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% dem Normannen Hartmut in die Gefangenschaft geschleppt wurde, wird im fünften Gesänge des Gudrunliedes gesagt:
„Einst eines Fürsten Tochter, der hatte Burg und Land, Mußt' sie jetzt Oesen heizen mit ihrer weißen Hand."
Ob sie das auch gut ausführte, wird uicht gesagt.
Wo der Ofen noch nicht durch die Zentralheizung aus den Zimmern verdrängt ist, gibt es verschiedene Arten von Oefen. Im östlichen Deutschland herrscht noch der Kachelofenchor, unter den Kachelöfen aber gibt es solche, die zu den Kunstwerken zählen. Das größte Wunderwerk dieser Art ist wohl der turmhohe Ofen im Artushof meiner Vaterstadt Danzig, dessen 268 Kacheln mit ebensovielen künstlerisch aus- gesührteu Bildnissen verziert sind. Aber auch der einfache Kachelofen hat seine großen Vorzüge. Er ist ein traute» Stubengenosse, dem mau, um sich zu wärmen, viel näher kommen kann als dem eisernen Ofen. Zu ihm gehört die Ofenbank, auf der es sich gut sitzt. Aus ihr kann man sich auch, wie ich es in den Wandertagen meiner Jugendzeit erprobt habe, sehr gut und billig einmal für die Nacht betten. Auch hat der Kachelofen eine Röhre, in der sich Aepsel braten lassen. Um meine Kinderzeit wurden im Sommer Rosen, Lavendel und Nelken zusammen mit Salz eingemacht, woraus eine Masse entstand, die Potpourri genannt wurde. Ein wenig davon zur Winterszeit in die Ofenröhre getan, erfüllte, wenn es heiß wurde, das Zimmer mit lieblichem Duft. Ja, der Kachelofen hat feine Poesie, das gibt wohl jeder zu, wenn er an den redlichen Damm denkt, der „auf die Postille gebückt zur Seite des wärmenden Ofens" saß.
Mit dem Feuer eng verbunden ist das Licht. So heißt es ja auch in dem alten'Nachtwächterruf — von eigenem An- Hören noch erinnere ich mich feiner — nachdem gesagt ist, was die Glocke geschlagen hat:
„Bewahrt das Feuer und das Licht, Daß im Ort kein Schade geschicht!"
Wie wohl angebracht aber die Mahnung ist, vorsichtig htit Feuer und Licht umzugehen, das gibt sich auch heute noch allerwärts kund.
Um nun im besouderu vom Licht zu reden: o welch einen Wandel hat das künstliche Licht, das zum Aufhelleu der Dunkelheit dient, im Lause der Zeit durchgemacht! Von dem brennenden Kienspan, der einst die Spinnstube erleuchtete, in der Mägdlein und Burschen miteinander scherzten, bis git den Glühbirnen im modernen Salon, welch eine Vervollkommnung ! Was hat sich alles verändert seit der Zeit, als die Hausfrau noch sorgsam Unschlitt oder Talg sammelte, unr dafür 6eint Lichtzieher Lichter oder Lichte, wie man gewöhnlich sagte, und zwar dicke nitb dünne Talglichte, einzu- tauschen! Beim dicken Licht — die dünnen Lichte waren für die Wirtschaftsräume und die Mägdekammer bestimmt — habe ich Alter noch als Schüler im Winter meine Aufsätze angefertigt, ja noch als Student in dem ersten Semester mit den Kommilitonen auf der Kneipe gesessen und gezecht. Wohin ist der Leuchter gekommen mit dem „Profitcheu" und der Lichtputzschere? Was ein „Docht" ist, werden viele, nicht mehr wissen, loenn sie nicht im Wörterbuch nachgeschlagen haben. Ach, die Wachskerze ist sogar vom Weihnachtsbaniu saft schon verschwunden. Auch die Oellampe, die in so vielen verschiedenen immer zweckmäßigeren und schöneren Formen auftrat, hat sich nicht halten können. Das Rüböl ist durch das Petroleum, das ja noch für die Lampe zu benutzen Ivar, dieses durch das Gas, das Gas durch die Elektrizität „ans- geschaltet" wordeit, wie der beliebte Ausdruck lautet. Halt doch! Beim Durchwandern deut Weinkellern, womit das Pro- bieren verbunden ist, bedient man sich auch jetzt noch' oder bediente sich doch vor kurzem noch auf eigenartigen Keller- leuchterm angebrachter Stearinlichter. Ja, Feuer und Licht sind große Tröster in der Zeit der Wintertage, der Nebel und Stürme, aber es gibt noch anderen Trost. Die Menschen rücken um diese Zeit wieder näher znsammeni im warmen Raume, die vom zarten Geschlecht beim Kaffee, die Männer Beim Wer ober Wein. Unter den Weinen dürfte diesmal, da allen Berichten zufolge die Weinernte vorzüglich ausgefallen ist, der §eitrige besonders anlockend, aber auch ein wenig gefährlich sein. . !
In diese Zeit der langen Winterabende fallen dann auch die besonders von der Jugend ersehnten geselligen Ver- gnüguitgeu. 'Im stillen Hause aber nimmt man wieder die Rotnanbücher vor und vertieft sich darin, soweit es angeht. Außerdem sitzen Frauen und Jungfräulein emsig bet der Handarbeit, und wo mehrere zusatnmeusitzen, wird geplaudert und gelacht.
