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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'icken UniversttätZ-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießeid
* Die Vernichtung des B.-Pulvers. Seit zwei Monaten etwa haben die Beivohner von Toulon tagtäglich morgens und abends Gelegenheit, ein ebenso eintöniges wie kostspieliges Feuerwerk zu bewundern; aus einer Dammhöhe gegenüber der Pulverinsel von Millcmd verbrennt inan nach und nach die Vorräte des als gefährlich erkannten B.-Pulvers. Das Pulver wird in Streiken von 20 m Länge und 1 m Breite aus die^ Erde gestreut und mit einem einkachen Zündholz angezündet. L-ogleich lodert eine rote Flamme empor, die sich zu einer Hohe von 4—v m erhebt, ohne den geringsten Rauch zu verursachen und ohne irgend einen Neberrest zu hinterlassen. Dieser ivogende, nut feurigen Zungen in die Lukt leckende Flammenwall, der zwei Minuten laug einen phantastisch großartigen Anblick bietet, vernichtet gegen 25) Kilo des Explosivstoffes und läßt so eine Summe von 12o0 Alk.
Dechiffrir-Aufgabe.
Vzr egdrrdm mhbgs chd jqzdgdm. 1
Vzr rdgdm mhbgs ondsdm!
Vzr rbgvzsydm mhbgs adsqtmjmd!
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Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Rätsels in voriger Nummert Das Herz.
esi Pflicht erfüllten — das kam im ch, „Fürst und Senator aller Romer
Vermischtes.
* Zwei schöne, interessante Frühjahrs blüh er die in den Augen mancher Liebhaber nur den Nachteil besitzen । dürkten, einheimische Pflanzen zu sein, sind : 1. Heleborus koedltus L. stinkende Nießwurz. Die Pflanze findet sich an Grabenrandern, wird 40-50 Zentimeter hoch, zeigt in einer Rispe zahlreiche hängende gelbe Blüten mit abgesäumtem Rande, schon geformte Blätter und entwickelt einen stark aromatischen Wohlgeruch. Sie verlangt im Garteii nicht zu trocknen humusreichen Boden und halbschattige Lage, entwickelt sich aber dann viel üppiger als in unkultiviertem Zustande und macht während der Blute einen geradezu monumentalen Eindruck. 2. Scilla biiolia, zweiblüttrige Meerzwiebel, ist bei weitern schöner als die kultivierte Scilla sibirica, die man gewöhnlich als Topspsianze findet. Sie wird 15 bis 20 Zentimeter hoch und zeigt in etwas überhängender Traube zahlreiche himmelblau geiärbte Bluten. .
* D as Wachstum der Hafenstädte rn der Levante In den letzten 50 Jahren hat das öffentliche Leben und besonders der Handel der Levante riesige Fortschritte gemacht., Das beste Beispiel dafür ist das Wachstum einer Anzahl von Städten. So z B war vor 50 Jahren Port Said noch ent kleines Araberdorf: heute zählt die Stadt 50 000 Einwohner. Der Piräus, die Hafenstadt von Athen, hat heute 80 000 Einwohner und war vor 50 Jahren ein kleines Fischerdorf. Mersina bestand damals noch gar nicht, hat heute 22 000 Bewohner und ist.die Endstation der Linie nach Adana. Beirut hatte damals 25 000, heute 150 000, Gaza ehemals 2000, jetzt 48 000. Beirut hatte vor 50 Jahren noch kein anständiges Hotel, heute hat die Stadt moderne Paläste, Schulen, Zeitungen, Post, Telegraph und elektrische Beleuchtung. Bor 25 Jahren gab es dort noch keinen Wagen und heute hat Beirut etwa 600 elegante Victorias und eine ganze Anzahl Automobile.
in Flammen auigehen. , . „., _,
kf. Napoleonworte über Lieb en n d L i t e r a t n r.
