Ausgabe 
5.12.1912
 
Einzelbild herunterladen

764

druck entsteht, dann strömen eisige Luftmasten m lebhastem Nord­oststrom über Deutschland und tragen bte Kalte von Osten bis nach dem Westen des Reiches, manchmal brs weit nach Frankreich und sogar über den Kanal nach England. <vS,t eine !L>chneeoecke in Deutschlaiid vorher zur Bildung gekommen, dann verstärkt sich der Frost noch an Ort und Stelle durch die starke Wärme­ausstrahlung der Schneeslache. Dann kann auch der uns uie Temperatur bis 20 Gr. Kälte sinken. Es ist dies eine wahrhaft russische Kälte, ihrer Stärke wie ihrer Erstehung nach, toa sank am 10. Dezember 1879 das Thermometer selbst tm warmen Rheingebiet aus 19 Grad. Ducham 8. Dezember -8 1 25 Dezember 1870, 29. Dezeniber 1887 wurden ähnliche Kälte­grade beobachtet. Im Durchschnitt treten im Dezeml^r nur 7 Eistage (höchste Tageswärme unter 0 Gr.) und 16 ro,t- tage (Nachtteniperatur unter 0 Gr.) ein. Eine be; andere Aiw- nahme machte der Dezember 1879 mit 29 Frosttagen; dagegen hatte derselbe Monat 1868 nur einen einzigen Frosttag. Am häufigsten kommt im Dezember eine Tagestemperatur von 1 2 tpr. Wärme vor; die Tage mit Tau wett er sind allgemein häu­figer als die Tage mit Frost. Die tiefsten Temperaturen werden am häiifigsten am 30. d. Mts. beobachtet. ,

Im Groß Herzogtum .Hessen wurden, im Zeitraum 19011910 folgende Monatstemperaturen gemessen: Darm­stadt 1.8 Grad, Gießen 1.2 Gr B ad-Nau het m 10 Gr., Mainz 2.2 Gr., Offenbach 1.4 Gr., Michelstadt 1.2Gr., Schotten 0.5 Gr., Worms 1.8 Grad. Mit Beziehung auf Mittelgebirge (Vogelsberg und Odenwald) kann man eine Temperaturabnahme von 0.7 Gr. für je 100 Meter Erhebung ansetzen, so daß die Höhen oberhalb 700 Meter eilte Monats­temperatur von 2.5 Grad Kälte und darunter bentzen. Die mittlere Frostgrenze verläuft in einer ungesähren Hohe von 350 Meter. Charakteristisch für den Wärmegang im Dezember ist die Neigung zu stärkerer E r w ä r m u n g in der ersten Monatshälfte, die in ganz Westeuropa zu beobachten ist. Die mittlere Temperatur pflegt nicht, wie es der sinkenden Sonne entspräche, vom 1. Dez. an gleichm ä st i g a b zunehmen, sondern in großen Sprüngen mit W ä r m e rücktällen zu sinken. Während die langjährige Mitteltemperatur des 3. Dez. 1-0 Mad beträgt, finden wir am 6. 2.1 Gr., am 14. 1.8 Gr., 15. 2.0 Gr., 16. 1.8 Grad. Erst vom 17. an sinkt die Temperatur unter die des 3. und nimmt nun rasch und gleichmäßig ab. Die Ursachen dieser anormalen Erwärmung sind noch unberannt. Auch in Hosten tritt diese Erwärmung deutlich in die Erscheinung. Mittel- temveratur 1901-1910: Gießen 2.-6. Dez. 1.7 Gr., 7.-11. Dez. 2,4 Gr., 12.-16. Dez. 2,1 ®r-, lo21. Skj. 1.2 Gr.; Schotten: 2.6. Dez. 0.9 Gr., 7.11. Dez^l.8 Gr., 12.-16. Dez. 1.6 Gr., 17.-21. Dez. 0 6 Gr; Mainz: 2.-6. Dez. 2.9 Gr., 7.-11. Dez. 3.5 Gr., 12.16. , Dez. 3.0 Gr., 17.-21. Dez. 2.3 Grad. Der Dezember ist der n e b e l r e i ch st e und t r ü b st e Monat des ganzen Jahres. Nur 23 heitere Tage dürfen im Flachlande Mittel- und Luddeuftch- lands erwartet werden. Auch bezüglich der Anzahl der Nieder- schlagstage steht der Monat an erster Stelle, doch sind die Niederschlagsmengen selbst wegen der geringen Kraft der Sonne nicht besonders ergiebig. Schneetage dürfen im warmen Rhem- tal etwa 56 mal im Monat durchschnittlich erwartet werden. Der kalte Dezember 1878 brachte aber allein 16 Schneetage, während der Dezember 1868, 1873, 1888, 1898 völlig schnee­frei blieb. An rund 8 Tagen liegt normalerweise morgens eilte Schneedecke, 1879 aber an 30 Tagen. In den Mittelgebirgen oberhalb 1000 Meter steigt die Anzahl der Tage mit Schneedecke auf 31 und nur ausnahmsweise in besonders milden Wintern sind diese Gebirge schneefrei. Die Schneedecke kann bereits einen Meter Höhe erreichen.

