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was trägt man heutzutage als vornehme Dame führ Hüte? Einzig und allein nur die großen englischen, das ist das Vornehmste Und das Eleganteste. An den vier Hüten, die ich mir danials in Hamburg kaufte, hätte ich mehr als genug."

Gewiß," gab ich zur Antwort,aber da wir gar nicht reisen 1 trotten, brauchst du auch gar nicht genug Hüte zu haben."

Da hast du allerdings recht," erwiderte meine Frau,ich Weinte doch auch nur." >

So sckstv-ieg ich denn ganz still, bis meine Frau zu mir sagte:Und so viele Kleider wie inr vorigen Jahr würde ich auch nicht wieder mitnehmen Gott, unterbrich mich doch nicht," fuhr sie erregt fort, als ich eine ungeduldige Bewegung machte,ich meine doch nur. Du hast es ja im vorigen Jahr gesehen, selbst die elegantesten Damen hatten nicht mehr als drei Promenadenkleider und ebensoviel Dineri-oileiten mit. Ich denke auch nicht daran, mir noch in Zukunft so viel Kleider machen zu lassen wie früher."

Ich erhob meine Hände und legte sie meiner FraU auf das Haupt:Gott segne dich für diesen Entschluß und gebe dir die Kraft, ihn durchzuführen."

Ich werde ihn durchführen," meinte meine Frau energisch, dann setzte sie hinzu:Zwei hübsche Federhüte müßte ich aber natürlich für die Reise noch haben, denn nur die englischen großen Hüte zu trage«, bekommt man mit der Zeit ja auch über, aber Kleider habe ich mehr als genug, höchstens, daß ich mir noch ein hübsches Promenadenkleid und eine Dinertoilette kaufte, das wäre aber auch das Aeußerste, und wenn ich mir dann iwch fünf oder sechs hübsche Blusen dazu nehme, natürlich nur ganz billige, das Stück zu dreißig oder vierzig Mark oder allerhöch^- stens achtzig Mark, dann wäre ich mehr als reichlich ausgestattet."

Ein Verzweiflungsschrei entrang sich meinen Lippen:Aber Weib, über alles geliebtes Weib," bat ich,wir wollen doch gar nicht reisen, wozu machst du denn nur solche Reisepläne?"

Wieder blickte mich meine Frau völlig verständnislos an, dann sagte sie:Du bist wirklich komisch, ich mache doch gar keine Reisepläne, ich meine doch nur und man kann doch mal von einer Reise sprechen, ohne sie gleich aussühren zu wollen. Davon, daß wir jetzt fahren, kann doch gar nicht die Rede sein, denn ich habe kein Geld."

Und ich erst recht nicht," fiel ich meiner FraU schnell ins Wort.

Na also," meinte sie ganz gelassen,dann ist die Sache ja damit erledigt," bis sie dann plötzlich wieder zu mir sagte: Du brauchst nun nicht gleich wieder heftig zu werden, aber wenn wir reisten, könnte ich mir schließlich 3000 Mark, die wir wohl brauchen würden, von meiner Bank schicken lassen."

Das wäre ein Wahnsinn," brauste ich auf.

Meine FraU legte ihre kleine Kinderhand beschwichtigend auf meinem Arm:Sei doch gut," bat sie,in Wirklichkeit denke ich gar nicht daran, an den Bankier zu schreiben, ich meine doch nur!"

Nun hör' aber endlich auf zu meinen," bat ich,laß Uns endlich von etwas anderem sprechen."

Das taten wir denn auch, bis dann plötzlich Und unerwartet der Geldpostbote erschien und mir für die Neuauflage eines' Romans ein beträchtliches Honorar brachte.

Was machst du nur mit dem vielen Geld?" erkundigte meine Frau sich, nachdem sich unsere erste Freude gelegt hatte, dann setzte sie hinzu:Weißt du, ich würde art deiner Stelle das Geld auf die Bank bringen, damit du für alle Fälle ein paar Mark hast, wenn irgend eine unerwartete Ausgabe an dich heran­treten sollte, oder wenn wir vielleicht diesen Winter-Schluß doch noch für ein paar Wochen itach dem Süden gehen."