Die soeben in Paris erschienene Napoleon-Anthologic — Aussprüche, die M. I. Berkan ans seinen Werken gesammelt Hal — zeigt, welch ein großer Meister Napoleon in der scharfen Prägung von Gedanken war. Da sind z. B. ferne Aussprüche über Liebe voll von Zynismus, aber von einer ungeheuren Lch l agiertrgkcrl. Im Liebeskampfe ist die Flucht der einzige eteg, — Ate Uebe. tjt für den Müßiggänger Beschäftigung, kür den Soldawn Zerstreuung, ittr den Monarchen aber der Stein, der ihn zum Stolpern und zu Fall bringt. — Tie Liebe ist eine Dummheit zu zweit. — Aag Napoleon sich sehr geistreich über Literatrrr zu unterhalten wulste, ist ja durch seine Zusammenkunkt nut Goethe bekamst. Besonders der Tragödie legte er großen Wert bei: „Ter Wert einer fiit eit Tragödie steigt täglich. Eure große Tragödie rst die beste Ccljuie großer Männer; es ist deshalb Pflicht der Monarchen, sie zu kör- dern. Nicht der Dichter, sonderir der Alenschenkemrer ist der berufene Kritiker der Tragödie. — Die Tragödie sollte die Schule kur Könige und Völker sein: sie ist das Höchste und Edelste, das em Dichter schaffen kann. — Dranren sind ^ragodien der Kammer -oken. — Bei Aescbylos bewlmdere ich besonders tue Kraft, die in der einfachen Handlung liegt, die packende Steigerung von Furcht und Schrecken, die dieser Vater der Tragödie so nteisterhat versteht. — „Tarlnffe" ist unstreitig das grove Werk eines Dleilters , aber trotzdem würde ich heutzutage keinen Augenblick zogen,, seine Aufführung zu verbiete'', wenn es erst jetzt veröffentlicht wurde. Aeußerst scharf kritisiert Napoleon Beaumarchais: Er ist em Mann ohne Sitten, ohne Prinzipien, eher ein Hausierer mit Literatur als ein Liierat. Ich würde ihn ins Gesangins gesteckt haben. Vielleicht hätte man mich einen Tyrannen genannt, aber welch edle Tat kür die ganze Menschheit würde ich vollbracht haben.
kf. Das Innggefellenc> bzeichen. Philadelphia wird wohl bald eine Einrichtung aufzuweisen haben, die ans der welt wohl kaum ihresgleichen finden und die das Wort des berühmten Rabbis Ben Akiba zweikellos Lügen strafen wird. Toit wird neun lich mit riesigem Erfolge Propaganda für eine Junggesellenniatke gemacht und einer der Hauptgründe, die die Verteidiger es sind nämlich Männer, die diesen Plaii zuerst angeregt haben — für ihre Jungqesellenmarke ins Feld führen, ist der,,da« durch Emkuhrmig eines Junqqesellenabzeichens die ledigen Aladchei, am besten gegen — verheiratete Alänner geschützt sein würden. Sieht ein junge-, Rä chen, daß ein Mann ihr besondere Aufmerksamkeit widmet, so hat sie ihn bloß genau zu betrachten, ob er im Besitze der Jung- geiellenmarke ist, die öffentlich zur Schau getragen werben muß.
I Sie kann also sofort erkennen, ob die eache „reell gemeint ist. I Ten verheirateten Männern, die leichtsinnigerwelje nut jungen I Mädchen flirten, wird also bald das Handiverk gelegt sein. (?)
yiichertisch.
Fasching, Roman von Paul Oskar Höcker (Verlag Ullstein u. Co., Berlin und Wien). In den wilden Taumel des Münchener Karnevals, mit all seiner tollen Laune und dem sessel- losen Leichtsinn des genußfrohen Künstlervolkes fuhrt uns dieser neue Roman Paul Oskar Höckers Dem Rausche der Faichmgs- lust verfällt auch die junge schöne Frau des berühmten Architekten Peter Lenze, die sich an der Seite des flatterhaften Künstlers nicht glücklich fühlt. Erst in der tiefen Reue über das Geschehene erblüht der schuldgebeugten Frau ein neues Glück an der Seite eines vornehm denkenden Mannes, über dessen Liebe sie früher m verblendetem Ehrgeiz achtlos hinweg gegangen ist — Hockers Meisterschaft in der Schilderung mondänen Lebens bewahrt sich auch in diesem seinem neuen Werke, das einen tiefen Einblick in das Künstlerleben gewährt und eine Fülle echt menschlicher, rührender« humorvoller und charakteristischer Gestalten in sich vereint.
