Ausgabe 
7.9.1912
 
Einzelbild herunterladen

858

Schau blinkte da nicht in den Büschen des Straßen- i scnmies, IjaW versteckt, eine senkrechte Reihe flimmernder gelber Punkte aus dem Dunkel. ? lind konnte dies Phä­nomen von etwas anderem herrühren denn von einer blant- aevntzten Knopsreihe...? .

Wenn das nicht Hans Friesen war -!

Wie nur aus dem' Schloß kommen, ohne gesehen zu werden? Zwar... die Dinergesellschaft würde nichts mer­ken wenn Molly durchs Schlvßportal huschte... denn die war an der andern Seite im Garten versammelt aber die Dienstboten ? Was würden sie denken, wenn das gnädige Fräulein aus der Schloßpforte spazierte, utn sich nitf der Chaussee eilt Rendezvous mit einem Unteroffizier zu geben? _, . , ,.

Aber es mußte gewagt toerben... es mußte einfach! Der gute Junge müßte getröstet werden, sonst grämte er sich gar zu sehr über die Flegelei von diesem Leutnant Quincke... redete sich aiü Ende gar ein, sie wolle nichts mebr von ihm wissen, seit er die erbärmliche Vergewaltigung seines Vorgesetzten in ihrer Gegenwart hatte hinnnter- würgen ntüssen... jedenfalls wollte sie ihm gleich em Zeichen geben ...

Sie zündete eine Kerze an, bog sich weit aus dem Turm- fensterchen, indem sie den vollen Schein des Lichtes ans ihr Gesichtchen fallen ließ, und winkte zugleich mit ihrem Taschentuch das flatterte lustig im Abendhauch, der Whl vom Berge niederschwebte.

Schau da löste sich die Knopfreihe drunten aus der Dunkelheit... ein grauer Unteroffizierdrillichrock schob sich für einen Augenblick aus dem Gebüsch in den Bereich der Lichtgevierte... eine Feldmütze wurde mit raschem Winken geschwenkt...

Ach... du Goldiger!

Run schnell hinunter! Auf dem ersten Treppenabsatz machte sie einen Augenblick halt, spähte durch ein schmales, schießschartenähnliches Fensterchen auf die Landstraße hinaus und lauschte, ob drunten die Luft rein sei.

Schwatzend schäkerten die Mägde in der Küche mit den Burschen, welche zu ihrer Unterstützung kommandiert waren.

Himmel an denen mußte sie vorüber! Na... viel­leicht machten sie einmal die Küchentür zu ...

Auf einmal hörte sie von der Chaussee her scharfe Worte: Halt, was da im Busch steckt! Kommen Sie gefälligst inal sofort 'raus!"

Leutnant Qinckes Stimme! Gott im Himmel der

müßte spioniert haben!

Ich befehle Ihnen 'rauszukommen! Zum Donner­wetter, komm 'raus, Kerl, sonst ruf ich die ganzen Bur­schen zusammen und lasse eine Razzia nach dir veran­stalten!" _ rr

In atemlosen Entsetzen spähte Molly auf die Chaussee.

Wahrhaftig da stand der Leutnant hart am jen­seitigen Chausseerand und versuchte, ins dichte Gestrüpp des Berghänges einzudringen,.. er griff Mit den langen Armen ins Dickicht hinein ...

Aha, Bursche jetzt hab ich dich!"

Ich bitte Herrn Leutiiant, mich loszulassen ich komme gutwillig!"

O Gott r mit einem raschen Schritt trat Hans Friesen aus dem Dickicht... stand stramm im hellen Fensterlicht... in Drillichanzug, Feldmütze, gelben Schnürschuhen ... ohne Seitengewehr... 1

Sieh da, der Herr Einjährige! Haben Sie Urlaub, die Ortsunterkunft zu verlassen?!"

Nein, Herr Leutnant!"

So ?! Na, dann scheren Sie sich gefälligst mal augenblicklich ins Dorf und kriechen Sie in Ihr Quartier! Verstanden? h- Ich werde Sie dem Herrn Kompagnie­führer melden das weitere findet sich! Ihre Offizier- qualifikation können Sie sich aber einsalzen... das kann ich Ihnen schon jetzt sagen! Also: kehrt marsch! na wird's bald?!!"

Hans Friesen machte eine stramme Wendung und ging zu Tal... seine Schritte verhallten in der Dunkelheit.

Mit zufriedenem Grinsen sah der Leutnant einen Augen­blick ihm nach, dann trat er ins Tor zurück.

Wie der Blitz war Molly die Treppe hinunter... trat denk Offizier im Korridor entgegen:Herr Leutnant Sie werden den Unteroffizier Friesen nicht Melden!"

Ah : gnädiges Fräulein haben gehört... das ist ja ein merkwürdiges Zusammentreffen!"

Nein, das ist gar nicht Merkwürdig... Herr Friesen hat nächtlich auf mich da unten gewartet, daß Sie's wissen.., und darum werden Sie ihn nicht melden... verstehen Sie mich...?!" . o

Ich bitte tausendmal um Verzeihung, mein gnädiges Fräulein aber Dienst ist Dienst... der Einjährige hat sich einer Urlaubsüberschreitung schuldig gemacht... und somit ist es einfach Meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit"

Dann erlauben Sie mir vielleicht die Frage, Herr Leut­nant, wie Sie auf die Chaussee gekommen sind auch in Ausübung Ihrer verdammten Pflicht und Schuldigkeit?!"

