Samstag, den 10. August
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Lommrrleutnsnts.
Roman von Walter Bloem.
Copyriglit 1910 by Orethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
6. Kapitel.
Höher war die Spätsommersonne gestiegen . . . trt allen Straßen und Gassen der Garnisonstadt lag ihr flimmerndes Gold. . . glänzte auch auf dem schon staubigen Grün der städtischen Anlagen hart unter den Fenstern der schmucken Villa Brandeis.
Hinter den halbgeschlossenen Jalousieen in gedämpftem, goldiggrünem Licht lag Cäcilie von Brandeis aus der Chaiselongue und las.
Geringschätzig kräuselten sich ihre Lippen, Geschmacklos, diese altmodischen Allegorien . .. ..
Drei lebende Bilder sollten gestellt werden -. . die ersten beiden nach Bildern im Offizierkasino .
Das erste stellte das Regiment vor beim Sturm auf St. Hubert. ,
Das zweite die berührte Szene, tote Kronprinz Friedrich Wilhelm nach der Schlacht die Verwundeten des Regiments im Feldlazarett besucht und dem schwerblessierten Regimentskommandeur persönlich das Eiserne Kreuz erster Klasse überreicht.
Run, das mochte noch hingehen! —!
Aber das dritte Bild:
Huldigung des Regiments vor der Büste Wilhelms des Zweiten! .— ,
War denn dem guten Einjährigen, den man zum Dichten kommandiert hatte, nicht etwas weniger Verschlissenes eingefallen?!
Und UM diese drei Bilder herum ein Dialog zwischen dem „Krieg" — Leutnant Blowitz — dem „Frieden" — Molly von Sassenbach — und dem „Genius des Regiments" — Frau Cäcilie von Brandeis! — .
‘ Zunächst tritt der Krieg auf, spricht dem Genms des Regiments seinen Glückwunsch zur Wiederkehr des Ruhmes- taqes von Gravelotte ans, mahnt an alte Schlachtenherrlichkeit und beklagt die endlose, flaue Friedenszeit . Schon erscheint der Friede, legt ebenfalls seine Glückwünsche dem Genius zu Füßen und behauptet, das Regiment leiste auch im Frieden nützliche Arbeit sur die menschliche Gesell-
Alsdann führt der Krieg die Bilder der großen Vergangenheit herauf: Bild eins und zwei. .
Der Friede ist natürlich erschlagen, Preist aber Mit einem längeren Erguß das treue Schaffen des Regiments an der Wehrhaftmachung des Volkes und kommt mit einem Ucber- gaug von haarsträubender Kühnheit aus die Huldigung an die neue Kommandeuse ... im Frieden blühe nämlich die
holde Geselligkeit... der Friede sei der Bereich der Frau . . . und so weiter. . .
Der Krieg ist galant genug, das zuzugeben; aber das Soldatenhandwerk, erklärt er, sei nun doch einmal Männerhandwerk, und schließlich ruft er die Germania zur Entscheidung auf. . .
Die erscheint in der Person von Nelly von Sässenbach, erklärt selbstverständlich, das Regiment sei ihr in Krieg und Frieden gleich wert, und endigt mit einer Huldigung an den erhabenen Schirmherrn des Friedens, dessen Gipsbüste alsdann erscheint, umgeben von Soldaten des Regiments in den historischen Uniformen von 1870 und den heutigen, sowie von Offizieren und Ehrenfungfrauen — bengalische Beleuchtung — Kaiserhymne — Tusch —* aus —!
Diese erhabene Generalidee mußte sich der unglückliche Einjährige im Schweiße seines Angesichts abgerungen haben.
Cäcilie von Brandeis meinte ihn ordentlich zu sehen — den ihr noch unbekannten jungen Herrn — wie er, als Wachhabender auf Pulverhaus- oder Schießstandswache, keuchend diese Banalitäten zusammenleimte —
Und doch — wenn sie von dem Gedankengang des Ganzen absah, der ja schließlich für seinen Zweck wohl kaum anders hätte konstruiert werden können, und sich an die Ausführung hielt —
Was sie da las: das waren doch iMmerhtn Verse . . . Verse, in denen hin und wieder ein besonderes Wort, ein eigentümliches rhetorisches Glänzen verrieten, daß ein ferner Kopf hinter dem handwerksmäßigen Gestammel stand, das er vielleicht selbst verlachte, während er aufs Papier geschludert — — . , ....
Und an einigen Stellen brach's hervor: em harnrsch- blinkendes Geschlecht klirrender Worte und Rhythmen, der Heerbann einer Seele, die ihre Kräfte zu künftigen Schlachten zusammenzog — „ t
Frau Cäcilie freute sich dessen, was sre da ahnte. . freute fich, daß. es ihr gegeben war, solches zu ahnims. . ihr, der Tochter der heitern rheinischen Künstlerstadt. dem Sprößling einer altpatrizischen Fabrikantenfamilie, dte es immer für einen Ehrentitel ihres Namens gehalten, hatte, sich mit Kunst zu umgeben, Kunst zu fördern, mit der Kunst zu leben .. . , .
Und ein wenig spöttisch . . . em wenig bitter mußte sie lächeln, wenn sie sich erinnerte, wie ihr guter Fritz ihr das Manuskript des Einjährigen gebracht mit den Worten:
Na, das lies Mal, Kindchen! Da wirst du staunen >. . .- einfach begeisternd fo was . . . einfach niederschmetternd schön! — Jawoll, das ist der Geist des Regiments Prmz Heinrich der Niederlande...
So dichten bei uns die Einjährigen . . . stell dir vor, tote erst die Leutnants dichten. . .!
Ihr guter Fritz wie er fle vergötterte . . . Kunststück! — Er verdankte ihr ja auch ein überaus behagliches Dasein —i


