Ausgabe 
9.3.1912
 
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in diesem heute bereits lveißhaarigen alten Manne der Geist eines bedeutenden und originellen Komponisten >vohnt. Ter Held dieser romantischen Geschichte ift ein bescheidener iW « l!nae vor ein geborener Italiener namens Fanelli, ter .bereits lange vor i>ent deutsch-französischen Kriege von seiner Hermatstadt Bologiia nach Paris übersiedelte und sich seit zwanzig

Musiker durchschlug. Bescheiden nahm er inmitten beä OraMers seinen Platz ein und erfilllte seine Pflicht, ohne test enra semeü Een ie ahnte dass dieser einfache alte Musiker teherm m seinem Pulte selbstgeschaffene Meisterwerke barg. Nie hatte sich Fanelli in seiner Schüchternheit dazu aufrafsen können, auch nur 8ne sein^KomPosttchnen einem bekannten Dirigenten einzurerchen Als nun die Not den alten Musiker mit harter Faust anpackte, fand ter dem Druck der Verhältnisse den Mut, einen ter führenden Dirigenten Frankreichs, Gabriel Prerns, anzusprechen mit ter Bitte, ilM doch gelegentlich Notenschrelbarbeiten zu übertragen, er habe eine Frau und ein Kind und nrüsse versuchen, durch kleine Nebenverdienste daheim die Not zu lindern. '

Pierno hatte Mitleid, versprach dem Alten Arbeit und bei dieser Gelegenheit zeigte ihm Fanelli einpaar von ihm !zeschrlebener Notenseiten, damit ter Dirigent die Deutlichkeit und Korrektheit der Notenschrift sehen möge. Pierns warf einen Blick auf diese Blätter und war erstaunt: es war eine Symphon^ die Fanelli vor nahezu dreißig Jahren komponiert hatte. Ter Kapellmeilter be­hielt das Manuskript, sah es durch und teilte wenige Tage spater dem völlig überraschten Notenschreiber mit, daß diese ©vmwonie im nächsten Colonne-Konzert aufgeführt werden wurde. Und die Uraufführung dieser Symphonie tes bisher uichekannten Kom­ponisten fand in der vergangenen Woche in Paris auch statt. das Werk wurde mit stürmischer Begeisterung ausgenommen und Mu­siker und Musikfreunde sind sich darüber einig, daß mit dieser Symphonie die musikalische Kunst um ein neues und ungewöhn­liches Meisterwerk bereichert worden ist. .