Sängst du schon wieder damit an?" schalt ich.

ott, ich meine ja-, nur," verteidigte sich meine Frau,und schließlich, wenn ich vom Reisen spreche, wenn ich überhaupt daran denke, daß wir vielleicht doch nach Meran gehen, dann! geschieht es in der Hauptsache doch nur deinetwegen, du hast in deinem Leben genug gearbeitet, du mußt dich auch wieder einmal zerstreuen. Da unten siehst dU elegante Menschen, kommst Mit interessanten Leuten in Berührung, die schöne Natur, die hüb­schen Konzerte, die herrlichen Spaziergänge, der Aufenthalt in dem wundervollen Hotel Bristol, die ausgezeichnete Küche" Und mit einmal kam die Reiselust und die Sehnsucht nach denk schönen Meran auch über mich, und meine Frau an mich ziehend, rief ich:Weib-, komm her, wir sind jung, wir wollen bas Leben genießen, so lange wirs noch können! Laß uns die Koffer packen, heute abend fahren wir los, morgen nachmittag sind !vir in Meran!"

Ein Kuß war die Antwort, ein -Kuß, wie ihn mir 'nteitte FraU in unserer Ehe noch nie gegeben hatte, dann eilte sie davon, Um den Mädchen zu klingeln, und gleich darauf begann das Kofferpacken. Ich selbst blieb in meinem Zimmer, um' noch einige geschäftliche Sachen zu erledigen, bis dann plötzlich meine Frau in nteinem Zimmer stand und iteben meiner Frau stand die Zofe, und neben der Zofe stand das Hausmädchen, und- neben dem Hausmädchen stand meine Tippdame, und- neben der Tippdame stand die Köchin, und eine jede trug etwas in ihren Händen. Die eilte ein neues Kleid- Und einen neuen Hut, die vierte hatte den Arm voller Blusen, und die fünfte hatte in der linken Hand ein neues Kleid, in der rechten einen neuen Abendmantel,

und sie nitr zwei Hände besaß, trug sie den neuen Hut auf dem Kopf.

Und als meine Frau mein ganz verdutztes Gesicht sah, meinte sie schnell:Weißt du, eigentlich wollte ich dir die neuen Sachen erst üt Meran zeigen und dich dort damit überraschen, ich wollte sie mir auch erst gar nicht kaufen, denn ich wußte doch gar nickst, ob wir auf Reisen gehen würden, aber nun freue ich mich doch, daß ich gleich alles gekauft habe, denn sonst könnten wir heute noch gar nicht fort, sondern mußten vielleicht noch eine Woche oder noch länger warten, bis alles fertig wäre. Aber nicht wahr, du findest die Hüte und die Kleider doch auch bezaubernd?"

Das tat ich denn wirklich, bann nahm das Packen feinen; Fortgang, und am Abend traten wir die Reise an.

Und da geschah es, daß ich meine Frau fragte:Was wäre aber nun mit den neuen Sachen geworden, wenn wir gar nicht gereist wären? Wärest du da mit deinem Einkauf nicht sehr' voreilig gewesen?"

Ein fröhliches Lachen war die Antwort:Wir wären ganz bestimmt gereift, denn nun kann ich es dir ja auch gestehen, ich hatte mir das Reisegeld von der Bank schon schicken lassen."

Und als sie dann mein böses Gesicht sah, schmiegte sie sich zärtlich an mich und bat mit ihrer weichesten Kinderstimme: Sei doch wieder gut, wir können das Geld nun ja wieder zurückschicken, und bei allem, was mir heilig ist, schwöre ich dir: wenn ich mir das Geld auch schicken ließ, und wenn ich mir auch die Sachen kaufte, ich habe nie ernstlich an die Reisst gedacht, ich meinte doch nur!"

Der Krieg Napoleons mit Nutzland W U

(Ein kurzer Ueberblick über die Geschichte fceS! Feldzuges.)

