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._,J, um. dem unwissenschast-
Muh di« Geistlichen Ritterorden waren in unserer Heimat vertreten. In Marburg saßen die Deutschherrn mit dem Eommenthur an der Spitze, aber in völliger Entartung. Anstatt ihre Privilegien, Macht und Reichtümer gegen den Erbfeind der Christen, die damals mächtig anstürmenden Türken, zu benutzen, verbrachten sie dieselben in Wollust und Schwelgerei Und Opposition gegen den Landesherrn und die staatliche Ordnung. In Grebenau hatten die Johanniter ein« Niederlassung und entsprechen noch am meisten ihrem Zweck durch Ausübung der Krankenpflege. In Homberg an der Ohm soll, nach allerdings unverbürgten Nachrichten, der Templer- orden ansäßig gewesen sein. Dazu kam in Unserer Gegend Noch «ine eigentümliche Neugründung, nämlich der Orden des Heiligen Simplicius, den Abt Johann vön Fulda 1492 sirr die Wchonische Ritterschaft gestiftet hatte Und' an dessen.Spitze U. a. ckuch der bekannte Marschall Simon vön Schlitz stand. Seine Mitglieder waren verpflichtet, jeden Tag, an dem sie das Ordens- Keichen°) trugen, ein Paternoster (lateinisches Vaterunser), maria und den Glauben Kn beten. Im übrigen aber war dieser Orden religiös und kirchlich belanglos. Zu diesen Orden kamen noch viele Kongregationen und L a i e n b ru d e r s cha f t e n, Unter Venen die K a l a n d s b r u d e r s ch a f t e n, ursprüngliche Begräbnis- essenschasten flir ihre Mitglieder, mit ihren üppigen Schmau- en am ersten jeden Monats (den Kalanden) sich sprichwörtlich Semacht haben. Bon geistlichen Studien und wissenschaftlichen Arbeiten der Mönche und Nonnen in dieser Zeit vernimmt man wenig. Nur die Benediktiner in Hersfeld und das Jungsrauenstist zu Wetter machten eine löbliche Ausnahme. Das letztere stiftete zwischen 1460 und 1463 eine Schule, die später zu großer Bedeutung und Blüte kam, tvotz des üblen Rufes, den die Stiftsdamen sonst genossen. Im übrigen aber war es mit Wissenschaft und Bildung unter Klerikern und Laien schlecht bestellt. Nur in Städten wie Alsfeld, Marburg und Grünberg geschah in Stadt- oder Pfarrschulen etwas Nr den Juaendunter- richt. A!uf den Dörfern aber wmchsen Knaben und Mädchen auf, ohne «inen Buchstaben schreiben und lesen zu lernen. In Herbstein zwar wird int Anfang des 15. Jahrhunderts ein rector scholarum Dchulrektor) genannt, aber er scheint nur als Prvtokollschreiber in Herbstein und Umgegend tätig gewesen zu sein. Bon einer -öffentlichen Unterrichtstätigkeit desselben Hört man nichts. Noch In den achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts, als Herbstein schon längst evangelisch geworden war, klagt der Pfarrer Valentin Eckhardt von da, daß von seinen Pfarrkindern keins einen Buchstaben lesen oder schreiben könne.
8) „Sine silberne Halskette mit den Buchstaben H. 8. und der Figur des Ritters, den Lilien der drei Blümlein seines Wappen und sieben Kettlein." Bergt. Hessenkantp, Hess. Kirchengeschichte. Marburg 1852. Bd. I S. 29 und Schannat, Hist. Fuld. 1729. ©. 326. Auch die Stobt Lauterbach führt die Figur des heiligen Simplicius in ihrem Wappen und Siegel.
8) Die Reise eines der Abgeordneten, ivelche der Landgraf in dieser Angelegenheit nach Rom sandte, nämlich des Amtmanns zu Gießen Balthasar von Weitershausm genannt Schrautenbach, kostete dem Landgrafen allein 600 Dukaten.
Von dem Papst Und den Bischöfen geschah nichts, Zerfall der Klöster, dem zuchtlosen Leben und dem unw_______ .. ..
