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Er zog sie an sich, er küßte sie. War nicht freigeben wollte er sie. Bis sie sich ihm entwand.Wer Papa . . ." Und sich auch gleich umwaudte.Danke, Durchlaucht. . . aber, bitte, bemühen Sie sich nicht!"

Im ersten Augenblick hörte Vater nur den Wohlklang der Stimme, diese selten, vollen und weichen Töne, die ihn immer an Glockenklingen erinnert hatten. Dann erst sah er, daß ein schmaler, äußerst elegant gekleideter Herr sich mit Hilfe eines Dieners und eines Trägers an Gepäck- stücken zu. tun machte, die wohl Signe gehören mochten. Es wollte ein leiser Verdruß in ihm aufkeimen:Nun bin ich ja doch nicht mit Signe allein." Aber da sprach sie schon:Mein Vater Prinz Hobnrg. Wir fuhren von Frankfurt an zusammen, und Durchlaucht hat sich meiner in selbstlosester Weise angenommen."

Sie lächelte dazu, und es klang etwas wie versteckte Ironie aus den Worten.

Der Herr hatte beit Hut gezogen.Sehr erfreut, Herr von Gudarcza" Er sprach so leise, daß er kaum zu verstehen war.Wirklich ein seltsam glückhaftes Zusam­mentreffen. Bisweilen meint es der böse Zufall doch gut. Und nun, mein gnädigstes Fräulein, will ich mich emp­fehlen."

Auf Wiedersehen, Durchlaucht." Ganz flüchtig reichte sie ihm die Hand. Wie eine Fürstin dem Hofkavalier, fand Vater. Aber als der Prinz, von seinem Diener ge­folgt, sich in der zum Ausgang schreitenden Menge verlor, da entschwand er auch seinem Gedächtnis: er sah nur die Tochter.

Er sah nur sie, während sie schnell und gewandt mit dem Gepäckträger verhandelte; sah nur sie, als er mit ihr die Freitreppe hiunnterging; sah nur sie, während sie im Wagengewühl standen, zwischen den rufenden, suchen­den Passagieren, den hastenden Dienern und Trägern. Wie schön sie war! Wie schön sie war! Hoch und schlank die Gestalt im engschließenden' schwarzen Seidenmantel, zum Umspannen im Gürtel, breit in den Schultern. Wie fein der Kopf geformt! Das Gesicht wie nach einer antiken Kamee geschnitten, im Profil vielleicht eilt wenig scharf, von Horn ein entzückendes Oval. Und unter dem' kleinen Reisehut die Pracht des Goldhaares, lose aufgesteckt, viel­leicht noch von der Nachtfahrt her, daß sich überall die Löckchen aus den dichten Wellen herausstahlen. Ja, rich­tig die Nachtfahrt! Beinah zwei Nächte und ein Tag und dabei so frisch auszusehen.

Hat dich die lange Reise nicht angegriffen, Signe?" Bewahre. Weißt du, Papa, wenn man einer frohen Veränderung entgegenfährt." Sie unterbrach sich. Es stieg ein.leises Rot in ihrem Gesicht auf, kam und ging gleich wieder. Und sie lächelte darüber.Nun ja ein Trauer­fall. Aber wir beide brauchen doch nicht voreinander zu heucheln, Papa. Für uns ist's doch nun einmal ein Glücks­fall. Hat sich ein Testament gefunden?"

lieber das Gesicht des Majors glt t ein Schatten.Aber, Signe!" Er sprach es mit leichtem Vorwurf und fand doch gleich darauf ganz natürlich, was sie gesagt und wie fie's gesagt. Nein . . . nicht heucheln. Sie hatte ganz recht. So gab er Auskunft.

Sie saßen schon in der Droschke, die langsam durch die Wagenflut am Potsdamerplatz sich hindurchwand. Und er sah, die Augen auf die Tochter gerichtet, wie ihr schönes Gesicht leuchtete bei seinen Worten.Sechs bis acht Mil­lionen" wiederholte sie leise.O . . ." Es war lur ein großes Aufatmen. Ihre Brust hob sich, der fehlt Mund blieb eilte Sekunde halb geöffnet, daß die kleinen Zähne hervorschimmerten, und die Zunge schob sich nttj einen Augenblick hervor, wie nm die heißen roten.Lippen zu netzen.

Noch nicht einmal nach Mütter hat Signe gefragt sind nicht nach den Geschwistern" dachte Gudarcza un- willkürlich und sagte sich zugleich:Aber zum Wundern ist das nicht. Sie weiß ja, Mama sitzt drüben und wird sie gleich ans Herz nehmen."

Da hielt auch der Wagen schon vor dem Hotel, und Signe rauschte an dem sich tief beugenden Portier vor­über.So tief hat der sich vor keinem von uns verbeugt Nicht einmal vor Eberhard. Merkwürdig: wie eine Fürstin . . . die Signe . . . unser Kind."

3.

