Ausgabe 
6.1.1912
 
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Vielleicht war alles doch «in Irrtum. Me Spannung tn den Zügen des Greises hatte schon wieder nachgelassen. Er gab auch kein Zeichen des Verständnisses. Nur die Lippen bewegten sich und lallten unverständliche Silben.

Ich will den Justizrat holen" wiederholte Gu- darcza, diesmal zu dem Pfleger gewandt. Er streichelte noch einnial die Hand des Alten, als ob er ihm etwas ab- zubitteu hätte, und bann ging er. An der Tür aber kam ihm Lohberg nach.Herr Major verzeihen," sagte er leise, es hat wirtlich keinen Zweck. Selbst wenn wir recht ver-- standen haben vorhin, verfügungsfähig ist der Herr aus keinen Fall. Ich kenn das doch"

Einen Moment stutzte Gudarcza. Dann schüttelte er ben Kopf, eilte durch den Korridor, riß den Hut vom Haken und stürmte auf die Straße. Nicht einmal Ida hatt er benachrichtigt.

Als er zwanzig Minuten später mit bem alten Justiz­rat zurückkehrte, trat ihnen im Flur der Arzt entgegen. Mit der feierlich ernsten Miene, die ganz Körlin an Weick- Hardt in solcher: Lagen kannte, und mit hochgezogenen Achseln:Es ist vorbei, Herr von Gudarcza," sagte er. Ich kam vor einer Viertelstunde qrad noch zum letzten Atemzug. Er ist ganz sanft entschlafen

2.

Sie waren vom Matthäi-Friedhof znrückgekehrt, von der Beerdigung.

Frau von Gudarcza saß auf dem Sofa des Heinen Hotelsalons, der Major daneben auf dem schmalen Fauteuil; beide recht erschöpft. Die Kinder standen am Fenster. Eberhard in großer Uniform, Friedel im schwarzen Geh­rock, Dorothee in dem etwas mühsam znsammsngesnchten dürftigen Trauerkleide. Nur Signe fehlte. Wer auf dem Tisch vor den Eltern lag die Depesche, die ihr Kommen meldete. Die Zeit war für ein rechtzeitiges Eintreffen zu kurz gewesen.

Sie sprachen in leisem, gedämpftem Ton. Von dem lieben Verklärten, von der Trauerfeier.

Fast jeder hatte vom Onkel Reinhard einen besonders hübschen Zug zu erzählen. Er war doch ein prächtiger alter Herr gewesen, bei allen seinen Eigenheiten. Die Neffen gestanden erst jetzt, wie oft er ihnen geholfen hatte: manchmal mit Brummen, manchmal unter Beigabe eines Kernfluchs, manchmal aber auch freiwilligeinfach groß­artig," meinte Eberhard. Aber als Friedel hinzusetzte: Na, er hatte es ja auch dazu!" schüttelte der Vater den Kopf:Das hätte ich lieber uicht gehört/ Mancher hat's auch und hält immer die Hand anfs Portemonnaie."

Die Trauerfeier war ganz klein gewesen. Viel Be-- kannte hatte der Onkel Wohl nicht in Berlin gehabt; auch war jetzt, im Hochsommer, alles verreist. Nur sie, die ein­zigen Verwandteil ja, und dann ein paar ältere Herren. Der eine hatte sich dem Major vorgestellt:Senator Brügge aus Neustadt". Man hatte einige wenige Worte gewechselt.Onkel hat immer aus sein Nest geschimpft, Mord und Brand," sagte Friedel,mal im vorigen Früh­jahr ist er drüben gewesen und erzählte mir nachher beim Glase Wein davon. Gelacht hat er über die Kleinstädter, zum Kobolzschießeu. Da ist's doch hübsch, daß sie ihn nicht vergessen haben. Na, er wird ihnen eben imponiert haben und fein Geld."

Der Major hatte aufgesehen, fast als ob er etwas einwerfen wollte. Wer er ließ den Kopf wieder sinken und schwieg. Das Gespräch flaute ab, schlief allmählich ein. Die Eltern waren müde. Es hatte gar zu viel zu überlegen, zu ordnen gegeben. Wenn auch Eberhard ihnen hier in Berlin das Aeußerliche abnahm, es blieb doch vielerlei, was man ihm nicht überlassen konnte.

Vielleicht dachte nur Dodo ganz an beit Onkel, an ihn allein. Dachte auch nur an ihn, während sie zum Fenster hinausstarrte aus das rasende, rauschende Treiben Änteu auf dem Potsdamer Platz, das ihr so ganz neu war. Eie war noch niemals in Berlüt gewesen.

Einmal sagte der Vater ganz unvermittelt:Rasch tritt der Tod den Menschen -an"; und ein andermal die Mutter:Kannst du mir nicht eine Tasse Bouillon besorgen, Eberhard. Mir ist entsetzlich flau."Und mir ein Glas Portwein, bitte," ergänzte Friedel.

Eberhard schellte und bestellte etwas Frühstück. Vater schüttelte zwar wieder den Kopf, aber nachher trank er auch ein Mas Wein und ein Brötchen. Und las da­zwischen immer wieder Signes Telegramm. Ganz kttrz

und knapp:Dienstag nachmittag 5,50 Potsdambahu, Signe." Die Telegrammkürzung Potsdambayn imponierte ihm besonders.

