vermischtes.
* Dichter und Ostereier. Daß Goethe, der stets vie Liebe und Freundlichkeit iür die Jugend zeigte, auch beim Osterfest der Kleinen gedachte und für sie Ostereier versteckte, ist wenig bekannt. Wir erfahren es durch den Dichter Friedrich von Matthisson, der davon in seiner Autobiographie erzählt. Matthisson,.der damals als Lehrer des Dessauer Philanthropms tätig war, kam im Jahre 1783 auf einer Reise nach Weimar. Er erzählt: „Goethe gab ein Kinderfest in einem Garten außerhalb der Stadt. Es galt Ostereier auszuwittern. Die muntere Jugend, worunter auch kleine Herder und Wielande waren, zerschlug sich durch den Garten und jubelte beim endlichen Entdecken der schlau verborgenen Schätze. Mitten in der mutwilligen Gruppe erschien Goethe als
Avril — das altpersische Frühlingsfest Nenrnz, bei dem auch aesärbte Eier verschenkt wurden. Bei den slawischen^^Stammen wurden bei dem Frühlingsseste Leinice rote Eier verschenkt, und bei den germanischen Stämmen frndet sich gleichfalls seit alters her die SÜtezurOsterzeit, d. h. beim Begrüne des Frühlings, nicht auf die allzu mythologische Göttin Ostara und den ihr heiligen Hasen zurückzugreifen, um dre Erklärung für die Sitte des Ostereischenkens zu finden,dennsie tte^ - "Eg für selbst: mit dem Beginne des Frühlings
beginne?'dZ Hühnkr ^eder fleißig Eier zu legen und es harscht UebeMuß an Eiern; ebenso ist die Legezeit vieler wilder Vogel, deren Eiern man nachstellt. Tas Christentum hat die heidnische Sitte des Ostereischenkens bereitwillig übernommen, zumal da sie sich mit seiner Symbolik trefslich vereinigen ließ; dazu kam noch daß beim jüdischen Passahfeste das Ei als Speise eine bedeutende Rolle spielt. Tie christliche Symbolik stimmt mtt der allgemeineren Symbolik ziemlich überein, die das El als Sinnbild ^er Nenbelebung der Welt, des Auferstehens, betrachtet. Ter Vergleich, Christus sei am Ostermorgen aus dem Grabe auferstanden, wie das junge Küchlein aus dem Ei, findet sich bei theologischen Schriftstellern, und Binterim fasst wörtlich: ..Wie alles aus dem Ei Mm Leben hervorgeht, so Ft auch kern Atter, kein Geschlecht unter den Menschen, das nicht durch die Auferstehung Christi zu neuem und besserem Leben auferstehen soll, und wie aus dem Ei, wenn es mit Erde bedeckt und erwärmt wird, lebende Geschöpfe hervorgehen, so hat der aus dem Grabe erstandene Erlöser auch uns als ferne Kinder erzeugl
Tie Symbolik des Ostereis geht noch werter:, Rot und Gelb, Farben, die ursprünglich bei den bemalten Ostereiern am meisten verwendet wurden, sind die Farbe der Sonne; das Grün, Mit dem das Osterei bemalt wird, ist die Farbe des FEutgs und hierzu gibt es noch eine christliche Symbolik, die sich bei den Christen in Mesopotamien findet. H Y d e hat dort erfahren, daß die rote Farbe, mit der das Ei bemalt wird, zur Erinnerung an das vergossene Blut Christi verwendet wird. Die Sitte, Ofteteier zu bemalen, Hat sich in alter Zeit wett verbreitet und ist , als eine Art Hausindustrie zu hoher Blüte gelangt. Die urspnlng- liche Technik der Bemalung ist dabei recht einfach. Tie Rinde des Apfelbaumes, in Wasser gekocht, lieferte ursprünglich dre gelbe Färbung, die als Grundfarbe diente. Hierauf wurden mtt Wachs die Stellen bedeckt, die nun beim Kochen mit Zwiebelschattn tn Wasser nicht gerötet werden sollten. Dann wurde das Wachs wieder weggewischt, und auf dem jetzt gelb und rot bemalten Ei konnte die eigentliche Malerei beginnen, bei der Ornamente mtts ganz urwüchsigen Werkzeugen eingeritzt wurden. Blumen, Hauser, Menschenbildnisse, Symbole der christlichen Kirche, ja auch Verse wurden früher häufig auf Ostereiern angebracht, und m manchen Gegenden hat sich die Sitte noch erhalten.
In manchen Dörfern des Ostens pflegten besonders Frauen die Hausindustrie des Ostereibemalens in ziemlich großem Maßstabe zu betreiben. Eine bisher ungelöste Rätselfrage ist es, weswegen man die Ostereier gerade auf den Osterhasen zurückfuhrt. Ter Zusammenhang mit Ostara und ihrem Hasen ist, tote bereits oben angedeutet, durchaus zweifelhaft: übrigens gibt es auch andere Tiere, die im landläufigen Glauben die Ostereier bringeii. Rach Reichardts Angaben ist es in eilnigen Landstrichen der Hahn, vielleicht aus Hase verdorben, der die Ostereier bringt. In Westfalen ist der Storch so freundlich, dies zu tun, tn Solling tut es der Kuckuck. Diese beiden letzten Angaben sind durchaus einleuchtend, weil Storch und Kuckuck als Frühlingsboten betrachtet werden. Nach einer namentlich in Frankreich wett verbreiteten Lesart stammen die Ostereier gar von den Ktrchen- glocken, die in der Karwoche nach Rom ziehen, um dort gesegnet zu werden. Im Fluge durch die Lust lassen sie dann auf dem Rückwege für die Kinder Ostereier zu Boden fallen. ,
Jedenfalls ist der Osterhase als Bringer der Ostereier eine ziemlich junge Errungenschaft. In älteren Büchern, ,z. B. Christof von Schmids „Ostereiern" ist von 'bunten Eiern viel, aber vom Osternhafen gar nicht die Rede, und überdies gibt es noch Landschaften, namentlich im Gebirge, in denen die Leute vom Osterhasen noch kaum gehört haben. Holtzmann erklärt tn seiner deutschen Mythologie, ihm sei der Osterhase unerklärlich.
