Ausgabe 
6.7.1912
 
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nigstens für sie!

Daß der Baron nicht zu Tisch kam, fand sie zuerst gleichgültig, dann taktlos und unhöflich gegen sie selbst seine Tischdame, vor allen Dingen aber gegen ihre Eltern und die Gastgeber, die ihn heute zum crstemnal bei sich sahen, denn bisher hatte sich der Verkehr zwischen ihnen nur auf den Austausch der Besuche erstreckt.

Aber als der Baron iminer noch nicht kam, als heil Landrat allein zurückkehrte, da ging plötzlich mit ihr eine ganz seltsame Veränderung vor: jedes andere Gefühl, das sie bisher gegen den Baron gehabt hatte, schwand dahin und nur eins erfüllte sie: Angst eine ivahusinmgq Augst vor diesen: eisernen Willen, dieser eisernen Energie,: die er da verriet.

Sie zitterte und bebte vor Aufregung, ob! er fernen Willen durchsetzen würde, und sie sah es voraus: wie er jetzt nicht nachlieh, so würde er auch im Kampfe uni sie nicht uachgeben! Und wenn er jetzt siegte dann würde er auch sie bezwingen. Sie wär doch nur em schwaches Weib. Mit eiuemmäk erkannte sie xückhaltlos

Abbruch. Ich bin nur begierig, wie das enden wird. Das soll mich aber nicht abhalten, erneut meiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß ich die Herrschaften bei mir sehe."

Die Gläser klangen aneinander.

Wer Dagmars Hand zitterte, als sie den Kelch erhob, und ein Teil des Weines floh auf das Tischtuch.Ich bitte tausendmal um Verzeihung ich weih nicht viel­leicht zittert die Erregung der schnellen Fahrt doch noch etwas in mir nach so prachtvoll es auch war

Niemand ahnte, was in Wirklichkeit in ihr vorging. Man schob es nur auf den leeren Platz an ihrer Seite und eine dadurch hervorgerufene kleine Mißstimmung, daß sie sich so wenig an der allgemeinen Unterhaltung betei­ligte.

Als sie sich vorhin mit den anderen von dem Baron verabschiedete, hatte sie es ihm nachgefühlt, daß er vor ihnen allen nicht als der Besiegte im Streit hatte da- stehen wollen. Wer sie hätte daraus schwören mögen, daß er schon in wenigen Minuten nachkäme, um zu er* klären: mit dem Gaul ist heute wirklich nichts anzufangen.: Er hätte ja auch die hereinbrechende Dunkelheit als force majeure angeben können, die ihn zwang, abzusteigen. Ich sie hatte auch mit der Möglichkeit gerechnet, daß er be­haupten würde: das Pferd sei gesprungen, selbst dann, wenn das in Wirklichkeit Nicht der Fall gewesen war, lediglich, um als Sieger dazustehen. Er konnte ja sicher sein, daß man seinen Worten glaubte, und daß niemand! sich die Mühe geben würde, seine Aussage auf die Wahr­heit hin zu prüfen, selbst sie nicht; denn das verbot ihr der Stolz. Und außerdem: was lag ihr daran, ob her Gaul das Hindernis nahm oder nicht! Es gab auf hetz ganzen Welt doch nichts, das gleichgültiger war, we-

Möglichkeit hatte, zu sprechen. Und außerdem war er auch ein Kavalier, da durfte er einer Frau doch nutzt widersprechen, am allerwenigsten seiner eigenen, noch da­zu, wenn die Kinder dabei waren.

Der Landrat sah nach der Uhr:Was machen wir denn, wenn der Baron nicht will?"

Der hielt immer noch auf Hannibal vor der Hürde, den Gaul'beständig mit den Schenkeln und Sporen vor­wärts treibend und schiebend, aber der Gaul ruhrto ftd1' .Meine Herrschaften, tun Sie mir den einzigen Ge­fallen und fangen Sie mit dem Diner an! Nehmen Sw auf mid) gar keine Rücksicht . tun Sie bitte, alv ob ich gar nicht da wäre." .

~ Und schließlich blieb auch wirklich nichts anderes uvrrg, als diesem Vorschlag zu folgen.

Man ging ins Haus uud setzte sich gleich darauf zu Tisch. Aber der leere Stuhl des Barons ließ keme rechte Stimmuiig aufkommen. Es war ungemütlich! und kalt, und das ärgerte den Landrat; denn er hatte seiner Schwester den Auftrag gegeben, ein schönes Diner zusammenzustellen und die Tafel so hübsch zu schmücken, wie nur möglich.