In einer Unterredung erzählt Piernä die Entdeckung ter Komposition.Um seine Handschrift zu zeigen, gab mir Fanelli die Notenseiten. Beim ersten Blick fesselte mich die Harmoni­sierung. Sie ist das Eigenartigste und Modernste, was ich bisher kennen gelernt habe. Das Manuskript selbst war offenkundig alt. Ich suchte aus dem Titelblatt den Namen des Komponisten: Fanelli. Werst ist Fanelli?" fragte ich und er antwortete:Das bin ich." Ich bat ihn, mir die, wie et sagte,alten Noten da zu lassen. Am Nachmittag sah ich die Partitur durch und mem Staunen wuchs. In dieser Komposition sind alle_ Prinzipien moderner Musik verkörpert. Die symphonische Entwicklung von außerordentlicher Kraft und Schönheit; es schien kaum glaub­lich, daß dies bereits 1883 komponiert sein soll. Ich war be­geistert. 1882 habe ich den Rompreis bekommen, aber damals stand unsere Kunst noch auf einem ganz anderen Standpunkt als die Fanellis. Die modernen Russen waren uns unbekannt, totr begannen damals damit, Wagner zu hören. Und schon zu jener Zeit war Fanelli uns allen vorausgegangen. In seinem Werke waren bereits all jene Tonalitäten, die Auflösung ter Nonen und kühnen Harmonien verwendet, die erst jetzt in die Kunst ter Komposition eingezogen sind. Ganz wundervoll ist die Behand­lung der einzelnen Instrumente. Als ich Fanelli vorschlug, das Werk aufzuführen, fiel er aus allen Wolken. Et verstand mich nicht. Er meinte, er wolle lieber etwas Neues komponieren, aber ich setzte meinen Willen durch. Die aufgeführte Symphonie ist nur ein Teil aus einer Folge, diesymphonische Bilder' heißt; sie entstanden in Anlehnung an GautiersRoman einer Mumie . Fanelli besitzt noch eine ganze Reihe fertiger Kompositionen, symphonische Dichtungen, Quintette usw., die jetzt alle aufgeführt werden sollen." Bei dem Konzert, in dem die Symphonie gespielt wurde, saß Fanelli inmitten der Kapelle. Als er die langver­gessenen Klänge seines Werkes zum erstenmale von einem Or­chester wiedergegeben hörte, kamen ihm die Tränen in die Augen; aber auch die Musiker waren ergriffen und mit ihnen das Publikum, denn diese Musik hatte eine mitreißende Kraft, die sofort alle tn ihren Bann zog. Nach der Aufführung bedankte sich Fanelli bei dem Dirigenten:Ich bedauere nur eines : daß meine Tochter nicht hier sein konnte. Sie wäre glücklich gewesen, aber sie steht vor dem Examen und hat keine Zeit. Tausend Dank, Mr. PiernS, und guten Appetit." Der letzte Wunsch war sonderbar, der Dirigent forschte Fanelli aus und erfuhr schließlich, daß ter Unglückliche Komponist den ganzen Tag noch keinen Bissen ge­geben hatte.

Während das elegante Paris Fanelli stürmisch bejubelte, hatte der Alte nur den einen Gedanken: etwas zu essen. Er besaß dicht einen Sou. Mau hat sofort daKr gesorgt, daß dieser Not für die Zukunft ein Ente gemacht ist. ' >

Etwas vom Hopfen.

Die Hopfenpflanze gehört zur Familie der Nesselgewächse' kommt in vielen Gegenden Deutschlands wild vor und bietet stets dem Auge, namentlich im Herbst, etwas Angenehmes. Für die Bierbereitung können aber nur die weiblichen und unbefruchteten Blutenkätzchen verwendet werden. Die Dolde besteht aus emielnen

Blättchen oder Schuvven und unter diesen bestnden sich kleine grünlichgelbe, klebrige und harzglänzende Drüsen. Letztere enthalten das für die Brauerei so wichtige Vugulm. Der Höchen enthalt em ätherisches, gelbliches, bitter schmeckendes Cet Hovfenol genannt das der eigentliche Träger des überaus aromatischen Gemme» und Geschmackes des Hopfens ist. Außerdem enthält der -rochen bitteres Harz. daS mit dem Hopfenöl und der Gerbsäure des Höchens zusammen von Bedeutung für die Bierbereitung ist Bereits nn 8. Jahrhundert wurde Hochenbier bereuet; int Jahre 1078 laßt steh aber die Verwendung von Hopfe» zur Bierbereilimg in Deutschlano bestimmt nachweiseii, für Schweden und England im Io. Jahr­hundert. Nach mehrfachen Verboten wurde tn England die 1 ec* Wendung von Hopfen zur Bierbereitung erst im 18. Jahrhundert allgemein gestattet. In Bayern sollen schon im 8.. Jahrhundert Hopfengärten bestanden haben. Ter Hopfen hat für die Vier* bereitung eine doppelte Bedeutung: er erhöht einerseits die f?alt* barfeit des Bieres, anderseits verleiht er ihm ein seines Aroma und gleichzeitig einen angenehm bitteren Geschmack.

