660
Deutscher Ersatz für amerikanisches Benzin.
Die Autofachliteratur Hat schon vor Jahren auf die Gefahr der Abhängigkeit hingelviescn, in der unser, Benztnmarkt ,tch vom Auslande üefütbet. Im Kriegsfall könnte dieselbe verhangnts- voll werden! Man weiß, daß derartige Hinwerse gar nichts nützen, und daß es zumeist 'beim alten SHlendrrau bleibt. Jetzt endlich hat die Geldbeutelfrage beit Anstoß gegeben. Dre auswärtigen Petroleumgesellschasten hckten nämlich das Törrchste getan, was sie machen konnten. IM Vertrauen auf unsere Dickfelligkeit schritten sie zu Preiserhöhungen, die sich von Monat zu Monat steigerten. Das war selbst Michel zu viel. Ein Aufruf des Prinzen Heinrich, der in allen Fachorganen und auch in einem Teil der Tagespresse den Beteiligten die Augen öffnete, hat mit dazu beigetragen, daß die Bestellungen auf Benzin schon jetzt erheblich nachlassen und dafür das einheimische Benzol zur Verwendung gelangt. Im Gegensatz zu deut aus Petrol gewonnenen Benzin ist Benzol ein Abfallprodukt der Teergewinnung, wird also aus Steinkohle hergestellt. Tie vor zirka 6 Jahren gemachte Propaganda für Benzol blieb ziemlich unwirksam, da man weder verstand, den Vergaser entsprechend einzustellen, noch das Benzol so niedrig siedend zu fabrizieren, daß die Mvtorteile, vor allem die Zündkerzen, nicht verrußten. Da unsere Chemie den letzterwähnten Uebelstand beseitigte, außerdem aber in jüngster Zeit verschiedene Vergaser konstruiert wurden, die die nötige Vorwärmung und kürzere Saugleitung haben und überhaupt auf Benzolbetrieb eingerichtet sind, so steht auch dem Privatmanne heute nichts int Wege, das erheblich billigere Benzol zu verwenden. Besonders die Vergaser mit automatischer Lustzusatz- regeluug sind für Benzol ohne weiteres verwendbar. Es wird bei Verwendung solcher Vergaser auch das Anspringen des Motors, das mit Benzol etwas schwerer vor sich geht, anstandslos erfolgen. Sollte bei seht kalter Witterung hierin eine Schwierigkeit entstehen, fo Hilst das bekannte Einspritzen von Benzin in die Kompressionshähne. Im Gebrauch ist Benzol außerordentlich dankbar. In gewisser Beziehung hat es entgegengesetzte Eigenschaften wie Benzin. Während nämlich der Motor bei Benzinverwendung am besten arbeitet, wenn er nur wenig Temperatur Hat, dagegen an Kraft einbüßt, wenn er sich stark erhitzt, arbeitet er mit Benzol gerade in heißem Zustande am zuverlässigsten. Er zieht, wie man zu sagen pflegt, dann tadellos durch und scheint an Leistungs- fähigreit zu wachsen. Man übersieht daher gern den Umstand, daß er im Anfänge, also bis er warm geworden ist, etwas nachlässiger arbeitet. Was im Verkehr für Benzol nachteilig wirkt? ist der keineswegs angenehme Geruch, den wir von den Autobussen her kennen. Dieser läßt sich aber auf chemischem Wege beseitigen, allerdings nur dann, wenn es sich lohnt, d. h. wenn der Benzolabsatz derartig wächst, daß sich die durch das Verfahren ergebenden Mehrkosten nicht durch Preisaufschlag bemerkbar machen.
