Ausgabe 
10.1.1912
 
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäts-Buch- und Strindrnckerei, R. Lana», Ti»t«»

Rätsel.

Mit S ist es dir lieb und wert. Wenn nach des Tages Müh' und Last, Nach Ruh dein müder Leib begehrt, Die du dann wohl verdienet hast.

Mit F dagegen ist es lästig.

Mußt du es tragen, ist vorbei Dein stolz Bewegen, und gar mächtig Wirst streben du, bis du bist frei.

Mit N es manchem nett erscheinet. Er saßt es an mit zarter Hand.

Doch sieh, er stehet da und weinet, Es hat ihn tückisch ja verbrannt.

Mit K die Hausfrau es benützet, Es dienet ihr in mancher Art; Drum sie es auch wohl gern beschützet. Nun nenn den Nainen, der ihm ward.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösttng des Bilderrätsels in voriger Nummert P a l ä st i n a.

humoristisches.

* Sauber. Fremder (beim Rasieren)!Warum jredtat Sie nur denn noch leine zweite Serviette vor?" Dorfbarbier r Entschuldigen Sie, die andere ist ganz frisch. , . damit die noch a biff et geschont wird!"

® rl2;, mittags 12 Uhr, fand die eigentliche

Krönung statt. Schon früh am Morgen füllte sich das Amphitheater mit einer bunten Menge. Ein Teil war für Schulkinder reserviert, die durch ihre gruppenweise gleichen Turbane in rot und gelb Und grün und blau von weitem tote große Blumenbeete aussahen Für geladene hohe Gäste hatte man eine besondere Tribüne errichtet, die gerade dem ganz in weiß und gold gehaltenen und von einem Voten Purpur-Baldachin überdachten Thron gegenüber stand. Der ^nnenrauni der Arena war so groß, daß man von einer in der Mitte plazierten 1000 Mann starken Militärkapelle auf den Außen- onnnner hörte. Diese ganze Fläche wurde von etwa , ,.0 Truppen bezogen, und wenn man sich der roten Röcke der englischen Infanterie und ihrer weißen Tropenhelme, der male-

T^sicht der Hochschotten und der bullten Uniformen der indischen Truppen mit ihren verschiedenfarbigen Turbans erinnert, ivird man sich em kleines Bild von dem großartigen Schauspiel machen könneit Nahe dem Throne hatte man Plätze für die Veteranen aus dem Aufstand von 1859 reserviert Diese waren noch ganz zahlreich vertreten, meistens Inder, und iourden wäh- rend des ganzen Durbars hochgeehrt. Es war rührend, zu sehen ww. die , alten Manner, teilweise in Uniform, sich bemühten, in inllitarticher Weise zu marschieren, als sie unter dem Hochrufen und Beifallklatschen der vieltausendköpfigen Menge die Arena betraten Bald darnach kam der Vizekönig mit seiner wvhlbe- rannten Leibgarde, den bengalischen Reitern in scharlach-roten, gold­bestickten Rocken. Das Köuigspaar erschien unter der Eskorte von einigen Regimentern Kavallerie und Artillerie und dem erwähnten königlichen Kadettkorps. iTer Einzug erfolgte von dem einen Ende der Arena entlang den Zuschauertribünen, bis zur Mitte, wahrend bet der Abfahrt die andere Hälfte der Arena berührt wurde. Tas Königspaar IN vollem königlichen Schmuck, (den die

Redaktion: K. Neurath.

englischen Blätter, vorher bis zum Ueberdruß beschrieben hatten)- nahmen zunächst in einer besonderen Tribüne Platz. 'Der inter« essanteste Teil des ganzen 'Durbar folgte nun. Alle hohen eng- lilchen Beamten und die Fürsten erschienen vor den Majestäten- um zu huldigen. Darnach nahmen diese auf dem erhöhten Thronsitze Platz, sichtbar für jedermann unter all den Tausenden, und die eigentliche Proklamation fand statt, d. h. wurde von Herolden in Englisch und Urdu verlesen. Die ganze Sache, hier nur kurz geschildert, dauerte einige Stunden und es war Nach­mittag, bevor das Königspaar die Arena verließ.

Von großem Interesse war auch am nächsten Tage die große Parade der 50 OOÖ Mann starken Truppen. Auch lemand, der an dte Paraden unseres Deutscheti Militärs gewöhnt ist, konnte Nicht anders, als diesen wirklich prachtvollen Soldaten Eng­länder wie Eingeborene ungeschmälertes Lob speichert. Einen besonders guten Eindruck machte die britische Artillerie und die indische Infanterie der Sikhs und Gurkhas.

Noch vieles wäre zu berichten über erstklassige Polo- und Fuß­ballwettspiele, zu denen sich eine Zuschauermenge zusammenfand, wie fte glänzender auf Seinem Rennen in London oder Berlin gefunden werden dürfte. Wir hatten unwillkürlich dm frommen Wunsch, alle diese Menschm einmal über April hinaus in DM festhalten zu dürfen, wenn die Hitze mit 4548 Grad Celsius tm Schatten selbst den Europäischen Sommer 1911 schlägt.