Friedel und Eberhard flüsterten miteinander. Dann kam der Aelteste plötzlich an den Mitteltisch, zog sich einen Stuhl heran, setzte sich neben den Vater und sagte:Wir müssen doch einmal darüber reden, lieber Papa. Ich war natürlich in Onkels Wohnung, um seine Papiere heraus- zusuchen wegen der Begräbnisformalitäten. Und war nachher auch bei seinem Rechtsanwalt, Justizrat Las- cow, weißt du. Nun, Onkel hat fein Testament hinter­lassen"

Aber, Eberhard. . Vater erhob abwehrend die Hand.Laß das doch jetzig Und auch Muter meinte: So unmittelbar nach der Beerdigung. . ."

Ick sehe wirklich nicht ein, warum wir nicht dar-, über reoen sollen," fuhr Eberhard fort.Es sind das Dinge, die man gar nicht umgehen kann, und es tut doch unsrer Liebe zu Onkel Reinhard keinen Abbruch, wenn wir davon sprechen. Nicht wahr, Friedel? Mso ich war bei dem Rechtsanwalt. Onkel hat ein paarmal mit ihm über fein Testament gesprochen. Bor der Abfassimg scheint er aber geradezu eine Abneigung, scheint er Furcht gehabt zu haben. Es gibt ja solchen Aberglauben: machst du dein Testament, so mußt du bald sterben. Der Rechtsanwalt erklärte mir, Onkel habe von einer größeren Stiftung für seine Vaterstadt gesprochen. Merkwürdig genug, wo er doch immer über die Posemuckler, die Schildaer spottete"

Onkel hatte trotzdem sehr viel Heimatsliebe," warf der Major ein. Es kam sehr bedrückt heraus. Noch nicht auf eine Minute war er seit dem Tode Reinhards die Erinnerung an die letzte Viertelstunde vor dem Sterbebett losgeworden, an das ringende Suchen des. Kranken nach den paar Worten, an den gequälten Ausdruck in seinen Zügen. Das alles lastete geradezu auf ihm.

Mag sein, Papa. Wir haben aber nur mit der Tat­sache zu rechnen: wir sind die Universalerben. Pardon, liebe Mama, natürlich du! Es wird ein tüchtiges Stück Erbschaftssteuer kosten, aber nun, warum sollte ichs nicht aussprechen: der Juskizrat Lascow meinte, Onkel sei noch viel reicher gewesen, als man aiigenommen.hätte. Etwas Bestimmtes könnte er natürlich nicht sagen, aber er schätze den Besitz auf mindestens sechs bis acht Millionsn Mark."

Es war ein tiefes Schweigen im Zimmer. Fast feierlich verklangen die letzten Worte Eberhards im Raum. In den ersten Augenblicken wirkten sie wie lähmend. Die Eltern zumal könnten die Höhe der Summe, die der Sohn genannt, gar nicht fassen. Sie war zunächst für sie nur ein leerer Begriff, hinter dem ihnen aber doch etwas Un­geheuerliches zu stehen schien, etwas Erdrückendes.-

Fran Ida hatte die Hände int Schoß unwillkürlich ge­faltet.Lieber Gott," dachte sie,also hat nun wirklich das Darben und Knapsen ein Ende. Daß du das noch einmal erleben solltest, nach all den Entbehrungen des Daseins! Daß Dir für den Rest deiner Tage noch ein sorgenfreies, ganz sorgenfreies Aller winkt!"

(Fortsetzung folgt.)

Die Mersgeführ im haushalt.

Durch fahrlässiges Umgehen mit Feuer und Licht wird täg­lich Unheil angerichtet, das zu verhüten Jeder bestrebt jein soll. Nicht oft genug kann auf die Gleichgültigkeit gegen Feuers- gefahr belehrend und warnend hingewiesen werden. Die mannig­faltigsten Ursachen können Bränden in der Wohnung zugrunde liegen. Die Mehrzahl solcher Brände lassen sich mit Leichtig­keit im Augenblick des Entstehens unterdrücken. Voraussetzung ist natürlich, daß das Feuer zeitig genug entdeckt und ihm' sofort mit geeigneten Maßnahmen entgegengetreten wird. Ist, indessen das Feuer bereits zu Hellen Flammen angewachsen, die man nicht sofort löschen kann, so benachrichtige man unter allen Umständen schleunigst die Feuerwehr.

Die Hatiptursache der vielen Brände liegt in den Einrich­tungen der Häusex. Die Brandstatistik zeigt, daß in den Häu­sern mit ZeMralheizung die Zahl der Brände beträchtlich herab- geMindert ist, gegenüber Häusern mit Ofenheizung. Der Ofen ist naturgemäß ein gefährlicher Brandhero. Er muß stets gut bewacht iverden, damit nicht glühende Kohlen herausfallen, die Teppiche und Dielen in Brand setzen können. Der Ofen kann auch durch Ueberhitzen oder zu frühes Schließen der Tür leicht platzen. Man vermeide es, Kleidungsstücke oder Wäsche in seiner Nähe zum Trocknen aufzuhängcn, da diese leicht Feuer