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Roman von W alter ® Io ent»
Copyright 1910 by Grethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ja Nun Tain: es, das Unabivendbare . . . nun würde er die Frage wagen, die ihm längst 'das Herz: abpreßte! — Und natürlich würde sie ihn auslachen . . . schneidend und grimmig auslachen, wenn er überhaupt so weit kam — wenn nicht schon vorher irgendeine neue unerhörte Lächerlichkeit ihm Idas Wort abschnitt — —
Herrgott, wenn's nur nicht so finster gewesen wäre!— Kaum wie einen matten Nebelfleck konnte er noch das Weiße Kleid seiner Führerin erkennen . . .
„Nehmen Sie sich in acht!" klang Nellys Stimme aus der Finsternis, „die Wege sind seht schmäl. . . folgen Sie Mir nur, ich weiß genau Bescheid!"
Da — ein dumpfer Krach! — Feuer und Funken sprühten dem Gelehrten durch den Schädel —
„Meine Brilleum Gottes willen, gnädiges Fräulem, Meine Brille!"
„Himmel. . . Was ist denn passiert?!"
„Ich muß gegen einen Baum gelaufen sein. . . meine Brille, meine Brille ist mir äbgefallen... ich wette, sie ist zerbrochen!"
„Nein — das ist doch aber auch zu arg--so ein
Unglücksmensch, wie Sie sind. . . warten Sie, ich werde
als gar keins!"
„So I— und nun . . . nun kommen Sie weiter!
Sie zog ihn vorwärts an ihrer Hand' ... an Mer lieben, festen Hand. . . o Gott, wie gut das tat, so sicher geführt zu werden . . .
suchen!"
Tiefe Finsternis zwischen den Gehegen...
Nelly tastete sich zurück: „Wo stecken Sie denn eigentlich?!"
„Hier!" klang es kläglich dicht neben ihr.
„So geben Sie mir doch mal Ihre Hand, damit ich überhaupt weiß, wo Sie sind!" , ,
Frobenius tappte mit der Rechten in die Finsternis und bekam' etwas wunderbar Weiches und Festes zu fassen ... einen elastischen, lebenswarmen Mädchenarm . . . der glitt ihm rasch durch die Finger, und er fühlte nun die kräftige, leise bebende Hand. H — c r... . ..
„So, nun warten Sie — ich werde Mich bucken und die Brille suchen!" sagte Nelly zu Frobenius.
Himmel, wie seine Stirn brannte — sicherlich hatte es eine tüchtige Beule gegeben Wer der Nase ...
„Da, wahrhaftig! Ich hab sie b- aber, o weh: em Glas fehlt — und das andere scheint zerbrochen zu sem!
„Geben Sie nur her — ein zerbrochenes Glas ist besser
Auf einmal blinkte vor ihnen ein Lichtschein —i
„Sieh da —! tut' Aussichtstempelchen oben hängt ein Lampion, das ist ja famos!" sagte die Führerin.
Der Achtunddreißigjährige fieberte wie ein Schulknabe.
„So, nun schauen Sie hinaus!"
Da lag das Schlößchen hart unter den zweien, schützend umfangen vom tiefen Schwarz der ragenden Bergketten hüben und drüben . . . wie eine Märchenfeste schimmernd mit den hellerleuchteten Fenstern, den flimmernden Lichtschnüren der Lampions zwischen den Gartengehegen . . . Lachen und Gläserklingen scholl herauf ...
Und hier droben die beiden Menschen . . . entrückt, entronnen den lauernden Blicken der Gesellschaft, den hämischen Glossen, dem liebevoll forschenden Vaterblick. . ,
So, dachte Nelly, nun sprich du. . . nun sprich!
Mer Wilhelm Frobenius sprach nicht.
Wer Mund-, der so beredt vom Katheder hernieder dtv Herrlichkeiten der Dichtung lauschenden Hörerscharen zu erschließen wußte, der noch vor wenigen Minuten drunten bei Tafel nicht müde geworden war des feinsinnigen Geplauders über allerhand schöne und gute Dinge, ernste Fragen des Lebens, der Wissenschaft, der Kunst. . . der Mund war verstummt.
Die haarige Rechte rieb Mechanisch, unbeholfen die dick ausquellende Beule an Stirn und Nasenrücken —
„Haben Sie sich weh getan?"
„Ich sehe nicht das Mindeste... ich bin reinweg wie blind!"
So jämmerlich hatte das geklungen — Nelly mußte laut auflachen —
Du großer tapriger, hilfloser Junge du... nun, wenn du nicht sehen kannst, sollst du wenigstens ftihlen! — Jedenfalls unverlobt geh ich nicht wieder hinunter . . .!-
Und mit einer raschen, wie besitzergreifenden Bewegung schob sie ihre Hand in des Mannes Arm', lehnte sich fest an seine Schulter. >
Da warf es den langen Gesellen auf einmal um . . . Wie ein schmachtender, stammelnder Knabe neigte er sich tief, tief hernieder, drückte seine Lippen auf den festen! Arm. „Gott. . . Fraulein .Nelly. . . Nelly . . .!"
Da nahm das Mädchen des Mannes stoppelbärtige Wangen in beide Hände, beugte sich nieder und küßte ihn,- wohin ihre Lippen zuerst trafen . . . auf ferne kahle Platte,.
*
Wollt) hatte gewußt, daß er auf sie wartete .
Sie hatte sich sofort nach Aufhebung der Tafel für einen Augenblick bei der Hausherrin entschuldigt und war in ihr Turmkämmerch en hinaufgeschlüpst.
Von dort aus konnte man die Chaussee Überblicken .. die erhellten Schloßfenster zeichneten scharfumristene Licht- Plakate auf den staubigen Straßendamm, und von drüben tauchten die regungslosen Fächeräste der Buchen m den Glast hinein . . ,