Als im Jahre 1810 es war aM 1. April Napoleon sich mit Marie Luise, der Erzherzogin von Oesterreich, vermählte,! trat eine merkliche Abkühlung zwischen dem Pariser und Peters­burger Hofe zutage, die für die Zukunft des großen Korsen und! für sein Reich von der folgenschwersten Bedeutung werden sollte. Alexander, der damalige russische Zar, schien nämlich von dieser Zeit ab seinemlieben" Nachbar nicht mehr zu trauen; erl vermehrte seine Truppen und suchte die Verbindung mit England, die durch die Kontinentalsperre fast völlig vernichtet worden war, wieder herzustellen, da ihn die furchtbare Macht des kühnen Er­oberers, die sich mehr und mehr auswuchs und ganz Europa; mit eisernen Krallen in Furcht und Knechtschaft hielt, erschrecktfei und für das Bestehen feiner Herrschaft bedenklich werden ließ-.

Das Jahr 1811 verging unter diesen Vorbereitungen, und alle Bemühungen, den Frieden zu erhalten, mißlangen kläglich und ließen den baldigen Ausbruch eines Krieges erwarten.

Beide Parteien rüsteten sich mit wahrem Feuereifer zu dem bevorstehenden Entscheidungskampfe, ehe überhaupt eine Kriegs­erklärung erfolgt war, oder bevor die Beziehungen der beiden Höfe völlig unterbrochen waren. Napoleon befahl den Gesandten Rußlands, den Fürsten Kurockin, so lange als irgend möglich in Paris festzuhalten und reifte selbst am 9. März aus feinest Hauptstadt ab, um, wie es hieß, die große Weichselarmee zu inspizieren. Dieses Vorgehen Napoleons sollte jedoch nur seine geheimen Absichten verheimlichen; denn in Wirklichkeit wollte er die ahnungslosen russischen Truppen überfallen und mit kecker Hand den drohenden Krieg durch rücksichtslose Schlauheit zu Ende führen. In seiner Begleitung befand sich die Kaiserin, die ihm bis Dresden das Geleite gab. Nach vierzehn Tagen verließ er Dresden und begab sich zu feinen Truppen, wo er folgenden; Erlaß veröffentlichte:

Soldaten, Rußland hat Frankreich ein ewiges Bündnis und England Krieg geschworen; es bricht heute feinen Eid und will keine Erklärung seines befremdenden Verhaltens -geben, bevor nicht die ftanzöfischen Adler über den Rhein zurückgegangen und damit unsere Verbündeten seiner Willkür überantwortet wären. So meint es denn, wir seien entartet? Sollten wir nicht mehr die Soldaten von Austerlitz sein? Es stellt uns die Wahl zwischen Schande und Krieg, und diese kann uns nicht zweifelhaft sein. Vorwärts! Laßt uns den Njemen Werschreiten, tragen wir den Krieg auf Rußlands Boden! Die französische Armee wirb dort Ruhm ernten. Der Friede, den wir schließen werden, soll dein unheilvollen Einfluß ein Ziel setzen, den das moskowitische Ka­binett seit einem halben Jahrhundert auf die Angelegenheiten Europas ausübt."

Es läßt sich denken, welche Wirkung diese Worte auf die Truppen der Franzosen ausübten, wie begeistert sie dem Plane ihres geliebten Kaisers zustimmten. Es war das beste und größte! Truppenkontingent, das je unter feinen Fahnen gedient hatte. 650 000 Manu und 1000. Kanonen wurden am 23., 24. ittib) 25. Juni über den Njemen gesetzt, um für die Ehre Frankreichs! ihr Leben zu lassen auf den Eisfeldern Rußlands und unter den Händen mordlustiger Kosackeii. Napoleon glaubte zwar in diesem Augenblicke an den Untergang des russischen Reiches, aber der große Stratege hatte sich schwer verrechnet, toi« es sich im Laufe des mühsamen Feldzuges des öfteren zeigte.

Nach einem Marsche von zwei Tagen trieb- er die russischen Truppen, die keine Ahnung von der Ankunft des Feindes hatten-! auseinander Und zog am folgenden Tage in Wilna ein, vhnq