Für Hessen seien im folgenden nach den Jahrbüchern des Großherzoglichen Hydrographischen Bureaus die mittleren Niederschlagshöhen in Millimeter, die Mzahl der Niederschlagstage sowie die Anzahl der Schneetage in Klammern mitgeteilt: Worms 32 Millimeter, 9 (4); Mainz 36 Milli­meter, 10 (4); Lindenfels 71 Millimeter, 13 (7); Gerns­heim 36 Millimeter, 10 (3); Felsberg 78 Millimeter, 12 (6); Darmstadt 47 Millimeter, 10 (5); Schotten 70, 12 (7); Grünberg 60, 12 (6); Bad-Nauheim 47, 10 (5); Herchenhain 106 Millimeter; Gießen 75 Millimeter, 9 (6); Grebenhain 101, 14 (9); Herbstein 97, 12 (10).

Der vergangene November war in den meisten Gegenden in seiner . Temperatur etwas zu kühl. Die ersten 10 Monatstage hatten eine zu geringe Luftwärme, die aber im ganzen Monatsmittel durch die wärmeren übrigen 20 Tage nahe kompensiert wurde. Für Frankfurt a. M. berechnet sich das Monatsmittel auf rund 4 Grad gegen 4.6 Gr. normal. Berlin hatte 3.1 Gr. gegen 4.0 Gr. normal. Das Monats- nnttel der Temperatur um 8 Uhr morgens betrug in Metz 2.7 Grad, Karlsruhe 3.2 Gr., München0.3 Gr. (zu kalt). Die entsprechenden Niederschlagsmengen erreichten 41 bezw. 56 und 47 Millimeter. Charakteristisch für den diesjährigen November war das häusige Fortschreiten der westlichen Zyklonen in rein östlicher Richtung. Dadurch kamen über West- und Mittel­deutschland öfter kühle West- und Nordwestwinde zur Entwick­

lung, die in ganz Ostdeutschland und auch im Nördlichen Mittel­deutschland wiederholt Schnee brachten. Die Mittelgebirge oberhalb 700 Meter trugen etwa vom 10. ab eine tiefe, ge­schlossene Schneedecke, die zur Ausübung des Wintersports reich­lich Gelegenheit bot und durch die Schneefälle zu, Anfang des Dezember noch erheblich verstärkt wurde. Das frühe Eintreten der Schneedecke im Gebirge kann als günstiges Vorzeichen für einen dem Wintersport sehr geeigneten Winter aufgefastt werden. Auch Sie allgemeine europäische Luftdruckverteilung deutet dar­aus hin. _____________

wie seribe dar Luftspieischreiben ausgelrieben werden feilte.

Bevor Seribe endgültig in die Reihen der Lustspieldichter ging, war er der Gehilfe eines Rechtsanwalts, eines Herrn Guil- lonnet-Merville, der auch die Ehre gehabt hatte, Honorä de Balzac beschäftigt zu haben, auf den er jedoch nie gut zu sprechen war. Hingegen war Seribe bei ihm so etwas wie Hahn tm Korbe; eines allerdings konnte er an ihm nicht billigen, und das war seine große Vorliebe für das Theater und alles, was mit diesem zusammenhing.Diesem jungen Manne wird es noch mal schlecht ergehen", pflegte er von Seribe zu sagen,und das ist schade um ihn; denn er ist ziemlich intelligent."