Es müßten nun allerdings Mittel und Wege gefunden werden, die die dauernde Billigkeit des Benzols gewährleisten. Wer garantiert, uns dafür, daß nach etwa einem Jahr die Benzolleute nicht das ihnen jetzt bewiesene Entgegenkommen mißbrauchen und die Preise ebenfalls in die Höhe schrauben? Ein Grund hierfür liegt technisch absolut uicht vor; denn Benzol läßt sich in jeder gewünschten Menge lediglich als Abfallprodukt der Teerbereitung! Herstellen. Es wird also Stoff zu Geld gemacht, für den man jahrzehntelang keinen oder nur geringen Absatz fand. Sollten die Benzolgesellschaften hierin ein Einsehen haben, so würden sie sowohl sich als auch den Konsumenten nützen. Mit dem Gebrauch von Benzol verbilligen wir also unsere Betriebskosten, helfen der heimischen Industrie, machen uns unabhängig vom Auslande und dessen Preisforderungen und können im Kriegsfälle die Beruhigung haben, daß uns nicht die Blockierung unserer Häfen die Truppenverpflegung, die ja hauptsächlich mittels Motorwagen erfolgt, unterbindet. Darum, deutsche Motorfahrer, fährt Benzol!
vermischtes.
K.-K. Eine unnötige Mahnung. In einer Zuschrift au den Verein Naturschutzpark in Stuttgart erklärt Peter Rosegger: „Der Naturschutzpark sollte sich über ganz Europa erstrecken/anstatt nur wenige Geviertmeilen vor modernem Raubbau zu schützen. Immerhin ist wenig mehr als nichts." Und zahlreiche andere namhaste Persönlichkeiten aller Berufe und Stände sprechen sich in dem gleichen zustimmenden Sinne aus. Trotzdem wird von gegnerischer Seite immer wieder der Versuch gemacht, Bedenken gegen die Naturschutzparke wachzuruken, deren Haltlosigkeit indes bei näherer Betrachtung sofort zutage tritt. So erschien kürzlich in der sonst so gut geleiteten Zeitschrift „Die Gartenkunst" ein Artikel, in dem der Lüneburger Heidepark erwähnt und zugleich die Mahnung daran geknüpft wird, die preußische Forflverwaltung müsse berücksichtigen, „daß der geregelte Forstbetrieb nicht darunter leiden darf, ivas geschehen würde, wenn zu große Strecken für Naturschutzparke reserviert und dadurch dauernd der Kultur entzogen werden". Wir halten diese Warnung in der Tat für gänzlich überflüssig und sind der Mlemung, daß die preußische Forstverwaltung ganz genau weiß, was sie zu tun hat. Davon abgesehen, zeugt jene Bemerkung aber auch von einer unbegreiflich kleinlichen Anschauung
gegenüber der von allen Freunden und Kennern der Heide so freudig begrüßten Schaffung eines ausgedehnten Schutzgebietes tp jenem sagenumwobenen Landstrich. Ist es denn wirklich nut Deutschland so weit gekommen, meint der Kosmos-Handweise für Naturfreunde (Stuttgart), daß wir nicht einmal mehr ein verhältnismäßig verschwindend kleines Stück ursprünglicher Natur unseren Nachfahren sichern können, ohne daß sofort Bedenken dagegen erhoben werden, weil möglicherweise ein paar tausend Mark jährlich der Forstverwaltung verloren gehen könnten? Sollten wir kleinlicher denken als die Schweizer, die einen — im Verhältnis zu ihrem Laude — dreißig- bis vierzigmal größeren Park schützen, als wie wir in der Heide wollen und keine Axt darin dulden? Ebenso die Holländer und die Schweden und andere Nationen. Was würden wohl die praktischen Amerikaner aus den heißen Quellen des Vellowstone-Nationalparks, aus den endlosen Wäldern des Vosemitetales ttnö aus den sieben oder acht anderen Parken machen können, wenn sie einen regelrechten Geschäfts» und Forstbetrieb dort einrichten würden? Allein wir fglauben nicht, daß auch der „smarteste" Pankce es wagen würde, einen derartigen Gedanken auszusprechen. In Deutschland aber tritt man von der wohlbekannten, der Naturschutzparkbewegung abholden Seite immer wieder damit hervor. Die bereits erzielten Erfolge geben uns jedoch die Zuversicht, daß dies fruchtlos bleiben und daß die Natur- schutzparkbewegung immer weiterschreiten und immer volkstümlicher werden wird.
