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tot? den Versuch des Zaren, Unterhandlungen anzuknüpstn, zu antworten. Er setzte dort eine einstweilige Regierung ein und rückte nach einem Aufenthalt von 20 Tagen aus Wilna ab, um tolfs neue die Verfolgung der russischen Truppen aufzunehmen.
Bei der Verfolgung der flüchtenden Russen sah Napoleon mehr und mehr ein, daß er nicht mit einer derartigen Kriegs- führnng gerechnet hatte, wie sie russischerseits geübt wurde, lieber Trümmer und Leichen ging sein Weg und der Brand von Dörfern und Städten leuchtete als grelle Fackel über die trostlosesten Wüsten und Einöden, die den Eindringliiig am Vorrucken zu hindern suchten. Als er den Feldzug von 1812 mißmutig nut einer Ueberwinterung in Witebsk beschließen wollte, zeigten sich plötzlich wieder die Russen, die ihm in letzter Zeit vollkommen aus den Augen gekommen waren. Ihr Anblick ließ ihn den eben erst gefaßten Plan rasch vergessen und wie ein Tiger warf er sich in grimmer Wut auf die Feinde. Er schlägt sie am 14. August bei Krasnoi, läßt am 18. Smolensk in Flammen aufgehen und erobert am 30. Wjasma. Doch auch hier findet er nicht den erhofften Proviant für seine Truppen. In bitterem Zorn haben die Eimvohner alle Vorräte verbrannt oder doch unbrauchbar gemacht, um den kecken Korsen zum Rückzug zu zwingen. Hier erfährt Napoleon, daß die Russen sich zu einer Schlacht vorbereiten und daß ein Wechsel in der Oberleitung stattgefunden hat. Der Zar war selbst den endlosen Rückzug müde und hatte dem General Kutusow, der sich im Türkenkriege rühmlichst hervorgetan hatte, den Oberbefehl übertragen. Der neue Führer erwartete die Franzosen in der Nähe von Borodino, wo er sich in der Eile verschanzt und möglichst viel Truppen an sich zieht.
Am 4. September kommt es zwischen Murat mit dem General Konowitzin, der eine vorgeschobene Hochebene besetzt hält, zum Kampf, der mit einem Rückzüge der Russen endet. Napoleon erscheint später selbst auf dem Kampfplatze und trifft seine Anordnungen für die bevorstehende Schlacht. Auf den ersten Blick hat er den geeigneten Angriffspunkt entdeckt. Er wird die Macht seiner Truppen auf das Zentrum und den linken Flügel richten, der vorläufig noch durch eine gedeckte Stellung — zum Schutze gegen den Feind weit vorgeschoben — gesichert ist. Der 5. September geht mit diesen Kämpfen zur Neige. Beim vierten Sturmlauf wurde das Bollwerk genommen und "für die französische Angriffslinie nutzbar gemacht. Am 6. September reitet Napoleon noch zweimal das Gelände ab, auf dem sich der große Kampf entscheiden soll. Gemäß den Maßnahmen der Feinde trifft er noch einige Anordnungen und regelt Angriffsart für den kommenden Tag.
Allmählich senkt sich die Dämmerung herab. Napoleon ist Unruhig. Er traut den Russen nicht. Immer wieder fürchtet er ihren Abzug. Doch hell blinken die feindlichen Lagerfeuer durch die Nacht. In stiller Ergebung sieht man dem Tage entgegen, der endlich die heißersehnte Schlacht bringen soll. Die rauhen, abgestumpften Kriegerhorden, die sonst so wenig Sinn gr Glauben und Religion hatten, werden weich und flehen zu ott in heißem Gebet.
Am Morgen läßt Napoleon folgende Worte seinen Soldaten mitteilen: „Soldaten! Da ist endlich die Schlacht, nach der ihr so sehr verlangt habt: von nun an hängt nur der Sieg von euch ab: er ist notwendig: er wird uns Uebersluß verschaffen, gute Winterguartiere und eine schnelle Rückkehr ins Vaterland sichern. Seid die Soldaten von Austerlitz, Friedland, Witebsk und Smolensk, und die späte Nachwelt JoU von euch sagen, wenn sie von einem unter uns redet: „Er ist bei der großhu Schlacht unter den Mauern Moskaus gewesen."
Gegen öi/2 Uhr eröffnen die französischen Schanzen — der Kaiser hatte noch in der Nacht zwei erbauen lassen — mit Kanonengebrüll die Schlacht. Die Truppen rücken vor, und trotz der heldenmütigsten Gegenwehr werden die Russen geworfen. Die Generale verlangen die Garde, um die Russen völlig aufreiben zu können, aber Napoleon kann sich nicht dazu entschließen. Die Feinde ziehen sich zurück und gehen in der Nacht, nachdem sie vorher sich nochmals verschanzt hatten, über die Moskwa. Napoleon hat sie entrinnen lassen, trotzdem Murat immer und immer wieder um Verfolgung durch die Garde bat.
Mitte September zog der Kaiser in Moskau ein, aber auch hier fand er nicht die erwarteten Vorräte. Enttäuscht begibt er sich zum Kreml und läßt seine Truppen in der Stadt unterbringen.
