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zu weitläufig, und ich weiß auch nicht, ob du sie verstehen
glaube doch, Papa," rief SNexa, die sich über den Rückzug, den der Graf da antr-tt rm stillen «musterte.
Aber der Graf widersprach: „Ich glaube es mcht über wie dem auch sei: ich halte es für besser, daß wer den Plan des Barons durchführen. Von allen anderen Gründen aanL abaesehen, wird dadurch veruneden, was Hans doch vermieden sehen will: es wird krstr unhöfliches Wort gegen Claire gesprochen werben, wenn diese hier als die Braut des Barons erscheint. Und in erster Linie müssen wrr daran denken, die Wünsche von Hans zu erfüllen." .
„Ganz meine Ansicht," stimmte der Baron rhm ber, wenn auch etwas gegen seine Ueberzeugung. Er war froh, daß er ihn wenigstens so weit hatte, und wollte chn nrcht daourch erzürnen oder ihn in seinem mit vieler Muhe gefaßten Entschluß dadurch wieder wankend machen, daß er ihm widersprach.
Upd er tat recht daran.
„Siehst du wohl, Alexa. Der Baron versteht nnch. Ja, ja, wir Männer wissen immer gleich das Richtige zu treffen. Nicht umsonst sagten die alten Lateiner: mulier taceat in ecclesia, was aus Deutsch etwa heißt: Frauen haben in der Versammlung von Männern nichts zu tun; denn sie reden meistens doch nur Unfinn.
„Du bist ja wirklich sehr liebenswürdig, Papa, schalt Alexa. „Ich meine, wenn du Claire wirklich Willkomm men heißt und der Mama gegenüber energisch auf deinem Willen beharrst, so ist das etwas auch wohl mein 55CTbf61tft!"
Der Gras wußte zu genau, wie recht sie hatte, trotzdem sagte er: „Na laß schon, Alexa. Auf das sultat kommt es an, nicht auf die Gründe, die es herbei führen. Im übrigen meine ich, daß wir jetzt wieder zu Mama zurückkehren. Die könnte uns sonst vielleicht suchen, vielleicht neugierig fragen, wo wir so lange gesteckt haben, und wenn wir dann in die Lage kämen, unser Wort zu brechen, — nein, das geht doch nicht."
„Unter keinen Umständen," stimmte der Baron ihm 6et.
So verabschiedeten sich denn die anderen von ihm, und der Baron setzte sich gleich hin, um an Hans einen, wenn auch nicht ganz wahrheitsgetreueii Bericht über den Verlauf des Gespräches zu schicken: ...
„—■ in drei Tagen hoffe ich bei Ihnen zu sein und in weiteren drei Tagen als „Verlobter" zurückzukehren, —- trotz des „Niemals!" von Fräulein Claire. Da der Graf und Komtesse Alexa dem Plane ihre Zustimniung gaben, braucht Ihr Fräulein Braut, auch nach Auffassung von Komtesse Alexa, in keiner Weise zu fürchten, sich irgend etwas zu vergeben. Auf alle Fälle halte ich aber eine Aussprache für unbedingt nötig. Ich komme also — auch wenn Sie mir noch abschreiben sollten! — und werde schon heute mittag beim Diner von meinem Reiseplan sprechen. Hoffentlich fällt der Herr Graf nicht aus der Rolle."
Aber der Graf fiel nicht. Im Gegenteil: er machte ein ganz erstauntes Gesicht: „Sie wollen verreisen — noch dazu xn die Garnison von Hans? Was wollen Sie denn da? Fahren Sie doch nach Berlin, wenn Sie eine Zerstreuung und Erholung nötig haben; aber dieses elende Nest von kaum hunderttausend Einwohnern, — nee, das täte ich nicht."
Der Baron erwiderte etwas von wichtigen, persönlichen Angelegenheiten, die keinen Aufschub duldeten.
„Um Gottes willen, Sie haben mich doch hoffentlich nicht falsch verstanden," rief der Graf erschrocken, „ich habe natürlich gar kein Recht, Sie hier festzuhalten. Ich bin nur traurig, daß sie gehen. Es ist doch zu komisch, wie schnell man sich so aneinander gewöhnt. Sie werden uns allen sehr fehlen. Hoffentlich bleiben Sie nicht zu lange?"
„Ich glaube, daß ich nt wenigen Tagen zurück sein Werde."
„Und Sie werden doch auch Hans aufsucheu?" fragte die Gräfin.
„Aber selbstverständlich. Ich hoffe sogar, daß wir einen sehr vergnügten Wend zusammen verleben werden. Ich habe vor einigen Tagen ganz zufällig erfahren, daß in her Garnisonstadt jetzt ein alter Freund' von mir mit seiner Familie lebt, den ich seit vielen Jahren nicht mehr sah. Es sind selten liebenswürdige, nette, kluge Menschen."
-„Adelig?"
„Nein, Frau Gräfin."
Die rümpfte die Nase, als Wollte sie sagen : „Schön faul!"
Komtesse Alexa sah den Baron ganz ängstlich an. Wenn das nur gut ging. Daß er mit seinen Worten auf die Braut von Hans hinauswollte, um das spätere Auftauchen von Claire nicht gar zn plötzlich erscheinen zu lassen, war ja klar; aber sie bewunderte seinen Mut.
