Ausgabe 
10.6.1912
 
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witziger Mann einmalHerrgottsschnitzer" genannt hat. Da sind 9. B. die ohne Arme geborenen FuMnstler, die in fniheren Jahren sehr zahlreich waren. Gottfried Dietze, C. p. Unthan hießen die Beiichmtheiteii dieses Faches, die ihre Füße wie dre anderen Menschen die Hände zu gebrauchen wußten, zeichneten, schrieben usw. Dietze vermochte die feinsten Nähnadeln einzlw- Kdeln und hatte solche Fertigkeit erlangt, seine Füße, die ihn er­nährten, zn gebrauchen, daß er zu sagen pflegte:Wenn nur letzt die Hände wüchsen, ich wüßte gar nicht, was ich mit solchen Dingen ansangen sollte!" Schon aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert wird von solchenRumpfmenschen" berichtet, und es gibt, auch von Frauen dieser Art, Bilder und Gedichte, in denen sre ver­ewigt wurden.

Riesen und Zwerge hat es allen Zeiten gegeben; wollten wir die Berühmtheiten dieses Genres aufzählen, so würden wir ein Buch schreiben nrüssen. Doch möchten wir als solche, die sich in dem letzten Jahrhundert als Abnormitäten sehen ließen Und eine gewisse Weltberühmtheit erlangten, den Riesen Murphy nennen, der in den fünfziger Jahren in der ganzen Welt auf­trat, und den Napoleon III. durchaus mit einer Schweizer Riesin Marie Schubiger verheiraten wollte, um ein Riesengeschlecht heran- zubilden. Die Idee scheiterte daran, daß die Schubiger bereits verheiratet war, obwohl sie immer noch unter ihrem Mädchen­namen auftrat. Wie der Name Murphy geradezu sprichwörtlich wurde für riesenhafte Menschen, so war Tom Ponce, den der be­rühmte Barnum aus eigener Machtvollkommenheit zum General Tom Ponce ernannte, der stehende Name Mr Berühmtheiten von besonders kleiner Gestalt. Eigentlich hieß er Tom Thumh, war 1838 geboren und starb 1883. Er hat das Verdienst, Barnum reich gemacht M haben, denn er war jahrelang dessen Haupteinnahmequelle, stand sich aber selbst dabei noch ganz gut, denn im Zcnith seiner Berühmtheit, im Jahre 1847, hatte er ein Jahreseinkommen von 15000 Pfd. Sterling. Spätere Berühmt­heiten dieser Art waren der Zwerggeneral Mite und die Prin­zessin Pauline.

Andere Abnormitäten waren die zusammengewachsenen Menschen. Seitdem die beiden zusammengewachsenen Siamesen Chang und Eng, die im Jahre 1811 in Macklong ge­boren waren, in den Jahren 1829 und 1870 nach Europa kamen, um sich für Geld sehen zu lassen, hat man diese Art ÄbUormitäi stets^,siamesische Zwillinge" genannt. Aufsehen erregten besonders die Schwestern Rosa und Josepha Blaczek aus Skreychow in Böh­men, die sich verschiedentlich für Geld sehen ließen. In diesen und anderen Fällen waren zwei völlig ausgebildete Menschen zu­sammengewachsen. Im Jahre 1890 aber wurde in Amerika ein Kind mit zwei Köpfen gezeigt, das bereits acht Monate nach der Geburt starb. Eine ähnliche Abnormität lebt bei Venedig in einer kleinen Villa, die sich der Wundermensch Johann Jacob Toccio vom Ertrage der Schaustellungen erworben hat. Tocciv, der im Jahre 1877 geboren ist, hat zwei Köpfe, 4 Hände, aber im übrigen nur den Körper eines Menschen. Beide Oberkörper unterhalten sich, zanken sich auch. Noch merstvürdiger ist der Hindu Laloo, der im Jahre 1882 auf der indischen Ausstellung in London toarunb von dort aus eine Reise durch die Welt machte. Aus der Brust dieses Mannes ist der Körper eines Mädchens, dem der Kopf fehlt, so herausgewachsen, daß man annehmen mußte, dieser Kopf befinde sich in der Brust Laloos. Groß ist die Zahl der behaarten Menschen, insbesondere der Frauen mit Bärten. Berühmt war be­sonders die Miß Julia Pastrana, eine mexikanische Tänzerin/ die m den fünfziger Jahren durch Europa reiste und 1860 in Rußland starb. Mch ihr Name wurde sprichwörtlich Kr ähn­liche Abnormitäten, obwohl es schon Mannweiber dieser Art in früheren Jahrhunderten gab, so die Amazone Rusinowska, dis der polnische Reichstag im Jahre 1505 hängen ließ, und selbst auf alten Heiltgrnbildern fanden sich derartige Wnormitäten abge- bildet. Auch Männer mit besonderer Behaarung haben sich sehen lassen, so Jojo, derMann mit dem Hundegesicht". Virchow hat nachgewiesen, daß solche Behaarung oft die Folge einer Haut­krankheit ist. Eine andere merkwürdige Art der Abnormitäten siird die Skelettmenschen, verknöcherten Menschen usw. Eine Be­rühmtheit auf diesem Spezialgebiet war Count Orlvff, der vor etwa acht Jahren in Teplitz starb. Er litt an Knochenschwund, mib eine gallertartige, fast durchsichtige Masse ersetzte Haut und Knochen. Die Hand seines Managers war deutlich durch sein Bein zu sehen. Ein eigener Sarg mußte angefertigt werden, um den Leichnam des Verkrüppelten in. sitzender Stellung, wie er die lebten Jahre gelebt hat, aufzUnehmen. Damit ist die Reihe der Abnormitäten natürlich lange nicht erschöpft, zumal wenn man die Berühmtheiten des Humbugs noch hinzurechnet, von deneir die 145 Jahre alte Amme Washingtons erwähnt werden mag, mit der Barnum sein Geschäft begann, die natürlich ein beträcht­liches jünger und niemals Amme gewesen war, aber doch von den Amerikanern gern angestaUnt wurde.

