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Gunst und Sold besser St fahren glaubten als mit vereinigter Opposition gegen seine verderblichen Plane. Schmählich ging die evangelische Union in die Brüche. Motz dret Manner zeigten kampseSfreudige Entschlossenheit, der Macht Ferdtnands und der katholischen Liga entgegenzutreten: Graf Ernst von Mans- seid, Markgraf Georg von Baden-Hurlach und Prinz Christian von Braunschweig-Wolfen-- büttel Aber ihre Macht entsprach nicht ihrem Willen. Sie konnten die Pfalz nicht retten, die, nachdem ste lange der Tummel- plab vergeblicher Kämpfe zwischen den genannten protestantischen, landlosen Abenteurern und ihren bayrisch-ligrstischen Gegnern Maxinrilian und Tillh gewesen, schließlich endgültig in die Hande der letzteren fiel nitd durch die Jesuiten katholiich gemacht wurde. Nach den Siegen Tillys über den Markgrafen von Baden bei Wimpfen (6. Mai 1622) und über Christian bei H o ch st am Main (19. Juni 1622) war ganz Oberdeutschland in der Hand der Ligisten. Der Krieg zog sich nach dem nordwestlichm Deutschland, wo Mansfeld und Christian, nachdem sie plündernd Elsaß und Lothringen durchzogen und den Niederländern gegen die Spanier geholfen hatten, die Feindseligkeiten gegen die Ligisten wieder aufnahmen. Aber noch tije beide Heerführer sich zu gemeinsamem Vorgehen vereinigen konnten, zog Tilly mit seinen Rauberscharen nach Westfalen und schlug Christian bei S t a d t l o h n (am 6. Marz 16231 aufs Haupt, daß dieser und Mansfeld tn die Niederlande und nach England flüchten mußten. Tillh konnte nun ungestört in ganz Nordwestdeutschland die Gegenreformation in den ehemaligen geistlichen Stiften durchführen.
(Fortsetzung folgt.)
Die Langlebigkeit tm wandel der Jahrhunderte.
Einen wertvollen, durch zahlreiche Dokumente belegten statistischen Ueberblick über die Langlebigkeit des Menschen im Wandel der Jahrhunderte, gibt der französische Forscher Dr M. A. Legrand in einem kürzlich erschienenen Werke, das sich mit den Fortschritten der Hygiene und ihren praktischen Folgen beschäftigt. Dabei zeigt sich, daß das durchschnittliche Lebensalter des Menschen im Laufe der letzten vierhundert Jahre zugenommen hat, die Zahl der Erdenbürger, die ein hohes Greisenalter erreichen, ist heute ungleich größer als in früheren Zeiten, der Mensch lebt durchschnittlich länger als ehedem.
Auf Grund seines Materials hat Legrand eine Tabelle aus- gearbeitet, die diese Zunahme der Lebensdauer erkennen läßt. Noch im £5. und auch im 16. Jahrhundert erreichen durchschnittlich 582 hon 1000 Menschen das 60. Lebensjahr. Im 17. Jahrhundert steigt diese Zahl bereits auf 655, im 18. Jahrhundert auf 718, im 19. Jahrhundert auf 757 und int 20. auf 806. Die Zahl der Menschen, die das 80. Lebensjahr erreichen, beträgt im 15. und 16. Jahrhundert von 1000 Menschen durchschnittlich 118. Das nächste Jahrhundert weist bereits die Zahl 134 auf und das 18. sogar 194, das 19. bringt dann nur einen geringen Fortschritt und erreicht 201, aber das 20. erhebt sich bis zu 255. Es ist interessant, diese Zunahmen der Langjährigkeit im Laufe des vergangenen Jahrhunderts zu beobachten. Vom Jahre 1800 bis zum Jahre 1825 zählt man auf 1000 Menschen 176, die das Greisenalter erreichen. Die Zeit von 1825 bis 1850 198, das dritte Vierteljahrhundert bis 1875 aber bringt mit 175 einen Rückschlag, der jedoch vom «letzten Vierteljahrhundert überwunden wird, denn von 1875 bis 1900 zählt man bereits 234 Greise auf 1000 Leute. 1900—1910 ergibt dann die Zahl 255.
Ein genaueres Eindringen in das statistische Material enthüllt dann die auffällige und wissenschaftlich einstweilen noch unaufgeklärte Tatsache, daß die Langlebigkeit der Frau im Durchschnitt größer ist, als die des Mannes. In den Bereinigten ©tonten zählte man z. B. 1890 3981 fast hundertjährige Personen; den Männern 1398 — darunter stehen jedoch nicht weniger als 2385 Frauen gegenüber. Und wenn man weiter zurückgeht, findet man 1855 (in Deutschland 2081 Männer, die das 90. Lebensjahr überschritten haben, zugleich aber 3567 Frauen gleichen Alters. Für das .Lebensalter zwischen 95 und 100 Jahren ist die Zahl der Frauen sogar doppelt so groß als die der Männert 641 (zu 606. Dabei zeigt sich, wie aus einer englischen Statistik hervorgeht, daß gerade jene Frauen, die eine starke und zahlreiche Nachkommenschaft besitzen, die höchsten Lebensalter erreichen. Die berühmte Rumänin Claudia, die 115 Jahre alt wurde, war Mutter von 25 Kindern. Und im Jahre 1909 starb im französischen Departement Aisne eine fast 'hundertjährige Greisin, die mit 26 Kindern gesegnet worden war. In der Revue konnte vor kurzem bereits Dr. Neuville nachweifen, daß auch in den letzten Jahrzehnten die Steigerung der Langlebigkeit bei den Frauen größer gewesen ist als bei den Männern. In England ist von 1881 bis 1900 die durchschnittliche Lebensdauer bei beit Männern um 14 >Jahre, bei den Frauen aber ntn 16 gestiegen. In Frankreich betrug in der gleichen Zeit die Zunahme bei den Männern 10 und bei den Frauen 11 Jahre und Preußen verzeichnet in der Zeit von 1877 bis 1900 bei den Männern eine durchschnittliche
Zunahme der Lebensdauer von 25, bei Seit Frauen aber utft 29
Dr. Legrand hat sich in seinen Untersuchungen auch mit de« Frage beschäftigt, unter welchen Berufen die Langlebigkeit! am Häufigsten und am größten ist. Dabei zeigte. es sich, daß unter den sogenannten freien Berufen die Geistlichen an der; Spitze marschieren, gefolgt von den Staatsmännern, den Gelehrten, den Offizieren den Schriftstellern und den Künstlern, Merkwürdig ist dabei, daß bei den herrschenden Fürsten und überhaupt in den fürstlichen Familien die Langlebigkeit geringer; ist. Während beispielsweise 234 Geistliche das Greisenalter er-, reichen, lautet die entsprechende Zahl für die Fürsten nur 71,
VeNMrschtss.