Da gab er ihr ein Zeichen, ihm zu helfen, etwas auf sein Gespräch einzugehen, und so fragte sie denn: „Haben Ihre Freunde Kinder, Herr Baron?"
„Nur eine Tochter, Komtesse. Und ich bin sehr begierig; wie die sich entwickelt hat. Ich glaube, ich sah sie vor fünf Jahren zum letztenmal. Wenn die gehalten hat, was sie damals versprach, dann muß aus ihr eine seltene Schönheit geworden sein. Ich freue mich sehr darauf, auch Claire — sie heißt nämlich Claire, Komtesse endlich einmal wiederzusehen."
Der Graf hob warnend den Finger: „Na, na, Herr Baron, Sie werden doch nicht?" *?
Der verteidigte sich: „Ich bitte Sie, Herr Graf a in meinem Alter —"
„Alter schützt vor Torheit nicht," rief Alexa.
„Erlauben Sie mal, Komtesse — so alt bin ich den» aber doch noch lange nicht!"
Er tat, als sei er auf das empfindlichste in seiner Eitelkeit gekränkt. Aber sein Augenblinzeln bewies ihr; daß er sich nur so stellte.
„Pardon, Herr Baron; so meinte ich es natürlich nicht. Aber was ich fragen wollte: Sie sprachen vorhin davon; Sie hofften, mit Hans einen lustigen Abend zu verleben —? wollen Sie ihn mit Ihrem Freunde zusammen einladen?"
„Wenn Ihr Herr Bruder nichts Besseres Vorhut allerdings. Kasinokneipereien kann ich nicht mehr vertragen, — weniger der Champagner als die Unterhaltung geht mir auf die Nerven. 2(6er so ein Abend in einem hübschen Restaurant — ein kleines, nettes Diner —. drei Herren, zwei Damen das lobe ich mir."
„Wer ist denn die zweite Dame?" fragte die Gräfin.- Sie hatte sich bisher nicht an der Unterhaltung beteiligt; die interessierte sie nicht. Erst als sie hörte, daß ihr Sohn mit zu diesen Leuten eingeladen werden sollte, wurde sie aufmerksamer: so ganz passend fand sie die Sache nicht, der Baron, eine junge Dame, Hans, noch ein Herr, noch eine Dame wie kam der Baron, den sie für das Muster von Solidität hielt, plötzlich in einer ihm ganz fremden Stadt zu soviel Damenbekanntschaften?
(Fortsetzung folgt.) '
Aus dem IagdLagebuch des Kronprinzen.
Eine frische impulsive Persönlichkeit spricht sich in diesem Werk ans, ein warne fühlender Mensch, der seine eigene Art hat,- die Dinge zu sehen, und seinen eigenen und natürlichen Ton, sie auszudrücken. Den Jäger wird es fesseln, von Jagden zü hören, die nicht jeder Anhänger des edlen Weidwerks zu erleben Gelegenheit hat. Aber manchem Leser wird der Gesamteindruck des Buches wichtiger sein. Es ist sehr anschaulich geschildert; wie der König des Dschungels in Indien gejagd wird, und doch sind Randlinien um das Bild gezogen, an denen viele Augen noch interessierter haften werden, weil in ihnen das Wechselspiel der Stim'mungen, die den Jäger bewegten, unmittelbar aufgefangen ist. So wenn er im Aufbruch zur Tigerjagd die Frage aufwirft; ob tut indischen Märchenlande die Morgen- oder die Abendstunden die schöneren sind, und wenn auch der Zauber des indischen Abends den Preis erhält, jetzt, beim Einatmen der herrlichen Morgen- lüft: „Wenn man entzückt lauschte, tote die Vögel sangen und in den Zweigen Hunderte Munterer Tauben im Geäst zärtlich gurrten, und wenn man den Fluß silbern zünr geblendeten Auge herüber schimmern sah, war man wahrhaftig — wie wir sagen —■ „gerne Soldat". Eine lange Wattezeit, eine „schier unerträgliche Zett tu Licht und Glut bei dieser unausgesetzten Anspannung aller Sinne", vergeht, bis endlich der „sehnlich erwartete" Tiger zum! Vorschein kommt. Und dann liest man: „Ich Ivar so vollkommen in den Slnblick des herrlichen Tieres versunken, daß ich fast vergaß, die Büchse zu heben. Die Mündung schwankte ganz erheblich, aber endlich krachte der Schuß. . Das ganze Jagd-? bild jedoch gipfelt im folgenden Schluß:
„Dieser heiße indische Jagdtag wird Mir für mein ganzes Leben unvergeßlich bleiben. Oft, wenn ich jetzt Meine gute Doppelt büchse in die Hand nehMe, steigt sein Bild vor mir auf. Grelle weiße Sonne, Hunderte brauner Kerle, ein scharfer, fremder Ge- Ötoie man ihn nur dort findet, so ein Duftgemisch von
lanch, Sandelholz und Holzkohle, und endlich das samtweiche; gelbe Fell des Königs der Dschungeln. . „


