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und
sielen auf ihre errötenden Waugen nieder, und erne ^rane. preßte sich hindurch. Zärtlich zog ich sie näher.
Marcella, flüsterte ich ihr zu, darf ich — .
Oh, Verzeihung, -entschuldigen Sie! rief plötzlich eruS unangenehme Stimme dicht neben uns. Wir sprangen beide rasch auf, und vor uns stand Mary Ann, unser neues Dienstmädchen. Wie ich sie wegen dieser Unterbrechung verfluchte, läßt sich leicht denken. Aber, wenn meine letzten Worte auch ungesprochen geblieben waren, so hatten sich doch zwei H-erzen verstanden, und ich wußte, daß -es um mich und meine Liebe gut stand.
Mary Ann war hereingekomm-en, um irgend eine kleine Besorgung zu machen, und unmittelbar nach- ihr kam auch meine Schwester Helen. Marcella setzte sich wieder ans Klavier, und- die Welt -ging wieder ihren gewohnten Gleich- a-— freilich nicht mehr für mich. Die Dunkelheit
-e iminer stärker, und als ich- ans Fenster trat, um hinauszublicken, sahen die Scheiben aus -wie poliertes Ebenholz und spiegelten mein eigenes Gesicht zurück. Schaudernd wandte ich mich ab, nach der hellen Glut des Kamms, die -aber noch, überstrahlt wurde von dem Glanze, der von. Marcella ausging und- das ganze Zimmer erleuchtete. Ich fühlte mich wieder froh und sandte ein inbrünstiges Gebet zum Himmel empor, daß es keinem kleinen Weltbnrger- kandidaten in den Sinn Bommeit möge, in einer so- fürchterlichen Nacht das sogenannte Licht der Welt erblicken zu wollen und- mich hinauszuzwingen in die schreckliche Finsternis. , ,, „
Es bot sich -Mir keine Gelegenheit werter, mit Marcella allein zu sprechen. Der -günstige Moment war vorbei, das große Wort war un-gesprochen geblieben; aber trotzdem wußten wir's beide, und Helen, die in unsere vielsagenden Augen sah, wußte es auch — das konnte ich an ihrem freudestrahlend en Gesich t merken, d enn, wenn je eine Schw-est-er ihren Bruder -lieb gehabt hat, so war das Helen, und ihres Bruders Glück war ihr Glück. Als wir drei so am Tisch saßen, waren ivir sicherlich die zufriedensten Menschenkinder in. ganz Richmond. Kerns von uns bemerkte das drohende Unheil, und in diesem Falle war das sehr übel. Wie mit -glühendem Eisen ist auch der kleinste Umstand an jenem verhängnisvollen Abend in mein Gedächtnis -geprägt, und das steht ganz b-esvnders fest: Ware mein Kopf iitcht ganz b-on der Freude eingenommen gewesen, so hätte ich ein Unglück ab-ivenden können, das mein Leben verdunkelte wie kein zweites.
Helen, sagte ich beim Essen, ich will zwar deiner Koch- kunst nicht zu nahe treten, aber ich meine beinahe, du habest die Suppenwürze aus einem Laboratorium bezogen
Sicherlich nicht, antwortete sie, aber wie kommst du auf so 'nen-absonderlichen Gedanken?
Weil die Suppe einen so ch-emikalischen Geruch hat, der mir so bekannt vorkommt. Hast du denn poch- nichts
Lisbeths Lbenbil-.
Skizze von Hans von Hülsen (Danzig).
Karl de Crignis wußte, daß sein Bruch mit Lisbeth mS verheilen würde. In den Jahren ssiper nun abgeschlossenM Studien hatte mehr als ein Erlebnis ihm diese schmerzliche Gewißheit befestigt. Schlag auf Schlag waren ste erfolgt, und jeder Schlag hatte einen Stein in dem goldenen Reif zertrümmert, den er sich aus Traum, Wunsch- und Sehnsucht gefugt. Wie ste ihn damals, zur Zeit ihrer Vereinigung, beherrscht und ausgesogen, so hatte in diesen ganzen Jahren ihr blaßes Bild ihn nicht losgelassen, hatte ihn verfolgt und ihm das Beste geraubt, was er für Kunst ünd Leben besessen. KuUer und harter war fern Herz geworden, gestählt unter Schicksalsschlagen, deren Schmerz er nicht laut hinausgeschrien, sondern stumm! und vornehm M
bemerkt? r
Das kommt mir immer so vor, versetzte sie, das geht so, wenn die Küche neben einem Verbandzimmer liegt. Die Gerüche teilen sich allen Speisen mit. Als die Taute Maria das letztemal hier war, schmeckte der Pudding auch schrecklijch nach Pillen. Erinnerst du dich nicht mehr, daß sie sich darüber auf-gehalten hat?
Ich wußte 's wohl noch; deshalb lachte ich bloß und aß meinen Teller leer.
Danach wurde der Fisch crufgetrageu, und wir unter- hielten uns während des Essens über allerlei -gleich-gültige Dinge, die weiter nicht hierher gehören.
