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gedanken. Schließlich faßte ich mit' einem Kameraden den Plan, in der Neujahrsnacht zu entfliehen. Siebzehn Nächte lang wanderten wir in den Bergen Nordafrikas, bis wir uns zuletzt, völlig entkräftet, einem Zollposten als Deserteure stellten. Tie Folgen dieser mißglückten Flucht waren für mich 28 Tage verschärfte Einzelhaft. Mein Kamerad wurde gar vor ein Kriegsgericht gestellt.
Für Einzelhaft sind kleine Zellen, von 4 Meier Länge und nicht ganz 2 Meter Breite, vorgesehen, die bei der großen Anzahl von Bestraften, oft 3—4 Mann aufnehmen müssen. Wer nun, wie ich, 28 Tage strengen Arrest hat, muß 40 Tage in einem solchen Winkel zubringen, da es an jedem vierten Tage Fleisch gibt, und dieser Fleischtag nicht gerechnet wird. — Als ich endlich aus meiner Haft entlassen wurde, brach ich im Hofe ohnmächtig zusammen. — Ich hatte in der kurzen Zeit seit meiner Flucht 39 Pfund abgenommen. — Als ich wieder zu mir kam, lag ich in der Revierkrankenstube als Fieberkranker. Am 5. Tage wurde ich als geheilt entlassen.
Von diesem Tage an versaht ich toiemcn Dienst stets pünktlich und wurde ein tüchtiger Legionär. Ende März 1901 wurden wir nach Mecheria beordert, da in dortiger Gegend Unruhen aus- gebrochen waren. Bis Juni lagen wir in diesem kleinen Ort/ der hauptsächlich von Arabern, Spaniern und Italienern bewohnt wird. Tann ging es weiter nach Alu Sefra m einem Marsch von 4 Tagen. Am zweiten Tage mußten wir in sengender Glut 60 Kilometer zurücklegen. Man mache sich einen Begriff, was es heißt, in tropischer Hitze schwerbepackt einen wichen Weg zu marschieren. Aber ich hielt tapfer aus. Durch meine nunmehrige gute Führung wurde mein Hauptmann aufmerksam aus mich und machte mich zu seinem Pferlwburschen.
Meine schönen Tage wurden durch Ruckberufung des Bataillons jäh unterbrochen. Am 5. November packten wir unsere Tourmster und in 19 Tagen kamen toir wieder in Sidi-Bel-Aobes an.
Tas neue Jahr brachte neue Freuden. Als ich eines Tages das Pferd meines Hauptmanns in ben, Stall bringen wollte, biß es mich! in den Arm. Aergerlich, wie ich die ganz« Zeit schon war, schlug ich nach dem Tier. Natürlich sieht es ein Oberleutnant, der Hauptmann erfahrt.es und die yolge waren 8 Tage Gefängnis, die der Oberst gütigst tn 15 verwandelte.
Zum Verbüßen von Arreststrafen sind größere Räume geschaffen, die je 18 Leute fassen. Bisweilen muß sedoch auch die dreifache Zahl Platz sindeii. Damit nun die Arrestanten kerne Langeweile haben, „darf" ein Teil Steine klopfen, andere müssen Wasser pumpen, Holz spalten usw. Die Mehrzahl aber muß mit einem steingefüllten Tornister (40 Pfund) im Hofe in Marschkolonne exerzieren. Ta man nun immer im leichten Drillichanzug gebt, reißt der schwere Tornister Rücken und Schultern wund. Was lag näher als sich krank zu melden? Nun hatten wir aber einen zu liebenswürdigen Doktor, der Beswaste kurzweg als „non malade" (gesund) bezeichnete, was eineMehrstrafe des Obersten von 4 Tagen einbrachte. Um dieser Strafe au» dem Wege zu gehen, liefen dann die armen Teufel mit furchtbar zer- schundenem Rücken und vereiterten Achseln Ijerumunb ertrugen mit Todesverachtung die furchtbaren Schmerzen ^ch konnte von Glück sagen, daß ich nicht milmarschieren mußte.
Nachdem ich meine Strafe verbüßt hatte, wurde ich von der Kompagnie an den Trupp der Boxer, Stockschlager und Vor- turner Überwiesen, die wohl in der Kompagnie verpflegt, aber sonst absolut keinen Dienst zu tun brauchten. So kam allgemach der Monat Ium heran, in dem für uns eine Felddienstubnng mit der Garnison Oran begann. Danach ruckten wir zum Schießplatz ab, wo wir unfern allbeliebten Kompagniefnhrer verloren. Er aina nach Tonking. Weiß Gott, es weinte ihm keiner eine Träne nach. Ruser Oberleutnant wurde stellvertretender Führer und machte mich zum Pferdeburschen. Kurz vor Schluß^des Manövers wurde ich nach Mascara kommandiert, um dav Jahren in der Trainkompagnie zu erlernen, und dann zu den Yagern zu Pferde, um im Reiten vollständig ausgebildet zu werden^ Gegen Ende meiner Ausbildungszeit Miede ich von eruem störrischen Pferde geschlagen und kam 19 Tage Uis Lazarett. -mch der Entlassung wurde ich als Putzer beim Adsuianten, al 5 Tage 2V» Frs., konnte mich satt essen und auch einen Liter Roten trinken. Nur diesem Umstands habe ichs zu danken, daß ich später gesund die Legion verließ, »sm Aprfl1903 wur ich zum Gefreiten ernannt und einen Monat spater war große Truppenschau vor dem Präsidenten der Republik.^
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Lien wir S unser'Bündel schnüren und nach Sidi-Bel- Abbes zurückkehren. folgt.)
