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Der Ebsdörfer Grund.

Lage und Name.

Ter Oberwald, ein breiter, vom Vogelsberg ausgehender Gebirgsrücken von mäßiger Höhe, zieht sich in südwestlicher Rich- tung hin zwischen der Lumda und Zwester Ohm, zwei Bächen, welche die Lahn unterhalb Marburgs von der linken Seite empfängt; gegenüber liegt der in Längsrichtung von Süden nach Norden am linken User der Lahn sich erstreckende Lahnberg. Zwischen; diesen Höhenzügen eingebettet, ruht still und friedlich der an­mutige Ebsdörser Grund, wie ein Säugling an der Mutter Brust. Auf den einschließenden Höhenzügen erheben sich ein­zelne Berge: auf dem Oberwald: Seist (405 in), Leidenhofer Kopf (393), Sennberg (382), Hattenberg (377), Totenberg (356)). Vom Lahnberg herab grüßt freundlich der Frauenberg mit seiner Ruine, zwei Gasthäusern und der französischen Kolonie; weiter nördlich merken wir Stempel, Lichteküppel und Spiegels­lust. Eine niedrige, zwischen Beltershausen und Moischt vom Lahnberg ausgehende und jenseits Wittelsberg den Oberwald erreich!ende Hügelkette mit dem 320 Meter hohen Basaltkegel von Wittelsberg bildet die nordöstliche Grenze des Ebsdörfer Grundes. Nach Südwesten geht er bei Bellnhausen in das offene Lahntal über. Aussichtsreiche Punkte sind: Roßberg, der kahle Basaltkegel des Staufenberges bei Treihausen, die Er­hebung von Heskem, die Höhe von Beltershausen, derKirchberg" bei Wittelsberg, Ebsdorf, die Terrasse von Bellnhausen. U. a. sind, die Ohmebene mit der Amöneburg und der Tünsberg Bet Gießen sichtbar. Ten Tünsberg erkennt man auch von dem mit einem _ Aussichtsturm gekrönten Leidenhofer Kopf aus, der auch zum Ebsdörfer Grund, Frauenberg, Stempel, Spiegelslust, Rim­berg, Burgwald, Hainagebirgö, Amöneburg, Knüll, Staufenberg, Gleiberg und Vetzberg eine vorzügliche Fernsicht bietet. 1

Im Herzen des Ebsdörser Grundes liegt Ebsdorf; die nähere Umgebung dieses Ortes, etwa von Heskem bis Hachborn, ist der Ebsdörfer Grund im engeren Sinne. Indessen müssen wir den Begriff weiter fassen. Allgemein bezeichnet man wohl den Ebs­dörser Grund als eine südöstlich von Marburg gelegene Niederung, das Tal des Ober- und Mittellaufes der Zwester Ohm. Wir schließen den Unterlauf dieses Baches in unsere Beschreibung mit ein. Tas Tal der Zwester Ohm unterhalb Hachborn führt den NamenSchnitzengrund".

ij : Ortsnamen.

