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MüSenstkche.
Die schönste Sommerfrische, der herrlichste Sonutagsspazier- aang, können einem durch Mücken völlig verleidet werden, denen man in seiner sommerlich-leichten Kleidung schutzlos Prnsgcgeben ist. Es gibt zwar ein paar völkstümliche Mittel, Nelkenöl und Zigarrenrauch, die die Mücken seruhalten sollen, und manche Leute haben auch irgendwelche chemische Stoffe bei sich, me den juckenden Schmerz, den der Mückenstich verursacht, lindern sollen; meistens ist man aber doch nicht genügend zum Kampfe gegen die Mücken ausgerüstet, und das kommt daher, dass man mit der „Technik" des Mückenstiches und seiner Behandlung nicht genügend vertraut ist. Die Wissenschaft hat sich dieser Frage merkwürdig spät angenommen. Wie die Mücken stechen, weist wohl jeber: ihre Arestwerkzeuge, Ober- und Unterkiefer, sind zu fadenförmigen Dolchen umgewandelt, mit denen sie einige Millimeter tief in die Haut hineinstechen. Die Lange der Stechwerkzeuge ermöglicht es ihnen, die stärkste schwielige Haut des Menschen sowie auch Lederhandschuhe zu durchbohren. Dieses eigentliche Stechen verursacht keinen Schmerz.
Die unangenehme Empfindung, durch die man auf den Mückenstich aufmerksam wird, hat man erst, wenn es zu spät ist,, die Mücke abzuwehren, dann nämlich, wenn sie ihren Säugrüssel in die Stichwunde senkt und ihren ätzenden Saft in sie ergießt Wozu die Mücke diesen ätzenden Saft hat, weiß man übrigens noch nicht ganz sicher. Nach der einen Ansicht soll er den Blut- zufluß zu der Wunde vermehren, nach der anderen das Gerinnen des Blutes verhindern. Kompliziert wird der Mückenstich dann, wenn man die Mücke, nachdem sie gestochen hat, nicht ruhig wcg- fliegen läßt, sondern nach ihr schlägt, so daß ein Teil des Säugrüssels in der Wunde abbricht und stecken bleibt, was eine kleine Eiterung hervorruft. Das Mückengift haben verschiedene Aerzte in jüngster Zeit näher untersucht. Dabei hat sich ergeben, daß durch verschiedene chemische Agentien, z. B. absoluten Alkohol, Säuren, Alkalien, Resorzin und Wasserstoffsuperoxyd die hämolytische Wirkung des Giftes aufgehoben wirb. Jedoch gehört das „Culicin", wie das Gift nach dem lateinischen Namen der Mücke (culex) genannt wird, nicht zu den echten Toxinen, so daß eine künstliche Immunisierung dagegen wenig Aussicht auf Erfolg hat. Die Giftwirkung ist im Tierversuche (am Frosch) untersucht worden. Dabei hat sich gezeigt, das; Stoffe, die beim Versuche im Glase das Culicin zerstören, im lebenden Gewebe seine Wirkung nicht mehr aufheben können, wenn sie nach einiger Zeit erst augewendet werden, so rasch wird das Mückengift von den Geweben des Körpers aufgesogen. Ein Mittel, das das Mückengift in der Wunde zerstören und damit unwirksam machen soll, must also sogleich angewendet werden. Auster den hier genannten Stoffen, die beim chemischen Versuche sich als wirksam erwiesen haben, kommen gewöhnliche Seife und Ammoniak in Betracht; vor dem Gebrauche von festen Alkalien ist jedoch zu warnen, da ihre Anwendung Vorsicht erfordert und ein Zuviel ätzend wirkt. Das bequemste Mittel ist jedenfalls absoluter Alkohol, den man bequem in einecki Fläschchen bei sich führen kann, und dessen Anwendung angenehmer ist, als die des unangenehm riechenden Ammoniaks. Noch besser wäre es freilich, wenn man die Mücken von vornherein fernhalten könnte. Soweit dies sich auf die Wohnungen bezieht, ist es wohl möglich, ohne daß man darum zu Sommerszeit aus die offenen Fenster zu verzichten brauchte, denn man hat nichts weiter nötig, als die Fenster mit Gaze zu bespannen oder sich in Schleier oder ähnliche Stoffe zu hüllen. Für den Aufenthalt im Freien kommt das Einreiben des Körpers mit Stoffen in Betracht, die erfahrungsgemäß die.Mücken fernhalten. Der bekannteste mückenfeindliche Stoff ist das Nelkenöl, ein gelbliches, stark riechendes Oel, das wegen seiner narkotischen Wirkung bei empfindlichen Leuten leicht Kopfschmerzen h-ervorruft. Die beste Form, es anzuwenden, ist in Gestalt einer Salbe, die man durch Verreibung des Nelkenöls mit Lanolin und Glyzerin selbst Herstellen kann. Diese Salbe ist auch darum zu empfehlen, weil sie sehr sauber ist, allmählich in die Salut einzieht und ziemlich lange anhaltende Wirkungen hat. Viel zu wenig bekannt ist ein anderes mückenfeindliches Mittel, nämlich persisches Jnsekten- p-ulver, das aber nicht in Form des Pulvers, sondern als alkoholischer Auszug verwendet wird. Dieses Mittel kann man ebenfalls leicht Herstellen, indem man persisches Insektenpulver mit 70pro- zentigem Spiritus in einer Flasche tüchtig durchschüttelt, ein paar Stunden stehen läßt und hierauf den Auszug abfiltriert. Einreiben der föaut mit der so gewonnenen Flüssigkeit wirkt ziemlich nachhaltig und hat gar keine lästige Nebenwirkung.
