Ausgabe 
5.10.1912
 
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Samstag, den 5. Moder

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II

Die Dame im Pelz.

.Roman von Gk W. Appleton.

(Nachdruck verboten.!

(Fortsetzung.)

Ich sollte meinen, die Kaltblütigkeit ist ganz auf Ihrer Seite, erwiderte er. Hüben Sie die Bekanntmachung ge­lesen, worauf dieser Herr Bezug genommen hat?

Jawohl.

Wollen Sie darnach noch leugnen, daß sich eine Dame, die jener Beschreibung genau entspricht, unter Ihrem Dache aufhält?

Das will sch keineswegs und tue ich auch gar nicht. Sie befindet sich hier unter meinem Schutze, und zwar auf ihren eigenen ausdrücklichen Wunsch. Was ich aber energisch bestreite, ist, daß diese Dame Ihre Frau ist.

Dann führen Sie sie doch vor?

Wünschen Sie das wirklich?

Gewiß; deshalb bin ich ja hierhergekommen.

Glauben Sie tatsächlich-, sagte ich, über die Uittierfroren?« Ueit des Mannes erstaunt, daß, sie Sie, als ihren Gatten anerkennen wird?

Ohüe Zweifel. Warum sollte sie nicht? Voraus­gesetzt, daß sie nicht gerade an -einem ihrer Anfälle leidet, in welchem Falle sie sich dann an nichts und niemanden, erinnern kann.

Und Sie meinen, sie würde ruhig mit Ihnen Weggehen, wenn Sie es verlangen?

Ich muß wieder antworten warum sollte sie nicht? Sie ist meine Frccp.

Das -war in der Tat eine -ganz außergewöhnliche Hart­näckigkeit. Ich überlegte einen Moment; bann fragte ich ihn:

Darf ich vielleicht fragen, wo Sie die Dgme geheiratet haben?

Gewiß. 'In Carson City, Nevada.

Können Sie mir irgend- welche Ausweispapiere vor­legen, daß eine solche Heirat wirklich stattgefunden hat?

Er lächelte und -griff alsbald nach seinem Taschenbuch.

Hier, sagte er, indem er ihm ein Schriftstück entnahml ttrib auseinanderfaltete, hier haben Sie die Heiratsurkunde, Bitte, sehen Sie selbst nach.

Wie sich leicht denken läßt, war ich im ersten Augenblick Wie ans allen Wolken gefallen; als ich jedoch den Namen; der Braut las, wußte ich, oaß ich einen Betrüger vor mir hatte. Es unterlag keinem Zweifel, daß er sich nur auf das Gerücht von ihrem absoluten Gedächtnisschwund stützte,

-Dieses Papier, sagte ich zur Beruhigung Helens und Mortimers laut lesend, ist etn Trauschein von der Ersten Baptistenkirche in Carson City, Nevada, aus-gestellt über die Verehelichung des Heinrich von Eißen aus dieser Stadt Mit Julia Clark aus Enreka in demselben Staat, W. ist

vom 10. Juli dieses Jahres datiert und von dem Pfarrer der Gemeinde, John Wilson, unterzeichnet. Als ich auf» blickte, sah ich Helen und Mortimer lächeln und wußte, daß sie mich verstanden hatten. Jawohl, fuhr ich, beut Baron" das Papier zurückgebend, fort, das scheint ja alles -ganz in Ordnung zu sein. Ihr Tanfnahme ist also Julia, nicht wahr? Es bleibt mir nun weiter nichts übrig, als die Dame hierherl-ommen zu lassen und zu hören, was sie dazu sagt. Selbstverständlich werben Sie sich der Einsicht nicht verschließen können, daß von einer gesetzlichen Ver­pflichtung in dieser Angelegenheit nicht bie Rebe sein kann, und Sie" bie Dame, falls sie sich weigert, mit Ihnen zu gehen, rechtlich nicht dazu zwingen können. Und wenn sie meinen Schutz anruft, bin ich -gewillt, ihn ihr auf jede Gefahr hin gegen Sie oder irgend -einen anderen zu gewähren. Haben Sie das verstanden?

Wir werden's ja sehen, erwiderte er mit einem un­angenehmen, höhnischen Lachen.

Jawohl, versetzte ich, ioir werden's ja sehen. Uebri-gens habe ich Ihnen noch etwas mitzuteilen. Es ist Ihnen natür­lich bekannt, daß die Dance Geld in ihrem Besitz hatte?

Jawohl, eine bedeutende Summe die mir gehört, erwiderte -er.

Nun, das ist noch nicht ausgemacht und soll erst nach-« -gewiesen werden. Es ist in sicheren Händen, und wenn Sie Ihren Anspruch daraus rechtlich begründen können, schön. Mir ist diese Sache höchst gleichgültig. Sie bat mich, für sie dafür zu sorgen, und das habe ich getan. Eine weitere; Verantwortung habe ich nicht.

Das Geld befindet sich- dann also nicht mehr hier im* Hause? i

Gewiß nicht, antwortete ich mit einem ironischen Lächeln, das ihm sicher nicht gefiel. Es gibt zu viele Diebe, die sich hier in der Nähe deswegen herumtreiben.

Wo ist das Geld denn? fragte -er in fast gebieterischem Tone.

An einem durchaus sicheren Orte, gab ich ihm zur Ant­wort. Falls die Herren Jorkins näheres darüber wissen wollen, brauchen sie nur bei meinem Rechtsanwalt anzu-i fragen. Und zu dem Schreiber gewandt, nannte ich Namen und Adresse der Firma.

Eine der angesehensten Firmen, sagte dieser.

Sicherlich, bemerkte ich. Uno nun, Helen, möchte ich dich einen Augenblick allein sprechen, redete ich meine Schwester an und folgte ihr auf den Hausflur. Dort erklärte ich ihr, sie solle Mareellä auf eine Gegenüberstellung mit dem Baron" vorbereiten. Sag ihr nur, sie habe gar nichts zu befürchten sie brauche nur ein paar Fragen zu beanw Worten das übrige werde ich schon selbst besorgen. Mit diesen Worten ging ich ins Empfangszimmer zurück, und sie stieg die Treppe hinauf.

Nach einigen Minuten kehvte Helen zurück, und- hinter ihr trat Mareella ins Zimmer. Sie erschien mir bei dieser Gelegenheit schöner als je zuvor. Mit einem lieblichen