Ausgabe 
7.8.1912
 
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I

Lommerleutnsnts.

Roman von Walter B l 0 e m. Copryght 1910 by Grethlein & Cq.

(Nachdruck verboten.)' (Fortsetzung.)

Frobenius war weich gefallen ... zu seinem Glücke war just neben dem Platz der Katastrophe ein Froschwässerlein im Chausseegraben, das hatte wie ein elastisches Kissen seinen Sturz aufgefangen. . . die Frösche hatten dabei mehr Schaden genommen als ihr unfreiwilliger Gast. . . Nun saß -Frobenius mit der Rückseite seines Körpers in dem Tümpel, während die Beine noch- auf dem Rande der Chaussee lagen. Er hatte sich aufgerichtet, und seine Arme standen hinter seinem Rücken in dem Wässerchen ... so sah er drein mit -dem Unschuldsblick eines Kindes, das eben vom Himmel gefallen wäre. . . seine Augen suchten, wie äus tiefem Traum -erwachend, nach dem Urheber seines Un­glücks . . .

Auf einmal sah! er neben dem keuchenden und schnauben­den Ki.rno den Oberkörper einer Dame. . .

Eine Dame? . . . wie kam denn die hierher? . . . Das war doch nicht etwa gar . . . nein. . . das durfte nicht sein . . . das -wäre zu ungeheuerlich- gewesen . . .

Er, ein Mann. . . und von einem jungen Mädel ge­rettet ... das wäre gar nicht wieder gut zu machen . . .

Und Teufel . . . kam da nicht eben gar sein Bataillonskommandeur herangesprengt, mit dem er sich gestern abend bei der letzten Flasche Sekt so glänzend unter­halten?

Und der lvär sorglich um das junge Mädchen bemüht... fragte nach ihrem Befinden-

Ja . . . gab's denn so was überhaupt? . . , wär eine solche Blamage denn überhaupt faßbar? . . .

Der Major nannte da!s junge Mädchen du . . . sie sagte Vater zu ihm. . .

Gerettet von der Tochter seines Bataillonskomman­deurs! . . .

Das wär so ungeheuerlich- ... so unwahrscheinlich daß es schon fast nicht mehr ernst zu nehmen war . . . !

Und wie nun Wilhelm Frobenius an sich selber her- Unterschaute und sich rücklings in dem Froschtümpel sitzen sah, da verschwand jede Spur persönlicher Beschämung vor der reinen Freude an der haarsträubenden Komik der Situation . . .

Als der Major sich! überzeugt hätte, daß seine Tochter heil sei, und beide sich- dem Opfer der Katastrophe tzu- wandten... da saß dies Opfer in seinem Ueberzug von Schlamm und Algen. . . und lachte. . . lachte selig wie -ein Kind, das einen fabelhäft gelungenen Streich aus- geführt hat und nun auf allgemeine! Dankbarkeit -Anspruch M M .. n

Einen Augenblick waren die Retterin und ihr Vater völlig verblüfft. . . dann aber stimmten auch sie erlöst und überwältigt ein in die erdentrückte Heiterkeit des langen Menschen im Froschpfuhl. . .

Donnerwetter! Sie scheinen sich in Ihrem Tümpel da ja ganz behaglich zu fühlen! Wie lange wollen Sie denn da -eigentlich noch- sitzen bleiben?"

Und die junge Dame fragte:Soll ich vom Pferde runterkommen und Ihnen die Hand geben?"

Da kam Wilhelm Frobenius denn doch zu Besinnung.

Er versuchte aufzuspringen . . . aber das war nicht so leicht ... Es blieb ihm nichts übrig, als die Beine, die bisher so schön auf dem Trocknen gelegen hatten, von ihrem hochgelegenen Platze herunterzudirigieren.

Und so, am ganzen Leibe triefend und mit grünem Schlamm überzogen, richtete Wilhelm Frobenius seine lange Gestalt auf, stieg auf die Chaussee und machte ein« tragi­komische Verbeugung.

Darf ich Herrn Major ganz gehorsamst bitten, mich vorzustellen?!"

Abermals platzte Nelly heraus.

Ja," sagte der Major,als was soll ich Sie denn nun vorstellen als Leutnant der Landwehr? Das geht doch nicht gut; denn augenblicklich haben Sie mit allem Mög­lichen Aehnlichkeit . . . -aber mit einem Leutnant. . . Also, sagen wir schlechtweg: Herr Frobenius meine Tochter Nelly!"

Na, nun bsdanken Sie sich mal schön bei mir!" sagte Nelly und rieb den schmerzenden Arm,wer weiß, wo Sie jetzt schon wären, wenn ich mich nicht über Sie erbarmt hätte!"

Eigentlich müßte ich Ihnen böse sein, mein gnädiges Fräulein . . . stellen Sie sich vor, welch ein Schicksal meiner wartet! Meinen Sie nicht auch, daß mir besser wäre, dieser infame Schinder hätte mich -da hinten irgendwo gegen einen Baum -gerannt? . .. Dann wäre jetzt alles vorbei und ich läge friedlich Und -entseelt irgendwo an der Land­straße . . . aber jetzt:- so ein Lachen, wie über mich anheben wird, ist doch überhaupt noch gar nicht dagewesen. Das habe ich Ihnen zu verdanken, mein gnädiges Fräulein!"

Dabei strahlten hinter den funkelnden Brillengläsern die braunen Augen des Mannes zu dem Mädchen empor, mit einem Ausdruck, der just das Gegenteil seiner Worte sagte:

Ahnst du, Mädchen, wie lieb ich das Leben hab? . . ahnst du, wieviel ich uoch wirken und schaffen möcht' auf dieser Erde? . . . ahUst du, was für ein krauses, sehn­süchtiges, umgetriebenes Herz das ist, das nun weiter schlagen darf dank deiner schnellen Tat?

Einen Augenblick lang hatte dies geheimnisvolle, Leuch­ten der braunen Augen die stahlblauen der Retterin fest- gehalten . . . dann Uber ließ sie ihre Blicke an der hageren Gestalt herabgleiteu.... -