stellte aber/ da mir die Arbeit ungewohnt vorkäm> den Besen rußig in eine Ecke und ging fort. Der Schreiber lief mir nach und suchte, unter ständigem Schimpfen, mich mitzuzerren. In meinem Äerger gab ich bent Kerl eins hinter die Ohren, und die । Folge war eine allgemeine Keilerei, die erst durch die Dazwischenkunft eines Offiziers beendigt wurde. Für mich hatte der Fall nock eine übele Fortsetzung. Ich wurde Nämlich bis zum andern Morgen bei Wasser und Brot eingesperrt. Als ich wieder aus meinem dunkeln Quartier entlassen wurde, mischte ich mich unter die anderen Rekruten, die ebenfalls auf die verheißenen 600 Frks. warteten. Was sah! man da nicht alles für Gestalten Schwarzäugige Italiener und biedere Schweizer, verlumpte Handwerksburschen und scheublickende Deserteure. Und das alles wogte bunt durcheinander, lärmte und zeterte in allen Sprachen. — Mit der Zeit wurde es jedem klar, daß das Handgeld nie und nimmer ausgezahlt wurde. Aber an ein Entkommen aus dem Fort war nicht zu denken, letzt saß man fest bis zur Absahit.
Die Unterkunft und Verpflegung war äußerst einfach: morgens um 5 Uhr Vi Liter Kaffee, um 10 Uhr eine Brotsuppe und um 5 Uhr nachmittags Reis-, Erbsen- oder Bohnensuppe.
Darauf erhielt jeder Mann einen dünnen Strohsack und eine wollene Decke. An ein Ablegen der Kleider war auf diese Art überhaupt nicht zu denken.
Am Tage der Abfahrt war nochmals ärztliche Untersuchung. Danach bekamen wir noch 2 Franks Tagegeld yur Ueberfahrt und nachmittags 3 Uhr gings unter Eskorte zum Dampfer, der nach 2 Stunden den Hasen verließ. *
Da schwammen wir nun auf den ruhlosen Wellen unserer traurigen Zukunft entgegen. Auf dem Schiffe hatte es sehr schön sein können, wenn einem die trüben Gedanken mcht dw Freude genommen hätten. Jjch war von dem schisfskoch als ühifroärter angenommen worden, und hatte so keine Zeit, ote Gegend zu betrachten oder allzusehr meinen Grübeleien uach- zuhüngen. Nachdem ich mit meiner Tagesarbeit fertig war, konnte ich mich zu meinen Leidensgefährten wenden. Der größte Teil war schon unter Deck, da sich bei ihnen die Seekrankheit bemerkbar machte. Ich blieb von diesem ekelhasten &iben befreit, konnte aber des ungewohnten Schaukelns halber nicht schlafen. Ich stieg wieder an Deck und setzte mich an em stilles Plätzchen, um mein Elend zu vergessen. Das Meer rauschte wild auf und der Wind pfiff um mich her in endlbsem Sturmen. Am nächsten Tage fuhren wir bei herrlichem Wetter zischen Spanien und den Balearen hindurch, die sich lieblich aus den Fluten erheben. In der Nacht goß der Mond sein Licht über die schäumenden Wogen und silbrig leuchteten die springenden Kämme Gegen 3 Uhr dämmerte der Tag. Nach und nach sanden sich auch meine neuen Gefährten „auf dem Deck em, denn wir näherten uns „Oran", nnserm einstweiligen Bestimmungs- ort Durch die auf den Höhen gelegenen Forts ist die Stadt stark befestigt und gewährt von der See aus einen prächtigen Anblick. Gegen 91/2 Uhr liefen Wir mi Hafen em und verließen nach einer halben Stunde als letzte das Schisst Nach Verlesung der Namen mußte jeder Mann einzeln über die Laufplaiike ans Ufer gehen, wo ihn ein Unteroffizier und einige Soldaten in Empfang nahmen. Steil führte uns der Weg zum Fort St.
Therese. *
Fn dem Felsenfort, das scharf an der Meeresküste liegt, weilten wir nur kurze Zeit, dann ging es mit der Bahn weiter nach Sidi-Bel-Abbes Diese Stadt ist im Viereck gebaut uitö mit einer etwa 6 Meter hohen Mauer umgeben. Tie Ecken sind durch Bastionen verstärkt. Dort ist das Standquartier der Frem- deulegiou Das Regiment umfaßt 6 Bataillone zu F Kom- poanien außerdem 2 Depotkompagnien. Von den 6 Bataillonen Hub ieöoch durchweg 2—3 unterwegs. Tie L.epotkompagnnn wechseln vierteljährlich in der Ausbildung der Rekruten. Wenn man nun bedenkt^ daß auf diese Weise eine Kompagnie bisweilen 1000-1200 Mann zählt, so wird man
NnKbildiina versprechen dürfen. Bei unserer Unkuiist wurocn wir sofort in die Bekleidungskammer geführt. Dort erhielten w r eitlen Drillichanzug, Hemd, Unterhose, Halbschuhe und »r* sm* fe
Einzelhaft Degradation, Arbeiterabteilung und Haft bis )it Tagen. Mir summt heute noch der Kopf, wenn ich an diese Ver-
jemand beschwerte, mußte er m feinen Ruhestunden mauer T


