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Merkte der Oberst.
„Tja, wie der Herr Oberst bereits gesagt haben: ich verstehe ebenfalls nichts von der Kunst!"
„Dann sagen Sie uns. doch wenigstens, wie. es Ihnen
'gefällt \“
„Gefallen? — Tja, Flamberg, Sie dürfen mir's aber flicht übel nehmen —"
„Aber ich bitte ganz gehorsamst, Herr Major!"
„Ich... ich finde es eigentliche nicht so recht ähnlich!" tagte der Major. „Ich finde... es', ist Was drin. . . etwas.
Aus dem Tagebuch eines §remdeniegiouars. .
^Bearbeitet von O. Neurath.
(Schluß.)
Auf Drängen meines Oberleutnants ging ich nun in die M- teilung der Unteroffiziersschüler und erhielt bet der Prüfung unter 132 Bewerbern die 46 Stelle. Dabei sei bemerkt, daß der größte Teil der Schüler Franzosen Waren, aber die ersten Nummern hauptsächlich von Deutschen errungen wurden Arn fangs September 1903 erhielt ich den Befehl, nach Mostaganent zu fahren, um Maulesel für die berittene Kompagnie abzuholen. Am 13. Oktober kam ich wieder zurück, um nach. 8 Tagen mu
kommet! Sie doch Mal mit! Oder haben Sie's schon aus feinem1 neuen Platz gesehen?" , , „
Flamberg sprang ans: „Nein, Herr Major.
„Also los - gehen Sie mit uns!" <
„Wenn die gnädige Frau gestattet ?
„Ich bitte darum, Herr Flamberg!
Blowitz schloß sich ungeladen an. ,
«wischen dem Oberst und dem Major schritt Frau Cäcilie voran - schweigsam, mit verschlossenen Gesichtern folgten die beiden Oberleutnants — die beiden Leutnants machten den Beschluß.
Frau von Brandeis führte die Herren durch den Speisesaal in welchem die Mägde mit den , drei beurlaubten Burschen die Tafel abräumten, und in die behagliche, ganz als Wohnraum eingerichtete Diele hinüber. Dort lies die bequeme, breite Treppe zum Obergeschoß hinan, das einen gleich großen Dielenraum enthielt. Hirschgeweihe, tief nach- geduiitelte Oelgemälde schmückten da die Wände.
Im Emporsteigen drehte die Hausfrau die elektrische Beleuchtung auf, und man gewahrte, daß von der obem Diele aus mehrere Türen nach den innern Gemächern führten. Durch eine dieser Türen betraten die Gäste das Herrenzimmer, das nun ebenfalls ans einen Druck von Frau Läciliens Fingern erglänzte.
Und sieh! — Da hing über einem' wuchtigen Diplomatenschreibtisch die Schöpfung Martin Flambergs.
„Äh!" riesen der Major und sein Adjutant.
Die Herren des Regimentsstabes, hatten das Bild bereits gestern zu sehen bekommen, sie waren nicht mehr zur Bewunderung verpflichtet.
Frau Cäcilie tat ein paar rasche Schritte zur Seite. Da stand die Tür zu einem Nachbarzimmer halb offen. Die gelben Messingstangen zweier englischen Bettstellen, das lichte Weih eines Spitzenhimmels leuchtete aus der Dunkelheit. Ruhig schloß die Hausfrau die Tür
Stumm hingen aller Blicke an dem Gemälde.
„Aha," sagte Sassenbach „das ist also das berühmte
was ich wenigstens nicht kenne an unserer hochverehrten Frau Wirtin —!"
„Und das wäre?" fragte Frau Cäcilie. -
„Ja, tote soll ich das ausdrücken — so was Fremdartiges ... so to'as Unheimliches, möchte ich sagens
Cäcilie to!arf dem Maler einen verstohlenen Blick zu'< „Ja, sehn Sie, Herr Major," sagte sie, „vielleicht hat Her« Flarnberg etwas hinzugetan, etwas von seinem Eigenen^ etwas, das wirklich mehr ist als ich, als mein Leben H aber das tun große, starke Künstler wohl immer, meine, ich!"
„Das ist mir zu hoch," sagte Sassenbach. „Ich kann mir nicht helfen —< ich finde es nicht ähnlich! Es ist was! dran, was mir bisher an Ihnen wenigstens niemals ausgefallen ist!" „ „
„Was Ihnen vielleicht nicht ausgefallen ist, Herr von Sassenbach," sagte langsam mit sinnendem Lächeln Frau Cäcilie, „darum ist aber noch nicht gesagt, daß es etwas Falsches ist... vielleicht ist's auch doch nicht was Hinzto- getanes... vielleicht ist's doch etwas, was nur Sie nicht bemerkt 1) ab eit, weil Sie mich nicht kennen..."
„So, und Herr Flarnberg, ber. v der kennt Sie also besser, meine verehrte gnädige Frau?!"
Wiederum eine eisige Stille. Regungslos stand der ganze Kreis. Jeder fühlte: der gute Major hatte da in aller Harmlosigkeit etwas ausgesprochen, etwas, das — —
Der Oberst fühlte sich verpflichtet, einzurenken.
„Na, das ist doch selbstverständlich, lieber Sassenbach, daß ein Maler an... an den Menschen, die er malt... daß er da allerlei entdeckt... was .. .was wir gewöhnlichen Sterblichen nicht zu sehen bekommen..."
Abermals befangenes Schweigen. Der Oberst bekam
einen roten Kops. , .
Cäciliens Lippen bebten. Sie litt bis ins Herz.
Gott, all diese plumpen Hände... die höchste und zarteste Dinge berührten wie tappige Knabenpfoten holden Schmetterlingsschmelz...
Wenn Hur er selber nicht dabei gewesen wäre... sie
... - war ihn ja gewohnt, diesen ungeschlachten Ton... Diese
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fch meine- ich WZ sagen - weiin eine Dame des Regi- bereits ein dichtes, trübes Gespinst gewirkt um dies Werk ments von einem so vielgefeierten Maler wie uuserrn Herrn um' seine Entstehungsgeschichte... fein Morell... feinen
9eWatt toirb - b°s ist doch natürlich Schöpferin Schweigen hinein von draußen
Alles schwieg und starrte regungslos zu dem Frauen- ein lustiges Krachen, Knattern, Prasseln.
nnhrHa fvirmn I Frau Cäcilie atmete auf.
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EFabelhaft," sagte der Oberst, „ich gratuliere Ihnen, sriednnischirmten Schlößchens...
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„Nun, Herr Flarnberg," fragte die Hausfrau, ohne W Tchstverständlich, meine Herren," sagte die Hausfrau, den Maler anzusehen, „find Sie einverstanden? — mit dem ^"schnell hinunter i—. sonst ist alles vorbei, ehe wir am.
„Dazu müßte ich das Bild erst mal bei Tageslicht sehfl ! I ® nahm auch nur mit einem Blick Abschied von!
r— So, bei dieser künstlichen Beleuchtung, allerdings mn- I sßiWe, das da broben hing tote ein Gast aus heiligen toatl?,©k toürben auch am Tage mit deM Platze zufrieden I Fernen..... mortfebuna folgt) fein - schade, daß Sie es so bald nicht in natürlicher Be- « Mortfeßung loigrj.
leuchtnng zu sehen bekommen werden!"
„Schwerlich!" sagte Flamberg.
„Na, lieber Sassenbach, Sie sagen ja gar nichts," bd