Es hatte so feine zwei Seiten, sand der Major. Gan? fchön und ganz gut das der Entschluß, nach Berlin zu

ziehen. Schon wegen der Verwaltung der Grundstücke: der Geier traue den fremden Leuten. Und den Söhnen war mau näher, hatte doch wenigstens einigen Einfluß auf sie. Und für die Töchter nun, für die Töchter war's einfach eine Notwendigkeit. Man war es ihnen schuldig. Das! hatte Ida auch gleich gesagt.

Wenn das nur nicht gar so plötzlich gekommen wäre. So übereilt. Kaum daß man in Körlin, dem alten guten, Nest, hatte ordentlich Abschied nehmen können. Holter­diepolter das alles. Eigentlich ungemütlich.

Und alles ein Provisorium. Da steckte mein vorläufig in einer möblierten Mietswohnung, die ein unsinniges Geld kostete. Die Möbel standen auf einem Speicher. Tag um Tag kam ein halbes Dutzend Agenten und machte Vor-i schläge für die Villa, die gekauft werden sollte. Schließlich paßte keine so recht, und das Suchen und Herumkutschieren fand kein Ende. Schön war anders.

Gudarcza lag auf seiner Chaiselongue und empfand dabei, daß es nicht die seine war, die gute ulte mit dev gewohnten Kuhle in der Mitte. Er rauchte eine Impor­tierte, die Eberhard besorgt hatte, und sie schmeckte ihm eigentlich nicht so gut wie die frühere Ächtpfennig-Zigarre. Und bisweilen sah er unter den halbgeschlossenen Lidern mißmutig zu dem Riesenstoß Akten und Büchern hinüber, die drüben auf dem Diplomatenschreibtisch ausgestapelt waren, auf diesem infamen Kasten, vor dem man nie wußte, wo man die Beine lassen sollte.

Das war die Krone! Diese Auszüge aus den Grund-' buchakten, diese Bankabrechnungen, diese Mietsverträge, Steuerlisten, Versicherungspolicen und was da sonst noch alles für Krempel lag!Nimm dir 'nen ordentlichen Privatsekretär und laß den arbeiten, bis er Blick schwitzt," hatte Friedel gemeint. Nee. . . dafür ist man denn doch zu gewissenhaft, mein Junge. Vermögen gibt Pflichten. Aber ein. Vergnügen ist's für einen alten Mann nun ge-z rade nicht, sich täglich mit dem Ballast herumzuschlagen, sich erst mal einarbeiteu zu müssen. Das noch dazu mit dem steten häßlichen Mißtrauen: betrogen wirst du doch! Pfüi Spinne!

Aber schließlich waren das alles Kleinigkeiten, Lächeri lichkeiten, mit denen man fertig werden mußte. Mußte mußte! So oder so!

(Fortsetzung folgt.)

Der Reiz des Winters.

Von Johannes Trojan.

Für eine böse Zeit gilt es, wenn der Winter vor dec Türe steht, manchmal schon anpocht oder ins Haus hinein­sieht, nm dann noch einmal wieder auf kurze Zeit in den Norden oder auf die Berge zurückzuweichen. Es ist das die Zeit der heftigen Stürme, der Nebel und der immer kürzer werdenden Tage, an denen es oftmals überhaupt kaum hell wird.

In dieser Zeit gelangen das Feuer und das Licht zu besonders hoher Bedeutung. Das Feuer, das nach dem griechischen Mythus Prometheus einst den Menschen ge­bracht hat, zählt ja auch sonst zu den wichtigsten Kultur- elementen. Der Herd, auf dem Feuer augezündet wird, ist gleichbedeutend mit Haus und Heim, und Feuerstelle wird in manchen Gegenden unseres Vaterlandes überhaupt die Wohnung genannt. Das Dorf, kann man sagen hören, hat so und soviel Fenerstellen, d. h. so und soviel Häuser oder Wohnungen. Wer das Feuer ist nicht nur von Nutzen im Dienst der Hauswirtschaft, wo es zum Kochen, Backen und Braten verwendet wird, und des Handwerks, das sich zur Großindustrie entwickelt hat, sondern es hilft uns auch zur Erwärmung, sobald der Winter naht. Zu diesem Zweck wird es seit sehr alter Zeit schon int Ofen angemacht, und das zu tun war und ist noch Dienstbotenarbeit wo Dienst­boten vorhanden sind. Wo diese fehlen, muß die Hausfrau es tun oder auch der Hausherr, wie ich das gesehen-habe in Amerika, wo auch in besserem Haushalt die Dienstboten aus- gehen, ohne wiederzukommen, und doch der großen Kälte wegen geheizt werden muß. In älterer Zeit aber kam es auch vor, daß Fräulein sehr hohen Herkommens, die von Rittern gefangen genommen waren, der Bedienung des OfenS sich unterziehen mußten. Von einer solchen Jungfrau, die aus Portugal stammte und mit Gudrun zusammen von