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Die von Grundlagen.
Roman von Freiherr von Schlicht.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Als der Graf jutn erstenmal diese Entdeckung machte, fiel er tatsächlich vor Erstaunen in einen Stuhl und starrte seinen Sohn verständnislos an.
Dann gab er sich wochenlang die größte Mühe, dieses Wunder zu erklären und zu deuten? Als seine eigene Weisheit dies Kunststück nicht fertig brachte, fragte er seinen Sohn: „Warum bist du denn mit Leib und Seele Soldat? Liebst du den Dienst?"
„Nein."
„Liebst du dann die gesellschaftliche Stellung, die du als Offizier einnimmst?"
„Die hätte ich als Graf ohne die Uniform doch ebensogut."
„Gewiß, natürlich. Also, was liebst du denn an deinem Beruf?"
„Ich weiß es nicht, Papa."
Und da Hans es selbst nicht wußte, hatte der Graf es definitiv aufgegebeu, den Schleier dieses Geheimnisses zu liiften.
Heute nachmittag sollte Hans nun endlich eintreffen, und das war nach Meinung des Barons auch die allerhöchste Zeit, denn er konnte diese ewigen Gespräche über Hans kaum noch mit anhören. Sie interessierten ihn um so weniger, als er den jungen Offizier gar nicht kannte Und immer den stummen Zuhörer spielen mußte. Und Wenn die Gräfin ihn mit ihrem zärtlichsten Augenaufschlag, 1— der aber nicht ihm, sondern Hans galt, — fragte: „Nicht wahr, lieber Baron, Sie stimmen mir da doch bei —" so hatte er in das Lob auf ihren Sohn einstimmen müssen, ob er wollte oder nicht.
Heute, am letzten Tag, war auf Schloß Gründingen alles außer Rand und Band, wie er es nannte. Wenn Seine Majestät sich angesagt hätte, selbst dann hätte keine größere Aufregung herrschen können als jetzt. Und aus ihm völlig unverständlichen Gründen fragten ihn die Komtessen: „Nicht wahr, Herr Baron, heute lassen wir den Unterricht ausfallen?"
„Aber warum denn nur?" fragte er erstaunt. „Wir reiten von zehn bis elf — der Zug kommt nachmittags um halb fünf — ba können Sie doch jetzt noch nicht zur Bahn fahren wollen? Und deshalb sehe ich absolut nicht ein, warum wir nicht reiten wollen. Ganz abgesehen davon, daß es für die Pferde gar. nichts taugt, wenn sie einen Tag stehen; sie bewegen zu lassen ist ein Notbehelf, den man nur dann wählen soll, wenn es gar nicht anders geht"
„Ei-gentlich haben Sie recht, Herr Baron," stimmte Alexa ihm bei. „Ich will schnell hingehen und mich umziehen. Kommst d,u mit, Dagmar?"
Der Baron hätte darauf schwören mögen, daß si« es unter irgend einem Vorwande ablehnen würde, heute an dem Unterricht teilzunehmen. Aber er hatte sich geirrt. Ganz gelassen stand sie auf und zerdrückte im Aschenbecher den Rest ihrer Zigarette, dann sagte sie: „Ich denke wie du, Alexa. Komm, wir wollen uns umkleiden. Auf Wiedersehen spätestens in einer halben Stunde, Herr Baron."
Der Baron blieb allein, und etwas ärgerlich stieß er mit dem Fach auf den Teppich. Er hätte sich einmal eingebildet, Dagmar ganz genau zu kennen, und nur zu oft mußte er einseheu, daß sie ihm doch noch eine ganz Fremde war.
Er hatte sich den Sieg über sie doch leichter und den Kampf mit ihr anders vorgestellt! Er hatte an eine neue Auflage der „bezähmten Widerspenstigen" gedacht, er hatte sich gesagt: Dagmar wird dir nicht nur eine stille, sondern eine offene Opposition entgegensetzen, aber du wirst es durch die Macht deiner Persönlichkeit dahin bringen, daß sie schließlich alles tut, was du willst.
Aber mehr und mehr wurde dem Baron klar, daß Dagmar in ihrem Charakter doch wenig Aehnlichkeit mit der Shakespeareschen Katharina hatte, oder wenn sie der doch glich, so hatte sie auf jeden Fall eine andere Kampfes- weise erfunden, denn sie gab immer nach. Für einer, Augenblick blitzte wohl zuweilen in ihren Augen der Widerstand auf, und die schienen daun zu sagen: ich tu genau das, was ich will. Aber dann fügte sie sich doch, ohne auch nur ein Wort deswegen zu verlieren — —.
Der Baron knirschte mit den Zähnen. Dagmar konnte in vieler Hinsicht nicht höflicher und zuvorkommender gegen ihn sein, als sie es war, — und trotzdem lag in ihrem Verhalten eine fast beleidigende Geringschätzung seiner Person. Er mußte ost an sich halten, um sich nicht zu verraten. Aber so eifrig uno aufmerksam Dagmar auch in seinem Gesicht las, sie konnte ihn doch nie ergründen.
Kein anderer merkte etwas von dem stummen Krieg, den sie miteinander führten. Alle hielten das Einvernehmen zwischen Dagmar und ihm für das denkbar beste. Nur sie beide wußten ganz genau, wie sie miteinander standen: jeder wollte den anderen zu seinen Füßen sehen, aber keiner gab nach.
Der Baron wußte genau: wäre er nur ein einziges Mal bei Dagmars Worten so zusammengezuckt, daß sie es bemerkte, — so hätte ein stolzes Gefühl sie durchdrungen, und von dem Tage an würde es ihm tausendmal leichter werden, als jetzt, sie zu gewinnen.
Aber er wollte nicht. Und daß er nicht wollte, daß ihre Pfeile ihn oft getroffen haben mußten und ihn anscheinend Poch nicht verwundeten, oder daß er seinen Schmerz dann wenigstens nicht zeigte, das reizte Dagmar immer aufs neue. Das wußte er, aber trotz alledem. wenn