(Fortsetzung folgt.)
Woher wissen Sie, sagte sie -endlich, daß ich-Sie nicht doch betrüge, daß mein Gedächtnisschwund nicht bloße Verstellung ist? Woher wollen Sie wissen, daß ich nicht zu Ihnen gekommen bin. Ihnen Leid- zuzufügen?
Ich zog sie dichter an mich.
-Woher weiß ich, fragte ich sie, daß Gott gut t)t daß der Sternenhimmel der Nacht und das ewige Blau des Tages seine Pracht und Herrlichkeit verkünden? Woher weiß ich, daß der Duft der Rose süß ist, der Geschmacr der Pfirsiche köstlich, der Gesang der Nachtigall himmlisch und die Augen Marcellas die herrlichsten, in die je em Sterblicher geblickt hat? Ich- weiß, nicht, woher ich's weiß. Ich Weitz es einfach, und- ich- finde dieses Bewußtsein schön.
Sie senkte ihre Blicke, die langen seidenen Wimpern
geschrieben geblieben sein. Aber wir Menschen werden gewöhnlich erst klug-, wann -cs zu spat ist, und müssen. daher auch alle Konsequenzen unserer Unvorsichtigkeit tragen, mögen sie auch noch so- schlimm sein.
Ich konnte mich Nicht erinnern, je in einem solchen Nebel draußen -gewesen zu sein, und ich hatte an dwsem denkwürdigen Nachmittage meine liebe Not, den Weg, zu meinen Patienten zu finden ^ch besuchte deshalb <mch nur diejenigen, wo ich es für dringend notig hielt, und war tatsächlich froh, als ich mich wieder am Kamin in unserem behaglichen kleinen Wohnzimmer befand. H^n hatte draußen mit Haushaltun-gsarbeiten zu tun, so daß ich mit Marcella allein war. Auf mein Bitten spielte und sang sie eine Zeitlang und- dann kam sie zu mir und setzte sich lieben mich. Ich- hatte immer, seitdem ich- sie wegen ihres heimlichen Ausganges getadelt hatte, etn-en eigentümlichen, furchtsamen Blick in ihren Augen bemerkt, und- mit dem gleichen Ausdruck sah sie mich auch jetzt wieder an.
Ich Muß Sie etwas fragen, sagte sie dann. ' 11
Und das wäre Fräulein Marcella, antwortete ich, em wenig überrascht.
Sie sind mir noch so sehr böse?
Da sie sich ziemlich nahe zu mir Heruberbeug-te, suhlte ich ihren Hauch-, der mich in einen süßen Zauber versetzte. Ein heißer Blutstrom wogte durch meine Adern, als ich ih-ren schmerzerfüllten Blicken begegnete, und ich antwortete wie im Traume;
Nein, nicht 'n bißchen. Wie könnte Ihnen überhaupt jemand böse sein? Ich war nur ängstlich um Sie, weiter Nichts.
Um mich?
Jawohl nm Sie. .
Warum ängstigen Sie sich denn? Sagen Sie wir doch! Bei diesen Worten legte sie mir die Hand auf die Schulter — eilte kleine weiße Hand, deren sanfte Berührung nur durch und durch ging. , . .
Warum? Weil — weil, mein Herz drohte zu zerspringen, als ich's herausbrachte, weil ich Sie gerne -h-abe, Marcella.
Mich gerne haben! wiederholte sie.
Wie könnte inan anders, Marcella?
Mich, die ich Ihnen so viel Unruhe uud Storung ver-
Nein;-es war ein Irrtum. ,
Aber zuerst dachten Sie, ich hätte Sie -getauscht._
Nicht ’ne Sekunde. Ich war nur ganz verblüfft beunruhigt, als ich- Sie bei meiner Rückkehr nicht zu Haufe vorfand. Weiter nichts, Marcella, auf mein Ehrenwort nicht; und ich drückte ihr zärtlich die weißen Finger. ,
Sie schwieg -einen Moment, sah nur aber fest ins
Ach was! Solche Kleinigkeiten! Oh! Wenn ich nur die Aussicht hätte, Ihnen mal einen richtigen Dienst zu leisten, Ihnen, die Sie — was ich m meinen lühnsten Träumen nicht geträumt hätte- - mit Ihrer rerneu Schönheit plötzlich wie ein Engel b-otn Himmel tn mein eintöniges Leben gekommen sind, einmal wirklich beweisen könnte, wie sehr —
Pst! sagte sie und- -entfernte sanft ihr Händchen von meiner Schulter; aber ich ergriff es und hielt -es fest — ohne daß sie dagegen protestierte. Pst!, Horen Sie '»«'s. fuhr sie fort, -was meinten Sie neulich- eigentlich mit Wagen? -Das möchte ich gern wissen.
' Diese Frage kam mir vollkommen unerwartet.
Ich glaubte, Sie in einem gesehen zu haben, jvortcte ich.
Glauben Sie das jetzt noch?


