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gemischt — Waldsriede — Waldsriede —- wünschlose Sommers eligkeit.
Was tun? — Offenbar war er zu lange geradeaus! gegangen, statt nach links abznbiegen, um den Saum des Wäldchens nach dem Exerzierplatz hin zu erreichen.
„Ja, zum Donnerwetter, Kerls, weiß denn hier keiner Von euch Bescheid?"
„Nä, hier wisse mir kei' Bescheid — wo will der Herr Unner'ffzier denn hin?"
„Na, doch natürlich zuM Exerzierplatz hinüber, an den Waldrand!"
- Die Füsiliere freuten sich königlich. „Da Exerzierplatz? i—, dä litt so janz do hinne!"
„Himmelkreuzmillionen! — Also links schwenkt — Marsch!"
„Na, vielleicht würde die Erste nicht gar zu früh' angreifen, und man kam noch zur rechten Zeit.
Bäume — Bäume — nichts als Bäume. ■— Doch . . . noch etwas anderes als Bäume — unter den Bäumen dichtes Dorngestrüpp . . , immer dichter. . . immer dichter .. .
Bei jedem Schritt schlugen den Vorwärtsdringenden Brombeerranken und Tannenzweige ins Gesicht.
Die Füsiliere wurden ungemütlich: „Dat is ja en Schweinerei — hä kütt jo ke' Mensch nit dörch — —"
Das mußte Hans Friesen schließlich selber einsehen, r- Also zurück--
Bautz! — da fiel in der Ferne der erste Schuß — plautz! ein zweiter — bautz '— b'autz ein dritter und vierter. . . Tas Gefecht mußte begonnen haben--
Himmel — und nun verließ sich der Oberleutnant Mens- hausen darauf, daß im entscheidenden Augenblick aus dem Hinterhalt das wohlgezielte Feuer der zwei detachierten Gruppen dem Feind in die Flanke fallen und seinen Ansprung über das Blachfeld des Exerzierplatzes lahmlegen würde . . .
Ade, Leutnantsqualifikation . . . ade, Epaulettes und Schärpe.
Ade, holdselige Hoffnung aus ein Paar Stunden eines höhern Daseins . . .
Nach dieser Blamage, in dieser Elendstimmung vor die schöne Frau von Brandeis, vor die schlanken Majorstöchter treten, die ihm gewiß seine schauderhafte militärische Unzulänglichkeit am Gesicht ansehen und ihn im tiefsten Grund ihrer Seele verachten würden . . . das war eine Hölle statt des erträumten Daradieses!
Martin Flamberg ärgerte sich ein wenig, als Beim Beginn der Felddienstübnng Hauptmann von Brandeis ihm die Führung der Kompagnie übergab. . . Das hätte der Hauptmann ihm doch auch vorher sagen können. . . dann hätte er sich einen Gaul zwischen die Beine geklemint . . .
Na, es mußte nun auch so gehn!
Mit ruhiger Sicherheit wiederholte er die Spezialidee und den Befehl, den ihm der Hauptmann mitgeteilt, traf noch unter den Augen seines Kompagniechefs sachgemäß die erforderlichen Anordnungen für die Unteroffiziere, die .er im Kreise um sich versammelt hatte . . .
„Sehr gut, sehr gut!" lobte Hauptmann von Brandeis, „vollkommen einverstanden! . . . Na, und nun viel Vergnügen!" Und damit galoppierte er von dannen.
Die Kompagnie hatte die Gewehre auf der Chaussee zusammengesetzt... die Mannschaft rastete im Graben...
„An die Gewehre!"
Hui, da kam ein Leben in den Ameisenhaufen,. . .
„Stillgestanden!"
Und mit drei kurzen Sätzen teilte Flamberg den Mannschaften mit, was sie zum Verständnis der Kriegslage wissen mußten . . .
„Herr Leutnant Carstanjen, treten Sie an!"
Der Kleine salutierte: „Erster Zug — Gewehr in die Hand ... die vorderste Gruppe als Spitze — schwärmen — der Rest des Zuges folgt unter dem Sergeanten Clausen!"
Und der Vormarsch der ersten Kompagnie gegen den Feind begann . . .
FlanÄerg schritt in mnnterm Geplauder mit dem jüngern Kameraden fünf Schritt vor der Spitze , , -
Hei . . welche Lust, Soldat zu sein . . .!
Welche Lust ... zu friedlichemUnd doch so ernstem und Mächtigem .Waffenspiel in die blauen Morgermebel hinein- zuprlgern -.,
Nach einer halben Stünde wär der Saum des Exerzier«» ettcicfyt.
Selbstverständlich brauchte kein Geist voM Himmel herabzusteigen, um dem Kompagnieführer zu sagen, daß der Feind am Kastanienwäldchen liege . das war ja doch natürlich seit Jahrzehnten immer so gewesen . . .