Lichen und ungeistlichen Sinn der Geistlichen und Mönche zu steuern. Mit Ernst und Eifer machten die Landgrafen Borstel- lungen, um Reformen zu erwirken. Insbesondere suchte Landgraf Wilhelm III. von Oberhessen Besserung zu schaffen. Er wandte sich persönlich' an den päpstlichen Legaten in Frankfurt, schickte Bittschreiben und Gesandte nach Rom und sparte keine Schmier- gelder an die einflußreichen Personen in Rom?) Wer es war kein Erfolg zu spüren. Der lasterhaft« Papst Alexander VI. war nicht die geeignete Persönlichkeit, lasterhafte Mönche und Nonnen tot reformieren. Vergebens klagte der Landgraf, daß, so viele Klöster seines Landes von der Ordensregel ganz abgekommen Wären, daß in ihren Mauern keine Spur vön Ehrbarkeit mehr tot finden, daß dieselben vielmehr Schlupfwinkel der Unzucht, Böllerei und Mer anderen Laster geworden wären. Er erklärte schließlich, daß er unmöglich eine so schwere Beleidigung Gottes- Md einen so schändlichen Frevel an dm Stiftern der Klöster, die «och ganz gewiß nicht ihre Güter für fio verdorbenes' Klostervolk hinzugeben beabsichtigt hätten, länger mit ansehen könne. Es blieb dem Landgrafen nichts übrig, als bk Reformen selber in bk Hand zu nehmen. !Deni Konvent von Spieskappel, wo das Zusammenleben von Mönchen und Nonnen KU ganz besonderen Aergernissen geführt hatte, untersagte er die fernere Aufnahme Vön Nonnen. Das Kloster zu Wirberg, wo die ÄUguAnerinnen es gar M arg trieben, wurde M mehrere Jahre geschlossen. «Die Aobte wurden aufgefordert, ihre außerhalb des Klosters wohnenden Mönche schleunigst zurückzurnsen. Das Betteln sollte eingeschränkt werdm, damit die Mönche sich mehr ihrem geistlichen Berufe! widmen könnten. Die schamlosesten Mönche aber wurden zum Lande hinausgewiesen. Neu anzustellende Geistliche mußten sich tzem Landgrafen gegenüber schriftlich verpflichten, daß sie keine Konkubinen halten wollten. Nur ehrbare Werber, die über 50 Jahre alt waren, oder ihre eigenen Schwestern sollten ihnen als Haushälterinnen gestattet sein! Allein bei der moralischen Beschaffenheit des Klerus waren diese Verordnungen schwer dnrchzusühren.
W bedurfte schon eines Herkules, Um Sen Augiasstall bet Kirche M reinigen. Gott sandte ihn, als die Zeit «füllet war. Sern Name ist ®tr. Martin Luther. Das ist eine geschichtliche Tatsache, die all« päpstlichen Enzykliken nicht aus der Welt schaffen können. Und wenn Pius X. noch so sehr die kirchlichen Zustände vor der Reformation zu beschönigm und Luther und di« Fürsten und Völker der Reformation zu verlästern sucht, di« Weltgeschichte wird er nimmermehr auf den Kopf stellen Kinnen.
Dvch bevor wir uns' der von Luther ausgegangenen Erneuerung des Christentums und des deutschen Volkslebens tzu- wenden, müssen wir noch einen Zug der mittelalterlichen Frömmigkeit erwähnen, der uns wie ein Licht in der Finsternis anmutet Und den zu verschweigen ein Unrecht wäre, ich meine, die große! Opferwilligkeit, bte sich nicht bloß in den reichen Spenden an Sie Kirchen Und Klöster und an den Papst, sondern auch in Stiftungen Kr die Armen und Kranken kundgab. Wir erwähnten schon Lobend, daß immer noch einige Orden und Klöster sich in Erinnerung an rhre ehemaligen Ideale der Krankenpflege wid- meten, so die Johanniter und die Tönngesbrüder. Wir können noch hinzuNgen, daß auch die Zisterzienfertnnen von Blankenau schon seit 1288 neben ihrem Kloster ein Hospital unterhielten und mit Gefällen aus Stockhausen und anderen Orten begabt hatten. Aber nicht nur die Klöster, auch die Städte ließen sich Sie Mrsorge für Arme und Kranke angelegen fein. So verwandelten z. B. 1459 