* Gemütliches von russischen Eisenbahnen. In einem russischen Blatte erzählt ein Reisender: Ich wollte auf dem Petersburger Bahnhof mit einer eben gelösten Fahrkarte nach Rostow am Ton den Bahnsteig betreten. Der Beamte, der die Fahrkarten durchlocht, verwehrte es mir jedoch mit der Bemerkung, daß noch kein Glockenzeichen erfolgt sei. Zu gleicher Zeit , ließ er jedoch fünf andere Personen passieren. Als ich ih>t um eine Erklärung seines Verhaltens ersttchte, sagte er: „Das ist die Vorschrift." — „Was für eine Vorschrift?" — „Personen mit Bahnsteigkarten dürfen vor dem Glockenzeichen hinaus." — „Und ich mit meiner Fahrkarte, die mich 50 Rubel gekostet hat, muß warten?' — „Kausen Sie sich doch auch eine Bahnsteigkarte." Ich wandte mich an den Gendarmen und au den Stationsvorsteher und erfuhr, daß der Beamte im blecht war. Und daun kaufte ich nur zu meiner 5v-Rubel-Fahrkarte noch eine Bahnsteigkarte und durfte nun ungehindert den Bahnsteig betreten. — lieber ein anderes Bahnkuriosum berichtet der „Sswet": Steht da ein Postzug der Südostbahnen auf einer Station schon eine ganze Stunde. Eigentlich sostte er nur 10 Minuten Aufenthalt haben. Die Passagiere sind tn großer Aufregung und fragen nach dem Grunde des langen Aufenthalts. „Die nächste Station gibt keine Antwort", heißt es, „der diensttuende Beamte schläft, und wir können ihn von hier aus nicht wecken; folglich können wir auch den Zug nicht ablassen." Der Zug muß aber schließlich doch weitergehen, und man verfällt, um das zu erreichen, auf ein höchst „einfaches" Mittel: Telephonisch wird der nächste Streckenwärter angernfen und für 50 Kopeken bewogen, atü einer Lore zur schlafenden Station zu fahren und den Herrn Stationsvorsteher zu wecken. Ebenso einfad)~ wie praktisch, denn der Zug konnte nach einer lueitereit halben Stunde wirklich abgehen.
humoristisches.
* Das mißverstandene Trinkgeld. Frau Müller hat Trine, die früher Magd in einer Dorfschenke war, als Hausmädchen engagiert und läßt sie am Weihnachtsabend zum ersten Male bet Tische servieren. — Neun Personen sind eingeladen. Trine leuchtet um' Mitternacht hinunter, kommt wieder tn bte Stube, wirft das empfangene Geld, 7 Mark, auf den Ttsch Und ruft: „Mehr gibt's nicht für das ganze Abendessen! und Zwete haben überhaupt nicht bezahlt!"
* Nur nicht so hitzig. Herr Biedermann: „Ich schlafe seit einiger Zeit sehr schlecht; ich glaube, ich muß etwas mehr arbeiten." — Herr Wampel: .„Dös muß man deswegen iwch lang nicht; - da probiert man erst wie's ist, wenn man abends a paar Maß mehr trinkt!"
* Kindliche Anschauung. Der kleme Hans (welcher mit seiner Mutter bei einem sogenannten fliegenden Wursthändler vorüberkommt): „Mama, warum verkauft der Mann denn du Würste da?" — Mutter: „Dummer Junge, er ernährt sich doch durch den Verkauf von Würsten." — Hans: „Na, dann braucht er sie doch nicht erst zu verkaufen, da kann er doch man selbst essen." , „
* Ach so! „Wechte Willem, wenn ick zu titet trinke, kann ick nich arbeeten, darum laß ick's lieber bleiben!" — „Das Trinken?" — „Nee :, bet Arbeeten!"
Magisches Quadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstabeit AAAAAAMMNNORRS 8 T derart einzutragen, daß die wagerechten U. senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bebeuten: 1. Asiatisches Reich.
2. Figur aus einem Jbsen'schen Drama.
3. Fluß in Armenien.
4. Ist auf Schissen zu finden.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer r Eipel — Racine — Nazareth — Samac — Tacitus — Rastatt - Iltisse;
E r ii st N i e i s ch e l.
, I - , .-rll| .,. - -- -----j-----1-------------... , im - - I
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lang», Gieße»