Eines abends, so berichtet der ,Lntermediaire des Chercheurs et des C irieitj" erfuhr der Rechtsanwalt, daß ein kleines ein­aktiges Lustspiel aus der Feder seines Gehilfen in einem Theater zur Ausführung gelangen würde. Diesmal wollte er .ihm aber gehörig den Kopf waschen; galt es doch, ihn entweder zu retten, oder, wie er vermeinte, ins Verderben rennen zu lassen. Mit Hilfe seines Bruders, der Rat am Kassationsgerichtshofe war, verpflichtete Herr Guillonnct-Merville für den Abend der Lust- spielaufführung eineClaque", die nach Leibeskräften zischen, pfeifen und Radau machen mußte. Das Stück siel durch. Als Seribe am anderen Morgen im Bureau erschien, sprachen sein Vorgesetzter und dessen Bruder ihm ihr tiefstes Beileid aus, und legten ihm ans Herz, doch Einkehr bei sich zu halten und lieber in seinem Berufe ein tüchtiger Mann zu werden, als mit der­artigen Schreibereien die Zeit zu vertändeln. Seribe hatte die beiden Heuchler im Theater wohl bemerkt und ihm schwante etwas von ihren Listen. Er wandte sich an den Rat:Aber Herr Rat, weshalb wollen Sie mich denn so niutlos machen? Ich glaubte. Sie haben sich auch früher mal als Lustspieldichter versucht und einen ganz netten Erfolg gehabt."Ach!" bekam er zur Antwort,das waren so Jugendsünden, die man im Alter ver­acht. Uebrigens ist mein Lustspiel nie zur Aufführung gelangt " Da bin ich aber neugierig, das Erzeugnis Ihrer Must einmal zu sehen," warf Seribe ein. Der Rat ließ sich nicht lange nötigen; er pertraute ihm das Manuskript an. Nach einigen Tagen gab Seribe «s ihm wieder. Gleichzeitig aber machte er ihm folgendes Geständnis: ,Hch muß um Ihre Ver­zeihung bitten; aber ich habe wieder einmal ein Lustspiel ver­brochen, und ich bitte Sie, der Erstaufführung beizuwohnen, Falle ich auch mit diesem Lustspiel herein, so schwöre ich, daß ich die Finger von der Dichterei lassen werde." Tie beiden Brüder willfahrten dem Wunsche des jungen Lustspieldichters. Wer aber beschrecht das Erstaunen des Rates, als der Vorhang hochgeht und Szene für Szene sein eigenes Lustspiel aufgeführt imrb; gerade nur die Namen und -einige Kleinigkeiten waren geändert worden. Das Stück errang einen vollen Erfolg. Als man den Autor sehen wollte, erklärte ein Schauspieler, daß dieser anonym zu blechen wünsche. Am anderen Morgen beglückwünschten die Brüder Guillonnet den jungen Lustspieldichter zu seiner geist­reichen Rache und rieten ihm, den Beruf zu ergreifen, zu dem ihn sein Herz ziehe.

humoristisches.

"Auch eine Annehmlichkeit. Dame:Ich finde, daß das Reisen in England bedeutend angenehmer ist wie bei uns." Baron:Ich auch, Gnädigste: bin monatelang dort gereift ohne jemals einem Gläubiger zu begegnen."

* Frommer Wunsch. Dieb (auf 'dem Jahrmarkt):O, das ich tausend Hände hätte."

4. Schwimmvogel.

Auflösung in nächster Nummer.

Magisches Auadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die. Buchstaben A B B E E E E L L N X 0 0 0 T T derart einzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Einen Strom.

2. Französische Stadt.

3, Ein Fahrzeug.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Bahn, Sa hn.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Nerlgg der Briihl'schei> Uni»->rsitäts-Buch- und ©feinbmeterei, R. Lanae, Gießen»