Ändere gegen die Mücken empfohlene!: Stosse, z. B. Kampfer oder Knoblauch, wirken zwar, sind aber für den Menschen ziemlich lästig.
zeigt er sich Pichl, so kann matt sie nur fortwersen! — 'Eine verhängnisvolle Unsitte bei der Aussaat ist, daß im Vergleich zu der später benötigten Menge der Blumen zehnfach, ja hundertfach zu viel Samen ausgesät wird. Die Folge davon ist, daß die Sämlinge, wenn man sich nicht sogleich entschließt, sie durch erbarmungsloses Auslichten tzu deziinieren, viel zu eng beieinander aufwachsen und dadurch lang und schlaff werden. Aber auch wenn man durch Auslichten Platz schafft, so geht nach wenigen Tagen dieser Platz infolge der Entwicklung der Sämlinge wieder verloren; wieder muß ausgelichtet werden und so fort, und schließlich reicht der Platz, den wir auf dem Blumentisch und Balkon Haber:, doch nicht aus; vor allem, wenn wir vielerlei Aussaaten und daneben etwa noch umfassende Stecklingszucht bewirkt haben. Jn- folgedessen bekommen alle Blumen einen gedrängten Stand und' dadurch unvollkommene Entwicklungs-Möglichkeit. Auch mangelt den meisten das nötige Licht, und bald wird man die Freude, die man an der Anzucht der Blumen hatte, Verlierer:. Darunt erscheint es besser, von jeder Art nur sehr rvenige Exemplare zu ziehen, vielleicht nur eins, und dafür ihnen allen Raum und Licht zu schaffen für ein gedeihliches Wachstum. Ausbleiben des Ungeziefers, schöne Blüten und Gesundheit aller Blumen wird diese Maßnahme lohnen.
Auch kann man es mit der genauen Bezeichnung aller der Blumen, die man wegen ihrer Blütenfarbe oder wegen sonstiger Vorzüge durch Stecklinge, Ausläufer oder Ableger vermehren, oder durch Aussaat wiedergewinnen will, gar nicht genau genug nehmen; denn später ist alles vergessen. Die Holz- oder Blech- Etiketten und -Schildchen müssen dauerhaft sein und häufig nachgesehen werden, ob die Schrift nicht verwischt ist (So z. B. bei den Knollenbegonien, Lobelien, Petunien, Stiefinütterchen, Astern, Fuchsien, Hopfen, Tropäolum, Geranien, Chrysanthemum usw.) — Auch versäume man beim Einkauf z. B. des Chrysanthemums Nicht, sich, wenn man sie schon vor der Blütezeit kauft, genau Namen, Farbe und Blütezeit angeben zu lassen. Die verschiedenen Sorten blühen von September bis Ende Dezember.
Die farbenprächtigen Pantoffelblumen, und zwar beide Arten: die strauchige und die krautige, von denen in den großen; Gärtnereien eine Unmenge der schönsten Farbenspiele existieren! und fortwährend neu gezüchtet werden, sät man jetzt aus. Der seine Samen wird ganz dünn gestreut und nicht mit Erde bedeckt, sondern nnr geschlossen (unter Glas), feucht, schattig und' warm gehalten. Die winzigen Sämlinge ioerden, sobald es nur irgend geht, verstopft, später die kräftigsten einzeln in Töpfe gesetzt und immer gleichmäßig, doch nicht zu feucht und halb- schattig gehalten.
Büchertisch.
— Kosmos. Haudiveiser für Naturfreunde. IX. Jahrgang. (Heft 7, Jnbiläumsheft.) Herausgegebeii vom Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde (Geschäftsstelle: Francklüsche Verlagshandlung, Stuttgart). Das hunderttausendste Kosmosmitglied ist dal Kaum ein zweites, im Dienste der Naturwissenschaften stehendes Unternehmen ivird sich rühmen können, in einer kurzen Zeit von 11 Jahren einen annähernd so großen Kreis von Tlifgliebern et- worden zu haben. Dieser außerordentliche Erfolg ist ein Beweis, daß das in allen Kreisen unseres Volkes herrschende Verlangen nach einer Bereicherung und Vertiefung naturwiffenschaftUcher Kenntnisse richtig erkannt ivorden ist nnd daß die von: KoSnios gewählte Organisation die richtige gewesen ist. Mit besonderem Interesse ivird jeder auch von den neuen Aulgaben und Zielen hören, die der Kosmos sich anläßlich seines Ehrentages gestellt hat und die an besonderer Stelle ausführlich mitgeteilt werden.
humoristisches.
* Ein Opfer her Mode. „Mensch, wie seh'n Sic denn aus? Sie sind ja ganz schief geworden." — „Ja. . . das ist Gewohnheitssache, weil ich sonst immer .mit meiner Frau spazieren gehe."
Rätsel.
Als träges Tier mit kaltem Blut Haust es mit „M" in trüber Flut Mit „D" ist es ein Mor geweht; Doch triffst du es mit „Str", So hüte dich: es ist gefährlich Und auch nichts weniger als ehrlich. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer:
Die Zimmerpflanzen und ihre pflege.
Wochen vom 16.—29. Juli.
..., Die Keimfähigkeit der Sämereien erkennt man einfach und tiajer, rudern inan sie zwischen den Fingernägeln oder auf Papier verdruckt: zeigt sich ein Üeiner Fettfleck, so sind sie gut,
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univrrsitäts-i»uch- und Steindruckerei. R. Lang«, Giejr»


