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SommerieutnantT.
Roman von Walter Bloem.
Copyright 1910 by Orethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
4. Kapitel.
; Fritz von Brandeis stand an der Treppe, die von der Veranda in den Garten hinunterführte. Hinter ihm harrten die fünf Burschen, sein eigener und die vier seiner Gäste, kriegsgemäß in Drillichzeug und Schnürschuhen, nur durch die Serviette über ihrem linken Arm als herrschaftliche Leib- diencr gekennzeichnet, der Befehle des Hausherrn gewärtig.
Scharfen Blicks überflog der Hauptmann das lustige Bild des Gartens, der festlich schimmerte im mattbunten Glanz der Lampions, im gelben Flimmer der Kerzen auf dm Bowlentischen.
Na, alles gut versorgt? — Jawohl, alles klappte!
Ein alter dicker, runder Mauerturm sprang an der nördlichen Ecke des Gartens weit ins Gebüsch hinein, das aus dem ehemaligen Burggraben aufgewuchert. Wilder Weiu überrankt? hier das weiße Staketengezäun einer Laube: darinnen saßen die wichtigsten der Gäste bei der Pfirsichbowle, der Oberst und der Major.
Schau, schau — auch nach Tisch hatten die alten Herren sich anscheinend nicht von ihrer Tischnachbarin trennen können!
Und sie, seine Cäcilie — sie schien ja auch vollkommen zufrieden in der Gesellschaft der Herren Stabsoffiziere — hatte heut abend noch räum ein Wort mit dem Maler gesprochen. s .
Na also — hätten wir uns ja wohl unnötige Unruhe gemacht! _ , r
Schoenawa, des Obersten Adjutant, und Menshäusen, sein Manöver-Ordonnanzoffizier, hockten pflichtschuldrgst ber ihrem Kommandeur — aber wo steckte denn Leutnant Blo- toih? — ah — er war des trockenen Tons wohl satt, des beständigen „Schusterns" bei den hohen Stäben, hatte sich zur Jugend geflüchtet —
Aus der Nachbarlaube, in der auf rundem Tisch gleichfalls eine mächtige Pfirsichbowle aufgebaut war, klang schmetterndes Gelächter. Dort saß der Adjutant des ersten Bataillons mit den Offizieren der ersten Kompagnie, mit Flamberq und Carstanjen. Selbstverständlich war hier auch der Fahnenjunker von Erichsen zu finden, der immer wieder die Gläser füllen mußte. Nur die jungen Damen fehlten iy der Runde der Jugend... wo mochten die bloß stecken...< und es fehlte auch die Landwehr...
Aha ach so —!! '
Ja, Nellychen, über'n Geschnrack ist nicht zu streiten. .. aber Sie sind doch Manns genug, um selber zu wißen, wa» IhremBesten dient,,.
Und das Schwesterchen? — Auch verschwunden? — Sieh da!
Und der Leutnant Quincke fehlte ebenfalls — hm, hm — — den Geschmack hätte man der Kleinen nun gerade nicht zugetraut —
Aber in Gottes Namen!
Heute mochten die zwei losgelassenen Füllen herumspringen, mit wem sie wollten ... Daß. nichts Ernstes aus ihren Flirts wurde, dafür würde im geeigneten Augenblick die Frau Mama daheim schon sorgen, wie bisher noch immer... auf Schloß Hettstein sollten sie jedenfalls machen dürfen, was sie mochten.
Also alles in schönster Ordnung!
Vergnügt schmunzelnd wandte sich der Hausherr zu der regungslos harrenden Phalanx der Burschen zurück:
„Na, Jungens, nun könnt ihr euch gegenseitig ablösen! Zwei von euch haben immer hier auf der Veranda zu warten, diä andern drei in die Küche zum Bierempfang! — zunächst bleiben Kempges und Schnettelker hier! — Die andern drei — abschwirren!"
Er fühlte sich in Laune kommen.
Zu dumm, sich überhaupt Gedanken gemacht zu haben Cäciliens wegen! Pah — seine Cäcilie —!
Seine Lippen pfiffen leise das Avanciersignal, während er die Treppe hinuntersprang und quer durch den Garten auf die Jugendlaube zuschritt: „Tut mir leid, meine Herren, Ihre Hebe muß ich Ihnen für ein halbes Stündchen ausspannen! — Sie, kleiner Erichsen, und Sie, etwas größerer Earstanjen, kommen Sie mal einen Moment her!"
Die Angeredeten schossen in die Höhe.
„Also kommt 'mal raus, Kinder," sagte der Kompagniechef, „ihr müßt mir eine Neberraschung deichseln helfen. Die Burschen würden mir die Sache jedenfalls verderben: Ich habe also drüben auf der Wiese jenseits der Chaussee ein kleines Feuerwerk aufbauen lassen, das müssen Sie beide mir abbrennen. Kommen Sie mit, ich werde Sie tTiftviticrcn \u
Blowitz und Flamberg blieben allein bei der riesigen Bowle zurück. Der Maler trank hastig und sprach wenig. Der Adjutant war auch teilt Mann von vielen Worten. Es wurde still am Jugendtisch.
Und immer wieder zog es Martins Blicke dorthin, wo im matten Lichte der Lampions ein weißes Frauenantlitz zwischen den gebräunten, verwitterten, weinerregten Gesichtern der Stabsoffiziere, den frostigen, lauernden der beiden Oberleutnants stand.
Auf einmal erhob sich dorten die ganze Gruppe und kam die niedrige Stiege hinunter in den Garten, schritt der hellerleuchteten Veranda zu, die dem Speisesaak vor- aelagert war. . „ ..
Major von Sassenbach warf einen Blick zur Jugendlaube hinüber: „Ah, da sitzt ja auch unser Malermeister unser Pinselheld! — Sie, Flamberg, die gnädige ^yrau will -~a das Bild zeigen, das Sie von .W geinalt haben —


