Ausgabe 
6.7.1912
 
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Lust hat, Frieden zu schließen. Unglücklicherweise aber hatte Francis' Onkel an jenem Tage einen Gichtanfall, und der junge Mann konnte unter keiner Bedingung das Geschäft verlassen, um die fünf Kilometer, die ihn von dem Hafen trennten, zurück­zulegen. Kaum hatte er Zeit, einige schnelle Zeilen zu schreiben!

Ich will Dir nur mitteilen, daß derSite" krank ist und jch verhindert bin, zu Mr zu kommen. Das Herz bricht mir.

Francis."

Nachdem er das Briefchen anMiß Campbell, zurzeit auf dem Schiff Provence", adressiert hatte, telephonierte Taylor nach einem Messengerboh-Jnstitut und verlangte den Burschen, der fchon häufig seine duftenden Grüße der Geliebten überbracht hatte.

Du gehst", befahl er ihm,in das dir schon bekannte Blumengeschäft. Hier hast du zehn Dollar. Du kaufst, was dir am schönsten erscheint, und trägst es mit diesem Brief auf das Schiff. Du übergibst beides der Dame selbst. Wenn dir an deiner Stellung gelegen ist, sieh zu, daß du btt bist, bevor das Schiff abgeht."

Dann stürzte er sich mit Leib uttd Seele in seineBusiness" und verwünschte mehr als einmal das Pech, das ihm gerade die Freiheit zu der Stunde raubte, da er sie so nötig brauchte.

Drei Stunden später berichtete der Messengerboy über seinen Auftrag. Bertha Campbell hatte den Brief und die Sendung empfangen und geantwortet:Bestellen Sie, daß ich verstanden habe."

Wenn Sieverstanden" hatte, war alles gut. Er brauchte jetzt nur auf die leider schriftliche Versöhnung zu warten, welche die niedliche Bertha ihm durch die Post senden würde, sobald sie in Cherbourg angekommen war.

Leichten Herzens ging Francis an seine Arbeit, die es tttt jenem Tage in Hülle und Fülle gab. ,

*

Nun hatte sich der Messengerboh Hasty Barke folgender­maßen seines Auftrages entledigt:

Mit einem Zehndollarschein in der Httnd war er in den großen Blumenladen gegangen, wo man an einem Tag so viel Blumen verkaust, wie in allen Blumengeschäften von Paris zusam-

Zeigen Sie mir das Schönste, was Sie haben," sagte er Mit jener Kühnheit, die der Besitz des Geldes verleiht.

Eine der eleganten Verkäuferinnen näherte sich ihm.Was Meinen Sie zu diesen Rosen?" fragte sie. L , '

Wieviel kosten sie?" i

Zwölf Dollar." , i 1

Zwölf?" fragte Hafty zögernd. , !/.

Zwölf Dollar," antwortete die Verkäuferin noch einmal deutlich und nahm schon einen Karton, um die Rosen hinein­zulegen.Es sind ein T-utzend Marsch«! Niel, die NM diese Zeit das Stück einen Dollar kosten."

Einen Augenblick," sagte der Boy, der sein Budget über­stiegen sah. Er ging an den Ständern entlang, und verlegen be­trachtete er die Menge Sträuße, von denen er einen wählen sollte. So kam er bis in die entlegensten Ecken des Ladens. In diskreter Dunkelheit lagerten dort im Preise zurückgesetzte Muster von Grabdenkmälern, die man in amerikanischen Blumengeschäften

findet.

Amerikaner sparen gern Zeit. Eine Witwe sucht hier nach einem Muster den Grabstein für den teuren Verblichenen ans, denn sie findet in demselben Geschäft auch sofort die Blumen, die sie für den Kirchhof braucht- So kann sie alles auf einmal erledigen.

Ter Boy blieb stehen. Seine Blicke wurden durch eine ab­gebrochene Säule angezogen, an deren Fuß eine zu Tode ver­wundete Taube lag. Das in Gips ausgeführte Modell hatte ein Viertel der wirklichen Größe war und etwa so hoch wie eine Standuhr. Nie hatte der Vertrauensmann Taylors etwas Rüh­renderes gesehen, als den unglücklichen Vogel, der den letzten Seufzer aushauchte.

Wieviel?" fragte er wieder. ;

Dreitausend Franken!"

Dreitausend Franken für die Kleinigkeit, die ich in der Hand wegtragen kann?"

Tie Verkäuferin amüsierte sich kostbar und erklärte ihm, daß Man für dreitausend Franken dasselbe Modell in kara- xischem Marmor, fünf Fuß hoch mit dem' Sockel liefern würde.

Ach so," brummte Hafty,das will ich hier haben, wenn Sie es mir für fünfzig Franken lassen." 1

Man will zehn Franken Mehr für eine Handvoll Rosen Kaben," dachte er,die morgen verwelkt sind, während das sweet hart" meines Herrn solch ein Andenken ihr ganzes Leben lang auf den Kamin stellen kann. Das ist eine großartige Sache." _

Das Gipsmodell, das zwei Franken wert war, wurde für fünfzig Franken verkauft. Mr Boy verlangte, daß es sorgfältig in die für die Rosen bestimmte Schachtel eingepackt werde. Er war ein tüchtiger Junge, der nichts vergaß. Und so war es. denn gekommen, daß Bertha Campbell einige Minuten vor Ab­fahrt derProvence" eine tote Taube, am Fuße enter abge­brochenen Säule liegend, empfing.

Also war wohl der Groll bei Francis dies Mal entscheiden- gewesen, denn dieser Abschiedsgruß besagte:Du hast weine Lieb? durch deine Zänkereien getötet."