Die hatte sich zuerst darüber genmnbert, daß er ihr in dieser Hinsicht noch irgendwelche Aufträge gab sw führte ihm doch lange genug die Wirtschaft, um ganz 'genau zu wissen, wie er es liebte; aber als )te jetzt sah, mit welcher Aufmerksamkeit und Auszeichnung er Alexa behandelte, wußte sie, warum er heute alles besonders hübsch hatte haben wollen: es sollte ihr gefallen, damit der Wunsch in ihr rege würde, dauernd in diesen Räumen als Hausfrau zu walten! r

Für einen Augenblick wollte von neuem dw Eifersucht in ihr wach werden, aber Alexas frisches, anmutiges Wesen und ihre Natürlichkeit gefielen auch ihr. Uud schließlich: verließ sie nicht selbst den Bruder, weil, die Liebe doch wieder in ihr Herz eingezogen war, obgleich sie nach dem Toda ihres Mannes geglaubt hatte, das Leben sei nun auch für sie für immer vorbei, und das Schicksal könne ihr keine frohe Minute mehr bereiten?

So wurde sie iminer freundlicher und herzlicher gegen Mexa, die sich plötzlich als den Mittelpunkt der kleinen Gesellschaft sah. Das machte sie zuerst etwas verwirrt und verlegen, dann aber übermütig, und ihr lachender Mund, ihre fröhlichen Augen zeigten deutlich, wie sie sich

freute, so gefeiert zu werden.

Sollte der Landrat wirklich die Absicht haben, um Mexa zu werben?" dachte die Gräfin, die neben ihm bei Tisch saß und natürlich auf jedes Wort lauschte, das er mit Alexa wechselte, uud jeden seiner Blicke beobachtete.

So ganz war die Verbindung nicht nach ihrem Herzen, und vor Wochen noch würde sie diese unter keinen Um­ständen zugegeben haben. Wer jetzt da er geadelt und nicht nur dem Namen nach, sondern auch in seinem ganzen Wesen Aristokrat geworden war, wo ihm auf Grund seiner I seine Ueberlegenhert chr gegenüber am aewiß nicht ohne besondere Veranlassung erfolgte« Nobili- | Sie hatte Angst vor sich selbst und Angst vor deist tiernng der Weg zu einer glänzenden Karriere offen stand, I Baron. Und nervös fuhr sie zusammen, so oft von draußen! da dachte sie anders, wenn sie auch noch im stillen aller- I her Schritte gehört wurden, lei dagegen einzuivenden hatte. Mer immerhin: wenn I (Fortsetzung folgt.)

der Landrat es vielleicht zum Minister oder zur Exzellenz! I -----------

brachte, wenn Mexa dann bei Hofe eine Rolle spielte, I DlS rarte ZSNdUM.

to'enn ihr Haus der Sammelpunkt der vornehmsten Aristo- j . . ~

kratie und der ganzen Hofgesellschaft war, wenn sie viel- j Skizze von Leon de Tinseau. ,

leicht einmal die Mitglieder des Hofes bei sich eiupsangen ! Autorisierte Uebersetzung von N. Collrn.

konnte, ihre Bedenken schwanden mehr und Mehr I Francis Taylor, der Neffe und Sekretär eines New Borker

Es tut mir wirklich leid, Komtesse, daß Ihr Tisch- Bankiers, war in Bertha Campbell verliebt. Da er sie aufrichtig Herr noch immer nicht kommt," wandte sich der Landrah I gern hatte, gaben die Wketterien. diw niedlichen Persönchens jetzt an Dagmar.Wenn die Herrschaften erlauben, möchte I ""d-eren 9^Trn & *5 bUeb^sie^n best lirl"

einmal nach dem Baron umsehen. Bitte, Bertha^ Anlaß» Tro^U den f(f.J Ubs'chwenkungen

entschulligeu Sie mich einen Augenblick. I am meisten von all den jungen Leuten ihrer Bekanntschaft. So-

Wenrg spater kam er zuruck, und nur schwer ver- I ^ld seine Stellung bei Taylor u. Co. ihm ein genügeiides barg er seinen Unmut.Herrgott ist das ein Dickkopf!" I Einkommen bieten würde und der Zeitpunkt schien bald ge­schalt er.Er sitzt immer noch auf dem Gaul der ! kommen, wollte er um Bertha anhalten. Unterdessen sahen gibt Dampfwolken von sich und zittert am ganzen Leib, I sich die Siebenten täglich einmal und zankten sich wöchentlich obgleich er weder mit Sporen, noch mit der Peitsche he- I einmal, um nachher die Versöhnung als etwas Wunderschönes zu handelt wird, sondern lediglich mit einem eisernen Scheu- I empfinden. . , _ .

keldruck" I So hatten sie sich eines Abends Mal wieder tüchtig gestritten,:

lük hör frornfo off, I und die Versöhnung schien um so dringeilder geboten, da Bertha

4 afrono,m'in e f<?r orWnrto- irh I Campbell am darauffolgenden Tage mit dem DampsschiflPro-

^...ist kreuzvergnugt und lacht. Er erklärte, ich 1 tience" New Bork verlassen sollte, um mit ihrer Mutter auf

hatte rhm fern größeres Vergnügen Machen tonnen, , Ms einige Wochen nach Europa zu reifen. Nun kann man sich überall ihn auf den Gaul zu lassen. Von ferner Strrne heiß rtnnt I wieder einig werden, sogar in einer Schiffskabine vielleicht

ihm auch der Schweiß, aber das tut seinem Humor keinen | dort sogar besonders schnell, wenn man von beiden Seiten