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Nach langen trüben Uebergangszeiten, in denen das Burg- theatcr von, Hocharistokraten gepachtet und vorübergehend von einemAusschuß von Cavalieren" verwaltet wurde, begann mit dem Jahre 1814, zuerst langsam und vorsichtig sich entfaltend, die .Glanzzeit Josef Schrey Vogels, der die Klassiker in musterhaften Aufführungen durchsetzte, Grillparzer aus der Feuer­taufe und zur Höhe hob und die ersten Künstler Deutschlands in Wien, vereinigte, u. a.: An schütz, Wilhelm!, Sophie Schröder, Ludwig Löwe, Julie Rettich, Karl Fichtner, Amalie Neumann. Schreyvogel fiel im Jahre 1832.

AlsTheaterdichter" waren Jünger und Alxinger (bis 1797) leitend tätig. 1798 wirkte in dieser Eigenschaft und als Sekretär und eigentlicher Direktor August v. K o tz e b u e in Wien, der das Repertoire hob und Sophie Schröder entdeckte.

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spieler Müller war der erste josefinische Direktor. Auf seiner Reise durch Deutschland knüpfte er fruchtbare Beziehungen mit Lessing und Schröder an.

Sein Nachfolger, der mittelmäßige Dramatiker Teinhard- stein (18321841), war ein Lebemann, schmiegsam gegen Hof und Adel. Doch war das Haus schon so fest gegründet, daß es nicht wesentlich Schaden leiden konnte. In sein Direktorium fällt die erste Aufführung desFaust".

Uebler war die Zeit Franz von Holbeins (1841 bis 1849), eines Pedanten und Tukatenschneiders. Bon ihm sagt Bauernfeld:Der Mann arbeitete vom frühen Morgen bis zum späten Abend als ehrlicher Obcrbeamter des Theatergefällcs. Tas Institut geriet künstlerisch in Verfall."

Und lvieder ging die Sonne des Burgtheaters auf! Hein­rich Laube kam und führte, der schärfste Geist unter den Dramaturgen Deutschlands, die Zügel von 18501867. Der Burgtheaterstil, den wir Aelteren noch in der Kunst der Wolter/ Sonnenthäls, Lewinskys, des Ehepaares Gabillon und des Ehe­paares Hartmann kannten, war Laubes Schöpfung. Das Kon­versationsstück war die Blüte dieses Stils.

Nach dem Interregnum des Intendanten Baron M ü n ch - Vellinghausen wurde Franz v. Dingelstedt Direktor des Burgtheaters (18711881). Er hielt das HauS auf der Höhe. Ein epochales Ereignis war der von Dingelstedt inszenierte Zyklus sämtlicher Shakespearescher Königsdramen. Dem Ensemble gewann auch er leuchtende Sterne: Stella Hohenfels, Antonie Janisch, Thimig, Katharina Frank.

Die Direktoren der letzten 30 Jahre waren: Adolf Mil­brand t (18811887), Äugust Förster (18871889), M a x Burckhardt (18891898), Paul Schlenther (1898 bis 1910) und Alfred Baron Berger (19101912).

Wilbrandt hat die Wessely, Burckhardt Hat Mitterwurzel Md Kainz engagiert. Die Direktion Max Burckhardts bedeutete neue wichtige Zäsur in der Geschichte des Hauses. Denn, ein echter und kühner Genosse unserer Tage, ridf er die Geister der

Bon einem Drachen sprach ich. Er hat viele Köpfe. Schon' S?nJur' ;bi.e Nestroy ein Krokodil nannte, das den Dichtern cho Kopse abbeißt,, rst nirgends in der Welt so antidiluvianisch wie rn Wien Auch sie hat der Köpfe viele: den des Staatsanwalts, den des Hoftheater-Zensors und die vielen amtlosen, aber mäch- ngen ocebenkopfe, die über den Wünschen und Interessen der Hofgesellschaft, der Kirche, des Adels und alles dessen wachen, was mau mit >,Thron und Altar" zusammenzufassen beliebt. y0' die Zensur! Diese zarten Sonderwüusche! Wie haben Schreh- vogel und Laube unter dem Schlagbaum geächzt, der vor den Geist gesetzt war! Aus alter Zeit (1789) ist ein Brief des Hoftheater- . ,

vS ü n g e r erhalten, der klar ausspricht, es dürfe auf I fe S. »er Wiener Hofbühne kein Adliger eine bedenklige Rolle spielen. ........

Zur Zeit Kaiser Franz I. waren noch sämtliche Dramen Schillers' I Kaiser Josef II. übernahm die Ideen Sonnenfels', mit Ausnahme derJungfrau von Orleans") und Lessings **.....

Mit Ausnahme derMinna von Barnhelm") verboten. Als Wnrckhardt in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ^bsen und Hauptmaiin einführte, hielt ihü, der die Stücke vor- slchtig wählte, nur ein besonderer Einfluß gegen die oberen Stürme, und als Paul Schlenther, schon in diesem Jahrhundert, dieRose Bernd aufiührte, hatte er nach der Premiere die Wahl, ob er das Stück oder sich selbst aus dem Burgtheater Hinwegfegen lassen wolle, hlnwegfegen von dem.Unwillen irgendeiner Erzherzogin, die es. skandalös faiid, daß eine Frauensperson im Drama guter Hoffnung sein könne. Die politischen und konfessionellen Daum- fchrauben aber waren allzeit noch grimmiger.

