Ausgabe 
9.5.1912
 
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ÄMW

Der König von Thule.

Roman von Paul Grab ein,

(Nachdruck Verbots«.;

(Fortsetzung.;

Sie irren, Eva," ernst wehrte ihr sein Auge.Meine Fran verlangt das auch nicht. Im Gegenteil, sie hat mir mehr als einmal die Freiheit wieder geben wollen."

Wirklich?" Wie ein nochmaliges Aufflammen einer geheimen Hoffnung blitzte es in ihren Augen auf.Und warum machten Sie davon keinen Gebrauch?"

Wieder traf sie sein ernster, großer Blick.

Das werden Sie an: besten verstehen, Eva! Gerade Weil sie so hochherzig war und mich nicht halten wollte darum blieb ich."

Ein leises Rot schoß in ihre Wangen; aber noch ein­mal bäumte es sich in ihr auf, die tödliche Angst um ihn und ein eigensüchtiges Hoffen.

Und dennoch! Sie selber riefen mir einmal das Wort zu vom Recht auf sich selbst. Warum wollen Sie sich nutzlos opfern? Ihrer unglücklichen Frau können Sie ja doch damit nichts nützen!"

Er sah sie an, wie sie vor ihm stand mit flehenden, beschwörenden Augen, das letzte Aufflackern der Hoffnung int Blick in jeder Fiber ganz sein, zu ihm! drängend! Er brauchte ein Wort, ein einziges Wort zu sprechen, und alle jubelnde Seligkeit war sein! Und noch einmal brandete auch in seinem Herzen das übermächtige Begehren nach Glück auf, das verzweifelte Ringen nach Lebenslust doch nur einen Augenblick! Im nächsten erwiderte er, tonlos, aber unerschütterlich entschlossen:

Es gibt verlorene Posten, auf denen man aushalten muß, ob es nützt oder nicht, bis zum letzten Atemzuge. Es ist Pflicht, Ehrensache! Auf solchem Posten stehe ich. Und überdies, wohl doch nicht ganz ohne Nutzen. Seit meiner Frau vor zwei Jahren auch die Mütter gestorben war, bin ich der einzige Trost, den sie in ihrem Unglück noch hat. Soll ich ihr den auch noch nehmen?"

Eva Söllnitz antwortete nicht. Sie war bei seinen Worten wieder blaß geworden ganz bleich.

Da trat er dicht zu ihr.

Sie werden sich überwinden, Eva; ich weiß es. Sie können selber nicht anders denken, auch wenn Sie es in dieser Stunde inneren Aufruhrs nicht glauben sollten. Über ich kenne Sie besser, und groß will ich Sie sehen, S Proß, Eva > wenn meine Augen Sie nicht mehr cken werden."

Seine Worte, die zitternd aüsklaUgen, brachten ihr mit einem Male zum Bewußtsein, daß das Scheiden bevor­stand diesmal der Abschied für immer. Da verließ sie die Besinnung:

Ich kann dich nicht lassen! Ich kann nicht!"

Alles vergessend, warf sie sich an seine Brust, ihn leidenschaftlich umschlingend.

Amthor hielt sie sanft umfangen, ihren Kopf an sich nehmend und mit der anderen Hand ihre glühende Wangs und Schläfe zärtlich drückend. Etwas Väterliches lag in dieser Liebkosung, und so war ihm auch im Herzett zumute. Wie ein sein Weh ungestüm ausschluchzendes Kind hielt er sie an seiner Brust. Er war der eigenen Leidenschaft Herr geworden.

Eine Weile ließ er sie so gewähren, bis der erste Sturm ihres Schmerzes sich ausgeraft hatte, dann hob er zärtlich ihr Gesicht hoch.

Meine liebe, liebe Eva! Was du jetzt in dieser Mi­nute durchkämpfst, das liegt schon hinter mir. Glaubst, du, ich hätte mich nicht auch so aufgebäumt wider das Schicksal? Auch ich habe an Trennung von meiner Frau gedacht. Aber sieh, Geliebte: Was würde es uns nützen, wenn wir alle Hindernisse aus dem Weg geräumt hatten und nachher ließe uns der finstere Schatten der Reue nicht unseres Glückes froh werden?"

Ich würde es niemals bereuen, ich nicht. Für dich tue ich alles! Wenn ich dich nur habe!"

Und in neuem Ausbruch preßte sie sich an ihn. Leiden- chaftlich erwiderte diesmal auch er ihre Liebkosung. Sv ühlte sie für ihn er war ihre Welt, mochte alles rings n Trümmer gehen! Was für eine Seligkeit hätte diese Liebe ihm bieten können! Sein Gesicht preßte sich plötz­lich aus das ihre, und wie ein Blitzschlag durchfuhr es sie jetzt seine Lippert hatten die ihren gefunden.

Doch nun riß er sich los machte sich frei aus ihren Armen, blaß vor innerster Erregung, aber ein ver­klärtes Leuchten in seinen Augen. Was ihm dieser Augen­blick gegeben 1 das konnte ihm nichts wieder rauben!

Genug nun, Eva es muß ein Ende sein."

Langsam nur fand sie sich aus ihrem Taumel wieder zurück.

Möglich, Geliebte, daß du wirklich reuelos dich un­seres Glücks freuen könntest obschon ich es nicht glauben kann aber ich vermag es iticht. Ich kenne mich! Und das würde auch dir Has Glück zerstören."

Sie Preßte die Hände gegen die noch wie rasend pul­senden Schläfen. Da war sie ja mit einem Male wieder aus Himmelswonnen in der Nacht der Verzweiflung ge­stoßen! Aber zugleich durchzuckte sie aufleuchtend eit: letztes Hoffen, wenigstens ein Schimmer vott Glück.

Gut, Hjalmar * so sei es," schwer entrangen sich ihr die Worte aus wogender Britst.Kehre zurück, wohin die Pflicht dich ruft bis du frei bist. Aber laß mich dich Wiedersehen! Ich will wieder nach Island kommen, im nächsten Sommer, alle Jahre auf ein paar Tage. Das tri das mußt du nttc wenigstens zuaestehen!"

Beschwörend preßte sie seine Hände, und ihre dunkeln, schützen Augen hängten sich flehend an ihn. Auf seinem