Donnerstag, den 8. August
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Sommkrlrutnsnts.
Roman von Walter Bloem.
Copryght 1910 by Grethiein & Co,
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Oberleutnant Menshausen leitete die Ausbildung der Einjährigen und ihre Vorbereitung zum Offizierexamen, und von seinem Wohlwollen hing es sehr wesentlich ab, ob man bei der Entlassung zur Reserve die Qualifikation zum Offizier des Beurlaubtenstandes bekommen würde . . . Uebrigens war er ein harter Instruktor gewesen, der eine tiefe, grundsätzliche Abneigung gegen die „Intelligenz im Heere" besaß und sich gar keine Mühe gab, das zu verbergen . . .[
Also wirklich, es ging „um die Wurst!"
Ach . . . und dabei war Hans Friesen heute so ganz und gar nicht dazu aufgelegt, seine Gedanken auf den Königlichen Dienst zu konzentrieren. . . Auf halb zwölf war er zu Frau Hauptmann von Brandeis befohlen, um dort den Damen des Regiments, die bei der Festaufführung im Kasino Mitwirken sollten, und dem Herrn Bataillonsadjutanten das Festspiel vorzulesen, das — er selbst — Hans Friesen, verfaßt hatte. . .
Er, Hans Friesen, seiner bürgerlichen Hantierung nach Königlich preußischer Gerichtsreferendar und Doktor beider Rechte — zurzeit Seiner Majestät jüngster Unteroffizier...
Wahrlich ... es war keine Kleinigkeit gewesen, unmittelbar nach bestandenem Referendarexamen . . . unN mittelbar nach dem Uebergang aus dem heiteren Studentenleben in Amt und Würde hinein . . . plötzlich ein gemeiner Füsilier zu werden und unter der Fuchtel roher Unteroffiziere inmitten derber Söhne des Volkes die Geheimnisse des langsamen Schritts und des Jnfanterie- gewehrs zu erlernen! . . .
Und das nun gar, wenn man nicht nur ein alter Korpsstudent und königlicher Justizbeamter, sondern außerdem — ein werdender Dichter war.
Ach, noch zwei Monate . . . dann würde die Schinderei zu Ende sein, und Hans Friesen würde wieder zu seinen geliebten Manuskripten und seinen weniger geliebten, aber um so ehrwurdigern Akten zurückkehren dürfen . . .
Vorher aber galt's noch mancherlei Fährnis zu bestehen . . .
Das Manöver war in Aussicht, und Hans Friesen war Korporalschäftsführer . . . hatte das Vergnügen, jedes Kommißbrot und jede Unterhose für seine Korporalschaft in Empfang zu nehmen... Samstags die Ausgehgarnitur auf Kammer zu empfangen . . . und Montags sie wieder in tadellosem Zustande abzuliefern . . . und dazu kamen all die tausend jämmerlichen und doch so notwendigen Michten der Fürsorge für zwanzig stramme Burschen ,. .
Das alles zog durch des jungen Soldaten Hirn, als er Die ihm anvertrauten zwei Gruppen in langer Schützenlinie durch den blumigen Talgrund führte. . .
Ach, dieser Talgrund schien so gar nicht geschaffen zum Tummelplatz für nägelbeschlagene Kommißstiefel. . . Hier mußte man mit einem süßen, braunäugigen Kind eng- umschlangen wandeln . . . und von holden und freudigen Dingen reden . . . holde und freudige Dinge tun. . .
Gott, heute mittag würde er ja endlich einmal wieder Mensch sein, Kavalier sein, würde mit richtigen Damen reden! — Ob er das nicht überhaupt schon verlernt hatte im seelenmordenden Gamaschendienst? — Nun, an ihm sollte es jedenfalls nicht fehlen!
Zwar auf sein Festspiel bildete er sich verdammt wenig ein . . . Da hatte er dem Dichtertum in seinem Busen ganz gründlich Zaum anlegen müssen ... Er wußte wohl: es tvar eine schrecklich langweilige, frostige Allegorie geworden . .. Aber Frau Major von Sassenbach hatte ihm durch Leutnant Blowitz mitteilen lassen, daß sie entzückt sei. . . Und das war ja schließlich doch der Zwecke der Uebung. . .
Und heute mittag würde er von der schönen Frau von Brandeis empfangen werden . . . würde plaudern und ftui dieren dürfen mit ihr und den schlanken Töchtern des Majors . . .
Es war fast wie ein Traum ... so ausgehungert wie mau war nach Schönheit und Glanz in dieser verfluchten Kas^nenatmosphäre, in dieser ekelhaften Tretmühle des Dienstes, in dem verblödeten Milieu der Unteroffiziere und Füsiliere. . .
Merkwürdig nur, daß dies Tälchen sich so endlos lang hinzog. Schon eine Halbe Stunde mußte verflogen sein, seit er sich von der Kompagnie losgelöst und nun als eine Art kleiner Cäsar, als selbständiger Detachementsführer, in der Welt herumgondelte.
Allmählich fiug's an, unheimlich zu werden.
Er drehte sich um. Schweigsam trotteten seine Füsiliere hinter ihm her, das Gewehr im Arm, die Nase zum grünen Waldboden gesenkt.
„Sagt mal, Kerls, weiß einer von euch, wo das Gehölz liegt?"
Die Füsiliere saheu einander an. „Wat für en Jehölz?" sagte einer der alten Leute, „mir wisse uix von eine Jehölz."
„Na, das Gehölz, wo wir uns aufbauen sollen, zum Donnerwetter!"
„Da Hann mir doch nix von gehört — dat hat dä Herr Oberleutnant doch em Herr Unner'ffzier selbst jesagt!" grinste der Füsilier.
„Nä, da wisse mer nix von," wiederholten grinsend die übrigen Kerle.
Verflucht! — das war ja 'ne schöne Bescherung.
„Halt!" kommandierte Friesen und überlegte.
Ringsum Bäume, nichts als Bäume, Buchen und Eichen