Bürgermeister, Scheffen, Rat und ganze Gemeine zu Herbstein -das seitherige städtische Badhaus in ein Hospital zum „gemeynen notzen Armer, kranker vnde dürftiger sicher Lute, dy sustt kehn behelff aigen haben, vude auch aiwit elende bilgerin zu Herbergen eyn nacht adir zwo vnde nicht länger Vngefährlichen". !Das Gebäude ist heute Sitz eines Amtsgerichts. Der Hospitalsonds ist ebenfalls noch vorhanden, aber nur katholische Arme werden Kr würdig befunden, daraus unterstützt zu werden. Auch die anderen Städtchen unserer engeren Heimat, wie Lauterbach, Alsfeld und Schlitz scheinen ähnliche Stiftungen Kr Arme Und Kranke gehabt zu haben. In Grebenau waren 6—7 adlig« Ordensbrüder mit der Krankenpflege beschäftigt. Man darf aber an diese Hospitäler ebensowenig wie an die früheren sogenannten! „Seelenbäder" (d. h. zum eigenen Seelenheil für arme Aussätzige gestiftete Freibäder) den Maßstab mot)enter Hygiene und Barin- herzigkeitsübung anlegen. Man baute und unterhielt solche Anstalten nicht, um den Armen und Kranken nach bestem Wissen und Können in herzlichem Mitgefühl zu helfen, sondern um Plätze zu haben, wohin man die lästigen Armen und Kranken abschieöen konnte, und um zugleich der eigenen sündigen Seele durch solche! frommen Stiftungen die Anwartschaft auf einen Platz im Himmel zu verdienen. Auch über der Barmherzigkeitsübung des Mittelalters lag der Fluch der Selbstsucht und der Unkultur. Wahr« selbstlose Liebe und reine BarmherzigkeitMbung, die nichts für sich, aber alles Kr beit armen Bruder und die kranke Schwester will, konnte erst erblühen, auf dem Boden des durch Luther wieder entdeckten .Evangeliums.
(Fortsetzung folgt.)
Die blinden Hessen-
Im Anschuß an die interessanten wissenschaftlichen Aus- Mrungen des Professors Dr. Stuhl über den Ursprung des Wortes, von den blinden Hessen sei im Folgenden eine spaßhafte Erklärung des vielgebrauchten Beinamens wiedergegeben, die die Entstehung des Namens allerdings in die neueste Zeit.verlegt. Die humorvolle Geschichte wird dadurch nicht im geringsten beeinträchtigt.
„Hannes, erzähl uns emol die Geschicht vom Krieg 66. Pu host fe schun lang nit mehr zum beste gebe und der Herr Postverwalter möcht se gern «mol höre!" —
Der Hannes tat eilten kräftigen Zug aus seinem Glas und klemmte die kurze Pfeife fester in den Mundwinkel, nachdem er sich den grauschwarzen Bart zurechtgestrichen hatte.
„Dös könne mer schon mache!" sagte er bedächtig. „Aber wann Sie vielleicht en verkappter Preis sin, dann sagen Sies lieber vorher, denn die Malefizkerl komm« nit gut debei eweg."
„Der Hannes kann «mal die Preise nit leide!" sagte der Gastwirt lachend und stellte ein neugesülltes Glas vor ihn auf den runden Tische, über dem eine große Erdöllampe hing.
„Weil du ihne nach so gut Freund bist!" erwiderte der Hannes. „Wer horscht zu; ich will euch die Geschicht erzähle wie fe gewesen ist."
Er lehnte sich auf der Bank zurück, grub die Hände in die Taschen und begann:
„Es war im Sommer 1866. Ter hessische Kriegsminister Verglas hat gemütlich bei seinem Glas Wein in einem Tarnk- städter Gasthaus gefeffe und in de Zeitunge geblättert. Rund herum an den andere Tisch habe noch mehr Gäst gefeffe und habe sich über die Preiße unterhalte unb obs vielleicht Krieg gab. Der Minister yot die Ohre gespitzt, und weil er gemänt hat, er müßt auch etwas reden und «S wäre gut, wenn ex was reden tüt, da ist er aufgestanne und hat gesagt: Mein« Herrn! hat er gesagt. Es gibt rein Krieg, denn wanns Krieg gab, dann müßt ichs doch wissen, denn für was bin ich dann Kriegsminister! So hat er gesagt. Nachher aber hat er gedacht, es wär doch viel-


