Ausgabe 
10.4.1912
 
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Morgen um diese Zeit," gab er seinen Gedanken Aus­druck,schwimmen Sie schon draußen auf dem Meer

Ä8W »ch ,i« WM eine B*. «d» Urung.Wie traurig," fügte sie leiser hinzu. 5^ uns so gut verstanden. Sollte es denn imrklrch lern .Wiedersehen für uns geben?" Bittend sah sre rhn an.

Er schüttelte mit trübem Lächeln den Kopf. .

Sie werden schwerlich ein zweites Mal nach Island f rytnin PTt11 ,

Das allerdings wohl kaum aber Sie doch viel- keicht' einmal wieder nach Deutschland?"

Er zuckte schwermütig die Achseln.Wer werßi Mein Beruf hält mich hier fest. Freilich, es zieht mich schon lange nach der Heimat. Einmal wieder den deutschen Wald zu sehen was gäbe ich drum!" ,

Aber das muß doch einzurichtcn gehen, daß Sre ernmal ab kommen!" redete sie eifrig auf ihn ein.Seher Wen]*, und besonders Sie in Ihrem schweren Berus, haben doch einmal eine Ausspannung nötig. Und ein Vertreter wird sich schon finden lassen."

'Das wohl schon," gab er zu.Aber es ist da auch stoch etwas anderes" antwortete er ausweichend, mit traurigem Ausdruck.Und vor allem: die Reise i,t zu weit, die Verbindung zu schlecht. Ich würde mn paar Monate fort sein müssen und das geht nicht! entschlossen

O, wie traurig, wie jammerschade!" klagte sie; sie hatte sich schon in Hoffnungen gewiegt. Schweigend legten sie, jeder in ernstes Sinnen versunken, weiter ihren Weg zurück. . . ,

Plötzlich aber fuhr sie auf, mit einem neuen Aufleuchten UU 0Aber wenn es nun auch nicht Deutschland ist wenn Sie ein näheres Reiseziel wählten, ein Land, wo Sie auch den schönen grünen Wald sehen könnten Norwegen zum Beispiel!" , , , ,

Er sah auf, überrascht. Dann aber antwortete er:

Ja freilich es wäre auch schön. Wer wir haben keine direkte Schiffsverbindung. Es wäre daher diefelbe Sache."

Aber sie hatte einen Plan, einen kühnen, eben tnt Flug gefaßten Plan. O, wenn der sich ausführen ließe, wenn fie ihn dazu bewegen könnte! Ihr Herz klopfte leb­haft, wie sie sich nun eifrig, mit heimlich hoffenden Blicken an ihn wandte: . t r

Sie hätten aber eine ausgezeichnete, nie wiederkehrende Gelegenheit, schnell nach Norwegen zu kommen wenn Sie sich uns anschlössen. In vier Tagen sind wir dort!"

Mit hochgespannter Erwartung blickte sie auf ihn.

Es zuckte in seinem Gesicht leise auf; aber er ant­wortete nicht. Doch sie sah es seinen Zügen an, daß es in ihm arbeitete. Da drang sie auf ihn ein, schmeichelnd, bettelnd wie ein Kind.

Es wird gewiß gehen. Ueberlegen Sie sich es nur einmal ruhig. Es wäre ja zu herrlich, wenn Sie nntkämen. Ich würde mich ja so unbeschreiblich freuen! Also, Sie dürfen nicht nein sagen bitte, bitte!"

Er kämpfte in der Tat ernstlich mit sich. Der Gedanke, der ihm da so plötzlich in die Seele geworfen wurde, hatte ihn gepackt er war ja so lockend! Einmal hinauszukommen in die herrliche Gotteswelt sein ewiges, tristes Einerlei zu vergessen, alle Sorgen für Wochen hinter sich zu lassen, frei und froh aufzuatmen ah, welche Wonne müßte das fein! Und warum sollte er es sich nicht einmal gönnen? Was ungezählte Tausende in seinem Berus jahraus, jahrein unbedenklich taten? Freilich, die Verhältnisse bei ihm lagen ja ganz besonders; aber trotzdem! Ein Vertreter wäre schließlich doch zu beschasfeu.

Und wie lockend klang ihm zu alledem ihre weiche, bittende Stimme im Ohr! Gerade mit ihr zu reisen, die ihm in diesen Stunden eine so liebe Kameradin geworden war, das wäre erst voller Genuß gewesen. Mit einer Seele, die so ganz mit ihm empfand, so jugendlich warmherzig sich begeisterte.

Unwillkürlich sandte er den Blick zu ihr, wie sie in ihrer ganzen frauenhaften Anmut da neben ihm harrte in gespannter Erwartung, bereit, mit Hellem Jubel sein Ja zu lohnen, mit frohlockenden, dankerfüllten Augen. So warm trieb es ihn zu ihr, ihr diese Freude zu machen und sich selbst, schon schwebte ihm das zusagende Wort auf

den Lippen da zog plötzlich ein düsterer Schatten über sein Gesicht: ein anderes Bild tauchte plötzlich vor ihist aus, von dem stillen Hause da drüben her.

