Ausgabe 
5.8.1912
 
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Mo.itag, den 5. August

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II

Sommerlentnsnts.

Roman von Walter Bloem.

Copryght 1910 by Qrethlein & Co.

(Nachdruck verboten.^

(Fortsetzung.)

4. Kapitel.

JKa, Alter wie wär's mit 'nem Galöppchen?"

Nelly von Sassenbach ritt zur Rechten ihres Baiers. Sie war heute morgen gar nicht mit ihrem Alten zufrieden sonst waren er und sie immer für scharfes Tempo, und Molly, die um sieben Jahre jüngere Schwester, die sich auf dem Gaul weit weniger zu Hause fühlte, war immer wie zerschlagen, wenn sie vom gemeinsamen Mit mit Vater und Schwester heimkam.

. Aber heute war der Major nicht aus dem Schritt zu bringen und auch jetzt brummte er auf die Zumutung seiner Aeltesten zum Angaloppieren irgend etwas Unver­ständliches in die melancholisch nicderhängenden Schnurr- bartzipfel hinein, nahm gleichzeitig die Mütze ab und tupfte den Schweiß von der Stirn, obgleich die Spätsommersonpe kaum die Frühnebel zu besiegen begann.

Aha," sagte Nelly,du hast Kater, Alter, ich merk's schon was war beim gestern los im Kasino?"

Na, was wird los gewesen sein die Herren von der Reserve und Landwehr wurden angefeiert das war älles!"

So," sagte Nelly,und deshalb war der Oberst zu Tisch gekommen?"

Der Oberst, wieso wie kommst du denn auf die Idee, Mädel?"

Aber Alter!" lachte Nelly verschmitzt,ich hab doch gestern selbst gehört, wie du Mama erklärt hast, du kämest nicht zum Mittagessen, weil der Oberst im Kasino speise und dich zu Tisch, eingeladen habe."

Ei verflucht" knurrte der Major,na also, daß ihr's wißt, Kinder das war geschwindelt, weil ich sonst hm, hm schwerlich Urlaub bekommen hätte. Daß ihr Mir aber reinen Mund haltet! besonders du, Nest­häkchen !"

Die blonde Molly antwortete nicht, verzog den Mund in einer Manier, die der Vater gar zu gut kannte; denn sie war restlos von der Mutter auf die Tochter vererbt worden nur daß es doch ein Unterschied war, ob die bewußte Falte rechts und links von einer Neunzehnjährigen oder einer Nchtundvierztgjährigen Munde stand.

Also wirklich mit dem Galopp wird's heute nichts! £=s Na, dann erzähl! uns wenigstens was von gestern."

Ja, was ist da diel zu erzählen ist eben mal wieder 'ne Anzahl fragwürdiger Gestalten, als Leutnants und Ober­leutnants verkleidet, auf der Bildfläche erschienen haben sich mit uns betrunken und uns allerhqnd höchst gleich­

gültige Geschichten von den merkwürdigsten Zivilberufen erzählt."

Was sind's denn für Leute?" fragte Nelly unver­drossen weiter,bekommen wir sie auch mal zu sehen?"

Na, doch natürlich sind ja noch im Regiment, wenn nächstens die große Fste vom Stapel läuft!"

Erlaube mir, bei dieser Gelegenheit zu bemerken, lieber Papa," warf Molly ein,daß wir heute spätestens um halb elf Uhr zu Hause sein müssen; denn wir sind auf Punkt eis Uhr zu Frau von Brandeis gebeten, wo die erste Probe für das Festspiel stattfinden soll."

. .»Wat is dpt?" grunzte der Vater,Festspiel? Hab rch ja noch gar nichts von gehört!"

Wir haben angenommen, das interessierte dich nicht, lieber Papa," meinte Molly spitz. Dann aber ließ sie sich doch herab, etwas genauere Angaben zu machen. Es würden also lebende Bilder gestellt werden, und zwar drei dazu verbindender Text, dialogisch gesprochen von Frau von Brandeis, Schwester Nelly, ihr selbst und Herrn Leutnant Blowitz den Text habe ein Einjähriger des Regiments verbrochen.

Das letztere war schließlich das einzige, was den Major ernstlich interessierte. Ein Einjähriger des Regiments von welcher Kompagnie der denn sei und wie er heiße?

Das wußten die Mädchen nicht . sie hatten ihn noch nicht kennen gelernt.

Gnade Gott, wenn er von meinem Bataillon ist dem werd ich die Hammelbeine langziehen jedenfalls werd ich ihn mir mal vorbinden und ermitteln, ob er auch im Exerzierreglement und in Dienstkenntnis aus der Höhe der Situation ist wenn nicht, dann treib ich ihm das Dichten aus aber gründlich!"

Also die Reserveoffiziere kommen auch zuM Regiments­fest?" fragte Nelly weiter,das ist ja 'n wahrer Segen; dann bekommt mau doch endlich mal 'n paar andere Ge­spräche zu hören, als ewig Avancement Kommandos Vorderleute und den übrigen Kommißtratsch. Wenn man das, wie ich, bereits sieben Saisons hindurch genossen hat, dann lechzt man geradezu nach Abwechslung."

Tja, Mädel," knurrte der Major,warum hast du nicht längst geheiratet?"

Warum ich wicht geheiratet habe? Na, Vater, ich meine, das müßtest du doch wissen!"

Is ja wahrhaftig 'ne Schande," brummte der Major, Mädel wie 'ne Tanne firm auf dem Gaul und in der Küche 'Kommißvermögen dreidoppelt vorhanden, dank meiner seinerzeitigen Vorsicht in der Auswahl des Schwie­gerpapas mit einem Worte: alles da! Und ihr Mädels bleibt liegen wie die trocknen Semmeln!"

Na, an Mir hat's doch wahrhaftig nicht gelegen," schmollte Nelly.

Ne, ich weiß schon du kannst nichts dazu!" Der Major griff sich Mit drei Fingern in den Rockkragen, als sei der zu eng geworden.Du kannst nichts dazu!"