können, zumal ich wußte, daß sie sich nun in den berufenen Händen des Inspektors' Beale befand.

Der folgende Tag verlief ziemlich ruhig Und vom! Feinde war mchts zu sehen; dafür war aber der über­nächste ein solcher, daß ich ihn bis an mein Lebensende! nicht vergessen werde.

-Es war am 19. Dezember, und vom frühen Morgen ab lag ein undurchdringlicher schwarzer Nebel über der Stadt. Den ganzen Tag über mußte man Licht brennen und die Jalousien geschlossen halten, weil es drauß-en vollkommen dunkel war. Marcella, die einen derartigen Nebel noch nie zuvor gesehen hatte, war zuerst ängstlich, dann machte es ihr aber scheinbar Vergnügen.

Auf alle Fälle, sagte sie scherzend, wird bei einem solchen Wetter wie heute kein Mensch mich zu stehlen versuchen.

Wenn ich mir hätte träumen lassen, was in wenigen Stunden passieren sollte, würde ich sicher nicht über diese Bemerkung gelacht Und erwidert -haben:

Ganz -gewiß nicht, Marcella; heute sind Sie allerdings vor Nachstellungen sicher.

(Helen befand sich, wie ich mich noch erinnere, an jenem Morgen in keiner besonders rosigen Laune. Sie kam schon früh zu mir und klagte über das neue Mädchen.

Ich kann sie wirklich nicht behalten, sagte sie. Sie versteht absolut nichts, und ich- hab' den Eindruck, daß. sie vorher noch nie in Stellung gewesen ist. Außerdem be­kommt sie immer Briefe, die sie rasch liest und dann gleich verbrennt. Sie läuft unter allen möglichen Vorwänden weg und geh-t, Gott weiß, überall wo 'rum. Gestern war sie fast 'ne Stunde fort.'

Das war mir neu und beunruhigte mich sogar. Wie sich der Leser -erinnern toirb, gefiel mir das Mädchen gleich vom ersten Augenblick an nicht.

Ich habe schon von vornherein kein rechtes Zutrauen zu ihr gehabt, sagte ich, denn, gelinde ausgedrückt, kam sie unter sehr -eigenartigen Umständen zu uns. Wenn ich dir also einen guten Rat geben soll, so mache, daß si,s wieder aus dem Haus kommt.

Aber ich kann sie doch nicht an -einem Tag wie heute fortschicken, erwiderte meine gutmütige Schw-ester.

Das geht allerdings nicht gut, versetzte ich; laß sie aber morgen geh-en. Das Mädchen beobachtet Marcella wie ein Falke und das -gefällt mir nicht. Was, wenn sie zum feindlichen Lager gehörte! Auf alle Fälle mach, daß du sie wieder los ivirst. Damit hielten wir die Sache für abgetan.

Freilich wäre es besser gewesen, wenn ich meinem Gefühl gefolgt wäre und das Geschöpf Hals über Kopf yinausgeworfen hätte; es würde uns dann allen viel Herze­leid erspart und -ein großer Teil dieser Geschichte pn--