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• !) Vgl. zu diesen Ausführungen: Heppe, die Restauration des Katholizismus in Fulda usw. Marburg 1850. BÜff, Verbreitung der ev. Lehre, ihre Schicksale und folgen im Stift Fulda usiv. in Zeitschrift für die histor. Theologie. Jahrg. 1846. Goeßmann, Beiträge zur Gesch. des vorm. Fürstentums Fulda usw. Fulda 1854. Hassenkamp, Hess- Kirchengesch. int Zeitalter der Res. Marburg 1855. Bd. 2, S. 287 ff. Hattendorfs, Die Gegenreformation in Fulda. _ vi , m
2) S. Erklärung der Bürgerschaft von Fulda in einer Beschwerde an den Landgrafen vom Iahte 1573 bei Hassenkamp II. g. 290 f.
3) Bgl. Goeßmami, Beiträge usw. S. 137.
Staatsarchiv zu Marburg gefunden hat. Da von katholischer Seite bestritten wird, daß Herbstein überhaupt lemals evangelisch ge- weseu sei, mags gerechtfertigt sein, wenn wir in diesem' Kapitel die geschichtlichen Quellen etwas ausführlicher reden lassen, als cs sonst nötig wäre. Wev auf klare geschichtliche Zeugnisse etwas gibt, wird dann über die Richtigkeit des Dargestellten nicht mehr im Zweifel sein.
Herbstein gehörte Von jeher zur Mtei Fulda. Als Be- währerin der Gebeine des heiligen Bonifatius gewann das Von Bonifatius 744 in einer damals fast unbewohnten Einöde an der Fulda begründete Kloster schon früh großes Ansehen. Reiche Landschenkungen dem Heiligen zü Ehren und der Seele des Schenkers zum Heile floffen dem Kloster zu, dessen Abt bald einer der reichsten Laudherrn in Deutschland wurde und schließlich den Titel eines Fürsten in Buchonien annahm. Weit, Äber die Rhön und den Vogelsberg hinüber und bis nach Thüringen hin erstreckte sich sein Gebiet. Aber im 16. Jahrhundert erlitt die Landeshoheit des Wrstabts großen Abbruch. Die zahlreiche im Stifte ansässige Ritterschaft schloß sich als buchonisches Quartier an den Rhön-Werragau der fränkischen Ritterschaft an und erlangte dadurch ihre Reichsunmittelbarkeit. Diese Ritter waren schon im wohlverstandenen eigenen Interesse der, Reformation freundlich gesinnt. Dagegen hatten die Wrstäbte ein eignes dynastisches Interesse daran, ihre Untertanen beim alten Glauben zu halten. Sie alle waren Gegner der Reformation, keiner war ihr Freund. Trotzdem aber fand das Evangelium in der ganzen Abtei Eingang in einem Maße, daß gegen das Jahr 1570 nach dem übereinstimmenden Zeugnis aller fuldischen Geschichtsschreiber fast die ganze Abtei mit samt der Stadt Fulda evangelisch war, d. h. verheiratete evangelische Pfarrer hatte, die das Wangelium lauter und rein predigten und das Hk. Abendmahl in beiderlei Gestalt (b. h. mit Brot und Wein) der Einsetzung gemäß spen- beten.1 2 3) Selbst in der Stadtkirche zu Fulda — man kann sich s heute kaum noch vörstellen — wurden Luthers Lieder gesungen Und Luthers Katechismus Kindern und alten, Leuten gelehrt?)
