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nicht anders. Käme diese Stunde noch einmal' = ich müßte wieder so! Denn, Eva, ich liebe Sie.

und nun schließe ich diesen Brief. Ich habe Ihnen Nichts mehr zu bekennen, nichts mehr zu meiner Entschul- bigung vorzubringen. Jetzt urteilen Sie. Ich beuge mein Haupt vor Ihrem Spruche. Möge er so ansfalken, daß die Last, die ich durchs Leben zu tragen habe, fortab nicht unerträglich wird. Ihr

Hjalmar Amthor."

p XV.

DieHamburg" lag int Hafen von Hammerfest, das sie in wenigen Stunden vom Nordkap aus erreicht hatte. Obwohl es noch früh am Morgen war, hatten sich doch alle Passagiere bereits wieder von dem so spät ausgesuchten Lager erhoben. Nach der langen Seefahrt lockte es jeden, endlich einmal wieder Kultur und Menschen zu sehen, wenn sie auch nur so anspruchslos wären, wie in diesem kleinen, weltabgeschiedenen Städtchen.

Das Schiff Ivar wie ausgestorben. Amthor empfand es als eine Wohltat. Kein Schlaf war diese Nacht in seine Augen gekommen. Nachdem er den Brief beendet hatte, war er bis zur Ankunft hier im Hafen auf Deck geblieben. Dann erst war er in seine Kabine gegangen, nm sich umzukleiden.

Nun war er wieder herausgekommen. Eine verzeh­rende Unruhe trieb ihn hin nn'b her. Jetzt mußte Eva Söllnitz ja seinen Brief gelesen haben, den er ihr früh durch ihre Stewardeß mit einem Buche aus der Schiffs­bibliothek übersandt hätte. Jetzt wußte sie alles Ivie würde sie nun über ihn denken?

Ruhelos wanderte Amthor über das ganze Schiff hin, wo ihn heute ja kein zudringlicher Mick störte. Wo mochte sie jetzt weilen? _ An Land war sie nicht gegangen, er hatte ja vorhin das Abfahren aller Boote mit angesehen,; gewiß war sie in ihrer Kabine geblieben, sich dort zur Ruhe durchzukämpfen. Arme, geliebte Frau! Qualzerrissen stellte er sich vor, wie sie mit sich rang, diese abermalige Zer­trümmerung einer Lebenshoffnung zu überwinden.

Auf seiner Wanderung war Amthor jetzt auch zu jenem entlegenen Schiffswinkel am Heck gekommen, wo er da­mals Eva mit der Kleinen beim Spielen gefunden hatte. Die reizende kleine Szene stand ihm wieder so deutlich vor Augen, wie er jetzt um das Kajütenhaus herum dem kleinen Deckplatz zuschritt. Wie anders aber heute! Kein frohes Lachen tönte ihm entgegen; verlassen, lautlos war der Platz. Er bog um die Ecke; aber da schreckte är zusam­men. Auf einem der Bordstühle, die hier standen,- ruhte eine weibliche Gestalt, regungslos, den Kopf in die Hand ge­stützt, mit geschlossenen Augen Eva Söllnitz. In ihrem Schoß lagen, von der Linken gehalten, mehrere Blätter Papier sein Brief.

Einen Augenblick blieb er stehen, keiner Bewegung, keines Wortes mächtig, nur mit brennenden Augen auf ihr blasses Antlitz starrend: Was hatte diese Nacht ans ihr gemacht! Wie todesmüde, wie scharf waren die ge­liebten Züge geworden!

Da sah sie auf, wohl durch sein,>Herannähen aufgestört, und nun erblickte sie ihn. Erst wär es, als ob sie auf­springen wollte, dann aber blieb sie wie kraftlos in ihrem Stuhl liegen, und die Augen schlossen sich wieder. Nur ihre Lippen bewegten sich leise, wie in einem unhörbaren Aufstöhnen. . ,

»Fran Eva!" fast scheu kam es aus seinem Munde, er war einen Schritt näher getreten.Darf ich bleiben?"

Sie verharrte erst, ohne sich zu rühren, dann neigte sie kaum merklich das Haupt.

Nun stand er dicht vor ihr.

Ich sehe. Sie haben meinen Brief gelesen. Ella s können Sie mir verzeihen?"

Ein namenloses Bangen bebte in seinem Tone.

Sie schüttelte langsam den Kopf.

Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen. Sie haben mir ja nichts getan nur ich, ich selbst ach!"

Mit verzweifeltem Ausbrechen warf sie den °Dopf plötz­lich zur Seite und bohrte das Antlitz in 'das Kissen der Lehne.

Ms ins Mark erschüttert, 'stand Amthor vor ihr; die Nagel seiner Finger in die Faust gebohrt, die Zähne zn- 'mmengedlssen.

., Mein Leben gäbe ich, ks'nnte ich Ihnen

die Ruhe wiedergcben!"