Alle Namen, mithin also auch die! Ortsnamen, sind ein wichtiger Bestandteil unserer Sprache. Tiefe aber, ein Kunstwerk der Natur, hat ihre Wurzeln in der menschlichen Gesellschaft und ist bedingt durch den physischen und geistigen Zustand der Völker. Die Ortsnamen sind die von dem Dasein des Menschen hinterlassenen Spuren. Viele von ihnen sind Marksteine in der Geschichte der Völker: als lebendige Zeugen berichten sie oft von Vorgängen, die ohne sie niemals entdeckt werden könnten.Tie deutschen Gewässer haben Jsisnatur, und Nixen, Undinen und Elfen wurden stets weiblich gedacht." Ter letzte Teil unseres Flußnamens Zwester O h m entstammt nicht dem Deutschen, ist aber doch weiblichen Geschlechts. Er ist keltischen Ursprungs und lautete, wohl ursprünglich Oma, Ama, Amanah, Ohmene. Bei den Alemannen treffen wir vorwiegend Namen auf -ach, -beuren, -Hofen, -ingen, -wang, -Weiler. Möglich vielleicht, daß Selben» Hofen eine alemannische Niederlassung ist; 1018 hieß der Ort Lindenhoue. (Das Städtchen Grüningen in der Nähe von Gießen, soll von den Alemannen gegründet worden sein.) Ortsnamen mit den Endungen --bach, -dorf, -seid, heim, -häufen, -scheid finden wir bei den Franken. Heskem wird schon frühe Hei- stingenheim, 1199 Heistenheim, 1377 Heistenkeym, 1506 Heiste- hain, 1613 Heissigheim, später Hessigkem genannt. (Haisting, Heistine ist ein sehr alter und selten vorkommender Mannesname, in dem vielleicht die gotische Wurzel ushaists = arm steckt). Nicht weniger als acht Ortsnamen int Ebsdörfer Grunde enden auf -hausen: Wermerts-, Drei-, Belters-, Erben-, Jlsch-, Hassen-, Belln- und Sichertshausen. Wermertshausen kommt im 10. Jahrhundert unter dem Namen Wermbrachtshusen vor. Drei- Hausen besteht aus drei HLusergruppen: Ober-, Mittel- und Unterhausen. In Beltershausen soll der Sage nach eine heidnische Opferstelle gewesen sein, die dem Gott Baldur geweiht war; daher führte der Ort früher den Namen Balders-, später Beldershauseu. Auch der Hessenname lautete früher anders; er hat sich aus Chatten über Hatten und Hassen zu Hessen entwickelt. Noch trägt das Dorf Hassenhausen den Hessennamen. Am Anfang des 9. Jahrhunderts hieß Ebsdorf: Ewilizdorf und 1289 Ebizdorf. Auf -berg endigen Roßberg und Wittelsberg: letzterer Ort wird 1360 als Wittelsbergk erwähnt. Im Jahre 813 wird Hachborn unter dem Namen Hauucabrumio, 1189 Ha- vecheburnen, 1255 Hachenbörne, 1348 Hacheburn, sowie Haucke- bron genannt. Mölln hieß früher Mulinen, d. h. zu den Wühlen.

Noch wird in Flurnamen die Farbe des Bodens bezeichnet; -.rote Erde" findet sich bei Treihausen, schwarze bei Mölln und Leidenhofen, weiße z. B. bei Kirchhain. Hessische Orts­namen (Erfurtshausen, Nassen- und Trockenerfurth usw.) sind miter" zusammengesetzt; cmch heißt eine Feldlage bet Hassen­

hausen >,Er". Bet' Leidenhofen liegt der Krökenhfuhl, welche Bezeichnung Wohl nicht auf einen germanischen Gott Crodo, sondern auf die ost fälschlicherweise verachtete und verfolgte Kröte zurück- zuführen ist.

G e olo g i sch e Udb er si ch t.

Tie Wissenschaft der Geologie, welche die Frage der Enh, stehung der jetzigen Erdoberfläche zu beantworten sucht, wird wohl nie genau angeben können, wann der Erde Grund gelegt wurde. Viele Geologen sind als Folge der Lehre Darwins über die Entstehung der AtteN der Ansicht, die Erde sei wenigstens 230 Millionen Jähre alt. Strutt, ein englischer Physiker, kam' mit Hilfe der Theorie über die Radioakttvität der Stoffe zu dem Schlüsse, daß die int Thorianit vorhandenen Mengen Helium zu ihrer Bildung mindestens 240 Millionen Jahre brauchten. Da­nach ist also die Erde noch alter, und ein Mineral vermag sein! eigenes Alter anzugeben.