... bestätigen dÄt die Mönche sich aus ihrer Mitte selbständig wählten ^Fü'r diese Ausnahmestellung hatten die Mönche von Farfa nichts anderes zu tun als „in Frieden für ihn (den Kaiser) Und Die Dauer des Reiches zu beten .
In welcher Weise sie btep
nnmonfi sftnffrei) gehabt. Ihn ermordeten tm sichre 936 zwei seiner Mönche, Campo, und Hildebrands Campo vebmer Sabiner und in jungen Jahren schon ms Kloster ge kommen- er war aufgeweckt und scheinbar lernbegierig, so daß ÄÄÄtattS " MM,'». A»s lettaem GM-t mackw der Zögling bald so große Fortschritte daß, er fernen Lehrer durch einen wirksam gemischten Gisttrank beseitigte. Sterbend soll der Abt unter Anspielung ans den Namen.seines Schülers noch folgenden Wortwitz gemacht haben: Campigenas CaniDo male quam me campigenasti! Campo erwarb nun durchs schlaue Politik und reiche Geschenke, die Würde be§ Abte^ und begann nun mit seinem Genossen Hildebrand em Freuden- leben. Das Kloster wurde völlig demoralisiert, es begann eine Weiberherrschaft ohnegleichen. Alle Mönche nahmenTraum zu sich Nach einem Jahr schon erkauntm die beiden Freunoe, daß Farsa für die Bedürfnisse beider zugleich zu eng war. 5)ilde- brand zog aus und warf sich in den Klostergutem der Mark Ferrno selbst zum Abt auf. Campo, blieb in Farfa und erseugte mit seiner Lieblingsfrau Liuza drei Söhne und sieben Tochter, die er alle glänzend versorgte. Unter dem Schein von Packp- und Tau chverträgen wurde das Klostergut an die Anhänger der beiden Siebte verschleudert. Als man damit fertig war, ging man — wie in Czenstochau — an die S9 eraubung . der Heiug tümer. Man brach von den Religuienbehaltern die,, kostbaren Perlen und Steine, schenkte die heiligen Brokatgewander den hergelaufenen Weibern, ja, man ließ sogar, tote Gregorovms in deiner Geschichte der Stadt Rom erwähnt, »us den Loldenen Altargeräten Ohrgehänge und Spangen fertigen Schließlich bauten sich Abt und Mönche Billen außerhalb des Klosters; dort wohnten sie mit ihren Weibern, die sie sich hatten kirchlich, antrauentaffn. Zuerst ereilte das Schicksal den Abt Hildebrand. Er lud eines Tages in seiner Residenz S. Bictorm sime Frauen, Sohne und Töchter und viele Ritter zu einem Festmahl, als alle berauscht waren, ging das Kastell in Feuer auf, und es verbrannten die zahllosen Schätze, die Hildebrand aus Farfa weggescksteppt hatte.
Endlich wagte sich Mberich an Farfa und seine Mönche. Er schickte Angehörige des neuen reformatorischen Kluniazenserordens hin, um Ordnung schassen zu lassen: die Sendboten wuA>en nachts beinahe erwürgt und flohen nach Rom zurück. Da kam Alberich selbst mit seinen Milizen. Er vertrieb Campo, setzte Kluniazenfer ein und übergab das Kloster dem Mönch Dagobert aus Cuma Fünf Jahre lang herrschte nun Ordnung, hierauf wurde Dagobert vergiftet und Farfa von neuem eine Städte der Lebenslust. Wieder zogen Bacchus und Venus in Jarfa em. , ,.
Nur der Mönch, der den guten Abt Dagobert vergiftet hatte mürbe von den Qualen der Reue gepackt. Er pilgerte rum Berg Garganus, aber ein Jahr lang soll er sich vergebens angestrengt haben, den Gipfel zu erklimmen: dann verschwand er.


