Ausgabe 
8.2.1912
 
Einzelbild herunterladen

87

Bereiten. Es ist klar, datz Stinte, Welche fetten Air FatziÄusMtnA kommen, welche di-e Gewohnheiten des Wildes nicht genau kennen, welche geringe Hebung im Schießen besitzen, weniger scharfes Auge haben und unter der Erregung des Jagdfiebers mehr leiden, als alte erfahrene Weidleute, auch leichter in die Lage kommen, dem Wilde Schmerz und Qual zu verursachen in obigem ©inne. Aber sie befleißigen sich doch wenigstens, diese Uebelstände zu vermeiden, jmd es bedarf daher meist nur der Zeit, um auch sie allmählich in die Klasse derjenigen Jäger aufrücken zu lassen, bei welchen jnan nichst mehr für das Wild zu befürchten braucht.

Wie aber steht es mit den beiden anderen Arten der ^.agd- liebliaber? Zunächst derSonntagsjäger" im eigentlichen Sinne. Dieser pflegt harmlos zu sein; der Schaden, den er anrichtet, ist beschränkt, denn er hat selten ein hohes Trefferprozent unter seinen Schüssen zu verzeichnen, er verpaßt meist die Gelegenheit zur rechtzeitigen Anbringung des Schusses unb er ist rm all­gemeinen gutmütig, der Belehrung zugänglich und rst kontrollrer- bar. Der richtige Sonntagsjäger, eigentlich eine komische Figur in der Jägerwelt, ist deshalb in der Regel so harmlos, wen ihm jede jagdliche Fähigkeit dauernd abgeht, er läuft zur ^agd ain? Mode, aus Geselligkeit, aus Freude am. jagdlichen Aufputz und ähnlichen unschuldigen Gründen. Zuweilen auch aus Passion, aber auch aus Freude an der Natur überhaupt. Man mag rhm seine Existenz gönnen, unb kann ihn teils durch Unterwerfung, teils an Ausstellung an wildfreien Oertlichkeiten des Reviers, Unschädlich machen. Freilich kommt auch er tu dre Sage, Unheil anzurichten. Vieles daran läßt sich aber wieder gut machen, und jedenfalls fehlt ihnr sowohl die böse Absicht als dre reichere Ge­legenheit, dem Wilde Schaden zuzustigen.

Wie anders zeigt sich dagegen der übelste Vertreter der Jagd­liebhaberei, derAasjäger". Schon sein.Name werft auf fern verderbliches Wirken hin unb er ist es, dessen Tätigkeit die Äus- dehnung eines Tierschutzes auch auf die Jagd notwendig macht. Gerade unter diesen Leuten findet , man Personen, von hervor­ragender Jagdpassion, mit großer jagdlicher Befähigung, ebenso wie besonders gute Schützen. Aber wenn ein solcher Mensch auch dadurch das Zeug zum wirklichen Jäger haben würde, der, Geist, der ihn beseelt, die niedrige Gesinnung, sie srnd es, dre rhn M dem stempeln, was er ist, zum habgierigen Jagdausrüb er, zum rück­sichtslosen Schießer, zum Aasjäger. Zunächst kann er |ane Schießwut nicht bezähmen, er muß auf jebe Kreatur knallen, dre in den Bereich seiner Schußwaffe gerät, ob etn Zweck damit verbunden ist oder nicht.. Tann kommt die Habgier, nicht der Jagdruhm, sondern meist die gemeinste Geldgier, die rhn rn Versuchung führt, so viel als möglich zur Strecke zu bringen und zwar jeweils das stärkste oder überhaupt jedes irgend erreichbare Stück. Deshalb schießt er auf 'jede mögliche oder unmögliche Entfernung, bei jeder noch so zweifelhaften Beleuchtung, ja in finsterer Nacht, deshalb knallt er wahllos in die Rudel hinein, deshalb schießt er die stärksten Stücke, die Mütter Won dem Kalbe weg. Er kennt keinerlei frage, oft kümmert er sich mcht einmal Um die gesetzlichen Schonzeiten. Und wenn Jagdneid unb Bosheit gegen den Grenznachbar noch hinzutreten, bann ist der Aachäger als das gefährlichste Raubzeug zu bezeinchen, gefährlicher als der eigentliche Wildschütz. Tenn letzterer sicht außerhalb des Gesetzes, ihm ist mit Wachsamkeit, Schneid, nötigenfalls mit Waffengewalt! beizukommen, der Aasjäger aber übt sein schmutziges Gewerbe Unter den Augen des Gesetzes und unter dessen vollem Schutze, solange er nicht gerade dieses Gesetz gröblich v-erlcht ober sich der Wilddieberei mehr oder weniger schuldig macht. Diese Klasse von Jagdliebhabern hat von Jahr zu Jahr an Zahl zugenommen Es gibt wohl kaum eine Gegend, in der sie nicht bei der Arbeit sind, und am meisten pflegen sie sich an die Grenzen gutbesetzter, weidgerechter gehegter Reviere zu heften. So weiß der Staats- wald wie der Großgrundbesitz ein artig Siedlern davon zu fingen. So lange diese Völker noch unter sich bleiben, so lange sie Pacht- jagden beschießen, wo sie selbst aneinandergrenzen, braucht man sich weniger um ihren Jagdbetrieb zu b-Mmmern. Mögen, sie ihre Jagden gegenseitig ausschießen, nun dann hört eben eines Tages das Waldvergnügen ganz auf und es bleibt ihnen nur noch das Vergnügen, die meist hohe Jahrespacht bis zum Schlüsse der Pachtperiode zahlen zu dürfen. Das' wäre nur eine gerechte Folge ihrer Handlungsweise. Aber leider trifft dies selten zu. Denn diese Sorte Schießier ist weniger auf solcher Pacht;agd ihres Gleichen zu treffen, als gerade in den Grenzmarken der wirklich gut besetzten Jagdreviere, frier entfalten sie ihre Tätigkeit in mehrfach schändlicher Weise, indem sie jede frage unb Pflege vereiteln, indem sie ernten, wo sie nicht gefäet haben, und indem sie in schamloser Weise den Gesetzen der Menschlichkeit gegen das Tier Hohn sprechen. Das letztere trifft nun freilich für jeden Jagdbezirk zu, der dem Treiben dieser Gesellen ausgesetzt ist, ob eigener, ob erpachteter, vb! angrenzender Bezirk.