In tiefer Nacht schreckt ihn tosender Lärm aus dem Schlafe, er stürzt ans Fenster „und blickt in Moskaus fiirchterlichen Brand". Nach zwei Tagen verläßt er schon die Stadt, nein, nicht die Stadt, die rauchenden Trümmerhaufen und siedelt auf das Schloß Petrowskoi Wer. Von Moskau ans wollte er dem Zaren den Frieden diktieren, und jetzt muß er sich von seinen Generalen zum Rückzug raten lassen. Der Winter ritckte heran Und drängte den Kaiser zum Rückmarsch. Das Ende des Feldzuges ist mir zu gut bekannt. Napoleon eilte im Schlitten den Truppen voraus, die entsetzlich unter der harten Kälte zu leiden hatten. Halbverfroren und ausgehungert schlichen die elenden Trümmer über die eisigen Fluren, vom Feinde verfolgt und gehetzt.
:,Mit Mann Und Roß und Wage»/
So hat sie Gott geschlagen.
Es irrt durch Schnee und Wald Küthes
Das große mächt'ge Kaiserheer.
Der Kaiser auf der Flucht, Soldaten ohne Zucht.
Mit Mann und Roß und Wagen,
So hat sie Gott geschlagen."
Das war das traurige Ende des russischen FeldzUges, bet Napoleon die eisernen Hüter seines Thrones raubte und seinen Sturz vorbereitete.
vermischte«.
— Ein „Bismarck- K u ß". Hedwig von Bismarck, die Kousine des eisernen Kanzlers, die auch seine Spielgefährtin in den Schönhauser Kindertagen war, erzählt in ihren „Erinnerungen aus dem Leben einer 95 jährigen" das folgende, drollige Erlebnis. In einer Fremdenpenfion in Heiurrchsbad in der Schweiz siel einst Fräulein v. Bismarck unter den Gästen eine alte Züricher Bürgerssrau auf, die noch die große Haube trug. Obwohl die Schweizerin eine ausgesprochene Freundlichkeit für die Trägerin des großen Namens an den Tag legte, kamen sich die beiden doch nicht näher, weil die Züricher Mundart für Fräulein v. Bismarck beinahe unverständlich war. Da machte der letzteren der Leiter des Hauses, ein Pfarrer Wenger, plötzlich die Eröffnung, daß die gute Alte aus Zürich „eine glühende Bismarck- schwärmerin sei und sich brennend wünsche, ein Glied der Familie küssen zu dürfen." Hedwig v. Bismarck war erfreulicherweise nicht so hart, einen solchen Lebenswuusch zu versagen: Als sie am andern Morgen in den Eßsaal trat, ging sie sofort mit aus- geßreiteten Armen auf die Frau mit der Haube zu, und ein feuriger Kuß eröffnete eine Freundschaft, die während des ganzen Aufenthalts keinen Riß erlitt. Daß die anwesende Tischgesellschaft die Umarmung der beiden mit Händeklatschen und freudigen Beifallsrufen begleitete, läßt sich verstehen.
kf. Bären, d i e S e t b ft in o r i> begehen. Gegenwärtig hält Ernest Thompson Seton, einer der besten Tierscknlderer und -beobachtet' der Gegenwart, in London eine Reihe von Borträgen über nordamerikanisches Tierleben. In einem seiner letzten Bor- träge bat er nun höchst merkwürdige Dinge vom amerikanischen Grizzlybären erzählt. Der graue Bär des Felsengebirges tst in gewissen Fällen sein eigener Arzt und begebt, wenn ihm das Leben unerträglich wird, sogar Selbstmord! Alte Bären leiden häufig an Rheuma. Alan hat nun beobachtet, wie sie in regelmäßigen Abständen die beißen Schwefelquellen besuchen und dort haben, offenbar, weil ihnen die Heilwirkung bekannt ist. Wird ihnen bas Leben dagegen unerträglich, so begehen sie Selbstniorb, indem sie Kohlensäure etnatmen, die sie in Berghöhlen vorfinden. Ob es sich hier ivirklich um echten, beabsichtigten Selbstmord handelt, hat Seton in feinem Vortrage nicht näher untersucht. Alan muß jedenfalls mit der Möglichkeit rechnen, daß Bären durch einen Zufall in kohlensäurehaltige Höhlen geraten und dort den Tob finden, ohite ihn gesucht zu haben.
*• D i e kleine! Heiratsvermittlerin. Wallh: „Mama, eben hat der Schornsteinfeger die Hanna geküßt — nun muß er sie heiraten, nicht wahr?" — Mutter: „Warum denn, Kind?" — Wally: „Weil sie's „Schwarz auf Weiß besitzt!"
* Der gebildete Bettler. Bettler, als ihm eüu /.ran Kartoffeln mit Tunke gibt: „Ueberall kriegt man nichts als dH verdammten Kohlehydrate!"
Rösselsprung.
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Auflösung
in nächster
Nummer.
Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummert Der Meiischen Engel ist die Zeit.
Redaktion: K. Ne»rath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Sang», ®it$e»


