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kaufte uran schließlich fertig ebenso grrt, darin hatte Mutter recht.
Esn bisset neidisch war Dodo am Ende doch. Sie kam sich unendlich langsam und ungeschickt bei ihren Arbeiten vor. Es ging ihr gar nicht von der Hand. Und ungednl- big war sie, zum Verzweifeln. Alle Augenblicke mußte sre anispringerr, mal durch die Zimmer toben; zwang srch dann Wieder, stickte mit roteri Backen ein kleines Pensum und warf die Arbeit aufs neue in den Korb: „Signe, erzähl was!" Wer Signe sah dann nur lächelnd auf — mit eurem aanz eigenen Lächeln. Wenn man lächelt, soll das von Rechts wegen doch ein Zeichen sein, daß man vergnügt ist. Signe lächelte aber manchmal, fand Dodo, als ob sie eigene lich weinen möchte. Weinen — unsere kluge, schöne Srgne: das war nurr wieder „einfach lächerlich".
Es wurde ein Riesenaufbau, unten in der Halle. Ern Tannenbaum, der fast bis zur halben Höhe des großen Raumes reichte, mit Hunderten von Glühlämpchen; Gabentische, auf denen die Geschenke sich hier und dort unheimlich türmten. Zuerst sang Signe „Heilige Stacht" — bet* rauf hatte Vater bestanden; dann gab es das ublrche Staunen, Bewundern, Bedanken. Wer es war wunderlich, die rechte Stimmung Wollte nicht aufkommen. Vergeblich mahnte Vater: „Kinder, seid doch vergnügt, tote ihr immer in Körlin gewesen seid!" Dann nahmen sie einen Anlauf, doch es blieb bei dem. Mles war so anders wie ehedem. Nur Mutter war sich in einem gleich geblieben: sie sprach sofort davon, daß sie die Spitzen, die Vater ihr geschenkt, und die Bronze, die die Kinder gemeinsam gekauft hatten, umtauschen müßte. Das gab daun wenigstens einen Grund zur Heiterkeit. Und Friedel erzählte von einem Herrn, der zu Gerson hereingestürmt kommt: „Geben Sie mir eine Bluse, eine seidene Bluse!" — „Bitte -— welche Farbe?" — „Geben Sie mir nur irgend eine." „Aber, mein Herr, Sie müssen uns doch wenigstens etwas beschreiben, von welcher Art —" „Nein, nein! Geben Sie mir nur irgend eine Bluse — umgetauscht wird sie doch!"
Früher als sonst ging man zu Tisch. Aber der Sekt schien nicht so wirksam, wie ehedem der dünne Arrakpunsch. Der Frohsinn kanr nicht recht zum Durchbruch, und wenn er einmal ausflackerte, war es, als sei er erzwungen, und erlosch gleich wieder. Den beiden Söhnen merkte man es an: sie saßen wie auf Kohlen. Eberhard empfahl sich auch sobald als möglich: eine Verabredung mit Kameraden, die sonst so einsam säßen. Dann schickte sich auch Friedel zum Fortgehen an. Er sagte wenigstens ehrlich: „Ich habe versprochen, noch bei Braunsteins auf einen Augenblick vorzusprechen. Seid nicht böse."
Vater und Mutter schwiegen verletzt. Aber Dodo rief: „Feiern die denn auch Christabend?" Da wurde Friedel unangenehm. Er verbat sich diese „naseweise Art" in sehr entschiedenem Ton. „Und übrigens, Dorothee, kannst du dir hinter die Ohren schreiben, daß Braunsteins wahrscheinlich bessere Christen sind, als du und ich! Jeden-, falls aber ist Fräulein Braunstein ungleich besser erzogen als du. Das laß dir nur gesagt sein."
Man saß noch zu vieren eine Weile zusammen, aber es lag wie Blei auf der Stimmung. Dodo schluckte noch immer an der Zurechtweisung, die sie erfahren hatte, und auf die sie bei aller Schlagfertigkeit die Antwort schuldig geblieben war. Vater fragte, scheinbar beiläufig, aber doch sichtlich interessiert, was denn diese Braunsteins eigentlich für eine Sorte Leute wären; den alten Herrn kenne er oberflächlich aus dem Klub, der schiene ganz wenig protzig, die Tochter ein bildhübsches, etwas üppiges Mädchen. Signe schwieg beharrlich.
Endlich hob Frau Ida die Tafel auf, allen zur Erleichterung. Man ging noch einmal in die Halle, sah noch einmal die Geschenke. Mutter gähnte ein paar Maale verstohlen und sagte dann doch: „Kinder, Weihnachten ist für die arme Hausfrau immer am schwersten. Ich bin todmüde und geh zu Bette."
Vater blieb. Er stand mit beiden Töchtern vor dem großen Baum und schaltete abwechselnd bald die obere, bald die untere Hälfte der elektrischen Birnen ein und aus. „Sehr hübsch," meinte er dabet jedesmal. „Wirklich sehr originell und hübsch," Und sah dabei verdrießlich in das Tannengrün.
Dann sagte er mit einem: Male: „Dodo, lauf mal fix und hol von meinem Schreibtisch den Wachsstock."