Schon in diesen polizistychen Einflüssen zeigt sich die Unfreiheit des Burgtheater-TirektorB. Sie war erhöht durch die unÜare und wechselnde Verfassung der Theaterleitung. Von den ältesten Tagen des Burgtheaters, von der Regierungszeit der Maria Theresia Sn war die künstlerische Leitung des Hofschauspiels einmal dieser, einmal teuer Hofcharge unterstellt. Oberstkämmerer, Obersthof­meister und OberstkücheiiMeister lösten einander im Ober­priesteramte der Kunst ab. Als man eine Hoftheater-Jutendantur fchilf, wurde diese auch noch einer anderen Hofcharge untergeordnet und der künstlerische Leiter dem Intendanten. Ungenau waren die Kompetenzen abgegrenzk, und die fiskalischen und polizistischen Eingriffe der Hofbeamten in das künstlerische Gebiet mehrten sich je nach der dilettantischen Begierde der aristokratischen Kunst- profossen oder der geringeren Widerstandskraft des künstlerischen Direktors. Weichen mutzte schließlich auch der Stärkste. Auch Schreyvogel, der das neue Äurgtheater schuf jenes, das wir heute als dasAlte Burgtheater" rühmen und bewundern wurde ohne Tank abgefertigt, als er dem vorgesetzten Banausen, dem Grafen Czernin, sein:Exzellenz, das verstehen Sie nicht" gesagt hatte; und ein Heinrich Laube, der zweite Hochbäumeister, unterlag im Kompetenzstreite mit dem Intendanten Baron Münch von Vellinghausen (Friedrich Halm).

Als der Wiener Hof sein ihm in den Schoß gelegtes Kultür- werk verpfändete und verpachtete (es geschah dies mit Unter­brechungen bis Mül Jahre 1821), verzichtete er zwar auf alle Opfer für die Kunst, nicht aber auf die strengsten Vorschriften und Vorrechte bei der Theaterleitung. Schon int Uranfang be- itand dieses System. Maria Theresia erteilte int Jahre 1741 >entEntrepreneur" Josef Karl Selliers, zugleich Pächter des (später in die H'ofregie mit.übernommenen) Kärntnertor-Theaters, die Erlaubnis, in dem an die Burg anstoßenden Hofballhaus ein Theater (das. Burgtheater) aus eigene Kosten einzurichten pnd Vorstellungen vor zahlendem Publikum zu geben. - 'Aber der Unternehmer hätte sichdurch den Kanal des Cavaliere della mufica" genau über die allerhöchsten Wünsche zu informieren. Und außerdem waren ihm nicht weniger als 150 Normatage im Jahre vorgeschrieben, an denen aus religiösen und änderen Gründen

Der Vorkämpfer der deutschen Nationalbühue war Sonnen­fels. Sein Aufruf für das deutsche Nationaldrama (1770) trug thm eine strohgrobe Rüge.des Kanzlers Kaunitz ein; aber

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einen bitteren ? 6tr§ $u iungen Tagen I der deutschen Kunst entgegenstreckte. Er übernahm das Mrrg^

E dem höfischen Drachen zu fuhren hätte, I theater m die eigene Fürsorge und gewährte ihm die frühe damals den hS»r®Aiene¥ äurgtheater zu einem überragenden, in I kurze Blüte einer deutschen Muster- und Nationalbühne Er

«21 eheiftNatlonalbuhne alleinherrschenden I Hat es, das bisher französischen Schauspieltruppen und d-r Oper und aTs^vterflaat Zwangen konnte. Als Tradition I Meraumt war, ausschließlich des deutschen Drama der.dentscken 6u noch als Verdienst seiner Leistungen I .Schauspielkunst geweiht und die Stegreifkomödie ans seinen Hallen

Äurgtheater biszum heutigen Tage ein Abglanz seiner endgültig beseitigt. LessingsMiß Sam Sampsow" war am inn^pnesT?A^Ur^H dbwvHl seit längerem schon der Künstlerschar I 1- Oktober 1760 noch mit dem Hanswurst in -er Diener-Rolle .^Wien Namen von solchem Klange fehlen, wie er einst die Welt gegeben worden ... Nach Josefs Tode blieb zwar der deutsche S$^tez Obwohl ^der moderne und der Ensemble-Stil nicht in I .Schauspielcharakter dem Burgtheater erhalten, aber das' Pächter- Berlin seine vornehmste Pflege hat; obwohl das I wesen und die Polizeigewalt bemächtigten sich neuerdings des

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jtoiaen ^.evensbaumcs. I Feststellung des Repertoires und der Rollenbesetzung betraute

Schauspieler-Kollegium, das später, kaum glücklicher, durch das

0 ersetzt wurde. Tie Spezies derSchauspieler- Stucke und das Uebel des Rollen-Monopols' wurden durch diese Institutionen großgezüchtet. F r i e d r i ch L u d w i g S ch r ö d e r, derVater des deutschen Schauspiels", hat noch zu Josefs Zeiten Wien wieder verlassen, weil er des Kampfes mit den Oligarchen müde war und auch für die heutige Zeit lehrreich ist die doku­mentarische Schilderung der Schauspieler-Wirtschaft in August v. Kotzebues im Jahre 1799 erschienener Schrift:lieber meinen Aufenthalt in Wien".