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Die von Gründingen.
Roman von Freiherr von Schlicht,
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Auf einem prachtvollen dunklen Wallach erschien jetzt ein Reitknecht. Der Baron brach in einen lauten Ruf der Ueberraschung aus: „Das ist ja ein wahrhaft könig- liches Tier!" Und bewundernd folgte er den einzelnen Gängen.
„Wenn der Kerl nur besser reiten wollte! Der Gaul hat hundertmal mehr in sich, als er aus ihm herauszu- holen versteht!" Und zu den Komtessen gewandt, erklärte er mit halblauter Stimme die Fehler, die der Reiter machte.
Alexa hörte aufmerksam zu, um daraus zu lernen, wahrend Dagmar gelangweilt vor sich hinsah.
, Er tat, als bemerke er es garnicht.
Der Landrat hatte unterdessen ein paar herumstehenden Leuten den Auftrag gegeben, eine .Hürde herbeizu- b ringen.
„Sie sollen einmal sehen, Herr Baron, wie der Gaul springt; ich habe manche Jagd im roten Rock und manche Schnitzeljagd auf „Hannibal" geritten, — der springt wie 'ne Puppe."
„Das sieht man ihnt auch an," ttternte der Baron, aber als dann die Hürde erschien, sprang der Gaul beim erstenmal so schlecht, daß er mit allen vier §ufen gn- schlug und um ein Haar gestürzt tväre.
Und als sein Reiter, der merkte, wie er sich blamiert hatte, den Gaul züchtigte, wurde er widerspenstig und brach jedesmal vor der Hürde aus.
Das wiederholte sich wohl ein halb dutzendmal, dann ries der Landrat endlich: „Na, wenn er es nicht will, dann gib es auf, was wollen wir uns mit ihm herum- iärgern."
„Pardon, Herr Laudrat," widersprach der Baron, „verzeihen Sie, to'ertn ich mich da hineinmische, aber das geht nicht. Wenn Hannibal springen soll, dann muß er auch springen. Daß er, wie sein berühmter Namensvetter vor den Toren stehen bleibt, ist ganz undenkbar; denn wenn er heute seinen Willen durchsetzt, dann ist auch rn Zukunft nichts mit ihm anzufangen."
Der Landrat wußte ganz genau, daß der Baron recht hatte, und er hätte den Befehl, mit dem' Springen auf- zuhören, auch nie erteilt, wenn er sich nicht noch werter vor seinem Gaste Mit seinen Pferden hätte blamieren wollen. .
„Sie haben gut reden, Herr Baron," meinte er endlich. „Mer was soll man mit einem solchen Bock Anfängen, wenn er seine Launen hat und nicht will?"
„Dann muß man ihn eben zwingen." Und-, einem plötzlichen Entschluß folgend, bat er: „Gestatten Sie. daß
ich mich einmal auf Hannibal setze —. vielleicht gehorcht er mir."
„Aber gewiß, sehr gerne, wenn es Ihnen Spaß macht.'
Ein Paar Reitgamaschen und ein Paar Anschnall- sporen waren schnell aus dem Hause geholt, und wenig später stieg der Baron in den Sattel.
Ein lautes „Bravo!" lobte ihn, als er jetzt, nachdem er die Bahn zweimal im Schritt umritten, zum Trab überging. Das schien ja gar nicht mehr derselbe Gaul zu sein/so nahm er ihn zusammen.
Selbst der Reitknecht, der zuerst im stillen geflucht und sich über den Baron lustig gemacht hatte, sah jetzt ein, daß der andere doch hundertmal mehr konnte als er selbst. ■ ,
Aber als der Baron nach einem abgekürzten Galopp in den scharfen Galopp überging und auf die Hürde losritt, brach Hannibal zwar nicht aus, denn daran verhinderte ihn die Kunst seines Reiters, aber unmittelbar vor der Hürde blieb er plötzlich stehen, stemmte die Border- 6eine in die Erde und stand unbeweglich da.
Und dieses Spiel wiederholte sich wohl ein halb dutzendmal.
„Geben Sie es auf, Herr Baron," bat der Landrat; „Sie sehen ja, es geht nicht. Der Kuckuck weiß, welcher Teufel heute dem Gaul in die Knochen gefahren ist. Steigen Sie 'runter — der Graf und die Gräfin müssen außerdem! gleich kommen, und dann wird es Zeit, zu Tisch zu gehen."
Aber der Baron widersprach: „Noch gebe ich es nicht aus." Und auch, als der Wagen von Gründingen erschien, war er nicht zu bewegen, aus dem Sattel zu steigen.
„Wir müssen doch aber zu Tisch gehen, Herr Baron," sagte der Lanorat. Er fing wirklich an, seinem Gaste zu zürnen, — seinetwegen konnten doch nicht alle mit hem Diner warten.
Und wer wußte, ob Hannibal sich in einer halben Stunde schon anders besonnen hatte? Das konnte unter Umständen noch viel länger dauern.
Der Graf und die Gräfin waren nähergerreten und beteiligten sich ebenfalls an dem kleinen Streite.
Die Gräfin bat ihn, abzusteigen; aber der Graf war anderer Ansicht: „Das verstehst du nicht, Konstanze. Da muß inan ein alter Kavallerist gewesen sein, tote ich; da weiß man aus Erfahrung, daß man einem Pferde nie uachgebeu darf. Ich hatte als blitzjunger Leutnant mal eine Remonte — wie hieß sie doch noch — ich glaube: —" c , , , .,
„Das ist doch ganz gleich, Eduard," unterbrach ihn die Gräfin schnell, — denn fing er erst mit der Geschichte an, dann nahm sie kein Ende.
Der Graf sah seine Frau überrascht (in. Daß sie ihn hier so vor allen anderen unterbrach, gefiel ihm nicht, und' er wollte ihr das auch sagen. Aber er schwieg, denn er war ja ein freier Mann und konnte tun und lassen, Mas er wollte. So schwieg er gerade, i»eil er auch dis