Und als Dodo iviederkam, strich er vom nächsten sil-! bernen Tablett Pfefferkuchen uno Marzipan mit der Hand herunter, daß die Lebkuchen und Herzchen lustig auf den Teppich purzelten, bröckelte Wachs, ganz langsam, mit zittrigen Fingern: „So, und nu rupft 'n bissel Nadeln vom! Baume. So, Kinder — wir tooll'n mal kokeln —" Und zündete die trockenen Nadeln an. Es gab einen leichten-, feinen Qualm:
„So, Kinder . . . ein bißchen Weihnachtsgeruch müssen wir doch haben. Wißt ihr, der hat uns den ganzen Abend gesehlt — ja — wie er sonst unser ganzes Festzimmer füllte. Wachs- und Tannenduft — ja!"
9.
Ein paar Tage nach Neujahr wär im Millionenklubi ein nachträgliches Weihnachts- und Silvesterfest gewesen,, an dem Vater teingenommen hatte. Arn nächsten Morgen erzählte er, ein klein wenig in Katerstimmung, von dem lukullischen Souper und daun, beiläufig und doch nicht ganz absichtslos, davon, daß „einem on btt zufolge" der Geheime Kommerzienrat Braunstein in allernächster Zeit nobilitiert werden sollte. „Was sagst du dazu, Mama —< wenn 's wahr ist?"
Frau Ida besaß, obwohl selbst bürgerlicher Herkunft, ausgeprägt aristokratische Neigungen. Sie schüttelte den Kopf: „Wenn's wahr ist! Man erlebt zwar mancherlei- aber ich möchte das zunächst nichts glauben."
Am Nachmittag kam Friedel. Er kam in letzter Zeit häufiger zu den Eltern und hatte so etwas eigen Fesch üches, versteckt Festliches an sich. War nngemein aufmerksam gegen die alten Herrschaften, brachte Mutter meist ein kleines Sträußchen mit, gab sich liebenswürdig gegen Signe, und abgesehen von gelegentlichen Zusammenstößen, sogar gegen Dodo. Dabei war er sehr still, noch gemessener als sonst, mit einer kleinen Würde, der er aber! jetzt einen Hauch von Bescheidenheit beizumischen liebte.
Das alles paßte au sich nicht schlecht zu seiner ganzen, immer möglichst aufs Korrekte gestellten Art. Nur übertrieb er ein wenig. Signe achtete in ihrer Stimmung nicht darauf, Dodo machte sich lustig darüber, die Eltern waren erwartungsvoll. Nicht gerade beglückt, aber auch nicht ablehnend. Was hätte eine ablehnende Haltung auch gegen Friedels festen Willen genutzt? Der ging einen eigenen Weg und wußte immer genau, tvas er wollte und tat.
(Fortsetzung folgt.)
Iagddetrieb und Tierschutz.
Bon einem Forstmeister.
Zahlreiche Tierschubvereine sind berühmt, das SoS' der unZ zum Dienst bestimmten Tiere zu bessern tuib das Mitgefühl, welches früher nur von Mensch zu Mensch gelten durfte, auch auf die Tierwelt auszudehnen. Nur ein Gebiet gibt es, auf welchem erst wenig zu bemerken ist von den Folgen dieser hmnanen JBea strebungen, obgleich sie gerade hier ein äußerst lohnendes Felo! finden würden. Es ist dies der. moderne Jagdbetrieb.
Ein weidmännischer Jagdbetrieb, wie er uns von Alters heb überkommen ist und wie er auch in der weidgerechten Jägerwelt! im ganzen Baterlande geübt wird, ein solcher bedarf keiner tierschützerischen Bestrebungen. Der echte Jäger ist in erster Lime! Heger, Pfleger und Schützer seines Wildes, und wenn er es zur Strecke bringen will oder muß, so wird er alle ihm zu Gebote! stehenden weidgerechten Mittel anwenden, nm das Töten in möglichster Schnelle und ohne jede Qual bewirken zu können. !Das! weidgerecht gejagte Wild wird nur ausnahmsweise Qualen auszustehen haben, sicherlich ohne Willen der Jäger. Wo aber von! einem weidmännischen Betriebe nicht mehr die Rede ist — mm das ist leider jetzt in weiten Gebieten unseres Vaterlandes der Fall — da ist auch das Wild Verhältnissen ausgesetzt, die dringend einen Schutz erheischen. .
Die Ueberhandnahme der Jagdliebhaber überhaupt und Mmeii diesen wieder derjenigen Elemente, welche man einerseits als „Sonntagsjäger", anderseits als „Aasjäger" zu bezeichnen pflegt, ist in erster Linie schuld an diesem Zustande. Wohl sind unter den Jagdliebhabern sehr viele, welche ernsthaft trachten, sich einer weidmännischen Jagdausübung zu befleißigen. Von den darunter befindlichen wirklichen Jägern wie von den Berufsjägern kann hier abgesehen werden, denn sie fallen, bis aus wenige Ausnahmen, tatsächlich unter die weidgerechten Jäger. Ihnen nachzueifern, ist das Bestreben zahlreicher Jagdliebhaber, wenngleich sie nicht selten das Unglück haben, durch schlechte Schüsse, mangelhafte Kenntnis des Jagdbetriebes, ungewohnte Erregung und ähnliche Sünden, wie sie den meisteii Anfängern im Weidwerk«! auch nicht erspart bleiben, dem Wilde ungewollte Qualen zst