Der Aufschrei aus seinem gemarterten Herzen entriß sie der eigenen Qual. Plötzlich richtete sie sich auf, und ihre Hand streckte sich ihm entgegen:

Sie Armer, Unseliger, was hüben Sic gelitten!"

Er sprach kein Wort. Die Augenlider krampfhaft niedergepreßt, drückte er, mit zuckenden Nerven, ihre Rechte.

, »Ihr Brief da hat mir ja das Herz zerrissen. H Nein, Hjalmar" er erbebte, wie sie zum erstenmal seinen Namen nanntewenn wirklich ein Funken Groll gegen Sie in mir gewesen wäre, diese Bekenntnisse da hätten ihn ausgelöscht. Uebermenschliches haben Sie ja ge­tragen!"

Da überwältigte ihn plötzlich das jahrelang stumm getragene Weh, nnd mit einem dumpfen, erschütternden Laut beugte er sich jäh! über ihre Hand, sein Antlitz zu verbergen.

Sie duldete es schweigend, ja mit der Linken fuhr sie sanft über sein Haupt.

Armer, Armer!" leis flüsterte sie es, mit bebender Stimme.

Dann richtete er sich auf, bleich, aber wieder gefaßt.

Verzeihen Sie," bat er tonlos.Einmal müßte es wohl sein."

Nun erhob auch sie sich aus ihrem Stuhl.

Hjalmar i es gdht ja über Ihre Kraft," ein unend­liches Mitleid, eine zitternde Angst stand in ihren Augen. Sie brechen ja zusammen unter der Last, die sie sich auf- geladen. Sie gehen zu Grunde daran. Sie dürfen sie nicht weiter tragen!"

Ich muß !" Fest preßten sich seine Lippen aufeinander.

Das ist ja Unvernunft Wahnsinn ein Verbrechen an sich selbst!" loderte sie auf.Niemand kann solch Opfer von Ihnen verlangen, auch Ihre Frau nicht!"

(Fortsetzung folgt.)

Indizien.

Skizze von Leo Csurogi -Berlin.

Staatsanwalt Gruber erhob sich nervös von seiner Arbeit Er saß schon zwei Stunden und konnte keine Zeile schreiben. Die Buchstaben tanzten vor seinen Augen, halten mit einemnial Ge­sichter, strenge, höhnische, anklagende, bald sein eigenes, bald die der Geschworenen von gestern ....

Entschieden er war krank. Er preßte die Hand auss Herz. Das alte Leiden.

Was wollte er nur? Das Beweismateriäl im Fall Holtheim hätte nicht vollständiger sein können, die Schuld lag klar zuhags. Und mit unerbittlicher Logik hatte er Beweis an Beweis gefügt. Fast willenlos. Sein Gehirn hatte wie von selbst gearbeitet.!

Jedes Argument hatte ein Glied des Angeklagten gefesselt, eines nach dem andern, bis er nur noch schwach an den engen Schlingen zerrte mit der einzigen armseligen Verteidigung, die ihm zur Verfügung stand:Ich bin unschuldig!"

Der Angeklagte hatte dagestanden, erstaunt und wehrlos all­dem gegenüber, was man gegen ihn vorgebracht, als hätte er fsa gen wollen:

Ich glaube, man könnte mir einreden, ich sei der Verbrecher."

Dann das Urteil:Schuldig!" im schwersten Sinne des Gesetzes.

Gruber ging erregt auf und ab.' Er steckte sich eine Zigarre an, das pflegte ihn zu beruhigen. Doch jetzt regte es ihn nist noch mehr auf. Es ist doch etwas Gräßliches, einen Menschen zum Tode zu verurteilen! Auch wenn die Schuld noch so klar ist.

Der Indizienbeweis war jedenfalls lückenlos.

Solch ein Beweis ist merkwürdig. Man verliert alles Gefühl. Nur der Verstand arbeitet, findet Verbindungen und Brücken, schweißt das Unzusammenhängende eisenfest aneinander, bis die Wahrheit Nein! Die Wahrheit ist's nicht immer! Ost allerdings; manchmal aber äuch nicht. Man sucht das Plausible. Aber das Plausible ist immer die Oberfläche, nnd die Wahrheit liegt oft tiefer . . .

Der Staatsanwalt warf hie Zigarre Fort und blieb stehen. Die Lautlosigkeit der eigenen Schritte auch sie machte ihn nervös. Ja, er fühlte sich krank. Er hatte eine elende Nacht! hinter sich. Sein altes Herzleiden hatte ihn Ivieder gequält und gepeinigt.

Bon der Straße drang der Lärm des. Sonntagsverkehrs ihm. Einige trunkene Arbeiter sangen aus heiseren Kehlen ein Soldatenlied. Durch die zeitweilig geöffnete Tür des Kaffee­hauses an der Ecke rissen sich zuweilen Takte eines trivialen Walzers und klangen herüber.

Gruber kain sich einsam und hilflos vor. Dies Alleinsein! Er mußte jemand sprechen.

Er ging über den Korridor ins-Wohnzimmer. Seine Frän war ja zu Hause.

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