ein wohlgewogener, aber ernster Vater, oer zugleich Ehrfurcht und Liebe gebot. Ihre Spiele teilend und leitend, blieb er, btS es Abend ward, unter den Kindern." — Eduard Mörik« pflegte Ostereier mit Berschen zu beschreiben für seine nächsten Angehörtgen. Eins dieser Ostereier-Berschen ist erhalten geblieben. Es lautet:
„Ostern ist zwar schon vorbei, Also dies kein Osterei l
Doch wer sagt, es sei kein Segen, Wenn im Mat die Hasen legen? Aus der Pfanne, ans dem Schmalz Schmeckt ein Eilein jedenfalls, Und kurzum, mich tät's gaudieren, Dir dies Ei zu präsentteren, Und zugleich tat es mich kitzeln, Dir ein Rätsel draufzukritzeln.
Tte Sophisten und die Pfaffen Stritten sich mit viel Geschrei: Was hat Gott ztierst erschaffen, Wohl die Henne? Wohl das Ei? Wäre das so schwer zu lösen? Erstlich ward ein Ei erdacht I Doch tueil noch kein Htihit gewesen, Schatz, so hat's der Has' gebracht." .
kf. Die Mode des M ä n n e r ar mb and es scheint wieder aufleben zu wollen. Aber während man sich früher darauf beschränkte, einen einzelnen Reif um das Handgelenk zu tragen, werden jetzt mehrere juwelengeschmückte Armbänder angelegt. Man sagt, daß ein russischer Großfürst die neue Mode an der Riviera zuerst aufgebracht habe. Selbstverständlich haben sich sofort zahlreiche Nachahmer gefunden. Daß diese Mode zugunsten der Männer spricht, kann man gerade nicht behaupten!
* Ideale Schwiegermütter. Alljährlich iM Frühjahr feiert man in Indiens Frauengemächern Familienfeste, bet denen es hoch hergeht — die sogenannten „SchwiegersohnsMte Die Schwiegermutter veranstaltet nach altem Brauche M Ehren ihrer Schwiegersöhne diese Schmauserei, bei der die Teilnehmer mit Leckerbissen geradezu gestopft werden sollen. Die Zärtlichkeit der indischen Schwiegermutter gegen den Mann ihrer Tochter ist dortzulande überhaupt etwas Sprichwörtliches. Doch nicht int Wnnderlande Indien allein gibt es solche idealen Schwiegermütter. Auch in anderen östlichen Ländern stellt der Volksmund dte Schwiegermutter hin als eine Persönlichkeit, die es, sich angelegen sein läßt, den Eidam zu verwöhnen, demütig zu bedienen und sein« Besuche festlich zu feiern. „Bei der Schwiegermutter ists hell, alles ist für den Eidam Mr Stell'," sagt das russisch« Sprich, wort, oder es heißt spottend: „Der Eidam ist vor der Tür, nun herbei mit Schnaps und Bier — der Eidam ist vor der, Klet^ nun her mit der Pastete!" Ja, weil die russische jömtertn sich gegen den Manu ihrer Tochter meist in Liebenswürdigkeiten geradezu überbietet, erhielt eine Art besonders süßer Eierkuchen sogar den Namen „Schwiegermütterchen". Auch Serbien tft ent gutes Land für Schwiegersöhne. Hat der Sohn des Hauses Verlangen nach einem besonders guten Gericht, so veranlaßt er seine Mutter, den Schwager einzuladen, denn dann kommt mit Bestimmtheit das Erlesenste auf den Tisch. Nicht anders! steht es bet den modernem Griechen. Ein neugriechisches Sprichwort, das Prof. O. Schrader in seiner Abhandlung „Die Schwiegermutter und der Hagestolz anführt, lautet: „Für den Schwiegersohn legt auch der Hahn.Eier, Ur den Sohn nicht einmal die Henne." Leider darf man,aber tnt Anschluß an das eben Gesagte nicht berichteit, dass tn jenen Ländern die Schwiegersöhne sich dieser idealen Schwiegermütter würdig erweisen. Je besser die Eidame behandelt werden, desto rücksichtsloser und anspruchsvoller wird ihr Gebühren, und namentlich in Rußland bedankt der Schwiegersohn sich bei der Schwiege^ mutter für alle ihm erwiesenen Guttaten nicht selten mtt dem birkenen Knüppel.
* „Er"! Pikkolo (als das Büfettfräulein mit ihm grob isttt „Und da wundern sich die Weiber, wenn wir Männer keine Lust zum Heiraten haben!"
Sitatenrätsel. , t .
Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Der Krieg ist schrecklich rote des Himmels Plagen.
2. Der Menschen Sünden leben fort in Erz; Ihr edles Wirken schreiben, wir in Wasser.
8. Dies Kind, kein Engel ist so reinl
4. Seit außer Kurs die Tugend ist--•
6. Scheint die Sonne noch so schön, Einmal muß sie untergeh'n.
6. Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hmnen. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Danae — Ebers - »hodns — Fanta — Regensburg - Elbe — Illyrien — Haiti — Else — Interdikt;
Der Freiheit eine Gasse.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße»