Nicht minder graufam ist das von diesen Aasjägern ans Hab­gier so beliebte Wegschießen der stärksten Stücke ans dem Rudel; das heißt oft genug: die Mutter von deni Kalbe wegzuknallen.. Zahlreiche mutterlose Kälber sind ein beredtes Zeugnis für diese Schinderei. Wer mag sich die Qualen ausmalen, die Angst und die Seiden eines solch schwachen Kälbchens, welchem in bitterer Winterkälte die Führung, die körperliche Wärme unb die Milch der Mütter fehlt, und welches dem frungertobe preisgegeben ist »der bestenfalls als schwacher Kümmerer durch den Winter kommt,

um dann noch im Frühjahr elend einzugehen'! Was aber soll man sagen, wenn im Juni und Juli da, wo z. B. das Rotwild! keine Schonzeit hat, oder wo unter dem Vorwande des Wild­schadens der Abschuß in der Schonzeit erschlichen ist, Habgierigti Schützen das alte Tier von dem wenige Wochen alten Kalb« wegknallen unb sich dann noch als weidgerechte Jäger brüsten wollen? Solche Saite verdienen öffentlich an den Pranger gestellt zu werden, ihre Heldentaten sollten mit voller Nennung des Namens nicht nur in den Jagdzeitungen, sondern auch in beit Blättern ihres Wirkungskreises bekannt gegeben werden. Schmach­voller Weise befinden sich auch vereinzelt Grünröcke barunter!)

So wie es dem Hochwild ergeht, so muß auch das. Rehwild daran glauben, ja noch weit häufiger, denn es ist zahlreicher mst! vertrauter. Ter Aasjäger schießt in der Bockzeit oft. genug fkrnpel- Io§ auch auf die Ricke, die dann nicht nur Schonzeit hat, sondern noch ihre Kitzchen führt. Wird er gefaßt, so finden sich Ausreden genug, schlimmstenfalls zahlt er seine Strafe, wenn es ihm nicht gar gelingt, mit Hilfe eines gewandten Rechtsanwalts bei einem mit der Jagd unbekannten Richter ganz frei zu kommen. Und wird er nicht abgefaßt, nun um so besser für ihn, er weiß dick Ricken ebenfogut an den Mann zu bringen, trotz der. Schonzeit- wie den rechtmäßig erlegten Bock. Vom Mord der Kitze auf den winterlichen Treibjagden wollen wir ganz schweigen; das ThemB ist zu landläufig.