Die Zimmerpflanzen und ihre Pflege.

Woche vom 11.17. Juni.

P^chmals die Topsrosen! Aus den abgeblühten Trieben wer­den gleich Stecklinge gemacht. Man kann diese Vermehrung zwar

wMMer.

auch bis in den Hochsommer verschieben, doch fügt es sich gleich beim Schnitt, also kurz nach der Blüte, am besten. Mau schneid^ die Stecklinge nicht, sondern reißt sie mit kurzem Ruck ams vorjährigen Holz ab, glättet sie mcht, höchstens. kürzt man die mitabgerissene Spitze des Splint-Holzes etwas ein, schneidet sie bis auf 34 Augen zurück und steckt sie schräg, so!daß die Wund­fläche wagerecht zu liegen kommt, in die oberste reine Sandschicht der: Töpfe ober Kästen, die man Mr sie herrichtete, und die über einer starken Lage Scherben mit lehmiger Gartenerde, über dieser aber mit der erwähnten 23 Zentimeter starken Sandschicht geflillt sind. Hier werden die Stecklinge gedeckt und schattig gehalten und häufig gespritzt. Der vollen Sonne ausgesetzt, bewurzeln sie sich zwar, wie Nelkenstecklinge, sehr viel rascher, doch muß man sie dann beständig (mindestens alle Viertel­stunde) überspritzen, weil sie sofort verbrennen, wenn sie int geringsten austrocknen. Nach der Bewurzelung wird das >Gießjen sorgfältig beobachtet, und während des Herbstes und Winters olerben die Stecklinge in ihren Gefäßen. Man reißt solche Steck­linge außer von den Topfrosen auch von den geeigneten Sorten; der Gartenvosen, um diese ersteren nicht zu sehr zu schädigen.

Die Schmuckmalven (Mutilon) Mr Winterblüte muß bis Ende Juli durch Entspitzen am Blühen gehindert werden. BrUnselsia kommt jetzt erst ins Freie (geschützt. Halbschattig). Cyclamen (Alpenveilchen): zeigt srch der Trieb) reinigt und verpflanzt man die Knollen: Töpfe nicht zu groß: guter WassevabUlg durch Scherbeneinlage; Erdmischung: .Laub- und Mistbeeterde, dazu Sand; lose pflanzen und nur zu Vs in die Erde! Hellstellen und erst allmählich mehr Wasser. Cytisus (KleestrauchoderGaisklee) nach der Blüte zurückschneiden, sonnig stellen, reichlich gießen und Münzen. RUsselia kann ins Freie gehäimt werden (hell und luftig!). Salvia patens (Blauer Salbei): Wunderschön! Jetzt Aussaat; später ein- zeln in Töpfe: Lehmerde und Lauberde, daM Sand und etroaS. Kalk. Tri tonia aurea (Crocvsmiä) nach der Blüte all­mählich trockener; wenn die Blätter abgestorben, ganz trocken halten, jedoch heil! Ruhezeit bis zum Herbst (in den Töpfen belassen). Veronica (Ehrenpreis): wir empfehlen: Hy- brida und Diosmifolia. Jetzt Aussaat. Später in Töpfe (kräftige, lockere Erde) und ins sxreie. Vermehrung durch Steck­linge von älteren Pflanzen im

humoristisches.

^Auszeichnung.Papa, heut hab' ich in der Schule zwei Lobe" bekommen, eins für gutes Gedächtnis."Unb das andere?"Darauf kann ich mich nicht mehr besinnen."

* Leichte Abhilfe. Sie (nach vorausgegangenem Streit schmollend):Das istnicht schön von dir, Max, daß du st einsilbig bist!" Er (ärgerlich):So nenne mich doch Maxi­milian !"

* Logisch.Da haben Sie mich extra aus der Schtveiz verschreiben lassen, Herr Baron, weil sie einen robusten, kräftigen Diener brauchten, und jetzt bezahlen Sie mich nicht!"Lieber Freund, wenn ich bezahlen könnte, tvürde ich keinen kräftigen Diener brauchen!"

schachausgade.

Schwarz.

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8

8

6

5

5

3

3

2

Weiß.

Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummer: Sanb Leder Haus Ober Poft Eichet Nebel Ha()n Angel Uhr Esche liegen;

Schovenhaue r.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Stete*