Durch die von ihnen hetrührenden Bildungen können wir die vier Zeitalter in Hessen nachweisen. In der Mitteloligozänzeit bedeckte der ärmelförmige See der Hessischen Senke den Graben- bruch von Kassel bis Frankfurt a. M. Ter Ebsdörfer Grund/ ein Anhängsel dieser Senke, wird nur lose durch die zwischen Wittelsberg und Moischt verlaufende niedrige Hügelkette von dem ausgedehnteren Ohmtale geschieden. Tertiäre Tone, Sande, Schottern und Süßwasserkalks erfüllen die Talniederung des Ebs­dörser Grundes und reichen an manchen Stellen hoch an den Gehängen empor. Man nahm an, daß dem Oberoligozän die Sande und Quarzite angehören,welche sich von Frielendorfs aus südlich nach Gießen zu erstrecken (Felsenmeer östlich Schweins­berg, Hachborn, Daubringen usw.), und es ließe sich mög­licherweise dann ein Zusammenhang mit gewissen Sanden des Mainzer Beckens nachweifen". Nach anderen gehören zum Mio­zän die Melanientone bei Ziegenhain, über den Sanden und Quarziten lagernd, welche bei Frielendorf und Leidenhofen manchmal Knollen oder kleine Lager von gelblichem Kalkstein auf­weisen. Aber auch die meisten Braunkohlenbildungen Hessens ge­hören dem Miozän an, auch die des Ebsdörfer Grundes. Vor Jahren trug man sich einmal mit der Absicht, die Braunkohles- schätze im Ebsdörfer Grunde zu heben; doch scheiterte der Plan, wohl an der geringen Ergiebigkeit bei Vornahme von Versuchern Tie Braunkohlen des Ebsdörfer Grundes gehören der Periode der älteren Braunkohlenbildung an.

Bis zur Aendernng ihres Laufes (zur südwestlichen Rich­tung) Bei Heskem wird die Zwester Ohm beiderseits von Ba­salten Begleitet, die der Basaltmasse des Vogelsberges zuzurechnen find. Bei Treihausen wird ein ebenflächiger, etwas musche­liger Basalt gewonnen, der ausgedehnte Verwendung als Pflaster­steine findet. Zahlreiche hellgrau gefärbte Olivine, Spaltungs­flächen vom Augit und reicher Zusatz vom Olivinfels glänzen aus der Grundmasse hervor. Bei Wittelsberg findet sich anstatt des farblosen Glases braunes Glas vor; der dorttge Gangbasalt verdankt einer sehr jungen Eruption sein Dasein. Auch am Staufenberg bei Roßberg zeigt der Basalt eine glasreiche Aus­bildung. Vermutlich ist der Staufenberg der Eruptions (vul­kanische Ausbruch-) pünkt für den großen Lavastrom des Trei- häuser Basaltes.

Tas noch 1881 vorhandene, aber schon 1887 zerstörte sehr merkwürdige Profil des gebrannten Berges zeigte zwei verschiedene Gesteine, einen hellgrauen Tolerit und ein schwarzgraues Gestein.

Tie Strombasalte haben gegenüber den ebenfalls hier auftretenden gangartig lagernden Basalten den Löwenanteil. Ter fogeuamite Änamesit bildet den Uebergang vom echten Basalt zum Tolerit.

Hydrographische Verhältnis sei Es rinnet das Bächlein vom Berge zu Tal, Es glänzen die Wellen int Sonnenstrahl. Als Knabe einst stand ich am singenden Bach Und lauschte und schaute den Wellen nach. Auch sind sie am Jüngling vorüber gerauscht, Und habe ich träumend dem Liede gelauscht."

Ja das Tälchen der Heimat, wie wonnig, wie schön! Und was wäre sie ohne das murmelnde und plätschernde, lispelnde und erzählende Bächlein?! Auch den Ebsdörfer Grund durcheilt ent rauschender Bach, rast- und ruhelos: die Zwester Ohm. ^hren Ursprung verdankt sie einigen Teichen bei W e r m e r t s h a u s e n. Anfangs ist ihr Tal eng; unterhalb' Roßberg aber erweitert es sich schnell, nimmt aber bann hinter Ebsdorf wieder an Breite ab. Unterhalb Erbenhausen durchbricht der Bach den Bunt- sandsteinrücken des Lahnberges, weshalb dieser Teil des äales wieder eng und der Lauf vielfach ein gewundener wird^ Nach etwa dreistündigem Laufe ergießt sich die Zwester Ohm bet Sichertshausen in die Lahn.

Der wasserführende Horizont von Sichertshausen bis Ron- Hausen verdankt höchstwahrscheinlich den Letten (magerer Ton) des oberen Zechsteins seine Entstehung. Aehulich wie dieser tritt der untere BMitsandstein nur in einer schmalen, von Wetter bis Hassenhausen verlaufenden Zone zutage. Drei ziemlich starke Quellen entspringen in der Nähe des unteren Buntsand- steins gegen den Zechstein: bei Hassenhausen der Oberborn, Bet Hachborn der Hachborn und bei Ebsdorf der Lteinborn. Ta