Nickst besser, als dem Hoch- unb Rehwild, ergeht es dem armen Lampe, der fein Lager hat auf einer von Aasjägern be­schossenen Jagd ober an deren Grenze. Sobald er nur eräugt ist, wird er auch schon beschossen. Mit den weittragenden, scharf- schießenden Gewehren der Neuzeit ist die Verlockung zu gewagten Schüssen noch größer als früher. Meist weidwund ober mit zerschossenen Läufen entkommt der unglückliche Hase noch -etiou in die nächste Dickung. Auch hier endet nur erst nach längerem Zeit ein qualvoller Tod feine Leiden. Wer aber weiß,.mit welchem Leichtsinn auf nicht weidmännisch gehandhabten Treibjagden ge­schossen wird, und wie wenig man sich dort nachher um die Nach- fuche bekümmert, der vermag zu ermessen, welch ein Prozentsatz krank geschossener Hasen unter bitteren. Todesqualen öerenbeit muß unb dazu noch nutzlos! Denn, wo die sachgemäße Nochsuche fehlt, kommen solche Hasen überhaupt nicht mehr zur. Streck« und deshalb auch nicht zur Nutzung. Vergnügt zieht die Jagd­gesellschaft heimwärts von solchen Treibjagden, wenn die Sonne sinkt. Man stärkt sich bei munterem Mahle und schwelgt tu der Erinnerung seiner guten wie auch schlechten Schüsse. Oft.lohnt wiehernder Beifall die Schilderung irgend einer Roheit, die bei der üblen Schießleistnng mit unter gelaufen ist. Draußen aber steigt die Nacht empor, mit ihr bitterste Kälte, unb da drücken sich Dutzende armer zerschossener Hasen im Lager, ober sie werben; gar aufgestöbert durch wildernde Hunde, durch den hungrigen Fuchs unb müssen mit den zerschossenen Läufen, mit dem brennen­den, schrotzerrissenen Gescheide noch flüchtig werden, so gut es geht; ' bis sie unter bitteren Schmerzen unb erneuter Todesangst endlich den grausamen Zähnen des Raubzeugs verfallen. Li« sind fast noch zu beneiden gegenüber den armen Stücken, Die unter langsamen Qualen ihren Verletzungen erliegen, oft erst nach Tagen, ober die von den Schindern der Vogelwelt, den Krähen, in der grausamsten Weise nach langer schmerzhafter Gegen­wehr bei lebendigem Leib« zerstückelt werden.

Wahrlich, mancher Schütze, der Zeuge solcher Szenen fein konnte, würde sich lieber noch einmal besinnen, ehe er sich von Schieß- ober Mordlust hinreißen ließe, einen unsicheren, gewagten Schuß auf ein armseliges Häschen abzugeben. Wer des öfteren Wild hat klagen hören, es hat im Wundbett werenden scheu, wen es mit bittendem Blick aus den großen Lickstern angeäugt hat, wenn er es abfangen mußte, wer dabeizustehen gezwungen war, wenn ein Stück Wild trotz guten Schusses und trotz des ©euictfangeS1 immer noch nicht ein Ende seiner Todesqual finden Sonnte, wer das Tier beim verendenden Kalbe stehen sah oder gar umgekehrt, dem prägen sich solche Bilder tief ein in das Gemüt und er wird alles daran setzen, um ihre Wiederholung nach Kräften zu ver­meiden. Barmherzigkeit mit dem Wilde wird sein erster Grund­satz bleiben bei jeglicher Jagdausübung.

Ter echte Aasjäger aber hat bafür kein Herz und keinen Sinn,. Habgier, Schießwut, Mißachtung der Kreatur, Gemütsroheit, sie ersticken jede bessere Regung in ihm, wenn er überhaupt einer solchen jemals fähig gewesen. Er ist nicht besser zu achten, als der eigentliche Wilddieb, der nur des leidigen Geldes willen dem Wilde sein gehacktes Blei in den Leib jagt, dem jedes Mittel recht ist zur Erlangung seiner Bente unb der mit der Schlinge arbeitet in der Satzzeit des Wildes wie zurzeit von dessen bitterster Winters-, not. Unvergeßlich wird mir der Anblick einer Ricke fein, die,, in grausamer Schlinge gefangen und erwürgt, tu ihrer Todes-, angst noch ein Kitzchen gesetzt hatte. Aasjäger gibt es Dausende in deutschen Landen, die das' edle Weidwerk ebenso schänden, wie die Gebote der Menschlichkeit, sie dürfen ungestört ihr rohes! Handwerk treten, sie haben Recht und Gesetz auf 'ihrer ©eite und sie lachen Hohn über den empörten Weidmann, der ihnen! in keiner Weise beizukommen vermag. , ,

Durch die zweck- unb sinnlose Aachägeret gehen alliahrlich große Werte dem Nationalvermögen direkt ober indirekt verloren. In bem oben erwähnten .Regier z. B. sind jedes Jahr über! 20 Prozent des sehr erheblichen Gesamtabschnfses an solchem M