O ja, sie hatte verstanden!

Francis Taylor hatte nachgerechnet, wann er einen Brief aus Europa haben könnte/ und wartete voll Ungeduld darauf. Ein Schiff war schon angekommen, ohne daß es die ersehnte Nach­richt brachte, auch der nächste Dampfer hatte nichts für ihn.

Jedoch war Miß Campbell recht gut gereist. Im Pariser Bureau desNew Bork Harald" wurde die Notiz ihrer Ankunft ausgenommen und, wie eg Sitte ist, nach Amerika gekabelt. Dann, o entsetzliche Katastrophe! bekam der unglückliche Taylor einen vor Liebe überfließenden Brief tut eröffnet zurück, den er an seine Flamme gerichtet hatte: es war ein ganz formeller Bruch.

Nur zu gut wußte er sich die Situation zu erklären. Fran Campbell hatte nur inttaer sehr kühl um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen die Aufmerksamkeiten Francis ihrer Tochter gegenüber betrachtet. Die jungen Leute zankten sich zu viel, und bei diesen Liebesstreitigkeiten erschien Bertha ihrer Mutter immer als Opfer und Francis als Tyrann. Zweifellos hatte sie diesen Streit, der vor der Trennung erfolgte, benutzt,- um die schon gelockerten Bande zu zerreißen. Vielleicht hatte auch noch der Zufall einen anderen Verehrer Miß Campbells! auf den Dampfer geführt: Gott weiß, daß es ihr an Flirts nicht fehlte! Am «Ende war sie gar schon verlobt!

Francis/ der durchaus keinen engelhaften Charakter besaß, versuchte sich zu überzeugen, daß er wütender als unglücklich war. Er schwor sich, daß seine unbeständige Freundin nicht die Freude genießen sollte, ihn klagen zu hören. Jedoch konnte er weder essen noch schlafen, und ach! nicht einmal mit anderen Mädchen flirten. Sein Onkel fand, daß er sich weniger als sonst für die Busineß interessiere, und begann ihn etwas kühl zu behandeln.

Nun hatte dieser Onkel eine Tochter, deren Einführung in die Gesellschaft an ihrem achtzehnten Geburtstage stattfinden sollte,- und man beabsichtigte, dies Ereignis mit dem bei den Millionären Neu Dorks gebräuchlichen Pomp zu feiern. Francis war auch zu dem Fest, das zu Ehren des jungen Mädchens stattfinden sollte,- eingeladen, und er ließ sich Hafty Barke kommen und gab ihm den Auftrag, der jungen Debütantin einige Rosen mit seiner Karte zu überbringen. , ,

Liegt Ihnen besonders etwas an Rosen? fragte der. Messengerboh. ,

Nein," antwortete Francis, den seine Kusme Wenig , inter­essierte, denn sie war weder hübsch noch angenehm.Es ist mir ganz egal, suche nur was Schönes aus."

War Miß Campbell zufrieden mit Ihrem Geschenk?" fragte Hasty, der ein gutes Gedächtnis hafte.

Entzückt war sie," erklärte Taylor, und nahm sich zusammen, deN Jungen nicht zu allen Teufeln zu jagen, weil er ihm diese unangenehme Erinnerung ins Gedächtnis zurückrief.Nun geh und beeile dich!" ,

Als er zu feinem Onkel kam und sich zu Tisch setzen wollte,- zog ihn die Tante mit einem wütenden Gesicht ins Nebenzimmer.

Du," sagte sie und durchbohrte ihn mit Blicken,du er­laubst dir, dich über meine Tochter lustig zu machen und schickst ihr tz-u ihrem achtzehnten Geburtstag ein Modell für ein Mauso­leum?"

Weil Francis Nicht zu begreifen schien, zeigte ihm die würdige Frau Taylor dasselbe KuNstobjeft, das Bertha Campbell auch erhalten und das das bekannte Resultat erzielt hatte. Francis blieb eine Minute in die Lösung dieses seltsamen Problems vertieft.

Jch herstehe." sagte er endlich,oder wenigstens glaube ich zu herstehen. Ich hatte einem dämlichen Dienstmann freie Hand gelassen, etwas auszuwählen. Tranen Sie mir eine so namen­lose Grobheit zu?"

' Die Geschichte verbreitete sich sogleich und rief allgemeine Heiterkeit hervor. Selbst Taylor der Seifere schüttelte sich vor Lachen. . , ,

Aber sein Neffe lachte nicht. Und als er neben einer reizen­den Freundin Berthas saß, die wissen wollte, weshalb sie mit­einander gebrochen hätten, antwortete der junge Mann:

.Ich errate es jetzt, weil sie auch so ein kleines Mausoleum erhalten haben wird. Sie hat mir sagen lassen,daß sie ver­standen hätte". Wollen Sie mir einen ausgezeichneten Dienst leisten? ' Dann haben Sie die Freundlichkeit und schreiben Sie ihr, wie es mir mit dem Geschenk für meine Kusine ergangen ist. Schreiben Sie ihr auch denn sie liest meine Briefe nicht mehr> daß sie mich zum unglücklichsten Menschen gemacht hat. Wenn es nur nicht zu spät ist!" ' _

Ich glaube, daß es Noch Zeit ist," war die Anftvort der wohlwollenden Freundin,denn Sie müssen wißen, Berthw.schreibt mir jede Woche, und ich glaube nicht, daß sie viel glücklicher ist ttIS Zehn Tage später kabelte Bertha Campbell, MW »dear boy nur die wenigen WorfelEs ist noch Zeit.