Darüber bin ich Ihnen wohl schwerlich Rechenschaft schuldig, mein verehrtes gnädiges Fräulein! Bei allem Respekt glaube ich denn doch aussprechen zu müssen

Nun, dann will ich's Ihnen sagen: Sie haben ge­lauert... geschnüffelt 'haben Sie wie ein ganz elender Spion! Sie haben sich gedacht, daß ich mich irgendwo Mit dem Einjährigen treffen wollte, und haben uns aufc gepaßt! Na, stimmt's?!"

Ich ich bewundere Ihre Kobinationsgabe, meine Gnädigste."

So< nun wissen Sie also, daß ich Sie durchschaut habe, Herr Leutnant! und nun will ich Ihnen mal was sagen: Wenn Sie Herrn Friesen melden, dann mache ich Ihnen einen Krach, tote Sie noch nie einen erlebt haben so wahr ich Molly Sassenbach heiße!!"

Wie eine Königin raschelte sie von dannen.

Quincke aber machte das dümmste Gesicht seines Lebens und das wollte was heißen.

(Fortsetzung folgt.)

Aus dem Tagebuch eines §remdenlegiouär§.

Bearbeitet von O. Neurath.

Es war keine glückliche Stunde meines Lebens, als ich Deutschland gekränkt, den Rücken wandte und nach Frank­reich zog, um dort eine Anstellung zu suchen. Wieviel Not und Leid, Schmerz und Entbehrungen hat nur dieser unüberlegte Schritt verursacht. Ich hatte die Absicht, m-ch auf einem Geschäftszimmer der großen Eisengießereien von Mont tz-t, Martin oder Longwy einstellen zu lassen, aber meine Schultcnnt- nisse waren zu gering. So irrte ich im Lande umher, verlor fast meine ganze Barschaft und konnte doch nirgends unterr :en. Zuletzt kehrte ich nach Longwy zurück und war fest enm 'n, selbst die niedrigste Arbeit zu tun, um mich Aber Wasser zu hm.m. Ich mietete mich daher in einem kleinen Gasthause, i>ny oct Ärtilleriekaserne gegenüber lag, ein.

Am 'Abend lernte ich iirt Gastzimmer einen Wachtmeister kennen, der sich mir als Schwiegersohn des Wrrte^ vorstellte. Da er deutsch sprach, unterhielten wir uns swndenlang auf ms angenehmste Art und tranken in trauter Gesellschaft man. ^.laiche Wein. Erst spät in der Nacht trennten wir uns mit einem freund.- licheuau revoir!"

Ani anderen Morgen wurde ich zu meinem Erstaunen von einem Soldaten geweckt, der mich aufforderte, mit ihm zum Bureau de la Place zu kommen. Ich drehte ihm den Rücken zu und |chlies seelenruhig weiter. Aber nach kürzer Zeit tourbd meine Ruhe wieder gestört. Ein Unterofstzier stand vor meinem Bett und hiest auch sofort aufstehen und ihm folgen. Ich machte mich halt . atg, nicht wenig gespannt, was man mit mir vorhabe. Ich wurde vor einen Offizier geführt, der mich nach NaMe, Geburt und Stand fragte, und auf meine Angaben nur die AntwortEs stimmt hatte. Ich bat den Herrn um Auskunft, da es mir allmählich doch etwas ungemütlich wurde. .Als Erwiderung hielt er mir einen Zettel unter die Augen, der meine Unterschrift trug und mick auf fünf Jahre in der Fremdenlegion zu dienen verpflichtete. Man kann sich meinen Schrecken und Meinen Zorn denken, per Wachtmeister hatte meine Trunkenheit dazu benutzt, mich für diese Armee des Todes" zu werben. Ter Offizier sah mein Er­bleichen und meinte tröstend, in der Legion könne es noch Uder zu etwas bringen und dann bekäme ich ja auch em Handgeld von 600 Franks. Das ließ mich freilich aufhorchem Blitzschnell war mein Plan gemacht. Ich wollte bis kurz vor Verdun fahren und dann mit dem Gelde über die Grenze entwischen, ^ch hatte jedoch meine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Nachdem! ich vom Arzt für tauglich befunden wurde, ging es zur Bahn. Dort erhielt ich aber lediglich 2,50 Franks Reisegeld. $te $0?. Franks, hieß es, lvürden erst in Marseille ausgezahlt. Roch hielt ich nichts verloren, denn von Marseille aus konnte ich die italienische Grenze erreichen. Aber auch darin wurde ich bitter getäuscht. Zwei Sergeanten nahmen mich und die übrigen Rekruten in Empfang und brachten uns auf das. Fort St. Jean. Hinter uns rasselte die Zugbrücke in die Höhe.

In einem düsteren Vorhof ließ man uns tn dumpfem Bruten warten. Nach einiger Zeit wurden wir verlesen und fastpeder bekam sofort seine Arbeit. Ich sollte die Schreibstuben ausiege