Ausgabe 
8.1.1912
 
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stimme mit:

Ein Stern ging auf im Osten fSrei König sahen ihn.

Sie hatten treu geharret, Bis cnblidj er erschien.

(Sie sah'n so hell noch keinen Und mußten freudig weinen.

es fand sich kein passender Liebhaber dafür. Da gab er es dem Peter auf Pacht. _ ,, u, , ,,

Heute ist der ehemalige Balthasar-Darsteller Ergentümicr des

Sonnenwirtschaftshauses, und wenn er auch nrcht so titel Oelti hat, wie der Vorgänger, findet er doch sein Auskommen, und tst zufrieden dabei. . . ._ ,

Jedes Jahr, wenn nun die Buben meines Heunatsort es Dreikönige spielen, werden sie in der Sonne besonders gut gehalten, und der Peter singt jedesmal mit seiner ntngenbui Denor-

Zchisonntag in den Zchlierseer Bergen.

Von Carl I. Luther, München.

Am Freitag bringen die Münchener Zeitungen den Wintcr- sport-Witterungsbericht des Frcmdenverkehrstiereins. Danach wer­den am selben Abend noch oder spätestens Sonnabend früh die Pläne für den kommenden Sonntag geschmiedet. D-as Telephon ruft die Gefährten zu dem oder jenem Bahnzug. 'Die Klub-Fahrwarte sammeln ihre Schlitz- und Lehrbefohlenen. Schiwachs unb allerlei Kleinigkeiten gehen in den Sportgeschäften wie warme Semmeln. Trambahnschaffner stoßen die allerschönsten Schwartlmgretter- fli'iche ans, weil sich auf der Plattform die Schier flauen; bei der Staatsbahndirektlvn ist der Sportzugreferent in Heller Berzweisl- tung, weil er die Sonderzuge voraussichtlich fahren lasten muß; kurzum, das ganze ivintcrsportliche München, und was mit ihm in Berührung steht, ist in fieberhafter Erregung, weil vom Gebirge Pulverschnee, acht Grad Kälte und Son­nenschein gemeldet sind. Sportzug! Segensreiche lang erkämpfte Einrichtung, der Kgl. bahr. Staatsbahn gleichsam abgetrotzt: vor fünf Jahren mußten die Gasthofbesitzer der Schlier- seer Gegend und die Münchener Schiklnbs 300 Mk. Garantie für den ersten Sportzug aufbringen. 'Der Zug wird auch heute nicht abgelassen, wenn dem betreffenden Referenten, der natürlich keine Ahnung vom Wintersport hat, am Sonnabend nachmittag em Tropfen aus der Dachtraufe auf die Nase fällt, mag auch vorn Ge­birge das herrlichste Wetter gemeldet feilt. Ist der Sportzug aber gar nicht laufzuhalteu, dann bringt er uns für 1,30 Mk. in lyi Std. nach Schliersee. Wenn sich dann in Schliersee die Perrontüren öffnen, und das Heer der Schiläufer, die Schier geschultert, sich wie ein Landsknechtshausen durch die Bahnsteigpforten drängt, reisst der Billettkontrolleur die Mütze vom Haupt, beileibe nicht aus Ehrerbietung vor den Münchenern und ihrem Geld, das sie herin sitzen lassen" sondern wegen der Flut der Billette, der seine Hände trotz Nr. 9y2 nicht gewachsen sind. Am Schliersee entlang nach Fifchhansen und dann den Kühzaglweg hinauf! Das ist die Marschroute der meisten, die da Sonntags in den Schlierseer Bergen dem Schilauf huldigen. In endlosem Gänsemarsch schlnrperp Männlein und Weibl", schlnrpt Münchens Schiläuferwelt bergan, mitten durch den tief verschneiten Wald, die Schneehänge der Boden­schneid und Brecherspitze vor Augen, an denen sich sieghaft das Frühlicht bricht.

Bei der Naineralm, zu der sich von allen Seiten die schönsten Uebungshänge nicdersenken, machen wir heute Frühstücksrast,&ia hat sich einer ein Loch in den Schnee gestampft, den Kochapparat zur Schneeschmelze und zum Teesud hineingestellt und sucht nun mit Oberkörper 'und Rucksack das spiritnsflämmchen vor dem Wind zu schützen Wie ein Staketeuzaun stecken ringsherum und auf dem Hüttendach die Schier und Stöcke; zwischendurch lagern sich überall im Schnee.oder auf etwa noch hervorragenden Felsblöcken die Schi­läufer. Wenn irgendwo, dann sind bei solcher Schiläuferrast alle Standes'unterschiede verschwunden. Brüderlich reicht dir dein Nach­bar du hast ihn nie im Leben gesehen eine Apfelsine, du revanchierst dich mit einem Stück Wurst, indes dir kameradschaft­lich von einer hübschen Studentin ein heißer_ Becher Tee aus der Thermesflasche geboten wird, den du anfjauchzend in den Schnee fallen läßt. Obendrein erhältst du irgendwoher einen Rippenstoß, der dich darauf aufmerksam macht, daß am Hang drüben zwischen den Tannen ein paar ganz Eifrige auf einer rasch ge­bauten Sprungschanze die ersten Probesprünge absolvieren.