Und glatt und reglementsmäßig entwickelte sich der Angriff der Ersten unter den Augen der Schiedsrichter von der Hohen Tanne her auf das Kastanienwäldchen zu . . . das Gelände wurde trefflich ausgenutzt . . . bald zugweise, bald gruppenweise ging die Kompagnie im Sprung über die kahle Tenne des Platzes gegen den heftig feuernden Gegner vor. . . Und Flamberg begriff nur das eine nicht: daß die ganze Sache so glatt vonstatten ging.
Er war daraus gefaßt gewesen, einen Flankenangriff von links !zu erleben, und hatte infolgedessen in das Gehölz zu seiner Linken eine starke Gefechtspatrouille geschickt... Jeden Augenblick erwartete er deren Warnungsschüsse zur Linken zu vernehmen . . . aber nichts erfolgte. Und hundert Meter vorm Kastanienwäldchen setzte Flamberg zum Sturmangriff an . . . Mit gezogenem Säbel sprang er zwanzig Schritt seiner Kompagnie voran beim Sturmmarsch der Tambours und dem dröhnenden Hurra seiner Füsiliere,
Gerade auf die Mitte des Wäldchens rannte er los, wo. die berittenen Offiziere hielten, denen sich inzwischen, das sah er schon von weitem, der Bataillonskommandeur mit seinem Adjutanten beigesellt hatte. . .
Im Augenblick, als er auf zehn Schritte an die Gruppe herangekommen war, winkte der Major seinem Hornisten,, und: „Das Ganze — halt!" klang schmetternd das erwünschte Signal zur Beendigung der Uebung über den weiten Plan. >
Unmittelbar darauf erfolgte das Signal: „Zur Kritik!"
„Bitte, Herr Hauptmann Goll!"
Zwischen den zusammengezogenen Branen des Hauptmanns brütete das Unheil und entlud sich alsbald als fürchterliches Donnerwetter über den Oberleutnant Mens- hausen: „Herr Oberleutnant, wenn (Sie nichts Besseres zu tun wußten, als sich mit Ihrer ganzen Sippschaft am Waldrand einzubuddeln und den Angriff der Ersten abzuwarten , . . dann hätte ich schließlich gerade so gut die Kompagnie von einem Unteroffizier führen lassen können. . . Was haben Sie sich bei dieser stumpfsinnigen Maßregel denn eigentlich gedacht
Oberleutnant Menshausen bebte vor Wut und Schaml Die Hand am Helm, sagte er, als der Hauptmann seine Frage gestellt hatte: „Ich habe den einjährig-freiwilligen Unteroffizier Friesen mit einem Halbzuge in das Gehölz dort zur Rechten geschickt, und zwar mit genauer Instruktion ... Er sollte im Augenblick, wenn die erste Kompagnie nach ihrem Vorgehen auf der Höhe des Gehölzes! angekommen wäre, Flankenfeuer geben!"
„Bedaure — habe nichts von Flankenseuer gemerkt! Wo steckt denn Ihr Unteroffizier?"
„Daß weiß ich nicht, Herr Hauptmanns,. - er muß sich verlaufen haben!"
Leutnant Blowitz, ho.ch zu Roß, flüsterte dem Major eine Bemerkung zu.
„Aha — der Dichter — na, das fehlte mir gerade! Erst brennt bei den ersten Schüssen ein Gaul durch, auf! dem zufällig ein Herr von der Landwehr angebracht ist . , K dann schmeißt dieser unglückliche Einjährige die ganze Uebung um. . . Na, warte/mein Jungchen . . . dir werd ich das Dichten austreiben! Aber bitte weiter, Herr Hauptmann, Sie haben noch nicht den Angriff der Ersten bet' sprochen!"
Flämberg erhielt ein gerüttelt und geschüttelt Maß voll Lob, sowohl von Hauptmann Goll, als auch nachher beim Schlußwort des Bataillonskommandeurs: „Ihre Leistungen',: Herr Leutnant Flamberg," sagte der Major, „söhnen mich einigermaßen mit her Situation aus! — Ich danke Jhnev, meine Herren — i—"
Rum, plUm, plumbidibum. — Heimwärts ging's mit Trommelschlag und munterm Gekreisch der Pfeifen $. $
Martin Flämberg Mar kolossal vergnügt -. . Er mar-, schierte dicht hinter der Gruppe der Berittenen und sanU eine muntere Epistel zusammen,, mit der er seiner Braut das „Wasfenglück" des ersten UebUngsmorgens zu perW.udM gedachte -, - Ha, welche Lust, Soldat zu sein.. U >
(Fortsetzung folgt.) *- ’ « ..... ,
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