Einer der ersten evangelischen Prediger in der Fürstabtel Fulda war der Pfarrer Adam Kraft zu Fulda, der sich schon 1522 zur neuen Lehre bekannte und in der Pfarrkirche evangelisch zu predigen begann zumj großen Leidwesen des Abts) „der Kraft wegen seiner Gelehrsamkeit und Beredsamkeit hochschätzte. Obwohl die Bevölkerung Kraft anhing und auch der Coachutor des Abts ihm zugetan war, er mußte doch von Fulda weichm. Er fand Anfang 1525 in Hersfeld, dessen Abt Erato Miles Luther auf der Rückreise von Worms aufs freundlichste aufnahm' Und evangelisch gesinnt wär, wieder Amt und Brot. Dort hörte ihn der Landgraf Philipp und machte ihn dann zu seinem Hofprediger, in Welcher Stellung' er den Landgrafen iM evangelischen Glauben stärkte und großen Einfluß auf die Einführung der Reformation in Hessen gewann. Andere folgten Kraft nach. In Vach predigte Georg Witzel lutherisch und wollte sich — was bis dahin für einen Geistlichen unerhört war — ein Weib nehmen. In Dipperz legte ein ungenannter Prediger und an einem anderen ungenannten Orte Balthasar Reyd das Evangelium aus. Auch in Herbstein soll in dieser Zeit schon ein Pfarrer Namens Just Leinig „für den Umsturz des alten Glaubens und der Hierarchie gewirkt haben?) ließet sein weiteres Schicksal habe ich nichts erfahren können, dagegen wird uns berichtet, daß Balthasar Reyd, seinen mächtigen Gegr nern weichen mußte, daß aber die Begeisterung des Volkes für die Reformation damals schon so groß war, daß di« Bürger Fuldas und die Bauern der Dörfer mit Weibern und Kindern im bewaffneten Aüszuge und mit Fahnen, oft bei Sechshundert, zu dem evangelischen Gottesdienst in Dipperz zogen. Ein wirklicher Sturm erhob sich hegen das Alte 1525 iM Bauernausruhr. Ein Heer Vogelsberger und buchonischer Bauern erscheint vor Fulda und hält im Einverständnis mit der Stadt und dBM gemeinen Wusschüß der Landschaft dem Abt die 12 schwarzwälder Artikel zur Annahme vor, worin Freigabe des Evangeliums verlangt würde. Der Abt muß annehmen, ivas er nicht ablehnen kann. Infolgedessen und infolge eines Zugs des inzwischen evangelisch gewordenen Landgrafen Philipp ins fuldische Gebiet zur Niederwerfung eines zweiten Bauernheeres macht die Reformation in der Abtei weitere Fortschritte. Herbstein hat wiederum einen evangelisch gesinnten Prediger in seinen Mauern. Diesmal war es der Pfarrer Caspar Haun (auch Hun, Hüne, Humus genannt), der 1527 seine Gemeinde zu reformieren versuchte,
aber dieses Versuches wegen in die Verbannung geben mußte. Wir lassen ihn selber dqrüber erzählen?) „Anno 27 uff Mittwochen nach Ursula hat mich der hochwirdige Apt Johann von Hennen- bergk von der Pfar Herbstein laßen abfordern durch seine Hoffrede (Hosrätiö), darumb daß ich mich nicht hab wollen der papistischen Kirchen mit ihren falschen und betruglichen ctiie monien gleichformich halten und beweysen, doch mir «tuten schriftlichen abscheidt von der fuldischen Eantzelei mit geteylett und vergönnet, mich anderß wo nicht zu verhindern sondern viel mehr zu fördern, den ich noch darzuthun hab. Dießem abscheidt noch hat mich der gnädige und Ehrenveste Hermann Rietessell Stadthalter an der Lone und Magister Adam (Kraft) gefordert gehn Marpurgk und an mich angesunnen, so ich dem Evangelia fürthers dienen wolle, wollen sie mir dienst verschaffen im fursteuthumb von Hessen, bei unferm gnädigen fürsten und Herrn, darinnen ich ihnen bewilliget, und jha zugesagt hab, und mich nach folgens uff Sucie Anno „ 27 mit fürstlichen schriefften gehn Echzell uff die Pastorey bernsten und eyngesetzt etc.".