Unsere Rast ist nur kurz. Die Wintermarkierung rote Tuchfetzen an den Tannen, rote Richtungspfeile an Stangen, zinnoberrot gestrichene Konservenbüchsen, die, freihängend, nicht verschneit werden, ja, sogar eine alte Bratpfanne entdeckte ich kürzlich als Markiernngszeicheil bei Birkenstein leitet uns weiter am Rettenbeckhans vorbei zum steilen Ostanstieg der Boden- schneid und in vielen Spitzkehren und Zickzackgängen zum Gipfel (1700 Meter), von dem ein Riesenkreuz weil hinaus in die Lande schaut, hinüber zum Tegernsee und zu den Tölzer Bergen, zum Wallberg und Blankenstein, zum Gufferd, Schinder unb Sonnwend­joch und zum dahinter liegenden Mpenland, von den Allgäuern bis zu den Tauern, südöstlich hinab in die Riesenmulde der Fürst­

alm, wo wir die Läufer, Kein wie Mücken, bei beit Hütten rasten und am Stumpflinghang üben sehen; weiter hinab zum Spitzing­see und zur Rotwandgruppe hinüber, hinter der der wilde Kaiser anfragt, und gegen Ost und Nord zur Raineralm hinab, die 300 Nieter, und zum Schliersee, der 900 Meter unter uns liegt, zur Wendelsteingruppe und ins Schigebiet von Birkenstein und weit hinaus über die oberbaherische Hochebene, auf der in grauen Schwaden das Nebelmeer lastet. Puh, mag, es da trüb und feucht sein in dem lieben München, während bei uns hier oben ti'ont capriblauen Himmel sengend die Sonne strahlt, während wir, im Windschutz des Krenzsockels wohlig geborgen, im Sonnenbad fitzen, die Füße int warnten Rucksack. ,

Doch auf! Jetzt kannst du, mein Freund, deine Stemmbogen- technik voll entfalten. Steil gehts hinab mit Kamme, durch lichten unb dichten Wald, wo bald der Schnee hoch aufgeweht liegt, bald Gras und Steine sichtbar sind. Zum Stnmpflingssattel hinab/ wo matt den schönen Blick ins Rottachtal und auf die Abfahrt nach Tegernsee genießt. Bom Sattel sind wir dann in zwanzig Minuten auf dem Stumpfling, dem meistbesuchten Schimugel Ober- baherns.

Hier rüsten wir uns zur schneidigen Norwegerschußfahrt htnab zu den Fürstalmen. Da berauschen wir uns an der Schnellig­keit unb am Bewußtsein, fliegen zu können. Zur Hocke geduckt, um den Schwerpunkt tiefer zu legen und beit Luftzug ab- zuschneiden, laufen die Telemarkbogeu wie vorgezirkelt; am Steil­hang hemmt der Christiania die tolle Fahrt, daß. der Schnee soit- tänenartig hochstiebt. Und ehe wir uns bedacht,"gleiten wir zwischen den Uebenden bei den Almhütten durch an den Sprunghügeln vorüber, die da in Eile angelegt sind, und erreichen in wenig hundert Meter langem leichten Ansteige die Hütte des Schneeschuh- Vereins München, wo eine lustige Korona im Schnee draußen um den ins Freie getragenen Tisch beim Nachmittagstee sitzt. Hier haben wir, sei es von derGartenwirtschaft" oder vom Hütten- fenster aus, Muße, dem Treiben am Stumpflinghang zuzusehen. Hunderte üben hier allsonntäglich die Kunst der Balance, die Be­herrschung der Zentrifugalkraft, das Parallelogramm der bei dem Telemark' wirkenden Kräfte und den freien Flug von der Sprung­schanze, bis um die dritte Nachmittagsstnnde die wachsenden Sckwt- tenkegel der Bodenschmid, von der die Reflektorscheibe» des Kreuzes, herniederblinl'en, zur Heimkehr mahnen. ,

Herrlich ist die Abfahrt zum Spitzingsee und über die Spitzing- ftraße nach Josefstal; etwas schwieriger zum Teil die von uns ge­wählte über den Freudenreichsattel und den Kühzaglweg nach Fisch- liausen, wo wir nach allerlei Fährlichkeiten und Abenteuern am Stammtisch des Schiklubs Schliersee bei Finsterlin, der vor zwanzig Jahren den Schilauf in München entführte, den Gesellschasts- schlitten nach Schliersee zum Abendzug abwarten.

Köstlich erfrischt von beul Aufenthalt in der klaren Winter - luft sitzt man bann im Zuge, der uns der Großstadt wieder zuführt, und bespricht noch einmal die Ereignisse und Erlebnisse des Wages' oder schließt, der angenehmen Ermüdung nach geb end, auf ein knappes Stündchen die Augen, bis der Zug in bett Münchener Hauptbahnhof einrollt. z ,

Wiederum ist es ein Landsknechtshcuifen, der da tu München durch die engen Bahnsteigpforten quillt, von Hunderten, erwartet, die das einzigartige Schauspiel sehen wollen, das sich allsonntäglich zwischen November und April im Hauptbahnhof abrollt, wenn die Sportzüge aus Schliersee, ans dem Chiemgau, von Kufstein, Tölz, Partcnkirchen und a-nders woher ciutreffen unb Tausende, von stählender Winterluft erfrischt und vom Schilauf begeistert, mit glückgeröteten Wangen elastischen Schrittes in die Stadt zurück- kehrest. ________________

humoristisches. -

* Guter Rat. Der neue Kommis:Der Chef hat mich zum Abendessen eingeladen; wie soll ich mich da verhalten?". Kellege:Essen Sie vorher zu Hause!"

* S el b st i r onie.Bitt' schön um eine Gabe für di« Musik." Ach was ich habe von der Musik nichts gehört!" Da können S' erst recht was zahlen!"

Biiderrcitsei.

Auflösung in nächster Nummer>

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer'. Rat, Hans. Rathaus. Hausrat.

Redaktion; K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lang«, Gieren.