Wie schon angedmtet, hat die englische Regierung offenbar von der persönlichen Anwesmheit des Königs in politischer Be­gehung viel erwartet, und so viel sich darüber sagen läßt, scheint der Erfolg und der Einfluß in dieser Beziehung wirklich von großer Bedeutung zu sein. Auf der einen Seite empfindet es der Indier als eine große Ehre, den Monarchen von Angesicht sehm und be­grüßen M dürfen, und andererseits hat die glänzende Entfaltung der britischen Macht in Delhi einen unverkennbaren Eindruck ge­macht. Tiefem Zwecke diente auch der königliche Erlaß, der die Wiedervereinigung der beiden Provinzen Bengal verfügte. Diese waren bekanntlich durch Lord Curzon getrennt worden, und diese Trennung hatte beinahe einen Aufruhr der Bengalen zur Folge gehabt. Die Forderung der Wiedervereinigung war der Haupt­punkt im Programm der revolutionären Partei in Bengal- der mächtigsten und radikalstm in Indien. 'Dieser ist nun der Boden entzogen, und man nimmt an, daß die Regierung in Zu- kunst besonders stramm dagegen vorgehm wird. Derselbe könig- liche Erlaß verfügte die Verlegung des Sitzes der Regierung und des Vizekönigs von Caleutta nach Delhi, d. h. für die Winter- monate. Im Sommer ist Simla der Sitz der Regierung. Der König legte noch selbst den Grundstein zu der Hauptstadt, die im großartigen Stile entstehen soll. So wird also noch einmal daS uralte Delhi, von dessen Geschichte ein Trümmerfeld von über 45 Quadratmeilen zmgt, Herrscherin von Jndim fein. Und mese Idee findet im indischen Volke, ausgenommen des natürlich sehr geschädigten Calcmttas, allgemein großen Anklang.

Während ich hier sitze und schreibe, tönen wiederum die Ka­nonen vom Fort herüber, diesmal zum Zeichen der Abreise de, verschiedenen Radschahs. In ein paar Wochen wird wieder di« Hitze anfangen und wer nicht muß, wird nicht in Delhi bleiben. Wenn diese Zeilen die Heimat erreichen, dann rüstet sich das eng­lische Königspaar schon wieder für die Heimreise und der iDelhi Durbar 1911 gehört der Vergangenheit an.

Delhi (Punjab), Dezember 1911.

Hermann Schlosses

GießensLichtbildtheater" werden wohl dem Mattgel der Il­lustration dieser Zeilen abhelfen können, wenigstens waren hier bei jeder Gelegenheit eine Unmenge Photographen eifrig tätig und drehten unaufhörlich ihre Kurbeln. Draußen, etwa 3 bis 4 Meilen von Delhi, war inmitten geordnetem Dschungels eine Zeltstadt entstanden, so groß etwa wieGroß-Gießen" einschließlich Klein-Linden, Wieseck und Heuchelheim. So weit das Auge reichte, sah man nichts als weiße Zelte. Obwohl nur für kaum 14 Tage bestimmt, war das Ganze nach großartigem Maßstabe eingerichtet, eigene Bahn, Post, Elektrische Zentrale, Markthallen usw. Wo noch vor wenigen Wochen dichter Dschungel war, entstanden die prachtvollsten Gärten, Anlagen, Straßen, Polofußball- und Hockey- Plätze. An dem äußersten Ende hatte man ein über 50 000 Menschen fassendes Amphietheater für die eigentliche Krönung errichtet, und daran stieß ein riesiges Paradefeld für die anwesenden mehr als 50 000 Mann starken Truppen. Die Camps der englischen Re­gierung waren von vornehmer Einfachheit, während sich in denen der eingeborenen dürften, der Radschahs und Maharadschas, ein ungeheuerer Pomp und Glanz entfaltete. Einer wollte natür­lich immer den anderen übertreffen, und viele der kleineren, die sowieso schon gänzlich verarmt sind, bezahlen diese Konkurrenz Mit dem Bankrott. Es ist unmöglich, auf Einzelheiten einzugehen, ohne ein kleines Buch zu schreiben. Das großartigste war für mich immer eine Fahrt durch die erleuchtete und illuminierte Zeltstadt Auch tu der Illumination hatte der Wettbewerb der Eingeborenen Camps großartige Ergebnisse gezeitigt, und in manchen der Zelt­straßen glaubte man sich in einem Märchen von Tausend und einer Nacht.

e,®fen.?'a9M<in9 tor der Ankunft des Königs donnerten un­aufhörlich die .Kanonenschüsse vom englischen Fort und verkün­deten die Ankunft der hohen englischen Verwaltungsbeamten, des Vtzekomgs, der Gouverneur von Madras, Bombay nsw. und der in- dtschen Fürsten. Sonderzüge brachten die Tausende und Tausende, die dl.e Zeltstadt besiedeln sollten. Aus all den großen Ereignissen will ich die beiden größten herausgreifen: Den Staatseinzug am 7. Dezember und denDurbar" am 12. Dezember. Der König kam von Bombay und verließ den Zug in dem englischen wort, sein Ritt von dort nach dem einige Meilen entfernten Camp gestaltete sich zu einer Prozession, wie sie großartiger und glanzender wohl kaum gedacht werden kann. Den ganzen langen Weg bildeten englische und indische Infanterie auf beiden Seiten Spalier, und als der König antäm, donnerte ein jen de soie den meilenlangen Weg hin und zurück. Drei Stunden lang dauerte dann die Prozession. Neben all den hohen englischen Würden­trägern und einer Unzahl von Kavallerie und Artillerie war ganz Indien von Burma bis Kaschmier in Fürsten und Volk vertreten. Die Radschahs in ihren goldenen und silbernen Staats- kutschen mit zum Teil glänzenden, zum Teil lächerlich wirkenden Lewgardeii. Besonders interessant waren die Bölkertypen aus Burma und Tibet. Besonders prächtig das königliche Kadettkorps, etwa 30 junge Leute aus fürstlichen Häusern in glänzender Phan- tasleunlsorm auf tadellosen Pferden. Unglücklicherweise war der Koma so unpraktisch plaziert, daß er fast nirgends erkannt wurde. In Anbetracht des,en, daß für die große Masse des Volkes dies die Hauptgelegenheit war, ihn zu sehen, war dies entschieden ein großer Nachteil und rief allenthalben eine lebhafte Kritik yevkor.