Es ist nun die Zeit, da das, was int Sommex und Herbst im Garten und auf den Feldern gewonnen wurde — und gar so wenig war das auch in diesem Jahre nicht — noch die Vorratsräume füllt. Darum wird auf dem Lande, wo nun auch die Arbeit ruht, um diese Zeit gern Hochzeit gehalten. Es fallen in dieselbe Zeit auch die Schlachtfeste. Graitsaut erscheint es ja, es ein Fest zu nennen, wenn einem Schweim ober einer Gans mit scharfem Eisen das Leben geraubt wird; wer aber in jungen Jahren an solchem Abschlachten als Zuschauer teilgenommeu und bann von bem, was durch Sie Schlachtung auf den Tisch kant, mitgegessett hat, kamt doch einem solchen Vorgänge, der eigentlich Schändern erregen müßte, einen festlichen Charakter nicht absprechen. Und wurden tticht in alter Zeit den Göttern schon Haustiere geopfert?
. Auch au bem, was die Augen erfreut dttrch Blüten, fehlt es im Winter nicht ganz, abgesehen von den hübschen Alpen- veilchett, bett Begonien, beit chinesischen Primeln und anderen mehr, die int Zimmer an das Fenster gestellt, sich mit wenigem Sonnenlicht begnügen. Draußen int Freien blühen reizende Chrysanthemen 'bis tief in den Winter hinein, und schöne blühende Rosen habe ich noch in den letzten Novembertagen hier am Seestrande, wo ich wohne, in beit kleinen Gärten vor den Häusern gefunden. Neben den Gartenroseu entfalten dann Sie Christrosen ober Weih- nachtsroseit, bie einer Hellebornsart angehören, ihre wundervollen weißen Blumen.
Dazu kommt noch eines. Wenn man an einem hellen Tag beit Winterwald betritt, sieht man überall an den Zweigen schon Knospen und Kätzchen, bie auf neues Erwachen der Natur hindeuten. Auch Vögel lasseu sich hören, und nicht nur krächzende Krähen nitb Raben sind es. Hier und da erklingt auch ein Meisenstimmchen, das uns zuruft t Nur unverzagt! Es wird doch wieder Frühling.
Und nun das Weihnachtsfest vorbei mit seinem Gterut wissen wir es ja: wir haben zunehmendes Licht.
Delhi Durbar.
Tie folgende anschauliche Schilderung des Krönungssestes in Indien erhalten wir von einem jungen Gießener, dem Sohu des Kirchenrates D. Schlosser, der sich als Leiter eines großen Handelshauses in Delhi aufhält:
Schon als ich im Spätherbst 1910 in Calcntta ankam, hörte ich sehr bald ans allen Gesprächen das Wort „TuWar" heraus und bemühte mich erst lange vergeblich, es im englischen Lexica zu finden, bis man mir erklärte, es sei Hindustani und bedeute irgendeine mit einer Staatsaktion (meistens Thronfolge) verbundene offizielle Feier. Der Durbar in Delhi ist natürlich der Durbar par excellence, und der diesmalige war noch von ungleich höherer Bedeutung dadurch, daß zum ersten Male der britische Landesherr persönlich anwesend war. Ter letzte Durbar im Jahre 1903 gelegentlich der Thronbesteigung König Eduards, an dem bekanntlick unser hessischer Großherzog teilnahm, wurde von Lord Curzon, dem damaligen Vizekönig, gehalten. Für den diesmaligen Ttirbar erwartete man von vornherein das Kommen des englischen Königspaares. Mehr wie einmal freilich war dies ernstlich in Frage gestellt. Zunächst als int vorigen Frühling die Pest hier in Delhi wütete nitb durchschnittlich 100 Opfer am Tag forderte, dann als die Mousoons (Westwinde) ausblieben -und Hungersnot drohte, und schließlich als man zu Haus jeden Tag den Ausbruch eines Krieges bestirchtete, in den England verwickelt sein würde. Es war ein beständiges Hangen und Bangen hier draußen, und die Gesellschaften, die Versicherungen gegen das Richtkommen des Königs anfnahmen, machten glänzende Geschäfte. Ter italienisch-türkische Krieg scheint die Reise nicht in Frage gestellt zu haben, was auch als ein Beweis dafür angesehen werden darf, welche Bedeutung ihm die englische Regierung bcimaß.
Ich hatte das Glück, nach einjährigem Aufenthalt in Calcutta int Oktober als Leiter unserer dortigen Niederlassung nach Delhi versetzt zu werden. Schon damals war der sonst so ruhige kleine Jnlandbahnhof überfüllt mit Fremden, die durch den bevorstehenden Durbar herbeigefiihrt waren, und ich mußte mein Quartier im Kontor unter höchst primitiven Verhältnissen auffchlagen. Inmitten des Basars wohnend, hatte ich einen Hindutempel mit „lärmenden und die ganze Nacht durch musizierenden" Priestern als nächste Nachbarn, und Teile meiner Behausung wurden mir von fauchenden und stehlenden Affen streitig gemacht. Fein wurde die Sache aber erst, als ich während des Turbars auch noch Gäste bekam, einen Deutschen aus Cawupore und einen amerikanischen Reporter. Beide waren mir gänzlich unbekannt, aber wir freundeten uns rasch an und hatten eine so großartige Zeit miteinander, daß der Amerikaner beschloß, in einem Artikel zu beschreiben „how we did the Durbar" (wie wir den Durbar verbrachten). Seine Preßkarte verhalf uns beiden anderen zum Eintritt zu manchem, was Uns sonst verschlossen gewesen lväreL


