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Gegenwart. Ibsen, Hauptmann, Schnitzler zogen i« das Bnrg- wieder einmal ein Würfel fallen, ein Muer Mann gerufen werden. Tatz er ein Mehrer, nicht bloß em Erbe sei, wünschen die Besorgten.
Die Monate mit dem „H“.
Z. Brüssel, im September.
Ri-nsseler mit patriotischem Herzen blättert jetzt sehr sreuchg^iu seinem Kalender. Mai, Juin, Juli, August, das tvaren die muschellosen, die austernlosen Zeiten, und nun kommt die lange Reihe der Monate mit dem ,,R', rn denen all dies leckere an, nun rückt allmählich alles wieder in die Hauptstadt em, was thpesrs äs s.öä*«« anderes Aussehen. Brüssel ist ja noch die Stadt der kleinen rt-mnilienMuler der kleinen Restaurants, der kleinen Geschäfte. So vieles, das'in anderen MoßsMten a^ällt, die Riesen-Mitt^ kascrnen, die Riesen-Basare, die riesigen^Spnscha len, das'gewinnt nur ganz langsam Boden m der belgischen Hauptstadt. Jcoct). UM man hier gemütlich, beschränkt, altväterlich. Und da ist es wunderschön besonders in der Dämmerung, herumMspazier en zwischen den Geschäften, die Brüssels Damen,M^ie komm«ide ^lson nrit Modeneuheiten verwogen. Altmodisch send diese Geschäfte noch, mit niLen Auslagen, schmal ist der Verkaufsraum aber sehr viel Eleganz wird tit diesem kleinen Raum ausgestapelt. Denn die Pariser wissen cs ja, daß rn Brussel ihre besten Kundinnen wohnen, Last die geschmackvollen Brüsseler nicht, mit Unrecht die kleinen Pariser genannt werden. Man mutz in emem dieser Spitzenläden gewesen sein, man muß durch die Fingest diese zarten Gewebe haben gleiten, lassen, an denen etne alte Bäuerin ihre Augen blind gearbeitet hat, um die Kauflust der Brüsseler Dame zu begreifen. Da ist es sehr,merkwürdig die kostbarsten venezianischen Spitzen werden m tn Belgien geklöppelt, und das teuerste Brabanter Spitzenwerk wurde ja gewirkt in den Häuschen längs der venezianischen Lagunen.
Im Sommer hatten die kleinen Bürger ihr Vergnügen. , A-ft gingen sie ins Vorstadttheater und sahen die Madame d'Ang sly, die alle Tränendramen: „Die Kinderdiebin , „Die Bfwttragerln , „Die Kamelicndame" und andere Glanzrollen mit rührender Un- erniüdlichkeit zu spielen pflegte. Jetzt werden die vornehmen Theater wieder geöffnet, und alles, was sich gern m den hellest Salons versammelt, Witt sich wieder in den Foyers der Großen Over Guten Abend sagen. Die Große Oper von Brussel — sie ist das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Dort wird Nicht mir gesungen und gespielt, dort wird auch mehrmals i-.n ^ahre der Tanzsaal aufgeschlagen. Die Masken schwirren dort durch den Saal. Sie laufen in die entlegensten Winkel. Die Pfropfen knallen laut, die Große Oper ist das Haus, rn dem sich alljährlich das üppigste Maskcntreiben entfaltet.
Die Monate mit dem „R" kommen. — Das bedeutet für Brüssel ein Erwachen des Künstlerlebens. Wohl in keiner Stadt der Welt sind so viel Bilder zu sehen, werden so viele Bilder gemalt, wie in der belgischen Hauptstadt. In dieser Saison wird besonders Merkwürdiges vorbereitet. Junge begeisterte Künstler/ die in Deutschland gelernt haben und dort besonders das neue Erwachen aller dekorativen Künste miterleben durften, wollen nach Belgien den menen Geist vom anderen Hier des Rheins tragen. Diese.jungen Künstler sehen schon längst nicht mehr in Paris die Quelle allen Geschmackes. Es scheint ihnen, ist den' Werkstätten von Berlin, München und Dresden wird so Schönes, so Echtes geschaffen, daß sie sich viel ©eit von dem deutschen Kunstgewerbe in Belgren versprechen. Diese jungen Leute organisieren sich jetzt. Sie werden zu eigenen Ausstellungen einladen, sie wollen sogar dem Münchener Marionetten- Schmid sein Kasperle-Theater nachahmm, und in Brussel ist es, wo wir im Winter die Puppenspiele des Grafen Pocci uni) das ganze liebe deutsche, in .Holz geschnittene Marionetten-Gesindel bewundern werden. Und zu alledem wird jetzt gerüstet, da die ersten Herbstwinde in das Laich wehen.
vermischtes.