In den Brauereien der Welt werden im jährlichen ^.urchschnlit etwa 1 750 000 Zentner Hopfen vei braucht. In Jahren guter C-rnten wird wesentlich mehr Hopfen geerntet, als verwendet wird. ~amt wird der Ueberschutz an Höchen konferviert und für Jahre am- bewahrt, in denen die Hov-enernte geringer ist oder mißrat; in solchen Jahren steigt der Hopfen erheblich int Preise. Höchen tvtiö gezogen in Oesterreich-Ungarn, Deutschland, tu den ^reinig Staaten von Nordamerila und in Australien, in England, Rußland, Frankreich und Belgien. Jit diesen Ländern fällt aber die Hopfen* ernte jährlich sehr verschieden aus. So betrug sie nn 3£hre in Deutschland 565 000 Zentner, in Oeüerreich-Ungarn83 000 in England 560 000, in Amerika und Australien zusammen mW 00), in Frankreich und Belgien je 8000 und tn Rußland 6a , zusammen 2 263 000 Zentner. 1909 ergab eine Mißernte; es wurden nur 1 123 7oO Zentner Hopfen, bezw. 924 Ooo Ztr. gewonnen. Für 1911 liegt vorläufig nur eine Schätzung vor und diele be­rechnet di' Welt-Hopieiternte auf etwa 1 140 500 Zentner, wovon für Deutschland 190 000 Zentner zu rechnen sind.

Nun dürste es interessieren, zu erfahren, wieviel Pmnd Hopfen von diesen großen Hopienmengen in den verschiedenen Vanbern auf den Hektoliter Bier zitr Verwendung kommen. ia findet man, daß in Großbritannien und Irland am meisten Hopfen vermeiibet wird, und zwar im Jahre 1908 und 1909 ;e 0,98 P,und, tm Jahre 1910 sogar 1 Pfund auf den Hektoliter Bier, tn den Vereinigten Staaten von Nordamerika, tn Südamerika und in Australien zu­sammen 1908 0,78 Pfund, 1909 0,66 und 1910 0/7. Es scheint der Geschmack des Publikums für starkgehovste Biere auch in anderen Ländern zurückgegangen zu sein, da fast überall ein Rückgang tut Hopfenvcrbrauch zu verzeichnen ist.

Vermischte».

bk. Dekorierte Amazonen. Eine der tapfersten Truppen der französischen Kolonialarmee sind die s e n e g a l e s r (ch e n S ch ü tz e n. Ihnen ist es wohl nicht in letzter Lm,e zuzuschreiben, daß Frankreichs Kolonialreich eine derartige Ausdehnung genommen hat und sich im Laufe der Zeiten innerlich gefestigt. Und ihre Frauen stehen ihnen an Tapferkeit nicht nach 1 et es, daß der schwarze Schütze in den Krieg zieht, sei es, daß er von etner Ko­lonie in die andere versetzt wird, überall folgt ihm die treue Ehe* halste nach. Sie ist ihm unentbehrlich: sie ist für ihn gleichzeitig Trägerin, Köchin, Wäscherin und Weib. Daß sie ihm aber zu Zeiten auch eine treue Gehilfin int rauhen Kriegshandwerk ttt, be­weist ein Erlaß, der tu der «Armse coloniale soeben veröffent­licht worden ist. Witt bett Worten des höchsten Lobes rotrb dort Mousina, die Frau des Korporals Ahmed Yaeoub erwähnt, die im Kampfe bei Talmeust tödlich verwundet wurde, als sie dem Gatten und seinen Kameraden, die in der vordersten Schützenreihe dem Feinde wacker Stand hielten, Munition brachte. Noch andere Namen weist die Ruhmesliste auf: Fatma, Bmtou-Korrö, Ntemel- laue und Soulma; sie alle sind im Kampfe gefallen.

Magischer (Quadrat

In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAAABBEENNNNB.O' U Z derart einzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Ein Verbrechen

2. Mädchennamen.

3. Früheres Gewicht.

4, Holländischen Maler.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Dechiffrier-Ausgabe in voriger Nummer: Was freften nicht die Krähen l Was sehen nicht Poeten!

Was schwatzen nicht Betntnknel Was tun nicht mi'tb'ge Weiber l

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scuci, llmversttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, ®iejeifc