Konnte er wirklich an sein Vergnügen denken, wo eine heilig-ernste Pflicht ihn hier hielt? Wollte er sich wirklich auf lange Wochen von hier entfernen, wo er der einzige Trost einer vom Schicksal zertretenen Seele war, die sonst nichts mehr auf der Erde hatte?

Ein schmerzlicher Widerstreit seiner Empfindungen riß ihn hin und her.

Frau Söllnitz sah den veränderten Ausdruck seiner Züge und sie fühlte, daß ihr Hoffen umsonst gewesen.

Ich sehe. Sie wollen nun doch nicht," traurig sagte sie es, und mit einem Anflug von Bitterkeit'fügte sie hinzu: Es lohnt sich eben nicht für Sie, unsere Bekanntschaft fortzusetzen. Ich will Sie nun auch nicht mehr drängen bleiben Sie ruhig hier Sie sollen sich nicht etwa mir zu Gefallen Unannehmlichkeiten bereiten."

Es hatte leise aufgezuckt in seinem Gesicht bei ihren Worten, doch er erwiderte nichts. Daß er aber nicht einmal eine Antwort für sie hatte, in diesem Augenblick, wo sie ihm verraten hatte, wieviel ihr an einem Zusammensein mit ihm! gelegen war, wo sie im innersten Herzenswinkel immer noch gehofft hatte, daß ihn dieses Bekenntnis noch um- stimmen könnte, das traf ihren Frauenstolz, und plötzlich hielt sie ihr Pferd an:

Was sollen uns eigentlich noch diese letzten, trüb­seligen Minuten? Wo wir doch scheiden sollen! Ich liebe solch langsames Wsterben der Stimmung nicht. Lieber ein Ende aus dem Vollen heraus! Also," sie hielt ihm mit vollem Entschluß die Hand hin,leben Sie wohl, Herr Doktor. Und haben Sie Dank für die Stunden mit »Ihnen!

Er blickte mit wirklichem Weh in ihr ernstes, schönes Gesicht. Wie gern hätte er ihr gesagt, was in seinen? Herzen so taut rief: nein, nein! Es ist ja nicht das! Wie gern ginge ich mit dir! Es lockt mich ja so zu dir hin! Aber die Worte kamen ihm nicht über die Lippen.

(Fortsetzung folgt.)

Gruselicher Nachtdienst.

Skizze von Arthur Achleitner (München).

In der Eßstube der Heinen Grenzerstation auf österreich­ischem Boden unterhielten sich an einem Augustabend vorigen Jahres drei Grenzaufseher, gemeiniglichFinanzer" genannt, über die Frage, ob teS im Dienst der Finanzwache, bezw. cm Schmuggel etwas geben könne, was noch nie vorgekommen sei. Der dienst- jüngste Finanzer hatte diese Frage wißbegierig und lerneifrig aufgeworfen, um im Wege der Diskussion dienstliche. Erfahrungen zu sammeln. Der zweite der Grenzaufseher gab bie Möglichkeit dienstlicher Erlebnisse absonderlicher Art zu, 'vermochte aber nicht, Beispiele anzuführen. Der dienstälteste Finanzer namens Fnrchte- nicht hingegen äußerte im Tone der Ueberlegenheit ziemlich weg­werfend, daß alle Schmuggler buimne Kerle seien, unfähig, neue Kniffe zu ersinnen und mit Schlauheit ausznführen. Habe ein Grenzausseher zehn Dienstjahre in verschiedenen Grenzstationen hinter sich, so sei >ös ganz unmöglich, undenkbar, daß sich tnt Dienst etwas Neues ereigne.Immer die alte Leier, die alte Wurscht! Und strapaziös der Dienst bei schlechter Bezahlung! So schlecht ich imomentan bei Kasse bin, fünf Liter Wem zahlt ich mit Vergnügeli, wenn mir im Dienst an der Grenz etwas ganz Neues, ein noch nicht erlebtes Ereignis Unterkommen wurde! Ich möchte als alter Finanzer mal im Dienst das Gruseln kennen lernen! Ist aber unmöglich!"

Der dienstjüngste Gelbschnabel wagte eine Anspielung auf den Schreibnamen des DienstältestenFürchtenicht"; der Träger eines solchen Namens werde allerdings das Gruseln un Dienst mC kennen lernen. Der junge Finanzer fügte bet:.omrcht Und Anglt int Nachtdienst muß wohl was Schreckliches |etn! Gott behüte mich davor!" '

In lebhaftem Tons erwiderte Fürchtenicht:Es sieht bei Nacht, besonders bei stürmischer Witterung, alles viel schlimmer aus, als es ist' Gespenster gibt es bekanntlich nicht, tauchen zuweilen solche Gestalten auf, so entpuppen sie sich immer als Schmuggler, in Leinentücher eingehüllt! Langweilig ist der Dienst 'worden in bezug auf dasSchwärzen"!"

Ein greller Blitz erleuchtete die von abendlicher Dämmerung erfüllte Stube.

Oha!" rief Fürchtenicht und bekreuzte sich.

Dumpf rollte der Donner. Ein Gewitter zog heran. Schott raschte es mächtig vom nahen Walde her, der Wind zwang die unzähligen Fichtenwipfel zu demütigen Verbeugungen, blies mit vollen Backen in Ajeste und Zweige^