* Das erste Kamel in Berlin. Die BeMner haben lange warten müssen, ehe sie das Vergnügen hatten, ein lebendiges Kamel zu sehen. Zwar wurden schon im 16. Jahrhundert am kurfürstlichen Hofe eine Anzahl wilder Bestien, insbesondere Baren, unterhalten, die bei den damals sehr beliebten Tierkämpfen m Aktion treten mußten, aber ein Kamel war für solche sensationette Spektakelstücke nicht zu gebrauchen und demnach nicht vertreten. Um so mehr staunte das Publikum der brandenburgischen Residenz, als es zwei stattliche Exemplare der ungehörnten Wiederkäuer zu Gesicht bekam. Die beiden Kamele gehörten zu den Präsenten, die „der große Herr Czaar und Großfürst Feodor Alexejewitsch" im Jahre 1679 durch eine Gesandtschaft dem Großen Kurfürsten über
bringen ließ. Wie in Lüniqs „Theatrum Ceremoniale" sehr gewissenhaft mitgeteilt ist, zählten zu den Präsenten noch zwer „Buffe - Ochsen", zwölf Zimmer kostbarer Zobelfelle, zweihundert Zobel- schwänze, zehn Paare zobelner Schwanzbrehmen, je em üutter von Zobelbäuchen und schwarzen Füchsen, zehn Zimmer weißer Hern'.enn- elle, siebenundfünizig Stück gold- und silberdurchscyossener persischer und chinesischer Seidenstoffe, sechs persische Teppiche, neunzehn Stuck Saffian in verschiedenen Farben, ein Pfund Muscus, zwölf Eß« und Trinkschalen und vierzig Löffel, sämtlich aus gelbem Holz, sowie drei große Zähne von Fischen, „Scheder" genannt. Mit dem Scheder wird wohl der Narwal gemeint sein, dessen langes, schraubenförmig gewundenes Horn damals noch mehr als heute geschätzt wurde. Muscus ist Bisam, ein wohlriechender, dicker Saft, den die Bisam- oder Moschustiere in einem Beutel absondern und der früher als Parfüm sehr beliebt war. Ein Zimmer, noch heute im Pelzhandel speziell für Hermelinfelle gebräuchlich, zahlt vierzig Stück. Unter all den Präsenten waren natürlich, den Berlinern die beiden Kamele und die beiden Büffel die interessantesten. Nachdem die Tiere hier genügsam angestaunt waren, wurden |ie nach Potsdam geschafft, wo sie später emgmgen. Uebrrgens revanchierte sich der Große Kurfürst für die reichen Geschenke nut Gegengeschenken im Gesamtwerte von viertausend ^.aleru. Auch hielt er die aus dem Truchseß „Symian Jeraflowitz Elmarow und dem Kanzler „Symian Wolodymirowiz Rumrancvls , mime fünfundfünfzig Begleitern bestehende Gesandtschaft wahrend ihres hiesigen dreitägigen Aufenthalts und während ihrer Heimreise bu> zur 'Landesgrenze völlig frei. Bei dem Empfang ging e§ nach Lünigs Darstellung sehr feierlich zu: „Se. Churmrftllche Durchlaucht saß auf einem von Sammet mit Gold gestickten und schonen ^apeten ausgezierten Thron mit bedecktem Haupt und in kostbarem Habit. Sobald nun die Gesandten Se. Ehurfürstliche -.urchlaucht gewahr wurden, taten sie eine tiefe Reverenz und fielen m wahrender Audienz zu unterschiedlichen Malen mit dem Gesicht ganz au, die Erden . . ." Sie brachten daun ihre Rede stehend dar, versicherten alle gute Freundschaft tmb Affektion, überlieferten einen in roten „Taffent" eingewickelten versiegelten Brief des Zaren und brachten darauf die Präsente dar, zu deren Herbeischaffen fünf- undsiebzig Personen erforderlich waren. „Se. Churfurstliche Durchlaucht aber rückte, so ost Sie Ihrer Ezaar Majestät Namen nennen hörete, ein wenig vom Stuhl und zuckte den Hut."
und
Büchertisch.
— Die Liesegang-Mädcheu. Eine Geschichte aus der Erinnerung. Bon Viktor v. Kohlenegg. (Engelhorus Roman- bibliothek XXIX Jahrgang, Band 1/2.) — ®tn Buch voll Frische und Kraft, voll lächelnden Humors und bittrer Lebenstragik. Es ist eine entzückende Kleinstadtwelt ums Jahr 1880, die sich vor c em Le!er auftut. Schars und liebevoll zeichnet der Dichter die krummen Straßen und Gassen, die klugen uiid leidenschaftlichen, Re wunder- lichen und engen Menschen darin. J>i den Lresegang-Madchen spiege n sich zwei große Typen unsrer Frauenwelt, vielleicht alles Menschlichen überhaupt: die klugen, feinen Komprommnaturen Huben und die Alles- oder Nichts-Menschen, die sich auch nicht das Kleinste abseilschen lassen, drüben. Ein Buch das besonders unsre Frauen ' Mädchen ins Herz schließen werden!
Weiß.
Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt.
Auflösung in nächster NumMer.
j Auflösung des Verwandlungsrätsels in voriger Nummer: Horst, Eden, Bader, Astern, Sund, Leiter, bleich, Ablaß, Nadel, Brand, Braut, Leder, mahlen. — Sebastian Bach.
Schachaufgabe.
Schivarz.
Redaktion: K. ülnuro*b. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-B»ch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


