Ausgabe 
10.2.1912
 
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Samstag den O. Kebruar

Z8V

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Glückslasten.

Moman von Hanns von ZoveltiA

(Nachdruck verboten-)

(Fortsetzung.)

Dktzsmm brachte Vater aber mit Absicht das Gespräch auf das Gerücht über die bevorstehende Nobilitierung Braunsteins.

Zuerst zuckte Friedel nur geheimnisvoll die Achseln. Dann lächelte er sein diplomatisches Lächeln, und schließ-» lieh sagte er zögernd:Es wird schon stimmen."

Als darauf kerne Erwiderung folgte, die er wohl er­wartet^ hatte, fuhr er selber fort:Die Tatsache wird ja natürlich großes Aufsehen erregen und in unseren Kreisen manche Verwunderung. Vielleicht tvird man auch daran herumnörgeln. Iw/ bitt -euch, als ob es nicht immer neben dem alten auch einen neuen Adel gegeben hätte. Immer und überall: Es kann ja gar nicht anders sein: der Adel, wenn er lebensfähig bleiben soll, bedarf des Zuflusses neuer Kräfte, neuer Vermögen, frischen Blutes."

In Vater regte sich doch die Tradition:Zugegeben, Friedel. Nur, weißt du, kann man über die Qualität des zuzuführenden Blutes verschiedener Meinung sein."

Pah! Lieber Papa, die Zeiten haben sich geändert. Uebrigens war man früher auch nicht so exklusiv, wie gemeinhin angenommen wird. Ich könnte dir eine ganze Reihe Familien nennen, die aus den Kreisen der Hoch»-, sinauz und Industrie hervorgegangen sind und die heute fast schon als älterer Adel gelten, wobei ich die bekann­testen wie die Rothschilds, die Mendelssohns, die Oppen­heims gar nicht mitzurechnen brauchte; grade solche viel­mehr, bei deren Namen jetzt niemand mehr an die Ursprung-« liche Herkunft denkt. Nun aber gar heute: wir sind nun einmal im llebergang vom Agrarstaat zum Industriestaat; leider vielleicht, aber daran zu ändern ist nichts. Und da ist es doch nur natürlich, daß die Großkapitäne der In­dustrie gerade in einem Lande, in dem der Adel überhaupt noch Wert hat, in ihm Ausnahme suchen und sinden. Immer vorausgesetzt, daß es sich um tadellose Ehrenmänner han­delt, um Leute von wirklichen Meriten. Siehst du das ist aber hier der Fall. Herr Braunstein hat in Schlesien einen Bergbaudistrikt gleichsam erst erschlossen, neu ge­schaffen; er verwaltet ihn mustergültig, er tut enorm viel für seine -Arbeiter, und er ist dabei auch persönlich ein Gentleman vom -Scheitel bis zur Sohle. Ihr lebt immer noch in Vorurteilen. Wenn du das Haus Braunstein kennen lernst, wirst du sehen, daß die erste Gesellschaft darin ver­kehrt, ein gut Teil Hofgesellschaft, sehr viel Diplomatie, -auch viel Offiziere, Gelehrte, Künstler."

Friedel hatte -sich förmlich in Begeisterung hinein­gesprochen. Man mußte ihm anmerken: er wollte über zeugen. Und Mutter schien schon überzeugt. Sie nickte

ein paar Male lebhaft Zustimmung. Auch Vater glättete seine bedenkliche Miene mehr und mehr, und schließlich sagte er schmunzelnd:Na, Friedelchen, ich sehe schon, du bist Partei I- . . hm . . . sehr Partei. Hm, die Mich dels sind fort . . . eigentlich könntest du dich zu deinen Eltern ein bissel offener aussprechen."

Der Sohn war aufgestanden, ging ein paar Male hastig durch das Zimmer, blieb wieder stehen.Ich bin ja selbst meiner Sache noch nicht gewiß," sagte er dann.Hinterm Berge halten will ich euch gegenüber nicht. . . ja, ich denke, Erna hat mich gern; -glaube auch, daß ich den Eltern genehm bin."

Lieber Junge, nimm's mir nicht übel, ich möchte aber doch eins bemerken: Das Geld darf für dich nicht aus­schlaggebend sein. So lange wir leben, bekommst du deine reichliche Zulage, uud wenn wir einmal die Augen giM machen nun, du kennst ja unsere Verhältnisse."

Gott behüte mich: daran wollen tvir nicht denken! Aber sieh mal, Papa, schließlich sind wir vier Kinder. Das ist immerhin ein stattlicher Divisor.' Und ihr wißt selber, was ein Haushalt größeren Stils kostet. In meiner Karriere nun gar"

Mutter nickte zustimmend, aber ihr kamen dabei doch allerlei Reminiszenzen aus der seligen Zeit ihrer Ver­lobung, und sie verdichteten sich zu einer kleinen unzeit­gemäßen Sentimentalität. Das da war nun ihr erstes Kind, das in den Hafen der Ehe einlaufen wollte, und es sprach immer nur von Geld. Immer nur von Geld! So sagte sie weich und zugleich etwas vorwurfsvoll:Aber Friedel. . . davon sprichst du gar nicht, und das ist doch die Hauptsache ... du liebst sie doch . . ."

Worauf Friedel lachte, sein blondes Schnurrbärtchen strich, Mutter den Arm um den Nacken legte und sagte: Aber natürlich, Mama! Das ist doch selbstverständlich! Sie ist ein süßer Käfer . . ."

Zum Geburtstag des Kaisers erfolgte die.Erhebung des Geheimen Kommerzienrats Eduard Braunstein in den -erb­lichen Adelstand, und unmittelbar darauf konnte Friedel den Eltern mitteilen, daß er sich mit Erna von Braunstein verlobt habe.

Vater und Mutter war nicht ganz behaglich zumute bei dem Gedanken an die erste Begegnung mit der Schwieger­tochter und deren Eltern. Aber ihre geheimen Befürchtungen waren umsonst. Erna war mit ihrem -schmalen, ein wenig bräunlichen Gesicht, mit ihren -großen dunklen mandel­förmigen Augen, ihrem wundervollen blausch-warzen Haar nicht nur wirklich eine Schönheiteine italienische Schön­heit", erklärte Dodo, sie schien-auch tadellos erzogen, war überaus -gewandt und gab sich der ettvas befangenen Art gegenüber, mit der sie ausgenommen wurde,-mit anschmie- geuder Natürlichkeit. An Herrn von Braunstein war über­haupt nichts auszusetzen: -ein jovialer, gescheiter Lebemann von guten Manieren, vielleicht mit etwas stark betontem Wohlwollen gegen Friedel, dafür aber weit einfacher und