Zn Echzell hat Kaspar Haun ungehindert tun dürfen, was ihm in Herbstein versagt war. Er konnte dort die Reformation einführen, eine Schule begründen, die Pfarrei, finanziell sicher stellen und in Segen wirken bis zu seinem zwischen 1555 und 1565 erfolgten Tode. Herbstein aber erhielt vorläufig imeber einen katholischen Pfarrer. Mit allen Mitteln suchte der Abt das Eindringen der Reformation zu verhindern. Ms 1529 neunzehn Bürger bekannten, daß sie in Hünfeld von einem „evangelischen Prediger das Abendmahl in beiderlei Gestalt empfangen unb später zur Wiedertäuferei verleitet worden seien, ließ er sie, soweit sie nicht widerrufen wollten, im Jahre 1530 aus dem Marktplatze zu Fulda 'enthaupten. Aber auch solche Ab- schrecknngsmittel halfen nichts. Die neue Lehre drang trotzdem weiter ein. Die Bürger von Hammelburg verlangen einen evangelischen PrMger, und wie der Abt die Bitte abfchlagt, erklären sie sich bereit, für die Besoldung aus eigenen Mitteln aufzu- kominen. Der Abt kanus ihnen nicht verwehren, daß sie sich einen evangelischen Hessen, Johann Spangenberg aus Breitenbach, zum Pfarrer wählen, und so müß «er eine Position nach der andern verloren geben. 1541 kommt Abt Philipp von schwems- berg zur Regierung. Bei seinem Regierungsantritt wird das Verlangen an ihn gestellt, er solle das Wort Gottes lauter und rein verkündigen lassen unb das Abendmahl in beiderlei Gestalt ge- statten. Ter Abt muß dem Drängen des Volkes uach- geben und erläßt 1542 eine mit Hilfe Wiyels verfaßte Resor- mationsordnung. Sie enthält 12 Artikel und ist für afle Städte, Dörfer und Flecken des Stifts bestimmt. Das hl. Abendmahl in einer ober beiden Gest alten z u empfangen, wird eines Jeden Andacht und Gewissen überlassen. Es soll kein Teil den andern deshalb schelten oder schmähen. Auch die Kinder deutsch ober lateinisch taufen z n lassen, wird jedem frtitgegeben. Desgleichen werden deutsche Gesänge vor und nach der Predigt gestattet. Die PfarreienundPredigt st ühlesollen mitgelehrten christlichen Psarrherrn und Predigern versehen werden, di« das Wort Gottes rein, deutlich, klar und verständlich verkündigen. Cölibat, Fastengebot und Mönchsgelübde werden mit Stillschweigen übergangen. „Dieser Zeit Zankartikel sollen nicht gepredigt werden, dafür aber soll man sich der Armen und Kranken annehmen." Damit erhielt das Evangelium gesetzliche Existenzberechtigung un Gebiete der Abtei. 1543 wurde das Kloster Schlüchtern reformiert und in ein Gymnasium umgewandelt. Eine Gemeinde nach der andern schloß sich der evangelischen Bewegung an. Aber das war nicht nach dem Willen des Abtes. Die Reform'attonsord- nung, die man ihm abgenötigt hatte, suchte er mit Hilfe des Mainzer Erzbischof wieder ungültig zu machen. Er fügte in bett deutschen Text die Klausel ein, daß sie nur bis zu einem allgemeinen Nationalkonzil zu gelten habe. Durch einen geheimen Eid suchte er die Geistlichen des Stifts zu nötigen, „daß sie das Wort Gottes nach katholischer Weise verkündigen, die Sakramente nach der früheren Ordnung ausspenden und alles so verrichteti wollen, wie es vor der jetzt bestehenden Irrung in der Kirche geschehen sei". Dadurch' aber erreichte der Mt nichts als, daß er die evangelisch Gesinnten zum offenen Uebertrift zum Luthertum reizte.
(Fortsetzung folgt.)
«) Bericht Hauns an die landgräfl. Regierung in Kassel, mitgeteilt von Dich! in Beiträge z. Hess. Kirchengesch. Bd L » 2 S. 159 f. nach Großh. Haus- und Staatsarchiv V, 4 Konv. 108 Echzell. .
Abnormitäten.
Der internationale Kongreß der Abnormitäten, der zur ZM in Berlin tagt, läßt die Erinnerung an einige Berühmt- beiten auf diesem Gebiete der Naturspiele aufkomMen, die ein