kf. Ma za rin der Gatte Annas von Oesterreich?, Ein altes Problem, die Frage nach den Beziehungen zwischen Mazarin und Ludwigs XIII. Gattin, Anna von Oesterreich, wird gegenwärtig in Paris wieder ausgenommen. Paul Robiquet, der diese Frage schon mündlich vor der Akademie behandelt hat? läßt jetzt ein Buch erscheinen, in dem er den Beweis zu führen versucht, daß der Kardinal und die Königin wirklich miteinander eine Ehe geschlossen hätten. Robiquet behauptet zwar nicht? dies mit mathematischer Gewißheit beweisen zu können, aber er setzt auseinander, daß alle Wahrscheinlichkeit für die Ehe zwischen den beiden spricht. Natürlich haben Anna von Oesterreich und Mazarin, wenn sie überhaupt eine Ehe geschlossen haben, sich weislich gehütet, die Ehe notariell vor Zeugen zn beglaubigen. Die Königin hat, wie aus den Memoiren Heinrich Ludwigs von Sememe von Brienne entnehmen kann, ihre Neigung für den Kardinal nicht bestritten, und sogar bestritten, daß es sich um eine nur platonische Neigung handele. Dieses Memoirenwerk ist leider nicht so zuverlässig, wie man es für den Beweis fordern muß. Es ;soll damit nicht ,ein Zweifel an der Zuverlässigkeit des Franzosen ausgesprochen werden, sondern es handelt sich darum? daß das Manuskript der Memoiren verschwunden ist und der Druck aus dem Jahre 1828 stammt. Man vermutet, daß die gedruckten Memoiren eine Bearbeitung sind. Auch von Mazarin selbst gibt es eine briefliche Musterung, die für die Ehe gedeutet werden kann, die jedoch sehr zurückhaltend abgefaßt ist. Von den Zeitgenossen Mazarins und der Königin Anna haben viele im mündlichen Verkehr wie im Briefwechsel und auch in Memoiren Wer die Bezeichnung Annas zu Mazarin geschwiegen? sei es aus Klugheit, sei es aus Unwissenheit, oder andere, und darunter einige, die der Königin sehr nahestanden, sprechen offen von den Beziehungen zwischen den beiden, als ob es sich um eine bekannte Sache handele. Der Briefwechsel Annas mit Ma- zarin, von dem ttttr Teile entziffert worden sind, zeigt zwar, daß eine Liebe zwischen den beiden bestanden hat, worüber längst keine Zweifel mehr vorhanden sind, aber, da es sich um französische Briefe handelt, die eine Spanierin mit einem Italiener gewechselt hat, sind sie sprachlich für ein endgültiges Urteil nicht geeignet. Trotzdem behauptet Robiquet, man müsse eine Ehe Mazarins mit Anna von Oesterreich annehmen. Der Beweis kann endgültig erst dann angetreten werden, wenn es von den vielen in Frage kommenden Memoirenwerken des 18. Jahrhunderts wissenschaftlich-kritische Ausgaben gibt. Ehe diese nicht vorliegen? muß die Frage, ob Ludwig XIV, ein echter Bourbone war oder nicht, offen gelassen werden.
Arithmogriph.
1 2 3 4T5 6 7 8 9 10 eine Körperschaft.
2 10 7 Hausgerät.
3 8 7 6 5 6 oströmischer Feldherr.
4 7 8 2 Nebenfluß der Donau.
5 7 4 5 ein Planet.
6 8 3 4 sieht man allerwegen.'
7 5 6 5 4 8 eine Zierpflanze.
8 9 10 5 3 Stadt in Griechenland.
9 10 5 7 5 6 5 weiblicher Vorname.
Auflösung in ^nächster Nummer.
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer z Weiß. Schwarz.
1) Se7-e6 Ld8n.h4ob.A.)
2) L e 4 n. g 6 f und Matt.
A.) 1) ........ beliebig anders.
2) Dh4n.d8f und Matt.
Redaktion: K. Aeuratb. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießer».


